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Musikvielfalt im Formatradio: Das Beispiel „Grenzwellen“ – Im Gespräch mit Radio-Redakteur und Moderator Ecki Stieg

Keine Frage – die musikalische Sozialisation findet größtenteils im eigenen Elternhaus, im ersten Freundeskreis oder auch durch Medien wie das Radio statt. Ein Großteil meines Musikgeschmacks verdanke ich dem Radio, vornehmlich dem privatkommerziellen Sender FFN (früher Radio FFN), welcher bis Ende der 1990er Jahre im Abendprogramm genrespezifische Spartensendungen anbot, unter ihnen die „Grenzwellen“. Abseits des Mainstreams bot diese Sendung eine Auswahl an unterschiedlichster, elektronisch orientierter Musik und dürfte somit in der niedersächsischen Radiolandschaft der 90er Jahre ungelogen zu einem Radiophänomen zählen.

Mit der Umformatierung und Neuausrichtung des Senders wurden 1997 sämtliche Spezial- und Spartensendungen aus dem Programm gestrichen und FFN verkam somit, wie die meisten der privaten Sendeanstalten in Deutschland, zum Dudelfunk.

Im Rahmen einer Hausarbeit, welche sich mit der Musikvielfalt im privatkommerziellen Rundfunk auseinandersetzte, hatte ich 2007 die Möglichkeit, den Mann hinter den Grenzwellen, Ecki Stieg, für ein ausführhliches Interview zu gewinnen.

Das komplette Interview könnt Ihr hier im Folgenden nachlesen. Ich habe es noch einmal überarbietet und durch viele, weiterführende Links ergänzt. Seit 2014 erleben die Grenzwellen eine Neuauflage, die Sendung ist seit April ’14 immer Mittwochs bei Radio Hannover zu hören. Grund genug, rund 13 Jahre nach dem ursprünglichen Interview mit Ecki Stieg erneut über die Themen Radio, Musikvielfalt, Streaming und natürlich auch seiner Rückkehr zum Radio und der Neuauflage der Grenzwellen zu sprechen.

Ein herzliches Dankeschön an dich, lieber Ecki, für dieses sehr persönliche, ausführliche Interview – sowohl 2007 als auch jetzt 2020.

Hinweis: Ursprüngliches Interview geführt Januar 2007; Ergänzung März 2020.

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Necro Facility überzeugen mit neuem Album „Wintermute“!

Gut Ding will Weile haben…

Dies sagt man immer so schön, oftmals ist es dahergesagt und nichtssagend, aber in manchen Fällen lohnt sich Warten und zahlt sich am Ende aus.

Bis vor kurzem, als ich die Promo des hier vorgestellten Albums erhielt und zudem auf dem CD-Beileger des Zillo-Magazins (Juni 2011) ein Song von Necro Facility enthalten ist, ist mir die Musik dieses Duos verborgen geblieben – aus welchem Grund auch immer, denn Necro Facility könnte man als Senkrechtstarter in der Szene betrachten, hat man sie doch nach Veröffentlichung ihrer ersten beiden Alben mit der Kultband Skinny Puppy verglichen.
Nun sind vier Jahre ins Land gegangen und seit Mitte April steht nun das neueste Werk mit dem Namen „Wintermute“ in den Startlöchern, um wieder die Szeneherzen zu erobern.
Was den Hörer erwartet ist eine Mischung aus knackigen elektronischen Beats und Samples, Synthies, gepaart mit einer markanten, tiefen Stimme und natürlich mit einer gehörigen Portion eingängiger Melodien. Dieses Album ist ‚rockig‘, kommt jedoch in einigen Songs komplett ohne E-Gitarren aus. Es ist generell schwer, „Wintermute“ in eine der bestehenden Schubladen einzuordnen, verbindet es doch Elemente aus Electronic Body Music, Synthpop, Electro und Industiral Rock zu einer interessanten Mischung.

Zu den Highlights schlechthin dürften vor allem der Opener „You Want It“, ein eher balladeskes Stück oder „Do You Feel the Same“, welches bereits auf dem 8. Septic Sampler für Aufsehen sorgte, zählen. Mein persönlicher Favourit ist jedoch „Supposed“, ein Track, welcher erst eine düstere Atmosphäre, vielleicht auch durch den etwas kehligen Gesang während der Strophen, sorgt, sich dann im Refrain jedoch wahrlich zu einem Ohrwurm entwickelt.

Zugegeben, dem Otto-Normal-Popmusik-Hörer dürften die Klänge, der Besang und die teils düstere Atmo der Songs etwas befremdlich vorkommen, vor allem, wenn man sich mit derartiger Musik nicht so anfreunden kann. Wer jedoch offen für ‚Neues‘ ist und gerne auf musikalische (elektronische) Entdeckungsreisen geht, der sollte auch an „Wintermute“ Gefallen finden. An manchen Stellen sperrig, wenn man sich darauf einlässt, doch erkennbar eingängig poppig. Genau das, was Musik auszeichnen muss: Ecken und Kannten.