„Mein Mann kann…“ oder: Spiele, die die Welt nicht braucht

Gestern (am 08.07.) endete die zweite Staffel von „Mein Mann kann“ mit einem Frauenspezial. Genau so hirnsinnig und unnötig, wie schon die zahlreichen vorherigen Episoden, versuchte das Privatfernsehen uns mit altbackenen Rollenklischees und platten Wettkämpfen zu langweilen; auch wenn die Quoten eine ganz eigene Sprache sprechen.

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Blind durch den Großstadtdschungel?

Die Großstadt hat viele Gesichter. Eines davon ist ein lautes, scheinbar undurchdringbares, enges, mit Menschenmassen überfülltes. Gerade dieses Gesicht wirkt auf viele, sowohl Blinde als auch Sehende, überfordernd und sie versuchen, diese Seite der Großstadt – sofern möglich – zu meiden.

Aber gerade das macht für mich persönlich auch eine Großstadt wie Hamburg oder Berlin aus. Das laute Gedränge gehört zu den Facetten, die diese Städte unter vielen anderen Facetten zu bieten hat, einfach dazu. Sie fasziniert mich auf ihre ganz eigene Art und Weise. Es ist ein Stück Abenteuer, welches ich bereit bin zu bewältigen, immer dann, wenn ich in den Großstadtdschungel eintauche.
Es scheint nur zwei Möglichkeiten zu geben Herr über das Gedrängel zu werden: sich damit arrangieren oder hilflos in ihm unterzugehen. Diese Aussage beruht nicht nur auf eigenen Erfahrungen. Sie ist auch das, was ich aus Gesprächen, wenn es um die Orientierung in der Innenstadt geht, immer wieder heraushöre. Viele wissen nicht, wie sie sich zurechtfinden sollen, viele sind schlicht weg überfordert. Warum ich es denn nicht bin – werde ich oft von vor allem Sehenden gefragt. Eine Antwort zu geben ist schwer. Daher im nun Folgenden mal einen Eindruck eines Stadtbummels, angefangen in einer x-beliebigen S-Bahn, über den Hauptbahnhof, die Fußgängerzone (Spitaler Straße) und noch ein/zwei andere Stationen. Wer wie viele der Fragesteller eine Antwort sucht, was mich am Großstadtgetümmel fasziniert, warum ich mich immer wieder hineinwage etc., der darf mich gerne virtuell auf einer kleinen Odyssee durch die Innenstadt begleiten und versuchen, sich diese Frage am Ende selbst zu beantworten. Aber Vorsicht! Es wird gedrängelt und das Schritttempo ist rasant. Wer den Anschluss verliert, hat verloren.
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Was Blinde sehen. Erste Ergebnisse der Studie „Blind TV 2011“

Im Rahmen der Studie „Blind TV“ erforsche ich die Fernsehgewohnheiten und Sendungspräferenzen blinder Menschen – derzeit zwischen 12 und 49 Jahren. Auch wenn ein Großteil der blinden Menschen älter als 50 Jahre ist, entschloss ich mich, mich bei der Festlegung der Zielgruppe an den sog. „werberelevanten Zielgruppen“ zu orientieren. Den Kritikern sei aber versichert, dass bei erfolgreichem Abschluss der derzeit laufenden Befragungen, die über 50 Jährigen auch noch an die Reihe kommen – nur etwas Geduld!

Die Befragungen sind noch nicht abgeschlossen, es haben auch bislang noch nicht ausreichend Personen teilgenommen, dennoch wage ich einen ersten Blick auf die Präferenzen der Sendungen, Sendungstypen und Sender.

Bei den 12 bis 19-Jährigen stehen sowohl informative als auch fiktionale Fernsehangebote hoch im Kurs. „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, „CSI – den Tätern auf der Spur“, „Two and a half men“, die „Simpsons“ oder auch der zielgruppenübergreifende Liebling „SpongeBob“, welcher sich ja vor allem bei ganz jungen Zuschauern großer Beliebtheit erfreut, teilen sich mit den diversen Nachrichtensendungen die hohen Ränge der Sendungsskala. Was die bevorzugten Genres und Formate anbelangt, so sind auch bei dieser Studie bislang Widersprüche zu beobachten: Denn nicht Unterhaltungsformate, sondern ‚Nachrichten‘ und ‚Dokumentationen und Reportagen‘ rangieren auf den ersten zwei Plätzen, gefolgt von ‚Cartoons und Anime‘, ‚Sitcoms‘, ‚Comedy‘, ‚Doku-Soaps‘, ‚Daily Soaps‘ und ‚Spielfilme‘. Gerade die Cartoons sowie das Sitcom-Genre fanden im Vergleich zur Vorgängerstudie aus 2009 größeren Anklang beim jungen Publikum. Auch wenn zwar die ‚Nachrichten‘ und ‚Dokumentationen und Reportagen‘ die ersten beiden Plätze der Lieblingsgenres und Formate belegen, ist das Interesse an unterhaltenden Inhalten immer noch enorm hoch. Daher teilen sich auch sowohl öffentlich-rechtliche als auch private Fernsehkanäle die Zuschauergunst der jungen blinden Fernsehnutzer.

Dieser Trend setzt sich bei den 20 bis 49-Jährigen fort. Hier dominieren auch Unterhaltungs- und Quizformate und -Sendungen wie „Tatort“, „CSI“, „Wer wird Millionär“, „Ein Fall für Zwei“, „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ oder Nachrichtensendungen. Wie schon bei den 12 bis 19-Jährigen blinden Fernsehzuschauern ist der Bereich ‚Nachrichten‘ an erster Stelle der präferierten Sendungsformen, hier gefolgt von ‚Spielfilme‘, ‚Krimi-Serien‘, ‚Quiz-Shows‘, ‚Doku-Soaps‘, ‚Daily Soaps‘, ‚Castingshows‘ oder ‚Mystery-Serien‘. ‚Castingshows‘ sowie ‚Mystery‘ tauchten bei den 12 bis 19-Jährigen sogut wie überhaupt nicht mehr in den Nennungen auf. Was die bevorzugten Sender anbelangt, so ist Das Erste die erste Wahl, gefolgt von den Privaten RTL, Sat.1 und ProSieben. Ob die ARD wegen ihrer ausgestrahlten Filme mit Audiodeskription bei den 20 bis 49-Jährigen so hoch im Kurs steht, wird sich am Ende der Befragung herausstellen.

Auch bei den 20 bis 49-Jährigen wird Fernsehen zur Unterhaltung und Entspannung genutzt. Nach den bisherigen Angaben schaut diese Gruppe bis zu zwei Stunden pro Tag fern, wobei es auch hier den einen oder anderen Vielseher (mehr als drei Stunden pro Tag) gibt.

Diese Tendenz lässt schon erkennen, dass das Fernsehen immer noch eine nicht zu missachtende Rolle bei der Freizeitgestaltung blinder Menschen spielt. Gerade Unterhaltungsangebote aus dem Show- und fiktionalen Bereich werden bevorzugt angeschaut. Jedoch dient das Fernsehen auch zur Informationsbeschaffung, wenn auch dies eher zweitrangig ist.

Blinde Fernsehnutzer können noch an der Studie teilnehmen. Die Fragebögen sind unter christian-ohrens.de/blindtv> abrufbar.