Zehn Tage (blind durch) Skandinavien – Ein Reisebericht

Übersicht

  1. Tag 1 in Oslo, 18.04.2014
  2. Tag 2 in Oslo, 19.04.2014
  3. Tag 3 in Oslo, 20.04.2014
  4. Tag 1 in Stockholm, 21.04.2014
  5. Tag 2 in Stockholm, 22.04.2014
  6. Tag 3 in Stockholm, 23.04.2014
  7. Tag 1 in Kopenhagen, 24.04.2014
  8. Tag 2 in Kopenhagen, 25.04.2014
  9. Tag 3 in Kopenhagen, 26.04.2014
  10. Tag 4 in Kopenhagen, 27.04.2014
  11. 10 Tage Skandinavien: Ein Fazit

 

Tag 2 in Kopenhagen: Auf Erkundungstour

Freitag, 25.04.2014

Der Tag begann mit etwas Halsschmerzen und ein wenig verschnupft – Tolle Wurst, dachte ich. Naja, wofür gibt’s die Reiseapotheke?! Anscheinend machten mir die Temperaturschwankungen der letzten Tage zu schaffen oder mein Körper wollte mir signalisieren, ich solle nach all den Ereignissen

mal eine Pause einlegen – das kann er haben, nur nicht jetzt, nur nicht hier, bitte schön!

Ich kramte ein wenig in der Reiseapotheke, verschwand im Bad und machte mich danach auf den Weg zum Frühstück. Das Frühstücksangebot glich dem, was ich bereits aus Norwegen und Schweden geboten bekam. Wobei ich generell mal sagen muss, dass ich noch nie so gutes Weißbrot gegessen habe, wie jetzt in diesen drei Städten! Hinzu kommt noch, dass die Dänen scheinbar auch gern süße Sachen zum Frühstück essen – wer kennt nicht die Kopenhagener, also das Gebäck? Nur dass das, was mir hier geboten wurde, bei weitem nicht an das heran kam, was die Bäcker in Deutschland im Angebot haben. Hier nannte sich das Ganze ‚Strudel‘ und war, im Gegensatz zu unseren Kopenhagenern, nicht nur mit massig Vanillepudding und Obst gefüllt, sondern teilweise auch nur mit Zuckerguss oder Schokolade. Ich war also essenstechnisch an diesem Morgen quasi in meinem Element. 😉

Gestärkt machte ich mich auf dem Weg zur Rezeption, wo man mich schon sehnsüchtig erwartete, denn man hatte am Vortag die Organisation, die in Kopenhagen die „Free Tours“ anbieten, angerufen und einen blinden Teilnehmer angekündigt. Während ich frühstückte wurde das Hotel angerufen, um in Erfahrung zu bringen, ob ich mit oder ohne Begleitung teilnehmen würde? Man könne nicht garantieren, dass der Guide auch die Zeit hätte, mich zu führen und auf mich acht zu geben – eine Begründung, die ich, wie vielleicht schon erwähnt, vor allem aus unseren Breitengraden kannte. Ein wenig Skepsis machte sich bei mir breit, jedoch völlig unbegründet, wie sich später herausstellen sollte.

Ein Praktikant des Hotels bot mir an, mich zum Rathausplatz zu begleiten, wo die Stadtführung starten sollte. Dort wurde ich bereits erwartet und vom Tourguide in Empfang genommen. Der gebürtige Flame lebte selber noch nicht so lang in Kopenhagen, kannte sich jedoch bereits sehr gut mit den örtlichen Gegebenheiten und der Stadtgeschichte aus. Bei ihm war ein Volontär, der zurzeit eingearbeitet wurde.

Zu Beginn wies der Guide uns auf ein paar wichtige Regeln hin:

1. Auf seine Dinge achten, denn es wären genug „Picker“, also Diebe, unterwegs – wohl wahr, aber dazu später mehr…
2. In Kopenhagen sind grünes und rotes Ampellicht Unterschiede zwischen Leben und Tod. Vor allem Fahrradfahrer wären zum Teil echt rasant unterwegs und würden einem förmlich überrennen, denn man sieht sie oftmals nicht. Und der einzige Weg herauszufinden, ob man sich auf einem Fahrradweg befände, wäre: Wenn du denkst, dass du auf einem Fahrradweg bist, dann bist du auch auf einem. Und selbst wenn du nicht denkst, dass du auf einem Fahrradweg bist, du bist auf einem Fahrradweg!

Dass hier mehr Wahres dran war, als ich anfangs dachte, wurde mir während unseres Stadtspatzierganges bewusst, während dem Fahrräder wie aus dem Nichts geschossen kamen und klingelnd an uns vorbeifuhren, egal, wie eng die Straße auch war.

Die Tour dauerte insgesamt über drei Stunden. In dieser Zeit besuchten wir alle wichtigen Sehenswürdigkeiten wie z. B. den Rathausplatz, an dem die Tour startete. Wir erfuhren, dass dieses Rathaus in der Stadtgeschichte nicht das erste sei, die anderen, vorherigen seien oftmals im Laufe der Zeit abgebrannt.

Weiter ging es, an Europas drittgrößtem Freizeitpark, dem Tivoli, vorbei, durch die Altstadt, vorbei an einigen alten, schönen Gebäuden und Statuen. Wir besuchten Kopenhagens älteste Bar (ca. 250 Jahre alt) und den New Harbour, einem früheren Rotlichtviertel der Stadt. Heute befinden sich im New Harbour viele Kneipen und Bars und auch ein Strip Club, der Hongkong Club, geleitet von einer Frau, die aufgrund ihres großen Brustumfanges derzeitige Rekordhalterin im Guinnessbuch der Rekorde ist – und nein Jungs, hiervon gibt es KEINE Bilder; da müsst Ihr schon selber mal vorbeifahren! 😉 Die Tour endete im Innenhof des Königspalastes.

Wir erfuhren während dieser drei Stunden viel über die Kopenhagener Stadtgeschichte, über die Königin von Dänemark oder auch über den bekannten Autor Hans Christian Andersen.

Nach der wirklich gelungenen Führung führte mich unser Tourguide noch in die Innenstadt zurück. Meine quasi private, kleine Stadtführung, die ich zum Filmen und Fotografieren nutzte, startete im Palasthof. Von hier aus ging es wieder in Richtung New Harbour zurück und dann einmal quer durch Kopenhagens größte und bei diesem Wetter auch wohl belebteste Einkaufsstraße (Stroget), welche gleichzeitig auch eine Fußgängerzone ist und am Rathausplatz endet. Hier kam ich dann auch in den Genuss meines ersten Hotdogs in Kopenhagen, gefolgt von einer Dänischen Waffel – beides sehr zu empfehlen!

Am Rathausplatz befinden sich auch viele größere Souvenirläden. Ein typisch dänisches Mitbringsel sind Wikinger-Figuren oder Meerjungfrauen-Figuren, in all erdenklichen Varianten und Formen. Ich suchte mir eine gut gearbeitete Figur einer Meerjungfrau aus und machte mich danach auf den Weg zurück durch die Fußgängerzone zu einem Laden, in dem ich – ja, richtig erraten – CDs bekommen könnte, denn auch aus Dänemark wollte ich mir ein musikalisches Souvenir mitnehmen!

Die Fußgängerzone ist sehr belebt und erinnerte mich teils an die Spitaler Straße in Hamburg. Nur die Straßenmusiker waren hier heute weniger vertreten als bei diesem Wetter in Hamburg. Auf dem Boden befand sich ein Leitstreifen, der es blinden Menschen ermöglicht, sich zwischen den Stühlen, Tischen, Verkaufsständen und Schildern hindurch zu manövrieren. An Straßenübergängen gab es Kopfsteinpflaster am Straßenrand. Jedoch verfügten nicht alle Ampeln im Stadtkern über ein Signal, was mich etwas erstaunte.

Der Stadtkern war zu dieser Zeit außerdem geprägt von zahlreichen hässlich grünen Baucontainern und Absperrungen. Kopenhagen baute an einer neuen, dritten Metrolinie quer durch die Stadt, die sämtliche Sehenswürdigkeiten miteinander verbinden soll. Ich bekam die Baustellen zwar anhand des Lärmes mit, sie lagen jedoch nie auf meinem direkten Weg.

Auch dieses Mal wurde ich in der CD-Abteilung eines Elektrofachgeschäftes fündig und genoss eine Beratung, die bei uns ihresgleichen sucht.

Vielleicht hattet Ihr es schon mitbekommen – mir ist beim Besuch eines fremden Landes bzw. einer fremden Stadt auch wichtig, einmal die öffentlichen Verkehrsmittel genutzt zu haben. Dies gehört – für mich – zu einer Stadterkundung einfach dazu. Und so fuhr ich nach meinem Einkauf mit der U- bzw. der S-Bahn zum Hauptbahnhof zurück, in dessen unmittelbarer Nähe sich ja mein Hotel befand. Alle Durchsagen waren sowohl in dänischer als auch englischer Sprache. Vor allem der Hinweis, auf seine Sachen zu achten und nichts in den Zügen liegen zu lassen, wurde mehrsprachig wiederholt. Interessant war auch der Hinweis, dass man erst die Passagiere aussteigen lassen sollte, bevor man selbst in einen Zug einsteigt – versteht sich von selbst… eigentlich!

Doch gerade der Hinweis, auf seine Sachen zu achten, schien der Wichtigere der Beiden zu sein. Während ich mir am Bahnhof von einer Passantin den Weg zum Ausgang beschreiben ließ, spürte ich, wie jemand, zwar vorsichtig, dennoch zielorientiert, meine Jacke abtastete. Tja, zu dumm nur, dass sich am Rücken die wenigsten Taschen befinden. Und so konnte ich den Grabbler schnell im Gewühl der Rushhour loswerden, vermutlich wurde er auf der Treppe nach oben vom Strom der mir entgegenkommenden Leute – wie ich auch fast – mitgerissen… Ein Glück!

Vom Bahnhof aus war es nur noch ein Katzensprung zurück ins Hotel. Ich wollte meine Sachen kurz aufs Zimmer bringen, um mich danach auf Restaurantsuche zu begeben.

Gesagt, getan! Nach einer kurzen Verschnaufpause begab ich mich wieder auf die Straße und landete nach einigen Minuten in einem kleinen, chinesischen Café, in dem nicht nur Sushi, sondern auch ein paar wenige, andere Gerichte angeboten wurden. Der gebratene Reis mit Hühnchen, Zwiebeln und Erbsen schmeckte gut und die Portion war mehr als ausreichend. Ein leckerer Tagesausklang sozusagen.


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