Schlagwort-Archiv: Alltag

Gedanken-Gänge XIX – Lebensgefährten sind keine Lebens-Assistenten

Eine Partnerschaft (oder einfach Beziehung) sollte doch für beide Seiten erfüllend sein. Beide Partner sollten, so sie es aufgrund persönlicher und/oder sexueller Vorlieben nicht anders entschieden haben, gleichberechtigt und gleichwertig diese Partnerschaft ausleben können. Dies gilt selbstverständlich sowohl für Menschen mit als auch ohne Handikap.

Warum schreibe ich dies? Ich habe im Kontakt mit Sehenden oftmals nämlich den Eindruck, dass eine Teils verquere Ansicht herrscht, wenn es um eine Partnerschaft zwischen einer blinden (oder allgemein gehandikapten Person) und einem Menschen ohne Handikap geht. Denn sehr häufig wird der sehende Partner mehr als Assistenz gesehen, anstatt als Teil einer Liebesbeziehung.

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Gedanken-Gänge XVIII: Über ein Wahrnehmungs-Debakel oder: Heißt sehen wirklich verstehen?

In einer Episode der Kult-Fernsehserie „Knight Rider“ hörte ich letztens einen Satz, der mich dazu veranlasste, diesen kleinen Beitrag zu verfassen:

„Sehen heißt doch noch lange nicht wissen, oder alles verstehen“ (Julie Robinson in: Knight Rider 2×05 ‚Blindes Vertrauen‘, USA, 1982)

Auch wenn diese Serie aus einer Zeit stammt, in der Inklusions- und Integrationsbemühungen vieler Orts noch in den Kinderschuhen steckten, so habe ich manchmal den Eindruck, dass sich auch heute, im Jahr 2017, an dieser zutreffenden Aussage bei vielen, sehenden Menschen nichts geändert zu haben scheint.

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Freizeit-Land Geiselwind: Bayerns stärkstes Stück Freizeit auch für einen Blinden? Ein Testbericht

Freizeitparks als Blinder, ohne sehende Begleitung, zu nutzen ist – zumindest hier in Deutschland – nach unseren bisherigen Testergebnissen nicht immer von hundertprozentigem Erfolg gekrönt. Häufig machen dem Fahrterlebnis TÜV-Empfehlungen und Bestimmungen örtlicher Baubehörden einen Strich durch die Rechnung.

Wie verhält es sich im Freizeit-Land Geiselwind, dem nach eigenen Angaben „stärkstem Stück Freizeit“ in Bayern? Bei unseren Vorerkundigungen wurde uns hier mitgeteilt, dass der Nutzung der Fahrgeschäfte durch blinde Parkbesucher, auch ohne Begleitung, nichts im Wege stünde. Etwas, das es zu testen galt!

Das Freizeit-Land hatte ich vor rund zwanzig Jahren schon einmal besucht gehabt, hier allerdings in Begleitung meiner Eltern. Da ich mich noch recht gut an diesen Besuch erinnern konnte, war ich sehr gespannt, was sich alles in all den Jahren verändert hat.

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Gedanken-Gänge XV: Sollte ich Angst haben? Ein kurzer Kommentar zu aktuellen Ereignissen

Ein neuer Terroranschlag erschüttert die westliche Welt. Selbstmordattentäter haben sich und damit viele weitere, unschuldige, Menschen in Brüssel in den Tod gerissen. Die Politik versucht nun, durch verstärkte Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen, zukünftigen Anschlägen aus dem Weg zu gehen oder, sie zumindest scheinbar zukünftig besser verhindern zu können.

Und wieder einmal haben uns Terroristen an einem Punkt getroffen, der unseren Alltag betrifft: das Reisen nämlich.

Die Grausamkeit, mit der diese Menschen angeblich für ihren Glauben vorgehen, ist erschreckend. Noch mehr erschreckt mich dabei jedoch, wie Medien indirekt versuchen, die Angst vor weiteren Anschlägen zu schüren!

Denn man möchte scheinbar keinen Optimismus der Bürger transportieren, möchte nicht zeigen, dass sie sich auch durch solch schreckliche Ereignisse nicht in ihrem Lebensdrang und –Willen beeinflussen lassen. Lieber zeigt man uns die von uns gewählten Politiker, die um unser aller Wohl besorgt sind, erzählt von Krisengipfeln, neuen Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen usw. Der „normale“ Bürger, den man gerade an der U-Bahn-Station auf dem Weg zur Arbeit abgefangen hat, lässt man scheinbar nur im Radio zu Wort kommen, wenn er die Besorgnis und die Angst, dass so etwas wie in Brüssel auch hier in Deutschland passieren könnte, teilt.

Und das ist es doch, was die Drahtzieher hinter solchen Anschlägen erreichen wollen. Wir sollen uns doch gerade einschränken, ängstigen, auf der Hut sein. Keine Rockkonzerte, keine Fußballspiele, keine Reisen. Wenn ich vor jeder Aktivität, die nicht durch meinen Glauben begründet ist, die mir Spaß bereitet, bei der ich ausgelassen feiere oder sonst etwas tue, was denen gegen ihre religiöse Hutschnur geht, Angst haben muss, dass mir etwas passieren könnte, dann läuft hier etwas gewaltig falsch.

Wenn ich mich mit anderen über diese Einstellung unterhalte, so stimmt man mir im ersten Augenblick zu, man merkt aber, dass irgendwo doch ein Stück weit Angst mitschwingt – was ist, wenn doch etwas passiert?

Plump gesagt: Wenn doch etwas passiert, werde ich es nicht ändern und – schlimmstenfalls – auch nicht verhindern können. Ich werde nicht vor einem kurz abgestellten Koffer schreckhaft Abstand nehmen. Ich werde nicht panisch den U-Bahn-Wagen verlassen, wenn eine Gruppe Flüchtlinge einsteigt. Ich werde nicht große Menschenansammlungen auf Plätzen oder bei Konzerten und ähnlichen Veranstaltungen meiden. Ich werde nicht im stillen Kämmerlein hocken, hoffen und vor allem beten, dass die Welt da draußen besser wird, bloß, weil Fanatiker es so wollen.

Sollte ich also Angst haben? Wenn ja, dürfte ich diesen Artikel hier gar nicht veröffentlichen, denn irgendwem könnte er nicht passen und dieser jemand könnte mir somit ja auch an den Kragen wollen. Und deswegen lieber erst gar nichts sagen?

Immer lächelnd, musikalisch begabt und mit Sonnenbrille: Ein kleiner Streifzug durch die gängigsten Klischees und Vorurteile gegenüber blinden Menschen

Dies soll keine Bloßstellung sein. Ich weiß, dass viele Sehende wenig (wenn überhaupt) über blinde Menschen wissen und daher manchen durch Film und Fernsehen oder durch andere Quellen verbreiteten Klischees Glauben geschenkt wird. Im Folgenden ein paar dieser Klischees mit ergänzenden Kommentaren und Erläuterungen.

Vielen der Klischees stimme ich nicht zu, möchte aber nicht vollends ausschließen, dass es nicht doch Leute gibt, die diese Verhaltensmuster an den Tag legen.

Aber nicht nur aus Mediendarstellungen stammen solche Klischees und Vorurteile. Manchmal sind sie noch tiefer in Kulturen verankert oder entstehen, wenn doch einmal jemand das als Klischee abgetane Verhaltensmuster an den Tag legt. Zu diesem Thema empfehle ich auch diesen dreiteiligen Audiobeitrag.

Ein weiterer Grund für die unten genannten Vorurteile und Klischees mag sein, dass sich Sehende oftmals in die Lage eines Blinden versetzen wollen und dies mit ihrer bisherigen Erfahrung und ihrer Vorstellungskraft, wie es sein könnte, nichts zu sehen, versuchen. Dieser Gedankenselbstversuch geht jedoch oftmals schief. Denn der Sehende denkt dann nämlich zu aller erst an die eigene Hilflosigkeit. Oder er macht es den Medienschaffenden gleich und aus dem „normalen“ Blinden wird so dann ein Superheld.

Diese kleine Sammlung der gängigsten Klischees und Vorurteile erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Falls sich blinde Leser auf diese Seite verirren und auch noch etwas zu dieser Rubrik beisteuern möchten: Nur zu, die Kommentarfunktion darf gerne genutzt werden!

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