{"id":520,"date":"2019-12-11T20:53:57","date_gmt":"2019-12-11T19:53:57","guid":{"rendered":"http:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/?p=520"},"modified":"2019-12-11T20:53:57","modified_gmt":"2019-12-11T19:53:57","slug":"gedanken-gaenge-xxxx-von-fastfood-shopping-co-oder-ein-rundgang-durch-die-gelaeufigsten-anglizismen-unserer-alltagssprache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/2019\/12\/11\/gedanken-gaenge-xxxx-von-fastfood-shopping-co-oder-ein-rundgang-durch-die-gelaeufigsten-anglizismen-unserer-alltagssprache\/","title":{"rendered":"Gedanken-G\u00e4nge XXXX &#8211; Von Fastfood, Shopping &#038; co oder: Ein Rundgang durch die gel\u00e4ufigsten Anglizismen unserer Alltagssprache"},"content":{"rendered":"<p>Deutsche Sprache, schwere Sprache &#8211; hei\u00dft es ja so sch\u00f6n. Unterh\u00e4lt man sich jedoch mit \u00e4lteren Menschen, so bekommt man nach ihren Aussagen jedoch den Eindruck, dass von der Deutschen Sprache eh nicht mehr soviel \u00fcbrig ist, so sehr \u00fcbernehmen wir Ausdr\u00fccke, vornehmlich aus dem Englischen, mit in unseren allt\u00e4glichen Sprachgebrauch. Mit Baujahr &#8217;84 wurde ich in eine Generation hineingeboren, in der Anglizismen (Erkl\u00e4rung folgt gleich) mit an der Tagesordnung waren; es f\u00fcr uns somit nicht mehr &#8222;besonders&#8220; war, Lehnw\u00f6rter aus dem Englischen mit ins Deutsche zu \u00fcbernehmen &#8211; und wenn es nur das einfache &#8222;cool&#8220; war und ist.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das, was man umgangssprachlich gern als &#8222;Denglisch&#8220; (Zusammengesetzt nat\u00fcrlich aus Deutsch und Englisch) bezeichnet, nennt sich &#8222;Anglizismus&#8220;. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anglizismus\" target=\"_blank\">Wikipedia<\/a> wei\u00df hierzu folgendes: <cite>&#8222;Als Anglizismus bezeichnet man einen sprachlichen Ausdruck, der aus dem Englischen in eine andere Sprache eingeflossen ist. Betroffen davon sind alle Bereiche eines Sprachsystems, von der Lautung \u00fcber die Formenlehre, Syntax, Semantik bis zum Wortschatz, sowie die Bereiche Sprachgebrauch und Sprachebene (Fachsprache, Alltagssprache, Slang und anderes). Findet die \u00dcbernahme Akzeptanz von Seiten der Sprachgemeinschaft, werden die Ausdr\u00fccke als Fremd- und Lehnwort bzw. als neue Bedeutung eines Wortes oder als neue Satzkonstruktion \u00fcbernommen.&#8220;<\/cite><\/p>\n<p>So weit die Theorie, die jedoch in der Sprachpraxis immer umfassender ihren Einsatz findet. Ich w\u00fcrde sogar behaupten, es geht teilweise soweit, dass wir f\u00fcr einige aus dem Englischen \u00fcbernommene Ausdr\u00fccke \u00fcberhaupt kein Deutsches Synonym mehr verwenden, ja selbst keines mehr kennen.<\/p>\n<h3>Jeder ist heute ein &#8222;Manager&#8220;<\/h3>\n<p>Ist es Euch bei der letzten Jobsuche vielleicht auch schon aufgefallen? Jobbezeichnungen erhalten immer zunehmender englischsprachige, neue Ausdr\u00fccke &#8211; ach halt, beim W\u00f6rtchen &#8222;Job&#8220; f\u00e4ngt es ja bereits an. \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Fast ein jeder von uns ist in seinem Berufsumfeld neuerdings ein Manager. Aus einem Personalsachbearbeiter wird somit  ein &#8222;HR Manager&#8220;, wobei &#8222;HR&#8220; hier f\u00fcr &#8222;Human Resources&#8220; steht. aus dem herk\u00f6mmlichen &#8222;Hausmeister&#8220; wird ein &#8222;Facility Manager&#8220; und wenn man nicht Manager ist, dann ist man zumindest ein &#8222;Agent&#8220;, anstatt wie zuvor &#8222;Mitarbeiter&#8220;. M\u00f6chte man noch zwischen Nachwuchskraft und Arbeitnehmer mit Berufserfahrung unterscheiden, setzt man einfach ein &#8222;Junior&#8220; oder &#8222;Senior&#8220; vor die Jobbezeichnung.<\/p>\n<p>Und hat man den Job bekommen, begegnen einem im Arbeitsalltag viele weitere Lehnw\u00f6rter, wenn nicht sogar komplett aus dem Englischen \u00fcbernommene Ausdr\u00fccke &#8211; mal von technischen Fachbegriffen ganz abgesehen. Man bekommt anfangs ein Training oder Teaching, nimmt an Meetings und Workshops teil, arbeitet dann im Team, schickt sich Reminder f\u00fcr den n\u00e4chsten Termin, liest und h\u00f6rt oder nutzt etwas, das sich Mindmap nennt, beim Verkauf redet man von Sales, und damit auch alle Mitarbeiter der Firma das gleiche Briefpapier, die gleichen E-Mail-Vorlagen etc. verwenden, spricht man auch gern vom &#8222;Corporate Design&#8220; oder der &#8222;Corporate Identity&#8220;.<\/p>\n<p>Viele empfinden es als zeitgen\u00f6ssisch, es geh\u00f6re zum Zeitgeist dazu, um im internationalen Markt bestehen und sich behaupten zu k\u00f6nnen &#8211; so oder so \u00e4hnlich wurde mir mal auf die Frage, warum alles auf einmal verenglischt wird, geantwortet. Man kann es kritisieren oder richtig cool finden &#8211; ein wenig befremdlich wirkt es auf mich jedoch schon.<\/p>\n<h3>Freizeit, Alltag, Umgangssprache<\/h3>\n<p>Dieser gro\u00dfe Sprachbereich bietet inzwischen soviele W\u00f6rter und Ausdr\u00fccke mit Englischem Ursprung, dass es schier unm\u00f6glich ist, eine komplette Liste zu erstellen. Hier einfach mal ein paar Dinge, die Freunden und mir bei einem kurzen &#8222;Brainstorming&#8220; in den Sinn kamen.<\/p>\n<p>Wer sich modisch kleidet, der kleidet sich stylisch &#8211; an diesem Wort und seiner Schreibweise merkt man auch sehr gut, wie W\u00f6rter aus dem Englischen eingedeutscht werden. Viele von uns besitzen noch CD- oder DVD-Player; schon komisch, beim Plattenspieler ist uns das Originalwort erhalten geblieben. Und wenn es mal wieder schnell gehen muss, essen wir bei M\u00e4ckes oder sonstwo Fastfood &#8211; gibt es daf\u00fcr eigentlich \u00fcberhaupt ein Alternativwort? Ich glaube nicht. \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Generell ist im Bereich Ern\u00e4hrung inzwischen auch der Anglizismus eingekehrt, ob nun bei Food Festivals, den Weight Watchers, das bei K\u00f6chen sehr beliebte &#8222;Convenience&#8220; oder s\u00e4mtliche Essensbezeichnungen von Wedges \u00fcber Burger und weitere.<\/p>\n<p>Wir gehen Shoppen, lustigerweise nutzen wir dieses Wort aber scheinbar nur dann, wenn es nicht um Dinge des t\u00e4glichen Gebrauchs geht. Wer den Supermarkt besucht, w\u00fcrde wohl kaum sagen, dass er oder sie shoppen war? \ud83d\ude09 Sch\u00f6n, dass der Supermarkt weiterhin Supermarkt ist. Wer Shoppen gehen will, besucht auch hierzulande oft ein Shopping Center. Wenn man dort etwas Essen m\u00f6chte, gibt es fast \u00fcberall einen Food Court oder eine Food Corner.<\/p>\n<p>Jeder hat so seine Lieblingsbands, teils Newcomer, teils gro\u00dfe Stars. Wir kaufen Merchandising-Artikel, nutzen Streamingdienste, um die Musik zu h\u00f6ren. Der Gro\u00dfteil dieser W\u00f6rter hat \u00fcberhaupt keine Ursprungsw\u00f6rter im Deutschen, weil wir sie von Anfang an scheinbar in den Deutschen Wortschatz \u00fcbernommen haben. F\u00fcr Band gibt es zwar &#8222;Gruppe&#8220;, aber beim Rest? Allein schon s\u00e4mtliche Genrebezeichnungen lie\u00dfen sich nur eher schwer ins Deutsche transferieren  &#8211; aus Rap wird dann: Musik mit rhythmischem Sprechgesang? Klingt und liest sich komisch.<\/p>\n<p>Ein Kabarettist nennt sich neuerdings Comedian und ist hoffentlich auch ein guter Entertainer. Wer Spa\u00df haben will, hat Fun. Wir gehen auf Partys und sprechen nur bei gehobeneren und\/oder besonderen Anl\u00e4ssen von einer Feier. Und wenn man nicht in den Club hineingekommen ist, war nat\u00fcrlich der Doorkeeper oder das Security Personal Schuld.<\/p>\n<p>Viele von uns spielen gern &#8211; aber wenn es um Spiele an Konsolen, Computer &#038; co geht, spricht man von Gaming. Alles andere, Analoge, bleibt weiterhin ein Spiel.<\/p>\n<p>Wer ein Nickerchen macht, der ist neuerdings am Nappen (von: To take a Nap), wer sich in seine Bettdecke einrollt, der wrappt.<\/p>\n<p>Wer jemanden kennenlernt, der hat ein Date, ist sicherlich auch am Flirten, landet f\u00fcr ein wenig Sex im Bett und am Ende wars doch nur ein &#8222;One Night Stand&#8220; &#8211; was auch sonst, denn auch hierf\u00fcr gab es vor der &#8222;Einf\u00fchrung&#8220; dieses Begriffs wohl noch kein Pendant.<\/p>\n<p>Wer mit Bus oder Bahn f\u00e4hrt, braucht keinen Fahrschein mehr, sondern kauft ein Ticket. Lustig, dass Schaffner trotzdem weiterhin den Fahrschein kontrollieren wollen.<\/p>\n<p>Und wer hat nicht schon von den vielen Challenges geh\u00f6rt, ob nun auf YouTube, im Team auf Arbeit oder wo auch immer.<\/p>\n<h3>Sprache ver\u00e4ndert sich<\/h3>\n<p>Ein Ding, das man nicht h\u00f6ren mag &#8211; Sprache ver\u00e4ndert sich. Es kommen neue W\u00f6rter und Ausdr\u00fccke hinzu, andere sind out und verschwinden ungeh\u00f6rt im Nichts. Ein Zyklus, den wir nur schwer aufhalten k\u00f6nnen, ansonsten w\u00fcrden wir auch heute noch so schw\u00fclztig daherreden wie im Mittelalter &#8211; was damals sicherlich auch total im Trend war, aus heutiger Sicht sich verstaubter denn je anh\u00f6rt. Was diejenigen, die solch ein Wandel &#8222;st\u00f6rt&#8220; nur tun k\u00f6nnen ist, sich einfach selber treu zu bleiben. Es zwingt einem niemand s\u00e4mtliche Redewendungen, ob im Job oder in der Freizeit, auf. Es liegt allein an uns, ob und inwieweit wir diese mit in unseren pers\u00f6nlichen Alltag integrieren. Wer nicht Shoppen gehen mag, geht halt Einkaufen. Wer mit Fame nichts am Hut hat, erntet vielleicht lieber Ruhm. Wer sich bei Facility Manager nicht angesprochen f\u00fchlt, kann doch gern weiterhin Hausmeister sein. Wichtig ist, dass wir sowohl die eine als auch die andere Richtung akzeptieren. Sprich wer unbedingt meint, gef\u00fchlt jedes f\u00fcnfte Wort im Satz m\u00fcsse ein Englisches sein, der soll so sprechen. Umgekehrt d\u00fcrfen aber auch diejenigen, die diesem Trend eben nicht folgen m\u00f6chten, nicht gleich als oldfashioned abgestempelt werden und au\u00dfenvor bleiben.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend jedoch noch ein Beispiel, bei dem auch ich lieber auf das Englische Wort zur\u00fcckgreife &#8211; nennen wir es aus Sicherheit. Wer n\u00e4mlich Stadtf\u00fchrungen veranstaltet, bet\u00e4tigt sich als Stadtf\u00fchrer, Neudeutsch auch Tourguide oder kurz Guide. Und was w\u00e4re Guide auf Deutsch? Richtig: F\u00fchrer. Auch im 21. Jahrhundert muss man mit diesem Wort immer noch sehr sehr vorsichtig sein und geht hier sprachlich lieber auf Nummer Sicher.<\/p>\n<iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fchristian-ohrens.de%2Fwordpress%2F2019%2F12%2F11%2Fgedanken-gaenge-xxxx-von-fastfood-shopping-co-oder-ein-rundgang-durch-die-gelaeufigsten-anglizismen-unserer-alltagssprache%2F&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=450&amp;action=like&amp;colorscheme=light\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" allowTransparency=\"true\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px;margin-top:5px;\"><\/iframe>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutsche Sprache, schwere Sprache &#8211; hei\u00dft es ja so sch\u00f6n. 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