Ultra leicht und kompakt: Testbericht zur Braillezeile VarioUltra 20 der Firma BAUM – für blindlife.de

Mobiles Arbeiten. Für viele, ob nun privat oder beruflich, ist dies im Zeitalter von Tablets und Smartphones zu einem wichtigen Bestandteil des alltäglichen Lebens geworden. Mal eben Mails checken, etwas online recherchieren oder sich auf YouTube ein Video anschauen. Unsere Smartphones und Tablets sind zu ständigen Begleitern geworden, das Handy, früher nur zum SMSen und Telefonieren gedacht, hat sich binnen weniger Jahre zu einer ‚Eier legenden Wollmilchsau’ entwickelt.

Dieser rasanten Weiterentwicklung haben es blinde und sehbehinderte Handynutzer jedoch auch zu verdanken, dass es nun ohne weiteres Zutun möglich ist, sein Smartphone von Werk aus zu nutzen, ohne erst teuere Zusatzsoftware installieren zu müssen. Auch wenn Android bei der Accessibility immer noch etwas hinter Apple-Geräten hinter her hinkt, so kann sich der hauseigene Screenreader inzwischen durchaus sehen lassen und es mit dem großen Konkurrenten von Apple aufnehmen.

Doch für viele Menschen, egal ob nun blind, sehbehindert oder sehend, ist der Touchscreen immer noch ein rotes Tuch. Viele scheuen die Auseinandersetzung mit dem Neuen, mit der tastenlosen Bedienung. Hinzu kommt noch, dass es unter den blinden Computernutzern viele User gibt, die nicht nur mit der Sprachausgabe, sondern auch mit einer sogenannten Braillezeile, einem Zusatzgerät, welches den Bildschirminhalt zusätzlich in Form von Blindenschrift ausgibt, arbeiten. Diese Lücke schließt seit kurzem ein neues Gerät der Firma BAUM Retec AG (VarioUltra), eine mobile Braillezeile, welche speziell für den Einsatz an Laptops oder vor allem Smartphones sowie Tablets entwickelt wurde.

Diese kleine, aber sehr leistungsstarke Braillezeile konnte ich im Rahmen eines Hilfsmitteltests für den Blog blindlife.de ausgiebigst testen und ausprobieren. Mein Hauptaugenmerk lag dabei zum einen auf die internen Funktionen als auch vor allem auf den Einsatz in Verbindung mit einem Smartphone. Und ohne das Testergebnis gleich schon vorweg zu nehmen, kann ich sagen, dass es sich gelohnt hat.

 

Einstiegsexkurs: BAUM’s Pronto – der bis dato kleinste Braille-Organizer

Vor ungefähr elf Jahren sorgte die Firma BAUM schon einmal für Aufsehen in der Hilfsmittelbranche. Der entwickelte Pronto! War der kleinste und kompakteste Braille-Organizer, welcher außer einer achtzehnstelligen Braillezeile, noch mit zahlreichen anderen Funktionen ausgestattet wurde. Neben einer Textverarbeitung, einem Taschenrechner, Kontaktverwaltung, Kalender oder einem MP3-Player, konnte sich der Pronto! Auch, anfangs via Infrarot, später dann per BlueTooth, mit diversen Nokia-Handys verbinden, um so SMS lesen und schreiben zu können.

In den letzten zehn Jahren wurde dieses Gerät stetig weiter entwickelt und verfügt heute über weitere Funktionen, welche für das mobile Office unabdingbar sind: Internetbrowser, Outlook und Einbindung eines WLAN-Empfängers.
Die im letzten Jahr neu entwickelte Braillezeile VarioUltra knüpft an den Erfolg des Pronto! An, auch wenn sie nicht alle Funktionen des großen Bruders enthält. Aber das braucht sie auch gar nicht! Denn alle fehlenden Funktionen, die der Pronto! Noch in sich birgt, können ja über ein Smartphone oder Tablet genutzt werden.

Ultra Leicht und schmal – Der erste Eindruck

Nach dem Auspacken des Geräts fällt sofort die schlanke Bauweise der Braillezeile sowie das geringe Gewicht (320 Gramm) auf. Trotz Lederschutzhülle passt sie prima in jeden Rucksack, in eine Handtasche oder auch vielleicht in eine größere Jackentasche. Klappt man die durch Magneten verschlossene Schutzhülle auf und begutachtet ein wenig das Gehäuse, so stellt man fest, dass es ebenfalls sehr hochwertig und stabil verarbeitet ist und somit den Anforderungen des Alltags on the Road Stand halten dürfte.

Wer vorher bereits mit dem Pronto! Gearbeitet hat, dem dürften sofort die Ähnlichkeiten bei der Anordnung der Bedienelemente auffallen: Am vorderen Rand befinden sich ganz links bzw. rechts die insgesamt vier S-Tasten, welche vor allem dem Aufruf von Menüs und Funktionen (wie Akkustand, Uhrzeit etc.) oder dem Umschalten zwischen verschiedenen Modi dienen. In der Mitte ist ein kleiner, joystickartiger Steuerknüppel zu finden, der, ähnlich wie der Cursor am PC, zur Navigation genutzt wird.
Über den S-Tasten und dem „Joystick“ befindet sich die zwanzigstellige Braillezeile, flankiert von den Displaytasten (rechts und links senkrecht angeordnet) zum Navigieren über den Bildschirm bzw. zum Weiterscrollen eines Textes, sowie die Braillezeile typischen Routingtasten zum direkten Anspringen eines Buchstaben bzw. zum Simulieren eines Mausklicks. Wie auch schon beim Pronto!, gibt es auch die VarioUltra in zwei unterschiedlichen Ausführungen. Neben der getesteten Variante existiert auch noch ein Modell mit einer vierziger Braillezeile. Oberhalb der Zeile befindet sich eine Braille-Eingabetastatur, mit welcher man sowohl in Sechs- als auch in Acht-Punkt-Braille schreiben kann.

Für Pronto!-Kenner neu sein dürften die Seitenansichten der Vario. An den vorderen Ecken befinden sich Ösen, um den mitgelieferten Schultergurt zu befestigen. Direkt daneben, auf der rechten Seite des Geräts, befindet sich der Knopf für den „Schlafzustand“, vergleichbar mit dem Ruhezustand bei einem Windows-PC. Wie auch schon der Pronto! Braucht das System der VarioUltra nach getaner Arbeit komplett heruntergefahren zu werden. Es reicht, wenn man den kleinen Knopf kurz drückt. Alle Einstellungen werden gespeichert und die Braillezeile in den Stand-by-Modus versetzt (alle Punkte kommen nach oben). Damit sich die Zeile beim Transport in der Tasche nicht automatisch einschalten kann, befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite, also neben der Schultergurtöse auf der linken Seite, ein Schieberegler für die Holdfunktion. Ebenfalls links ist ein weiter Schiebeschalter zu finden, mit welchem man den Modus der Zeile zwischen BlueTooth- bzw. USB-Betrieb und den mobilen Funktionen umschaltet. Zwei USB-Ports runden die Außenansicht des Geräts ab. Zunächst folgt ein USB-Steckplatz, um z. B. Speichermedien wie USB-Sticks anzuschließen, gefolgt von der Micro-USB-Buchse, welche zum Laden des Akkus als auch zum Anschluss an einen PC/Notebook genutzt wird.
Neben dem bereits angesprochenen Schultergurt und den obligatorischen Handbüchern, befindet sich auch ein USB-Ladegerät mit im Lieferumfang der Zeile. Die Möglichkeit, den Akku der Zeile über USB zu laden, ist eine sehr willkommene Neuerung und trifft somit auch den Puls der Zeit. Es bedarf, im Gegensatz zum großen Bruder Pronto!, kein zusätzliches, spezielles Ladekabel mehr, ein Standard-Micro-USB-Kabel reicht hier nun vollkommen aus.

Man sagt, dass der erste Eindruck ja entscheidend ist. Ausgehend vom ersten Eindruck und den ersten, äußerlichen, Erkundungen des Geräts lässt sich sagen, dass die VarioUltra durchaus Parallelen zum Pronto! Aufweist (robuste Bauweise, ähnlich angeordnete Bedienelemente), sich jedoch durch seine Form, neue Bedienelemente und nicht zuletzt durch sein Gewicht klar vom großen Bruder abhebt.

Die ‚inneren Werte’ – Funktionen der VarioUltra

Die VarioUltra ist nicht nur eine Braillezeile. Sie bringt einige für den mobilen Einsatz interessante Funktionen mit – auf die wichtigsten soll im folgenden Abschnitt eingegangen werden.

Systemstart:
Hat man das System einmal hochgefahren, so ist es, nach getaner Arbeit, nicht erforderlich, es wieder komplett herunterzufahren. Wie oben bereits beschrieben, befindet sich auf der rechten Seite ein kleiner Schalter, um die VarioUltra in den „Schlafzustand“ zu schicken bzw. sie auch wieder daraus zu ‚erwecken’. Dieser Vorgang dauert nur ca. eine Sekunde. Nach Drücken des Schalters im „Schlafzustand“ ist die Zeile sofort einsatzbereit und die zuletzt geöffnete Anwendung bzw. das zuletzt geöffnete Dokument erscheint.
Speicher:
Die VarioUltra verfügt über einem internen Flashspeicher von 16GB und einem Arbeitsspeicher von 256MB. Gerade der Arbeitsspeicher wirkt bei der ersten Betrachtung mehr als wenig, für die installierten Anwendungen ist er jedoch vollends ausreichend.
Ton und Vibration:
Zwar besitzt die VarioUltra im Vergleich zum Pronto! Keinen „richtigen“ Lautsprecher, dennoch werden Fortschritts- und weitere Statusmeldungen durch kurze Tonsignale ausgegeben. Als sehr nützliche Ergänzung wurden zusätzliche Vibrationssignale in das Gerät implementiert. Alle wichtigen Details zu diesen Signalen können in den Einstellungen eingesehen und auch geändert werden.
Navigation:
Hat man die Zeile aus dem „Schlafzustand“ erweckt, so gelangt man, egal, wo man sich befindet, durch längeres Drücken der Taste S3 immer ins Hauptmenü. Von hieraus sind alle internen Funktionen erreichbar. Zum Navigieren durch die Menüs kann man entweder den Joystick oder die Displaytasten benutzen. Wer es etwas schneller mag und Kurztastenbefehle nicht scheut, fast alle Funktionen sind auch über Shortcuts, welche über die Brailletastatur eingegeben werden müssen, erreichbar.
Textverarbeitung:
Die Funktionen der Textverarbeitung der VarioUltra brauchen sich nicht hinter denen eines Standard-Texteditors (z. B. auf einem Mac oder Windows-PC) zu verstecken! Standard-Editierfunktionen, das Öffnen von Text-, RTF- und Worddateien (Doc/Docx) ist problemlos möglich. Funktionen zum Navigieren durch den Text und das Auffinden bestimmter Textpassagen sowie die Umwandlung des geöffneten Dokuments in Kurzschrift ergänzen den Funktionsumfang der Textverarbeitung. Es ist somit auch mit der VarioUltra möglich, längere Texte zu schreiben oder zu editieren oder, wie auch im folgenden Absatz zu sehen ist, ganze Bücher auf der Zeile unterwegs zu lesen.
Dokumentenbetrachter:
Neben der Textverarbeitung verfügt die VarioUltra zudem über Dateibetrachter für Excel und PDF-Dokumente. Ein Editieren der Dateien ist nicht möglich, jedoch kann der Inhalt z. B. eines PDF-Dokuments problemlos in ein anderes Format (Beispiel .TXT) exportiert werden.
Rechner:
Ebenfalls an Bord ist ein leistungsstarker, wissenschaftlicher Taschenrechner. Die Eingabe der Zahlen erfolgt hier über die Brailletastatur (in Computerbraille). Alle Rechenfunktionen lassen sich entweder über Kurztasten oder bequem aus dem Menü heraus steuern.
Uhren:
Ob nun Timer (Eieruhr), Stoppuhr oder Wecker. Wer unter Zeitdruck arbeiten muss, weiß auch hier immer, welches Stündlein geschlagen hat und braucht nicht erst das Smartphone aus der Tasche zu kramen. Die Uhrzeit muss jedoch vorab in den Einstellungen eingestellt werden, da die Zeile über keine Funkuhr verfügt.
Dateiverwaltung:
Über die Dateiverwaltung lassen sich zentral alle auf dem Flashspeicher zu findenden Dateien anzeigen, gegebenenfalls öffnen (sofern das Dateiformat unterstützt wird) , kopieren, verschieben oder löschen. Hierüber können auch problemlos Dateien von einem Speicherstick geladen oder auf die VarioUltra kopiert werden.
Einstellungen:
Bevor man richtig mit seiner Arbeit an der VarioUltra loslegt, sollte man unbedingt einen ersten Blick ins Einstellungsmenü werfen. Ob nun Einstellungen bei der Brailledarstellung, der Uhrzeit, den Ton- und Vibrationssignalen oder der Aktivierung von BlueTooth. Alle relevanten Optionen sind hier zu finden und in übersichtlichen Unterkategorien unterteilt.
Hilfe:
Hier sind die Handbücher sowie Kurzanleitungen und Funktionsübersichten der Braillezeile zu finden. Es handelt sich hierbei um Verknüpfungen zu Textdokumenten, welche sich auf dem Flashspeicher befinden.

Allseits Bereit – VarioUltra im mobilen Einsatz

Bei meinem Test interessierte mich vor allem die sehr stark beworbenen Funktionen im mobilen Einsatz, d. h. die Nutzung des Smartphones mit bzw. über die VarioUltra.

Um jedoch Inhalte des smartphone-Bildschirms angezeigt zu bekommen und das Phone auch über die Braillezeile steuern zu können, sind vorab einige Einstellungen von Nöten.

Zunächst ist es erforderlich, in den Einstellungen ein BlueTooth-Profil anzulegen, auf dem zu koppelnden Gerät (Smartphone, Tablet etc.) ebenfalls BlueTooth zu aktivieren und beide Geräte miteinander zu koppeln. Dies scheint auf dem ersten Blick nicht sehr einfach, da das iPhone z. B. meldet, dass die Verbindung mit der VarioUltra fehlschlug. Schaut man jedoch einmal bbeim Iphone in die VoiceOver-Einstellungen, so ist unter dem Punkt „Brailleschrift“ die VarioUltra aufgeführt. Klickt man diese an, so wird eine Verbindung hergestellt und man kann quasi loslegen!

Sind die Geräte einmal (theoretisch) gekoppelt, kann man bequem zwischen Braillezeilenbetrieb und den anderen Funktionen Mittels des Schiebereglers auf der linken Seite umswitchen. Es muss nur hier zuvor die Eingangsquelle (USB oder BlueTooth) Mittels Kurztastenbefehl ausgewählt werden.

Sind beide Geräte miteinander gekoppelt und wird einem der Inhalt des Smartphone-Bildschirms angezeigt, kann man diesen nicht nur mit der Braillezeile erfassen, sondern auch mit Hilfe der VarioUltra durch die Apps und Menüs navigieren. Diverse, weitere Kurztastenbefehle (welche vor allem durch Drücken mehrerer Display-Tasten ausgelöst werden) ermöglichen es dem Anwender, Apps zu öffnen oder zu schließen, Inhalte zu lesen oder vor allem auch Nachrichten, Mails oder SMS zu schreiben. Im Idealfall braucht das Smartphone bei der Nutzung der VarioUltra überhaupt nicht mehr aus der Tasche genommen zu werden.

Aber dieser Idealfall wird leider dadurch geschmälert, dass VarioUltra und Smartphone (im Test iPhone 5S) sich gerne mal aus den Augen verlieren. Versetzt man die Zeile in den „Schlafzustand“ oder startet sein Handy neu, so werden beide Geräte zwar gegenseitig in den jeweiligen Menüs angezeigt, es muss jedoch eine erneute Verbindung beider Geräte im VoiceOver-Menü erfolgen. Dies scheint jedoch kein Problem in der Firmware der Zeile zu sein. Eher liegt in diesem Fall das ‚Problem’ bei IOS. Bedenkt man dies bei seiner Nutzung und überprüft somit vor seiner Arbeit mit der Braillezeile am Smartphone die Einstellungen, steht auch nach einem Geräteneustart der Arbeit nichts mehr im Wege.

Was die Bedienung der Smartphone-Anwendungen über die VarioUltra anbelangt, so ist anfangs ein wenig Einarbeitung und Handbuchlesen erforderlich, um die nötigen Tastenbefehle und Shortcuts zu erlernen. Wer zuvor sein Smartphone ausschließlich über die Sprachausgabe bedient hat, muss sich – vielleicht – anfangs ein wenig daran gewöhnen, dass das Phone nun in der Tasche bleiben und man alle Infos über die Brailleausgabe bekommen und das Gerät auch hierüber, per Tastendruck und nicht mehr per Geste, steuern kann! Es ist jedoch, wie auch schon beim ersten In-die-Hand-Nehmen des eigenen Smartphones: Es ist reine Gewöhnungssache, welche mit ein wenig Geduld verbunden ist.

Wer parallel mit mehreren Anwendungen arbeitet (z. B. Textverarbeitung oder Dateibetrachter und Smartphone-Apps), der wird sehr schnell feststellen, dass nach Betätigen des Schiebeschalters auf der linken Seite, die Umschaltung zwischen den einzelnenen Modi binnen weniger Millisekunden erfolgt.

Ein sehr wichtiges Thema bei einem mobilen Office ist natürlich die Akkuleistung der jeweiligen Geräte. Mit einer vollen Akkuladung und einer täglichen Einsatzzeit zwischen zwei und fünf Stunden, in der sowohl die internen Anwendungen als auch die BlueTooth-Verbindung genutzt wurden, reichte eine Akkuladung bei dem von mir getesteten Gerät ca. drei Tage. Wobei es hier natürlich, wie beim Smartphone oder Laptop auch, sehr stark von den genutzten Anwendungen und Funktionen abhängt und diese Angaben somit immer ohne Gewähr sind.

Sollte sich die Akkukapazität ihrem Ende zuneigen, erscheint auf der Braillezeile ab einem Akkustand von 10% in regelmäßigen Abständen eine Meldung zum Aufladen des Akkus.

VarioUltra at Home – Nutzung der Braillezeile an einem Windows-Computer

Ursprüngliches Einsatzgebiet einer Braillezeile war der Einsatz an bzw. mit einem Computer oder Laptop. Daher soll im folgenden Abschnitt kurz auf die Nutzung der VarioUltra an einem Windows-PC eingegangen werden.

Vorweg: Um die Braillezeilen der Firma BAUM unter den Screenreader JAWS (Job Access With Speech) nutzen zu können, ist die Installation eines speziellen Treibers erforderlich. Diesen kann man sich auf der Support-Seite von BAUM herunterladen.

Nach der Installation des BAUM Braillezeilen-Treibers, lässt sich die VarioUltra über die Brailleeinstellungen des Screenreaders JAWS (hier V13.0) einbinden und somit auch nutzen. Bei diesem kleinen Test, bei dem die Zeile über den USB-Port an einen Windows-PC mit Win7-64Bit angeschlossen war, ging es mir darum, die Funktionalität bei der Navigation zu überprüfen. Die Braillezeile wurde ohne Probleme von JAWS angesprochen und die Tastenbefehle zur Navigation oder für das Cursorrouting wurden ohne Verzögerungen ausgeführt.

Übrigens, wer die VarioUltra an einem PC nutzt, kann quasi drei fliegen mit einer klappe schlagen: Zum einen hat man eine kleine, kompakte Brailleausgabe als Ergänzung zur Sprachausgabe, man kann daneben noch problemlos auf den Flashspeicher der VarioUltra zugreifen, um z. B. Dateien auszutauschen und es wird dabei natürlich parallel der Akku wieder aufgeladen.

Einen großen Wehmutstropfen gibt es dennoch: Wer erwägt, die VarioUltra mit dem kostenlosen Screenreader NVDA (Non Visual Desktop Access) zu nutzen, der kann dies aktuell nur über die BlueTooth-Schnittstelle tun. Es ist jedoch zu erwarten, dass Seitens der Firma BAUM und den Programmierern von NVDA an einer zusätzlichen Anbindung der Braillezeile über den USB-Port gearbeitet wird.

Fazit

Für den unabhängigen Blog Blindlife.de testete ich in den vergangenen Wochen die neue Braillezeile VarioUltra 20 der Firma BAUM. Hauptaugenmerk bei meinem Test war vor allem der mobile Einsatz und die Arbeit sowohl mit den systemeigenen Anwendungen als auch in Verbindung mit einem Smartphone. Daneben wurden selbstverständlich auch die ‚herkömmlichen’ Funktionen in Verbindung mit einem Windows-PC getestet.

PRO:
  • Sehr leicht: nur 320 Gramm
  • Schönes, schlankes Design: Maße 188 × 89 × 20 MM
  • Akkuladung Mittels gängigem USB-Kabel: es wird kein spezielles Ladegerät benötigt
  • Viel Platz für Dokumente: 16 GB Flashspeicher,, Verwendung von USB-Speichersticks ebenfalls möglich!
  • Schnell einsatzbereit: aus „Schlafzustand“ binnen nur einer Sekunde startklar
  • Vielfältige Anwendungsgebiete: Textverarbeitung mit Unterstützung für Microsoft Word –Formate Doc/Docx, Excel und PDF Dateiviewer, wissenschaftlicher Taschenrechner, Einsatz als Braillezeile für Smartphones, Tablets und PC/Laptops; bis zu vier BlueTooth-Verbindungen möglich
  • Intuitive Smartphone-Bedienung: Steuerung des Smartphones über die VarioUltra durch Shortcuts
KONTRA:
  • Trennung der BlueTooth-Verbindung nach „Schlafzustand“: Dies scheint jedoch eher ein Problem unter IOS zu sein, dennoch ein kleines Manko
  • Akkulaufzeit schwankend: zwischen vier und zwölf Stunden, je nach Anwendung; hier wäre etwas mehr Stabilität, auch bei starker Auslastung, wünschenswert
  • Nur eingeschränkte Unterstützung des Screenreaders NVDA: derzeit nur über BlueTooth-Verbindung möglich

Die VarioUltra ist eine mobile Braillezeile, welche mit ihrem Funktionsspektrum jedoch weit über die Funktionen einer gewöhnlichen Braillezeile hinausgeht. Durch das kompakte Design, ihre zahlreichen Funktionen und die einfache Anbindung an ein Smartphone oder Tablet wird es sämtlichen Anforderungen an ein mobiles Hilfsmittel somit gerecht. Und es macht dabei außerdem auch optisch und haptisch durch sein Aluminiumgehäuse mit den Schwarzen Tasten eine sehr gute Figur und konnte somit im Test zu meiner vollsten Zufriedenheit überzeugen.

Dass die Akkukapazität etwas schwankend ist und die Anbindung sowohl an ein Smartphone sowie einen Screenreader teilweise durchaus noch perfektioniert werden kann (und auch sollte) wurde weiter oben bereits erwähnt. Ich denke jedoch, dass sich diesbezüglich bei zukünftigen Produktversionen noch einiges tun wird, denn man hat es hier mit einem wirklich noch sehr jungen Produkt zu tun, welches in den wenigen, angesprochenen Kritikpunkten noch ausbaufähig ist.

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass die Firma BAUM es ihren Mitbewerbern im Hilfsmittelsektor auch bei diesem Produkt leider gleich tut und auf der Produktwebsite keinerlei Preisinformationen zu finden sind. Laut Auskunft bei der Firmenzweigstelle in Hamburg beträgt der Kaufpreis für die VarioUltra 20, die in diesem Testbericht vorgestellt wurde, ca. €3500 Euro. Es ist schade, dass bei Blindenhilfsmitteln der Preis immer erst erfragt werden muss und oftmals nicht sofort ersichtlich auf der Produktseite zu finden ist.


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