Zehn Tage (blind durch) Skandinavien – Ein Reisebericht

Übersicht

  1. Tag 1 in Oslo, 18.04.2014
  2. Tag 2 in Oslo, 19.04.2014
  3. Tag 3 in Oslo, 20.04.2014
  4. Tag 1 in Stockholm, 21.04.2014
  5. Tag 2 in Stockholm, 22.04.2014
  6. Tag 3 in Stockholm, 23.04.2014
  7. Tag 1 in Kopenhagen, 24.04.2014
  8. Tag 2 in Kopenhagen, 25.04.2014
  9. Tag 3 in Kopenhagen, 26.04.2014
  10. Tag 4 in Kopenhagen, 27.04.2014
  11. 10 Tage Skandinavien: Ein Fazit

 

Tag 4 in Kopenhagen: Sonne pur

Sonntag, 27.04.2014

Irgendwie hatte ich das Glück auch in dieser Nacht scheinbar nicht gepachtet gehabt. Ein ständiges Tür-auf und Tür-zu sorgte dafür, dass ich sehr oft geweckt wurde. Dementsprechend müde fühlte ich mich auch, als ich aufstand und ich überlegte mir ernsthaft, ob ich nicht lieber, anstatt mich auf die Socken in die Stadt zu machen, im Bett bleiben und etwas Schlaf nachholen sollte – dies wäre eine gute Entscheidung gewesen, aber das konnte ich zu dem Zeitpunkt ja noch nicht wissen!

Nach dem Frühstück, bestehend ein letztes mal aus Weißbrot mit Wurst, Gurken und Tomaten, gefolgt von ein wenig dänischem Kuchen, machte ich mich zunächst auf dem Weg zum Hauptbahnhof, einen Geldautomaten suchen. Dabei war mir Benjamin behilflich, den ich auf dem Weg zum Bahnhof traf und der mich, getrieben zum Teil auch von seiner Neugier, was denn einen Blinden allein in diese Stadt verschlug, eine Weile begleitete.

Der Hauptbahnhof war ein altes, imposantes Gebäude und erinnerte mich von der Weitläufigkeit der Bahnhofshalle ein wenig an die „Wandelhalle“ im Hamburger Hauptbahnhof.

Nach dem kurzen Besuch im Bahnhofsgebäude wollte ich eigentlich weiter ins Nationalmuseum, jedoch lud das sonnige, warme Wetter dazu ein, sich einen „Platz an der Sonne“, z. B. in einem Straßencafé zu suchen. Und so genossen wir, Benjamin und ich, erneut dänischen Kuchen und kühlen Orangensaft und unterhielten uns eine Weile. Benjamin erzählte mir, dass trotz der vielen Fahrräder, die in der Stadt unterwegs waren und an fast jeder Straßenecke parkten, auch genau so viele Räder im Jahr geklaut würden, die Polizei bei der Fülle der Diebstähle jedoch mehr oder weniger machtlos wäre. Die Unterhaltung wurde des Öfteren vom Geheul der Polizeisirenen unterbrochen, die einem, ähnlich wie auch in Oslo, an US-amerikanische Krimis erinnerten.

Benjamin war auch schon mal für ein Wochenende in Hamburg gewesen; besonders hätte ihm St. Pauli gefallen, er mochte das Viertel und die Atmosphäre dort – jedoch eher bei Tag. 😉

Nach einer Dreiviertelstunde brachen wir auf. Er zu seinem Freund, der ihm ein I-Phone aus den USA mitgebracht hatte, das im Vergleich in Dänemark um geschätzt 150 Euro teurer gewesen wäre, und ich in Richtung Nationalmuseum, in dem zahlreiche Ausstellungen zur dänischen Geschichte zu finden waren und der Eintritt frei war.

Dort angekommen, wurde mir jedoch mitgeteilt, dass sich die Ausstellungsgegenstände ausschließlich hinter Glas befänden und es auch keinerlei Führungen durch das Museum gäbe – außer für Schulklassen. Der Mann an der Information im Eingangs-Foyer empfahl mir jedoch, an einer Führung durch das Parlamentsgebäude teilzunehmen, die um 15:00 Uhr starten sollte.

Und so machte ich mich auf den Weg zum Königspalast. Dort war ich während meiner dreistündigen Sightseeing-Tour am Freitag bereits gewesen.

Das Glück war an diesem Tag definitiv nicht auf meiner Seite! Aufgrund einer Sonderveranstaltung fand die Führung nämlich nicht statt und ich konnte unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Auf dem Weg vom Schlossinnenhof zurück in die Stadt, begleitete mich eine Mutter mit ihren zwei Töchtern. Die Mutter durfte während unseres kurzen, gemeinsamen Weges Dolmetscherin spielen, denn ihre sechsjährige Tochter war sehr neugierig und wollte vieles wissen; ob ich denn überhaupt nichts sehen könne, wofür der Stock ist und ob ich denn überhaupt fernsehen könne? Aus Kindersicht natürlich eine der wichtigsten Fragen überhaupt. 😉 Ich gab bereitwillig Auskunft und so verging der kurze Spaziergang zurück ins Stadtzentrum wie im Fluge.

Ich war für diese Temperaturen viel zu warm angezogen an diesem Tag. Laut Internet sollten es nur 14° werden – es waren jedoch 20° und die Sonne schien mit voller Kraft. Und so entschied ich mich zurück ins Hotel zu gehen, meine nassgeschwitzten Klamotten loszuwerden und mich ein wenig auszuruhen. Denn am Abend hatte ich noch eine Verabredung!

Am Vortag traf ich auf dem Weg vom Abendessen zurück ins Hotel Karlheinz und Simone, zwei deutsche Touris, die – wie der Zufall manchmal so spielt – ebenfalls aus Hamburg kamen. Wir kamen ins Gespräch und hatten uns kurzerhand für den nächsten Tag zum Abendessen verabredet.

Und so begab ich mich, nach einer Verschnaufpause, die ich auch ein wenig zum Packen nutzte, zum Treffpunkt. Wir wollten das dänische Restaurant besuchen, das mir schon am Donnerstag nach meiner Ankunft im Hotel empfohlen wurde.

Bei sehr gutem Essen und angeregter Unterhaltung verging der letzte Abend meiner Skandinavienreise, wie eigentlich die gesamten zehn Tage, viel zu schnell. Während unseres Gesprächs kamen wir auch auf die vielen Fahrradfahrer zu sprechen, die in der Stadt unterwegs sind. Karlheinz und Simone erzählten mir, dass es am Bahnhof einen Platz gab, an dem Dutzende Fahrräder geparkt waren. Sie ärgerten sich, dass sie keinen Fotoapparat mitgenommen hatten, um Bilder davon zu machen. Dies nahm ich zum Anlass und fragte, wo denn das genau gewesen sei? Denn dieses „Phänomen“ wollte ich mir ebenfalls einmal anschauen und auf Bilder festhalten. Und in der Tat: So viele Räder auf einmal hatte ich auch noch nicht gesehen, geschweige denn von dem zweistöckigen Fahrradständer, bei dem man das obere Fach wie eine Schublade herausziehen und das Rad hineinschieben konnte.

Hiernach ging es für mich ins Hotelzimmer zurück, denn bereits um 5:30 Uhr am nächsten Morgen war die Nacht vorbei!

Und ein Glück verlief die letzte Nacht in Kopenhagen um einiges ruhiger, als die zwei Nächte zuvor! Um 5:30 Uhr hieß es schnell aufstehen, die letzten Sachen zusammensuchen, auschecken und zum Bahnhof laufen, denn um 7:42 Uhr sollte der ICE nach Hamburg abfahren. Und nach dem stressigen Abgang aus Stockholm hatte ich dieses mal etwas mehr Zeit eingeplant.

Am Bahnhof angelangt, wollte ich mir noch einmal original Kopenhagener zum Frühstück gönnen. Die Verkäuferin verstand jedoch kaum, was ich wollte und so erhielt ich am Ende zwei Schokomuffins – tolle Wurst!

Die Fahrt nach Hamburg verlief anders, als ich es mir gedacht hatte. In Roedby fuhren wir auf eine Fähre und mussten den Zug während der Überfahrt verlassen; das Gepäck konnte jedoch an Bord des ICE bleiben, der während der 45-minütigen Fährfahrt verriegelt wurde.

An Bord der Fähre hatte man die Möglichkeit, zollfrei einzukaufen, einen Kaffee zu trinken oder sich am Oberdeck die steife Brise um die Nase wehen zu lassen und ein wenig Sonne zu tanken.

Um 12:20 Uhr fuhr der ICE am Hamburger Hauptbahnhof ein. Mit Rucksack, Koffer und Stock machte ich mich auf dem Weg nach Hause, welcher mich über den Hamburger „Way of Death“ führte – den ich aber unbeschadet überlebte. 😉


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