Blind und Filmen bzw. Fotografieren – Ein Ding der Unmöglichkeit?

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Etwas, was sich, auf dem ersten Blick, scheinbar auszuschließen scheint. Denn man filmt und fotografiert ja schließlich etwas, das einem (visuell) anspricht, beeindruckt, überzeugt. Doch ist dem wirklich so?

Wo sehende Touristen und Videofilmer etwas festhalten, das sie visuell beeindruckt und fasziniert, versuche ich, die Dinge und Orte zu fotografieren und zu filmen, die mich ganzheitig beeindrucken. Sei es die Atmosphäre eines Ortes – etwas, das sich oftmals eh schwer „nur“ in Worte fassen lässt -,, die Beschaffenheit einer Statue (weil sie sich gut anfässt und somit aus meiner „Sicht“ interessant aussieht) etc.

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Gedanken-Gänge: „Der Glaube kann Berge versetzen“… Wir können dies jedoch auch! Nachlese zu einem älteren Blogeintrag

Vor längerer Zeit berichtete ich in diesem Beitrag von einer Begegnung mit einem Menschen, der mich von der heilenden Kraft Gottes überzeugen wollte. Heiko Kunert griff dieses Thema auf und veröffentlichte im März zwei Artikel zum Thema Blindheit und Glaube, welche an dieser Stelle Euch wärmstens ans Herz gelegt seien!

Blindheit und der Glaube an die Wunderheilung auf BlindPR bzw. Teil 2

Der für mich wichtigste Satz bzw. die im Text gestellten, sehr wichtigen Fragen, seien an dieser Stelle zitiert:
„Warum gibt es „Menschen mit Behinderungen, die sich an dieser stören“? Ist nicht ein Hauptgrund hierfür, dass sie sich hilflos fühlen und von der Gesellschaft ausgegrenzt? Geht es wirklich um den Menschen mit Behinderung oder nicht doch viel mehr darum, eine Gesellschaft zu schaffen, in der sich behinderte Menschen gleichwertig fühlen können?“

Darüber sollten wir, ob nun behindert oder nicht-behindert, einmal nachdenken. Gerade, wenn wir wieder einmal Wissenschaftler und Ärzte so in den Himmel loben, wenn sie sich wieder etwas ausgedacht haben, das uns Blinde ein stück weit „sehend“ machen könnte. Denn im übertragenen Sinne könnten diese assistiven Technologien doch auch als eine Art „Wunderheilung“ verstanden werden?

Wir verlernen es, mit uns umzugehen und uns zu akzeptieren. Man nehme z. B. das langsam leidige und von mir auch schon oft herangezogene Thema der ‚molligen Menschen‘. Medial gern verwertet, jedoch zumeist mit negativen Eigenschaften besetzt, ist Molligsein etwas, das es zu beseitigen gilt, um das eigene Wohlbefinden zu stärken.

Dies lässt sich aber auch sehr gut auf uns Blinde und unsere Blindheit übertragen: Denn immer wieder wird uns vorgehalten, was wir nicht können – nämlich sehen – und welche Einschränkungen im Alltag daraus resultieren. Doch ist dies wirklich so? Oder nehmen sich die Nichtgehandikapten nicht eher das Recht heraus, uns sagen zu dürfen, was wir wirklich können und was nicht?

Sind Blindheit, Gehörlosigkeit oder Gelähmtsein wirklich noch so verwerflich, dass wir unbedingt nach einem Leben ohne Handikap streben und somit nach der angebotenen (Wunder-)Heilung greifen sollten? Oder geht es uns wirklich so schlecht und ich für meinen Teil habs bloß noch nicht be-/gemerkt…

Gedanken-Gänge X – Bei (Sicherheits-)Risiken und Nebenwirkungen… oder: Brauchen wir wirklich mehr „Barrierefreiheit“?

In einer Diskussion mit russischen Blinden wurde ich vor kurzem gefragt, was eigentlich Barrierefreiheit bedeutet. Wann ist ein Ort, ein Platz, ein Dokument barrierefrei?

In Deutscher Manier stürzte ich mich sogleich auf die vorherrschenden Definitionen und Regelungen und erklärte, dass ein Ort dann barrierefrei ist, wenn es Menschen mit unterschiedlichen Belangen (z. B. Handikaps) möglich ist, diesen aufzusuchen. Wenn es z. B. einen Fahrstuhl gibt, in dem sogar die Tasten noch mit Großdruck oder Blindenschrift versehen sind, wenn es an einem Bahnsteig z. B. ein Leitsystem gibt, welches mit dem Blindenstock erfasst werden kann, oder, im Falle von Dokumenten und Inhalten, wenn sie ebenfalls so aufbereitet wurden, dass sie für verschiedenste Personengruppen uneingeschränkt nutzbar sind.

Man widersprach mir mit Nachdruck und fragte, warum ich Barrierefreiheit so ausschließlich an den örtlichen Gegebenheiten festmachen würde? Nach ihrer Auffassung sei ein Platz, ein Ort oder was auch immer dann barrierefrei, wenn jemand mit Einschränkung es nutzt und es ist dabei egal, wie er es nutzt. Wenn ein Rollifahrer trotz Bürgersteige und der Blinde ohne akustischem Ampelsignal die Straße überquert und beide somit an ihr Ziel gelangen, wenn jemand mit Hilfe ein Dokument vorgelesen bekommt und/oder ausfüllt, wenn sich ein Blinder in einem Restaurant die Speisekarte vorlesen lässt, weil’s keine Karte in Blindenschrift gibt, sind doch all diese Dinge im Grunde barrierefrei. Die Ziele wurden doch erreicht, sonst wäre es nicht barrierefrei!

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