Schlagwort-Archiv: Blindheit

Gedanken-Gänge XIX – Lebensgefährten sind keine Lebens-Assistenten

Eine Partnerschaft (oder einfach Beziehung) sollte doch für beide Seiten erfüllend sein. Beide Partner sollten, so sie es aufgrund persönlicher und/oder sexueller Vorlieben nicht anders entschieden haben, gleichberechtigt und gleichwertig diese Partnerschaft ausleben können. Dies gilt selbstverständlich sowohl für Menschen mit als auch ohne Handikap.

Warum schreibe ich dies? Ich habe im Kontakt mit Sehenden oftmals nämlich den Eindruck, dass eine Teils verquere Ansicht herrscht, wenn es um eine Partnerschaft zwischen einer blinden (oder allgemein gehandikapten Person) und einem Menschen ohne Handikap geht. Denn sehr häufig wird der sehende Partner mehr als Assistenz gesehen, anstatt als Teil einer Liebesbeziehung.

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Gedanken-Gänge XVIII: Über ein Wahrnehmungs-Debakel oder: Heißt sehen wirklich verstehen?

In einer Episode der Kult-Fernsehserie „Knight Rider“ hörte ich letztens einen Satz, der mich dazu veranlasste, diesen kleinen Beitrag zu verfassen:

„Sehen heißt doch noch lange nicht wissen, oder alles verstehen“ (Julie Robinson in: Knight Rider 2×05 ‚Blindes Vertrauen‘, USA, 1982)

Auch wenn diese Serie aus einer Zeit stammt, in der Inklusions- und Integrationsbemühungen vieler Orts noch in den Kinderschuhen steckten, so habe ich manchmal den Eindruck, dass sich auch heute, im Jahr 2017, an dieser zutreffenden Aussage bei vielen, sehenden Menschen nichts geändert zu haben scheint.

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Den Hamburger Frühlingsdom als Blinder alleine besuchen? Ein Testbericht

Dass man als blinder Achterbahn- und Karussellfan auf einer Kirmes um einiges problemloser Fahrgeschäfte ohne Begleitung nutzen kann, als in so manchem Freizeitpark, zeigten unsere bisherigen Testergebnisse. Scheinbar geht man auf einer Kirmes lockerer mit dem Thema Behinderung bzw. Begleitung um, als in den meisten Freizeitparks. Grund genug, noch weitere Kirmesattraktionen in diesem Jahr zu testen – den Auftakt machten die Fahrgeschäfte auf dem diesjährigen Hamburger Frühlingsdom.

Der Dom ist eine Kirmes, welche drei mal im Jahr für vier Wochen auf dem Heiligengeistfeld stattfindet und durch sein vielfältiges Angebot an Buden und Fahrgeschäften Hamburger und Touristen gleichermaßen anzieht. Der Frühlingsdom fand vom 18. März bis zum 17. April statt, die Testbesuche erfolgten dieses Mal an drei unterschiedlichen Tagen, sowohl in der Woche als auch am Wochenende. Eine Galerie mit Aufbaubildern vom diesjährigen Frühlingsdom hier.

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Freizeit-Land Geiselwind: Bayerns stärkstes Stück Freizeit auch für einen Blinden? Ein Testbericht

Freizeitparks als Blinder, ohne sehende Begleitung, zu nutzen ist – zumindest hier in Deutschland – nach unseren bisherigen Testergebnissen nicht immer von hundertprozentigem Erfolg gekrönt. Häufig machen dem Fahrterlebnis TÜV-Empfehlungen und Bestimmungen örtlicher Baubehörden einen Strich durch die Rechnung.

Wie verhält es sich im Freizeit-Land Geiselwind, dem nach eigenen Angaben „stärkstem Stück Freizeit“ in Bayern? Bei unseren Vorerkundigungen wurde uns hier mitgeteilt, dass der Nutzung der Fahrgeschäfte durch blinde Parkbesucher, auch ohne Begleitung, nichts im Wege stünde. Etwas, das es zu testen galt!

Das Freizeit-Land hatte ich vor rund zwanzig Jahren schon einmal besucht gehabt, hier allerdings in Begleitung meiner Eltern. Da ich mich noch recht gut an diesen Besuch erinnern konnte, war ich sehr gespannt, was sich alles in all den Jahren verändert hat.

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Blind im Hamburg Dungeon: Grusel, Grauen und viel Humor – Ein Testbericht

Blind Freizeitparks zu nutzen und zu erleben ist, das haben wir in unseren vergangenen Tests bereits erläutert, nicht immer von Erfolg gekrönt. Sicherheitsbestimmungen und TÜV-Vorgaben schieben der uneingeschränkten Nutzung oftmals einen Riegel vor.

Doch wie verhält es sich bei Indoor-Aktivitäten und Attraktionen: Können interaktive Ausstellungen, Museen und sonstige Attraktionen von Blinden, ohne einen sehenden Begleiter genutzt werden?

Den Auftakt dieser Indoor-Testreihe, abseits der sonst üblichen Park- und Kirmeswege, machte im Oktober vergangenen Jahres das „Hamburg Dungeon“.

Im Jahr 2000 gegründet, bietet das „Dungeon“, welches übrigens zur Merlin Gruppe gehört (wie z. B. der von uns bereits getestete Heidepark auch), seinen Besuchern auf rund 3000 QM schaurig-schöne Begebenheiten aus der Hamburger Geschichte. Zwischen Pest und Piratenschlachten, Hexenverbrennungen und sonstigen Ereignissen, nehmen die Besucher an einer interaktiven Tour teil und werden dabei nicht nur von Schauspielern begleitet, sie nehmen aktiv am Geschehen der Tour teil. Wer hier jedoch punktgenaue, historisch aufbereitete Fakten erwartet, der sollte lieber ein herkömmliches Museum oder seinen Geschichtslehrer konsultieren, denn der Spaß- und Gruselfaktor stehen hier ganz klar im Vordergrund. Wenn man dies bei seinem Besuch im Hinterkopf behält und sich darauf einlässt, kann man 90 Minuten eine Menge Spaß haben.

Da wir bei unserem Heidepark-Test feststellen mussten, dass es blinden Besuchern bei den meisten Attraktionen nicht möglich ist, diese ohne sehende Begleitung zu nutzen, waren wir sehr gespannt, wie eine zur Merlin-Gruppe gehörende Indoor-Attraktion mit dieser Thematik umgehen würde.

Kleine Randbemerkung: Da wir natürlich interessierten Hamburg-Besuchern die Spannung nicht wegnehmen möchten, werden wir im folgenden Testbericht so wenig wie möglich auf inhaltliche Dinge der Führung eingehen – selber hingehen und erleben, lautet also die Devise. 😉

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Im Interview: Zu Gast in der Sendung „Musikbox“ bei NDR 90,3

Am Montag, 21.03.2016, war ich, gemeinsam mit Elke Theede, Geschäftsführerin bei der Ausstellung Dialog im Dunkeln zu Gast bei NDR 90,3 in der Sendung Musikbox. In der von Anke Harnack und Stephan Heller moderierten, täglichen Sendung werden Unternehmen, Gruppen oder Vereine eingeladen, um ein wenig über ihr Unternehmen/ihren Verein zu erzählen und auch ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern. In der einstündigen Sendung erzählten Elke Theede und ich ein wenig über die Ausstellung, das Konzept und die Führungen. Zudem hatte ich die Möglichkeit, auch ein wenig über meine Tätigkeiten als Hobbyfotograf und Freizeitparktester zu berichten. Als ebenfalls Radioschaffender war es für mich noch mal ein besonderes Erlebnis, denn ich bekam die Möglichkeit, mir nicht nur das Studio und die Technik anzuschauen, sondern auch ein wenig an den Reglern zu drehen und einen Song abzumoderieren.

Vielen Dank an Anke Harnack für diese tolle Stunde und auch vielen Dank an Carlo von Tiedemann, der den Kontakt zum NDR herstellte.

Das komplette Interview könnt Ihr Euch ab sofort hier anhören. Die Musik musste ich aus GEMA-technischen Gründen leider rausschneiden!

Immer lächelnd, musikalisch begabt und mit Sonnenbrille: Ein kleiner Streifzug durch die gängigsten Klischees und Vorurteile gegenüber blinden Menschen

Dies soll keine Bloßstellung sein. Ich weiß, dass viele Sehende wenig (wenn überhaupt) über blinde Menschen wissen und daher manchen durch Film und Fernsehen oder durch andere Quellen verbreiteten Klischees Glauben geschenkt wird. Im Folgenden ein paar dieser Klischees mit ergänzenden Kommentaren und Erläuterungen.

Vielen der Klischees stimme ich nicht zu, möchte aber nicht vollends ausschließen, dass es nicht doch Leute gibt, die diese Verhaltensmuster an den Tag legen.

Aber nicht nur aus Mediendarstellungen stammen solche Klischees und Vorurteile. Manchmal sind sie noch tiefer in Kulturen verankert oder entstehen, wenn doch einmal jemand das als Klischee abgetane Verhaltensmuster an den Tag legt. Zu diesem Thema empfehle ich auch diesen dreiteiligen Audiobeitrag.

Ein weiterer Grund für die unten genannten Vorurteile und Klischees mag sein, dass sich Sehende oftmals in die Lage eines Blinden versetzen wollen und dies mit ihrer bisherigen Erfahrung und ihrer Vorstellungskraft, wie es sein könnte, nichts zu sehen, versuchen. Dieser Gedankenselbstversuch geht jedoch oftmals schief. Denn der Sehende denkt dann nämlich zu aller erst an die eigene Hilflosigkeit. Oder er macht es den Medienschaffenden gleich und aus dem „normalen“ Blinden wird so dann ein Superheld.

Diese kleine Sammlung der gängigsten Klischees und Vorurteile erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Falls sich blinde Leser auf diese Seite verirren und auch noch etwas zu dieser Rubrik beisteuern möchten: Nur zu, die Kommentarfunktion darf gerne genutzt werden!

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Interview: „Wir sind nur blind!“ – aus: Acht Magazin 06/2015

Im Mai letzten Jahres erhielt ich eine Anfrage des Magazins Acht, ein wenig über meine Reisen, meine Tätigkeit als Hobby-Fotograf etc. zu berichten. Das komplette Interview erschien in der Juni-Ausgabe 2015. Ihr könnt es nun auch hier nachlesen, wer lieber eine bebilderte Version bevorzugt, klickt auf den Link unten in der Quellenangabe.

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Wenn Freunde und Partner zu Betreuern werden… Ein Kommentar zu einem Aktion Mensch Blogbeitrag von Mirien Carvalho Rodrigues

Einer Leseempfehlung folgend, bin ich heute Morgen auf diesen Beitrag von Mirien Carvalho Rodrigues gestoßen. Die Autorin beschreibt in ihrem Blogbeitrag sehr prägnant, dass in einer Partnerschaft zwischen gehandicapten und nichtgehandicapten Menschen der Partner ohne Handicap in unserer Gesellschaft leider immer noch als Betreuer gesehen wird. So wird die gemeinsame Partnerschaft oftmals eher als Nutzgemeinschaft gesehen und abgewertet, also eher als praktisches Zusammenleben anstatt als erfüllende Beziehung. Mirien Carvalho Rodrigues führt in ihrem Beitrag vor allem auch die Beispiele beim Einkauf an, wo Verkäufer im Beisein des sehenden Partners das Kundengespräch lieber mit diesem führen, anstatt mit der blinden Kundin – wer von uns kennt das nicht auch…

Ein Sehr zutreffender Beitrag, in dem ich mich an so manchen Stellen (als ebenfalls Blinder) wiederfinde.

Aber es muss noch nicht mal der Partner sein! Jeder Sehende, der uns – und wenn nur kurz – begleitet, wird sogleich in die Betreuer-Schublade gepackt. Ob nun ein Freund, mit dem wir einkaufen oder essen gehen oder ein Passant, den wir auf der Straße nach dem Eingang zu einem Geschäft fragen. Immer sind es unsere Begleiter oder Betreuer. Nur warum? Traut man uns auch heute noch wirklich so wenig zu, dass man uns immer einen Dauerbegleiter und -Beschützer an unsere Seite stellen möchte?

Und warum sind viele Menschen oftmals nicht in der Lage, mit uns zu reden, sobald sich jemand Sehendes mit im Raum oder im Zugabteil befindet? Beißen wir? Vermitteln wir wirklich den Eindruck, zerbrechlich und verletzbar zu sein, nur weil man uns eine Frage zu unserem Leben als Gehandicapter stellt?

Mit uns zu reden muss immer noch eine derartige Hürde sein, dass Leute selbst, wenn man sich in ein Gespräch mit einklinkt, betreten schweigen und die Unterhaltung nicht mehr fortsetzen – nur warum?

Wenn mich die ewige Frage, ob der Herr oder die Dame, die mich eben in das Geschäft geführt hat, meine Begleitung oder Betreuung ist und mich auch am Ende wieder abholt, zu sehr nervt, so antworte ich ganz nüchtern und trocken: „Nein, das ist nicht mein Betreuer, das ist mein Bewährungshelfer!“

Jetzt können die Leute wirklich mal betreten schweigen! Manche nehmen es mit Fassung hin, andere wenden sich ab… aber endlich mal nicht, weil ich ’nur‘ blind bin!

Blind Dance

Die folgende Kurzgeschichte schrieb ich im Rahmen eines Schreibseminars an der Uni Hamburg im Wintersemester 2007/2008.

Als Blinder eine Disco besuchen? Würden viele sicherlich nicht machen! Dies ist kein Tatsachenbericht -… und ist es irgendwo doch. Denn ich hatte einmal all die Dinge, die mir bei meinen Alleingängen in eine Disco passiert waren, zusammengesammelt und in eine kleine Geschichte verpackt… Viel Spaß damit!

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