{"id":533,"date":"2019-12-20T20:03:26","date_gmt":"2019-12-20T19:03:26","guid":{"rendered":"http:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/?p=533"},"modified":"2021-07-12T17:10:18","modified_gmt":"2021-07-12T15:10:18","slug":"noch-drei-spruenge-bis-zum-abgrund-warum-und-wie-ich-als-blinder-spielkonsolen-nutze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/2019\/12\/20\/noch-drei-spruenge-bis-zum-abgrund-warum-und-wie-ich-als-blinder-spielkonsolen-nutze\/","title":{"rendered":"Noch drei Spr\u00fcnge bis zum Abgrund &#8211; Warum und Wie ich als Blinder Spielkonsolen nutze"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr viele Kinder und Jugendliche geh\u00f6ren PC- und Videospiele inzwischen zu ihrem Alltag dazu. Und auch bei Erwachsenen gibt es viele, die diesem Zeitvertreib oder Hobby, mal mehr oder weniger ausgepr\u00e4gt, nachgehen. Auch ich als Blinder spiele und das mit gro\u00dfer Begeisterung. Jedoch interessieren mich weniger Spiele, welche speziell f\u00fcr unseren Nutzerkreis entwickelt wurden (Beispiel sog. Audiogames) oder solche, die so gestaltet sind, dass wir sie problemlos auch mit Sehenden zusammenspielen k\u00f6nnen (zahlreiche Smartphone-Games, Quizspiele etc.), sondern konzentriere mich beim Spielgenuss zum Gro\u00dfteil auf herk\u00f6mmliche Spielekonsolen wie Nintendo, Playstation etc. Wie ich zu solch einem eher ausgefallenen Hobby kam und warum ich solche und nicht die speziell f\u00fcr blinde Gamer entwickelten Spiele bevorzuge,, werde ich oft gefragt. Hier meine Antwort dazu.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"225\" class=\"alignnone size-medium wp-image-535\" alt=\"Ich sitze vor einem alten C64, meine linke Hand h\u00e4lt den Steuerkn\u00fcppel eines Joysticks und um mich herum stehen drei\/vier Leute und schauen zu | Bild Copyright Christian Ohrens, Location Retro Spiele Club Hamburg\" src=\"https:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/IMG-20191219-WA0006-300x225.jpg\" srcset=\"https:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/IMG-20191219-WA0006-300x225.jpg 300w, https:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/IMG-20191219-WA0006-768x576.jpg 768w, https:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/IMG-20191219-WA0006-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/IMG-20191219-WA0006-50x38.jpg 50w, https:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/IMG-20191219-WA0006-700x525.jpg 700w, https:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/IMG-20191219-WA0006.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Konsolen spielende Kinder oder: Eine Frage der Erziehung und des Zugangs<\/h3>\n<p>Einige seiner Interessen und Hobbys bekommt man h\u00e4ufig als Kind von den Eltern ein St\u00fcck weit mit in die Wiege gelegt. Da mein Vater sich f\u00fcr Videospiele begeistern konnte, kam ich schon fr\u00fch in Kontakt mit C64, Nintendo &amp; co.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend meiner Schulzeit konnte ich h\u00e4ufig beobachten, dass einige Eltern blinder Kinder ihre Kinder quasi auch &#8222;blind erzogen&#8220;, damit meine ich, dass sie bei ihrer Erziehung und der Medien- und Spieleauswahl immer die Blindheit im Hinterkopf hatten und diese auch gern als Ausschlusskriterium und Begr\u00fcndung nutzten, warum ihr blindes Kind dieses oder jenes nicht machen soll oder kann. In diesem Bereich fielen bzw. fallen auch ganz klar Videospiele aller Art. Zwar wurde ihnen schon erkl\u00e4rt, um was es sich dabei handelt, eben diese Sorte Eltern verwies jedoch im gleichen Atemzug darauf, dass man ja blind sei und damit nichts anfangen k\u00f6nne. Ein Ausprobieren fand somit bei vielen blinden Mitsch\u00fclern zu meiner Schulzeit gar nicht erst statt.<\/p>\n<p>Anders bei mir. Da mein Vater und weitere Verwandte ab und zu durchaus zum Joystick oder GameBoy griffen, wurde ich schon recht fr\u00fch mit derartigen Angeboten konfrontiert. Die Neugier war gro\u00df (&#8222;Was piept da so und gibt so lustige Ger\u00e4usche von sich?&#8220;) und weckte bei mir letzten Endes auch den Wunsch, es selber einmal auszuprobieren.<\/p>\n<p>Viele Dinge in meiner Kindheit geschahen nach dem Motto &#8222;geht nicht, gibt&#8217;s nicht!&#8220; und so tastete ich mich buchst\u00e4blich mit 8 oder 9 Jahren an unseren damaligen Comodore 64 heran und probierte die ersten Spiele aus, anfangs noch mit Unterst\u00fctzung meiner Eltern, denn ich wollte wissen, was bei welchem Ger\u00e4usch passierte, zum Schluss jedoch immer mehr auch allein. Es ging mir nie darum, wirklich weit zu kommen (geht es mir auch heute nicht), der Ansporn, meine Figur immer l\u00e4nger vor dem Absturz, das Raumschiff vor dem Abschuss zu bewahren, reichten vollends aus. Die Zeit, in der wir den C64 besa\u00dfen und auch nutzten, war f\u00fcr mich somit die &#8222;Geburtsstunde&#8220; des Videospiele spielens.<\/p>\n<p>Kritiker w\u00fcrden jetzt sagen, dass es doch &#8222;besseres&#8220;, &#8222;sch\u00f6neres&#8220; und &#8222;wichtigeres&#8220; als Kind zu spielen g\u00e4be &#8211; keine Sorge, die Vielfalt war da. Es war nur ein weiteres &#8222;Angebot&#8220; Seitens meiner Eltern, das ich annahm und ausprobierte &#8211; so wie Filme schauen, Fahrrad oder Rollschuh fahren, mit Lego spielen, vorgelesen bekommen (und sp\u00e4ter selber lesen) auch.<\/p>\n<h3>Mario vs. Sonic oder: Der Ton macht die Musik&#8230; und entscheidet, welche Konsole man spielt<\/h3>\n<p>Im Winter &#8217;93 schenkten Teile meiner Familie meinem Vater zu Weihnachten einen Super Nintendo (der Einfachheit halber weiter als SNES abgek\u00fcrzt). Mit im Paket befand sich der legend\u00e4re SNES-Klassiker &#8222;Super Mario World&#8220;. Kaum ausgepackt und angeschlossen, stellte ich beim ersten Mith\u00f6ren schnell fest, dass der Sound bei dieser Konsole um L\u00e4ngen besser und detaillierter zu sein schien, als noch beim dagegen qu\u00e4kigen C64. Ein Ausprobieren war somit auch hier vorprogrammiert&#8230; \u00e4hm, wer bekam noch mal die Konsole geschenkt? \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Es folgten in den n\u00e4chsten Jahren viele weitere Spiele, die mein Vater sich entweder aus der Videothek mitbrachte oder selber kaufte. Ich fand f\u00fcr mich heraus, dass es durchaus Spiele gab bzw. gibt, die sich blind nur schwer spielen lassen. Auch wenn mein Vater ein sehr gutes Gesp\u00fcr daf\u00fcr entwickelte, welches Spiel ich mal ausprobieren k\u00f6nnte und welches eher nicht, die Neugier, alles was da war mindestens einmal ausprobiert zu haben, war trotzdem da. Klappte ein Spiel nicht und ich h\u00e4tte somit ruhig auf das v\u00e4terliche Urteil h\u00f6ren sollen, war die Frustration jedoch eher gering.<\/p>\n<p>Es blieb jedoch nicht beim SNES. Ostern &#8217;94 w\u00fcnschte ich mir einen eigenen GameBoy, was meine Eltern wohl weniger, daf\u00fcr jedoch den Rest der Verwandtschaft schon arg verwunderte. Sie konnten das Ph\u00e4nomen &#8222;blindes, konsolenspielendes Kind&#8220; noch nicht ganz begreifen. Und oft h\u00f6rte ich hinter vorgehaltener Hand die Leute fragen: &#8222;Was hat er davon? Er sieht es doch nicht?!&#8220; Die Vehemenz, mit der ich hier am Ball blieb und auch vor ihren Augen &#8211; um meinen Vater zu zitieren &#8211; mit einer Geduld spielte, die er teilweise nicht aufbrachte, konnten sie dann doch eines besseren belehren.<\/p>\n<p>An dieser Stelle eine kleine Anekdote. Waren wir im Urlaub, habe ich es im Handumdrehen geschafft, s\u00e4mtlichen Leuten, die mich beobachtet, ja teilweise sogar angestarrt hatten, die Gesichtsz\u00fcge entgleisen zu lassen. Im ersten Moment noch ein Buch in Blindenschrift gelesen, was bei vielen schon faszinierte Blicke hervorrief, dann das Buch weggepackt, Kopfh\u00f6rer aufgesetzt und den Stecker dann nicht in einen Walk- oder Diskman, sondern in den mitgebrachten GameBoy gesteckt. Meine Eltern berichteten mir dann sp\u00e4ter immer, wie irritiert ich von manchen danach begafft worden war &#8211; jedoch angesprochen und Fragen gestellt haben uns nat\u00fcrlich die wenigsten.<\/p>\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter fand ein kleiner Systemwechsel statt. Ich &#8222;erbte&#8220; sozusagen den SNES meines Vaters, da er sich eine Sega Megadrive Konsole zugelegt hatte. Jedoch konnten mich Sonic &amp; co nicht richtig \u00fcberzeugen. Auch wenn es auf den Sega-Konsolen durchaus blind spielbare Spiele gegeben h\u00e4tte, der f\u00fcr den Megadrive typische Sound kann mich auch heute immer noch nicht \u00fcberzeugen und zum Weiterspielen animieren. Nat\u00fcrlich war ich vom C64 oder vom eigenen GameBoy minimalistische Soundszenarien gewohnt, aber trotzdem wurden der Sega und ich nicht so richtig warm &#8211; und wie ich heute wei\u00df, erging es vielen sehenden Spielern da \u00e4hnlich; zwar nicht des Tones wegen, da gab es dann andere Ausschlusskriterien.<\/p>\n<p>Weitere Kennenlernstationen waren der N64, die Playstation 1 sowie w\u00e4hrend eines Tunesienurlaubs auch ein klassischer Spielhallenautomat, auf dem ein Kampfspiel vorinstalliert war.<\/p>\n<h3>&#8222;Wenn es knallt noch &#8217;nen Meter&#8220;&#8230; oder: Als Blinder Videospiele erlernen<\/h3>\n<p>Egal, um welche Konsole oder welches Spiel es sich handelt, das Prinzip, wie ich mir neue Spiele aneigne, ist eigentlich stets dasselbe.<\/p>\n<p><strong>Spiele kennenlernen und zuh\u00f6ren.<\/strong> Von 0 auf 100? Das geht nicht. Wer noch nie mit Videospielen zu tun hatte, sollte anfangs sich erst mal mit spieletypischen Sounds und Strukturen auseinandersetzen. So habe ich es anfangs auch getan. Ich konnte Stunden damit verbringen, bei meinem Vater zu sitzen und ihm beim Spielen einfach nur zuzuh\u00f6ren und ab und an Fragen zur Handlung oder den Ger\u00e4uschen zu stellen. Denn viele genretypische Sounds \u00e4hneln sich sehr stark. Das Springen in einem Jump and Run Abenteuer, das Einsammeln von Dingen, Laserfeuer und Explosionen, Schl\u00e4ge etc. Viele Sounds finden sich in abgewandelten Formen in verschiedensten Spielen und Genres immer wieder.<\/p>\n<p><strong>Worum geht es?<\/strong> Hierunter fallen nicht nur die Story und die Aufgabe sondern durchaus auch das Genre. Denn wie eben schon erw\u00e4hnt, wei\u00df ich auch, was ger\u00e4uschtechnisch ungef\u00e4hr auf mich zukommen wird. Dieses Wissen ist vor allem dann wichtig, wenn ich Spiele zum ersten Mal spiele und niemanden Sehendes f\u00fcr eine erste Einweisung zugegen ist.<\/p>\n<p><strong>Strukturen und Abl\u00e4ufe erkennen.<\/strong> Wenn ich nicht sehe, wann der Abgrund kommt, muss ich mir andere, markante Punkte merken, wo ungef\u00e4hr der Abgrund kommen k\u00f6nnte. Die Musik ist dabei kein guter Anhaltspunkt. Verz\u00f6gert sich der Spielablauf durch irgendwas nur ein wenig (dr\u00fcckt man z. B. auf Pause und das Spiel ist so programmiert, dass die Musik im Hintergrund weiterl\u00e4uft), sind alle Taktz\u00e4hlereien f\u00fcr die Katz. Generell z\u00e4hle ich eher seltener in Spielen Spr\u00fcnge, Sch\u00fcsse, Schl\u00e4ge, Takte etc. Ich merke mir grob den Tonablauf, was sammle ich zu erst, was gibt es f\u00fcr Besonderheiten, was ver\u00e4ndert sich usw. und versuche, mir so wichtige Spielpunkte zu erarbeiten und zu merken. Es kann helfen, sich sog. &#8222;Let&#8217;s Plays&#8220; anzuschauen bzw. anzuh\u00f6ren. Mein Vater hatte seiner Zeit bei allen unseren Spielen das jeweils erste Level auf Kassette aufgenommen, sodass ich eine erste Orientierung hatte. Heute gibt es f\u00fcr sowas YouTube, so lange der Spieler nicht andauernd in sein Video reinlabert und ich somit von der Ger\u00e4uschkulisse nichts mehr mitbekommen kann.<\/p>\n<p><strong>Bewegungsabl\u00e4ufe merken.<\/strong> In vielen Spielen gibt es gewisse Bewegungsabl\u00e4ufe (z. B. in &#8222;Super Mario&#8220; beim Auffinden des Pilzes, um zu wachsen, bei Donkey Kong das charakteristische Klopfen des Affen im Fass, damit man ihn befreit usw.). Diese erlerne ich entweder im Beisein sehender Spieler oder durch blo\u00dfes Ausprobieren. Dank Internet sind viele Manuals zu zahlreichen Konsolenspielen online abrufbar und Mitglieder in Spieleforen geben bereitwillig Auskunft, in den Neunzigern und fr\u00fchen Zweitausendern jedoch hie\u00df es f\u00fcr mich einfach &#8222;try or die&#8220;!<\/p>\n<p><strong>Schwierigkeitsgrad senken.<\/strong> Viele Spiele erlauben es, die Schwierigkeitsstufe herabzusenken. Gerade bei Kampf- und Actionspielen ist dies sehr zu empfehlen.<\/p>\n<p><strong>Geduld ist der gr\u00f6\u00dfte Bonus im Spiel!<\/strong> Blind zu spielen bedeutet auch, geduldig mit sich selbst zu sein. Auch der Sehende kommt nicht sofort bis ans Level-ende und ben\u00f6tigt mehrere Anl\u00e4ufe. Wie oben erw\u00e4hnt, bewunderte mich mein Vater teilweise f\u00fcr meine Geduld, es immer und immer wieder zu versuchen &#8211; wie oft warf er wutentbrannt das Gamepad beiseite, weil etwas nicht so klappte, wie er es im Spiel wollte. Manchmal, gerade auch bei neueren Konsolen, erschlie\u00dfen sich die Sounds im Spiel mir nicht sofort, da hei\u00dft es, durch Herumprobieren den richtigen Weg zu finden.<\/p>\n<p><strong>Sidescroller vs. Open World?<\/strong> Viele Spiele auf alten Konsolen folgen dem Sidescroller-Prinzip, d. h. die Steuerung l\u00e4sst nur ein Vorw\u00e4rts- oder R\u00fcckw\u00e4rtslaufen der Figuren zu. Auch wenn viele Spiele eine 3D-Optik besitzen und die Perspektive wechselt, die Steuerung bleibt immer gleich. Anders beim &#8222;Open World&#8220; Prinzip, bei dem die Steuerung in alle Himmelsrichtungen erfolgen kann. Da es bei Letzterem noch mehr Spielraum, noch mehr Laufm\u00f6glichkeiten und somit weniger Anhaltspunkte gibt, fallen solche Spiele f\u00fcr mich eher weg. Ein Grund, warum ich mich auch eher auf alte Spielekonsolen konzentriere und nicht auch beispielsweise der X-Box oder der PS4 eine Chance gebe.<\/p>\n<p><strong>Cheatcodes&#8230; machen das Spielen leichter<\/strong> Unter vielen (sehenden) Spielern verp\u00f6nt, f\u00fcr blinde Gamer jedoch \u00e4u\u00dferst hilfreich: Durch sog. &#8222;Cheat Codes&#8220; k\u00f6nnen Spielmechanismen au\u00dfer Kraft gesetzt oder Spielabl\u00e4ufe vereinfacht werden (Beispiel: Unbesiegbarkeit). Hat ein Spiel solche M\u00f6glichkeiten und k\u00f6nnen diese auch ohne weiteres (z. B. ohne Zusatzmodule etc.) eingesetzt werden, sollte man sie auf jeden Fall einmal ausprobieren. Doch VORSICHT!: Viele im Netz kursierende Codes funktionieren nicht!<\/p>\n<h3>Warum ich als Blinder nun Konsolenspiele spiele oder: Konsole vs. Audiogame<\/h3>\n<p>Es gibt sie tats\u00e4chlich, f\u00fcr blinde Gamer entwickelte, sog. Audiogames. Der Name ist Programm, das Hauptaugenmerk liegt hier im Sounddesign, nur wenige Spiele verf\u00fcgen \u00fcber eine Grafik. Die Vielfalt reicht hier von teilweise sehr einfach gestrickten Spielen bis hin zu ausgekl\u00fcgelten Action Adventures. Warum also nicht die Palette an Spezialangeboten nutzen, anstatt auf das zur\u00fcckzugreifen, was eh nur eingeschr\u00e4nkt funktioniert? Mal ganz davon abgesehen, dass auch neuere Systeme ein blind Spielen erlauben, in dem einige wenige Spiele ausgekl\u00fcgelte Mechanismen und Sounds enthalten, die das Spiel auch blind spielbar machen (Beispiel: &#8222;The Last of Us 2&#8220; f\u00fcr die Playstation 4).<\/p>\n<p>Vielleicht bin ich ein Gewohnheitstier. Ich habe Spiele als Konsole kennengelernt, ohne Computer etc. Und auch heute empfinde ich es als mal sehr angenehm, wenn man mal nicht am PC hockt und theoretisch nebenbei mit E-Mails und anderen Nachrichten konfrontiert wird. Spielen ist eine Ablenkung und da darf der Computer ruhig auch mal ausbleiben &#8211; genau wie das Smartphone. Denn auch f\u00fcr unser kleines Taschenb\u00fcro gibt es inzwischen einige Spiele, die noch nicht einmal speziell f\u00fcr einen blinden Spielerkreis konzipiert wurden, jedoch sowohl von blinden als auch sehenden Gamern gespielt werden k\u00f6nnen. Auch wenn das Sounddesign in solchen Spielen, aber auch in Audiogames um ein Vielfaches besser ist, greife ich dennoch auf die Nostalgie zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Ein weiterer Punkt ist, dass Spielen f\u00fcr mich ein kurzweiliger Zeitvertreib ist. Mal f\u00fcr ein St\u00fcndchen, vielleicht auch zwei spielen und kurz abtauchen reicht. Ich brauche hierf\u00fcr kein gro\u00dfartiges Storytelling, keine tiefgr\u00fcndigen Hintergr\u00fcnde, um ein Spiel spielen zu wollen. Und ganz wichtig: Ich spiele, weil es mir Spa\u00df macht. Das bedeutet, es spielt keine gro\u00dfe Rolle, ob ich das Level nun schaffe oder nicht. Den Ansporn, ein Spiel von Anfang bis Ende durchspielen zu m\u00fcssen, versp\u00fcre ich nicht. Es ist sch\u00f6n, ein Level zu schaffen, es ist aber auch nicht schlimm, es nicht zu schaffen. Der Spa\u00df am Spielen an sich ist schon befriedigend genug. Wo andere sich zwei Stunden lang nur einem Spiel widmen, versuche ich mich durchaus in mehreren Spielen.<\/p>\n<h3>Zwischen Spielhalle, Arena und Fantasiewelten oder: Welche Genres sich blind durchaus spielen lassen<\/h3>\n<p><strong>Jump and Run:<\/strong> Das Durchlaufen (oder Durchspringen) verschiedener Welten, Sammeln von Leben und anderen wichtigen Dingen und Gegenst\u00e4nden stehen simpel gesagt im Mittelpunkt vieler solcher Spiele. Sind sie Sidescroller, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, sie zumindest ein wenig spielen zu k\u00f6nnen. Oftmals sind die Welten und Levels jedoch so konzipiert, die Pfade zu verschlungen, die Hindernisse zu hoch, dass man blind keinen Zugang zu ihnen finden kann, h\u00f6chstens unter sehender Anleitung. Durchaus spielbare Titel sind z. B.: Super Mario World\/Allstars (SNES), Super Mario Bros (NES), Super Mario Land 2 (GB), Super Mario Land 3\/Warioland (GB), Bubsy (SNES), Mickey Mouse Magical Quest (z. B. SNES, GBA), Donkey Cong Land (GB), Donkey Kong Country 1 o 2 (SNES), Flinstones (SNES), Ducktales (NES, GB), Die Schl\u00fcmpfe (GB), Yogi Bear (GB), Mr. Nutz (SNES), Pinocchio (SNES), Sonic (Sega Megadrive), Chuck Rock (Megadrive). Es gibt auch auf der Playstation 1 einige wenige Jump and Run Sidescroller, jedoch mit leider schlechtem Sounddesign, sodass ein blind Spielen dieser Titel (wie z. B. Crash Bandicoot, Rayman, Oddworld) eher wenig erfolgreich ist.<\/p>\n<p><strong>Fighting\/Kampfspiele:<\/strong> In diesem Genre hat man als blinder Spieler die meisten Chancen, spielbare Titel zu finden. Vor allem, wenn man sich Combos und Moves von Spielen wie z. B. &#8222;Street Fighter&#8220; aneignet, denn viele andere Hersteller haben diese auch in ihre Spiele mit \u00fcbernommen. Die meisten Kampfspiele sind steuerungstechnisch Sidescroller, auch wenn die Grafik oftmals anderes vermuten l\u00e4sst. Es lohnt sich einmal zu verlieren, um zu wissen, wer der Gegner ist und wer man selbst. Zu 90% geben die Charakt\u00e4re in solchen Spielen auch kurze Shouts bei Schl\u00e4gen, Combos oder Treffern von sich, sodass gut zu erkennen ist, wer gerade am Zug bzw. Schlag war. Manche Spiele verf\u00fcgen zudem nicht nur \u00fcber den Hinweis &#8222;You Win&#8220; am Ende einer Runde, sondern auch \u00fcber einer namentlichen Nennung des Gewinners. Dies hilft nur dann weiter, wenn man genau wei\u00df, welchen Charakter man spielt. Die Auswahl an spielbaren Titeln ist un\u00fcberschaubar, daher hier nur eine kleine Auswahl: Street Fighter Reihe (SNES, PS1-2, vor allem die Ex- oder Alpha Reihe), Tekken 1-3 (PS1), Tekken 4 (PS2), Dead or Alive (PS1), Virtua Fighter-Reihe (Megadrive, Sega X32, Dreamcast, PS2), Battle Arena Toshiden Reihe (PS1), Blody Roar (PS1), Teenage Mutant Ninja turtles Tournament Fighter (SNES), Super Virginia Girls (SNES), Fatal Fury 2 o Special (SNES), Soul Blade (PS1), King of Fighters Reihe (NeoGeo\/PS1\/PS2), Double Dragon 5 (SNES), Fighter&#8217;s History (SNES), Mortal Kombat Reihe (SNES, PS1\/PS2), Kensai (PS1).<\/p>\n<p><strong>Beat bzw. Shot &#8218;em Up:<\/strong> Actiongeladene Abenteuer, welche sowohl Elemente aus Fighting als auch Jump and Run Abenteuern enthalten, bietet dieses Genre. Hier geht es weniger um trickreiches K\u00e4mpfen mittels Tricks, eine Mission bzw. Aufgabe steht bei vielen Spielen klar im Mittelpunkt. Auch in diesem Genre sind durchaus einige Spiele spielbar, z. B. folgende Titel: Teenage Mutant Ninja Turtles 4 (SNES), Turtles 1-3 (GB), Captain America (SNES), X-Men (SNES), Mega Man (GB, NES, SNES), Final Fight 1-3 (SNES\/GBA), Legend (PS1), Power Rangers Cars (SNES), Power Rangers Ninja Storm (GBA), Rival Turf (SNES), Streets of Rage 2 (Sega Megadrive), Metal Slug-Reihe (NeoGeo).<\/p>\n<p><strong>Shooting:<\/strong> Ob Weltraumabenteuer in fernen Galaxien oder Balleraction auf der Erde, auch in diesem Genre finden sich ebenfalls ein paar spielbare Spiele. Zu beachten ist dabei jedoch, dass es in vielen Spielen m\u00f6glich ist, sein Flugobjekt nicht nur nach oben und unten, sondern auch zus\u00e4tzlich vor und zur\u00fcck zu steuern; ein wenig \u00dcbung macht bei einigen Spielen auch hier nach der Zeit den Meister. Spielbar w\u00e4ren z. B.: Pop&#8217;n Twin Bee (SNES), Parodius (SNES, GB, PS1), Gradius Reihe (PC-Engine, NES, SNES, PS1\/PS2), Nemesis 1+2 (GB), Space Invaders (versch Plattformen), R-Type (versch Plattformen), Starfox (SNES), Super Drop Zone (SNES, oder Drop Zone auf C64 bzw. GB), Solar Striker (GB), Phalanx (SNES, GBA), Galaxian (z. B. GB) und viele weitere Klassiker aus dem Bereich der Arcade-Automaten.<\/p>\n<p><strong>Sport:<\/strong> Eines mit der wohl schwersten Genres, wenn es um die Spielbarkeit durch Blinde geht. Aber mit Einschr\u00e4nkungen und\/oder ein wenig Geduld lassen sich auch hier durchaus Spiele finden. Zumal einige Autorennspiele auf der Playstation \u00fcber einen Copiloten verf\u00fcgen, der einem die Richtung ansagt. Falls es diesen nicht gibt, wenns knallt einfach probieren, ob es nun nach rechts oder links weitergeht. Und wer auf Fu\u00dfball steht, sollte unbedingt die FIFA-Spiele f\u00fcr die PS1 und PS2 probieren, sich hier jedoch von einem Sehenden anfangs ein wenig helfen lassen. Spielbare Titel in diesem Genre w\u00e4ren z. B.: Formel 1 diverse Titel (GB, SNES, PS1), V-Rally Reihe (PS1\/PS2), Colin McRae Rally (PS2), World Rally Championship (PS2), Fifa Reihe (nur auf PS1\/PS2 mit Kommentator, bis Fifa 2011 auch mit recht einfacher Spielersteuerung), Street Racer (GB).<\/p>\n<p><strong>Weitere Spiele:<\/strong> Ob Quizspiel oder Flipperautomat, neben den \u00fcblichen Genres gibt es durchaus noch weitere Titel, die durchaus einen Versuch wert sind. Beim Flipperautomaten (Pinball) z. B., h\u00f6rt man sehr gut, wenn sich die beiden Arme bewegen und verschiedene Bonusse abger\u00e4umt werden. Wenn man etwas sucht, findet sich auch durchaus ein gutes Quiz, bei dem die Fragen vom Quizmaster vorgelesen werden. Lieber doch was ganz anderes probieren? Wie w\u00e4re es mit dem Klassiker Bomberman, nur vorsicht, dass man sich nicht &#8222;versehentlich&#8220; selber in die Luft sprengt. Auch hier eine kleine Auswahl: You Don&#8217;t Know Jack (PS1), True Pinball (PS1), Kirby&#8217;s Pinball (GB), Pokemon Pinball (GBC, mit Vibrationsfeedback), Pinball Dreams (SNES, GB), Pinball Fantasy (SNES), Pinball Challenge Deluxe (GBA), Pacman (versch Plattformen), Bomberman Reihe (versch Plattformen), Wario Blast (GB), Hugo (PS1), Hugo 2 (GB, besser jedoch PS1), Wer wird Million\u00e4r [ab Teil 2] (PS1\/PS2).<\/p>\n<p>Diese Liste ist keineswegs komplett, wird jedoch stetig erg\u00e4nzt!<\/p>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<p>Zugegeben, blind alte Konsolen zu spielen geh\u00f6rt wohl zu einem eher ungew\u00f6hnlichen Hobby. Warum ich, obwohl ich den Spielablauf etc. nicht sehen kann, trotzdem lieber zur Spielekonsole anstatt zu &#8222;besser&#8220; spielbaren Titeln zur\u00fcckgreife, wie es zu dieser Begeisterung kam und welche Genres sich durchaus auch blind spielen lassen, darauf sollte dieser Artikel eine erste Antwort geben.<\/p>\n<p>Wo andere stundenlang in virtuellen Welten versinken, ist Spielen f\u00fcr mich eine kurzzeitige Ablenkung, ob zum Zeitvertreib oder als Ausgleich f\u00fcr einen Tag am Schreibtisch. F\u00fcr mich war es auch ganz &#8222;nat\u00fcrlich&#8220;, auch schon als Kind dies auszuprobieren und mich nicht, wie leider viel zuviele, sich nur auf das zu konzentrieren, was offensichtlich zug\u00e4nglich und f\u00fcr &#8222;Blinde geeignet&#8220; erscheint.<\/p>\n<p>Es gibt wenig Gleichgesinnte, zumindest sind mir in all den Jahren, in denen ich schon Videospiele spiele, nur sehr wenige begegnet. Zu gro\u00df scheint die H\u00fcrde zu sein, etwas anzufangen, was auf dem ersten Blick nicht f\u00fcr unseren Personenkreis gedacht bzw. gemacht ist. Da haben es die sehenden Spieler umso leichter, vor allem in Zeiten von Social Media, schnell Spieleinteressierte zum Austauschen oder f\u00fcr schnellen, guten Rat zu finden. Zumal sich unter uns Blinden leider so ein Trend abzeichnet, nur noch solchen Medien- und Gaming-Angeboten eine Chance zu geben, wenn sie auch zu 100% zug\u00e4nglich gemacht wurden.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte daher diejenigen ermutigen, die dem Thema Computer- oder Videospiele nicht ganz abgeneigt sind, es selber einmal auszuprobieren &#8211; denn nur Versuch macht klug und Ihr habt nichts zu verlieren, au\u00dfer ein virtuelles Leben und ein bisschen Zeit. \ud83d\ude09<\/p>\n<iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fchristian-ohrens.de%2Fwordpress%2F2019%2F12%2F20%2Fnoch-drei-spruenge-bis-zum-abgrund-warum-und-wie-ich-als-blinder-spielkonsolen-nutze%2F&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=450&amp;action=like&amp;colorscheme=light\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" allowTransparency=\"true\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px;margin-top:5px;\"><\/iframe>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr viele Kinder und Jugendliche geh\u00f6ren PC- und Videospiele inzwischen zu ihrem Alltag dazu. Und auch bei Erwachsenen gibt es viele, die diesem Zeitvertreib oder Hobby, mal mehr oder weniger ausgepr\u00e4gt, nachgehen. Auch ich als Blinder spiele und das mit gro\u00dfer Begeisterung. 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