{"id":592,"date":"2020-03-04T12:36:13","date_gmt":"2020-03-04T11:36:13","guid":{"rendered":"http:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/?p=592"},"modified":"2020-03-04T17:21:51","modified_gmt":"2020-03-04T16:21:51","slug":"musikvielfalt-im-radio-das-beispiel-grenzwellen-im-gespraech-mit-radio-redakteur-und-moderator-ecki-stieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/2020\/03\/04\/musikvielfalt-im-radio-das-beispiel-grenzwellen-im-gespraech-mit-radio-redakteur-und-moderator-ecki-stieg\/","title":{"rendered":"Musikvielfalt im Formatradio: Das Beispiel &#8222;Grenzwellen&#8220; &#8211; Im Gespr\u00e4ch mit Radio-Redakteur und Moderator Ecki Stieg"},"content":{"rendered":"<p>Keine Frage &#8211; die musikalische Sozialisation findet gr\u00f6\u00dftenteils im eigenen Elternhaus, im ersten Freundeskreis oder auch durch Medien wie das Radio statt. Ein Gro\u00dfteil meines Musikgeschmacks verdanke ich dem Radio, vornehmlich dem privatkommerziellen Sender FFN (fr\u00fcher Radio FFN), welcher bis Ende der 1990er Jahre im Abendprogramm genrespezifische Spartensendungen anbot, unter ihnen die &#8222;Grenzwellen&#8220;. Abseits des Mainstreams bot diese Sendung eine Auswahl an unterschiedlichster, elektronisch orientierter Musik und d\u00fcrfte somit in der nieders\u00e4chsischen Radiolandschaft der 90er Jahre ungelogen zu einem Radioph\u00e4nomen z\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Mit der Umformatierung und Neuausrichtung des Senders wurden 1997 s\u00e4mtliche Spezial- und Spartensendungen aus dem Programm gestrichen und FFN verkam somit, wie die meisten der privaten Sendeanstalten in Deutschland, zum Dudelfunk.<\/p>\n<p>Im Rahmen einer Hausarbeit, welche sich mit der <ahref =\"https:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/2012\/06\/29\/wer-horen-will-muss-suchen-warum-es-kaum-musikvielfalt-im-kommerziellen-rundfunk-gibt\/\">Musikvielfalt im privatkommerziellen Rundfunk auseinandersetzte, hatte ich 2007 die M\u00f6glichkeit, den Mann hinter den Grenzwellen, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ecki_Stieg\" target=\"_blank\">Ecki Stieg<\/a>, f\u00fcr ein ausf\u00fchrhliches Interview zu gewinnen.<\/ahref><\/p>\n<p>Das komplette Interview k\u00f6nnt Ihr hier im Folgenden nachlesen. Ich habe es noch einmal \u00fcberarbietet und durch viele, weiterf\u00fchrende Links erg\u00e4nzt. Seit 2014 erleben die <a href=\"https:\/\/www.grenzwellen.com\/\" target=\"_blank\">Grenzwellen<\/a> eine Neuauflage, die Sendung ist seit April &#8217;14 immer Mittwochs bei <a href=\"https:\/\/www.radiohannover.de\/\" target=\"_blank\">Radio Hannover<\/a> zu h\u00f6ren. Grund genug, rund 13 Jahre nach dem urspr\u00fcnglichen Interview mit Ecki Stieg erneut \u00fcber die Themen Radio, Musikvielfalt, Streaming und nat\u00fcrlich auch seiner R\u00fcckkehr zum Radio und der Neuauflage der Grenzwellen zu sprechen.<\/p>\n<p>Ein herzliches Dankesch\u00f6n an dich, lieber Ecki, f\u00fcr dieses sehr pers\u00f6nliche, ausf\u00fchrliche Interview &#8211; sowohl 2007 als auch jetzt 2020.<\/p>\n<p>Hinweis: Urspr\u00fcngliches Interview gef\u00fchrt Januar 2007; Erg\u00e4nzung M\u00e4rz 2020.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Einleitung (entnommen 2007 von der Grenzwellen-Homepage)<\/h3>\n<p>Kein Zweifel: Ohne den Privatsender ffn w\u00fcrden die Grenzwellen weder als Sendung noch als Webauftritt existieren:<\/p>\n<p>Am 7. Januar 1987 um genau 22.03 Uhr ging die erste \u201eGrenzwellen-Sendung on air.<\/p>\n<p>Was als Experiment begann, wurde eine unbequeme Institution, die 1997 durch ihre Absetzung zumindest terrestrisch ihr j\u00e4hes Ende fand.<\/p>\n<p>In einem der wenigen Interviews zum Thema hat sich Ecki Stieg zu den Komplexen Formatradio, Journalismus, 20 Jahren ffn und den neue Medien gegen\u00fcber dem Journalisten Christian Ohrens geoutet.<\/p>\n<h5>Wie fing das eigentlich alles an mit dir und den \u201aGrenzwellen\u2019? Gab es in den Anfangszeiten des privaten Rundfunks weitere Radiosendungen, die mit den \u201affn Grenzwellen\u2019 verglichen werden k\u00f6nnten oder bildeten die \u201aGrenzwellen\u2019 eine Ausnahme in diesem Sektor?<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: \u201eEs gab schon Sendungen, die man aber nicht direkt mit den \u201aGrenzwellen\u2019 vergleichen kann; es gab Autorensendungen, die ich damals gerne geh\u00f6rt habe. Eine war <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/John_Peel\" target=\"_blank\">&#8218;John Peel\u2019s Music\u2019<\/a> auf BFBS.<br \/>\nObwohl ich ihn als Moderator nicht unbedingt mit mir vergleichen w\u00fcrde, sondern als jemanden, der Hintergrundinformationen knapp und pr\u00e4zise vermittelt, dabei aber keine Atmosph\u00e4re aufbaut, sondern vornehmlich sehr viele neue Sachen pr\u00e4sentierte, die man sonst nirgendwo zu h\u00f6ren bekam.<\/p>\n<p>Wenn es f\u00fcr mich so was wie ein Vorbild geben sollte, dann w\u00e4re das mit Sicherheit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alan_Bangs\" target=\"_blank\">Alan Bangs<\/a>, dessen Sendung &#8218;Night Flight\u2019 ich in den 80er Jahren auf <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/British_Forces_Broadcasting_Service\" target=\"_blank\">BFBS<\/a> sehr gerne geh\u00f6rt habe, weil er in der Lage war, \u00fcber einen Zeitraum von ein bis zwei Stunden Musik wie einen akustischen Film zu arrangieren und auch gro\u00dfartige legend\u00e4re Specials gemacht hat z.B. mit Scott Walker oder John Cale, der damals auch live im Studio gespielt hat, weil der BFBS in K\u00f6ln in der formidablen Lage war, ein Piano im Studio zu haben.<\/p>\n<p> Ich wei\u00df noch, dass ich damals immer sp\u00e4testens um 12:00 Uhr Nachts aus der Disco verschwunden bin, um diese Sendung zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Was die Grenzwellen selber angeht, bin ich eigentlich wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Vor ffn habe ich f\u00fcr Zeitungen gearbeitet und ein Redakteur, der bei den \u201aSchaumburger News\u2019, f\u00fcr die ich als Chefredakteur gearbeitet habe, sagte: \u201aDa macht so\u2019n Privatsender auf und die suchen noch jemanden. Bewirb dich doch einfach mal!\u2019 und dann bin ich da einfach hingelatscht und dort einfach so eingestellt worden.<\/p>\n<p>Dann war es so, dass vor dem Sendestart einfach gesagt wurde, von 22 bis 0 Uhr machen wir irgendwelche Specials, diese kann die Musikredaktion so best\u00fccken, wie sie m\u00f6chte, macht mal. Wir hatten vor dem Sendestart eine Woche Zeit, uns irgendwas zu \u00fcberlegen und da mein Faible schon immer die Independentmusik im weitesten Sinne war, habe ich gesagt &#8218;OK, dann mache ich so \u201ane Sendung, die hei\u00dft No Wave oder irgend etwas in der Richtung\u2019. Irgendwie konnten wir uns auf keinen richtigen Namen einigen, &#8218;No Wave\u2019 fanden wir auch alle bl\u00f6d und der damalige Programmdirektor Thorsten R\u00f6mling schlug den Namen &#8218;Grenzwellen\u2019 vor. Ein sch\u00f6ner Schei\u00dfname, aber als Provisorium mag der ja erstmal dienen.<\/p>\n<p>Man muss aber auch sagen, dass Thorsten R\u00f6mling damals eigentlich <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paul_Baskerville\" target=\"_blank\">Paul Baskerville<\/a> f\u00fcr die Sendung vorgesehen hatte, der zu dieser Zeit beim NDR war, nur damals gab es noch die Regelung, dass, wenn du von den \u00d6ffentlich-Rechtlichen zu den Privaten gehst, es kein Weg mehr zur\u00fcck gibt. Paul hatte ein sehr gutes Angebot bekommen, hatte dann aber einige Tage vor Sendestart einen R\u00fcckzieher gemacht, das hei\u00dft ich wurde da quasi mehr oder weniger ins kalte Wasser geworfen.<\/p>\n<p>Am Anfang klangen die Grenzwellen auch ganz anders als sie dann zum Schluss geklungen haben, n\u00e4mlich eher weniger elektronisch. Ich habe da zum Beispiel auch Sachen wie Raymen oder die Smiths gespielt, also doch sehr viel Gitarrenkram, weil es auch wenig neue elektronische Musik gab. Es gab nat\u00fcrlich schon ein Paar Bands&#8230;<\/p>\n<p>Die ersten Specials waren zum Beispiel mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Front_242\" target=\"_blank\">Front 242<\/a> oder <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alien_Sex_Fiend\" target=\"_blank\">Alien Sex Fiend<\/a>, das waren auch die ersten beiden Bands, die ich f\u00fcr die ffn Grenzwellen interviewt habe, aber das ging damals noch alles sehr langsam los.<\/p>\n<p>Die Sendung war vom Sound her doch sehr offen gewesen. Ich habe da zum Beispiel auch so Sachen wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Foyer_des_Arts\" target=\"_blank\">Foyer des Arts<\/a> gespielt. Als ich angefangen habe, gab es dieses Schlagwort <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Electronic_Body_Music\" target=\"_blank\">EBM<\/a> auch noch gar nicht, aber als sich das dann anfing, zu etablieren, hatte die Sendung dann auch die Klangfarbe bekommen, die sie eigentlich fast bis zum Schluss hatte, d.h. elektronische Musik und dann halt auch so interessante Sachen, die aus der damaligen Vorg\u00e4ngerrichtung kamen, wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Clan_of_Xymox\" target=\"_blank\">Clan of Xymox<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dead_Can_Dance\" target=\"_blank\">Dead Can Dance<\/a> usw.<\/p>\n<p>Tja, warum die elektronische Musik? Ich war einfach fasziniert von den M\u00f6glichkeiten, die die damals aufkommende digitale Technik offerierte und hatte das Gef\u00fchl, dass sich aufgrund dieser technologischen M\u00f6glichkeiten ganz neue Universen auftun und das dies eine sehr spannende Sache ist. Da ich schon immer ein Freund von elektronischer Musik, vor allem aber von Kl\u00e4ngen an sich und von obskuren Klangfarben war, hat mich das unheimlich fasziniert.<\/p>\n<p>Und so hat sich alles mehr oder weniger eher intuitiv entwickelt, es gab kein richtiges Konzept, was der Sendung zu Grunde lag, es hat sich eigentlich erst \u00fcber die Jahre geformt.<\/p>\n<h5>In den folgenden zwei Jahrzehnten hat sich der private Rundfunk immer mehr an die aus den USA importierten Formate angepasst. Wie wirkten sich diese Ver\u00e4nderungen auf Radio ffn und die Programmgestaltung aus?<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Man kann sagen, dass ffn zu Beginn eigentlich ein Unfall war, wenn auch ein positiver. ffn wurde ja damals auch auf Initiative der damaligen CDU-Landesregierung ins Leben gerufen, um dem &#8218;roten&#8216; NDR etwas entgegenzusetzen.<br \/>\nLeider haben die Verantwortlichen beim Einkauf des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers und des ersten Programmdirektors nicht darauf geachtet, was sie sich da f\u00fcr Freidenker ins Nest geholt haben, das waren beides intelligente, experimentierfreudige Menschen und ffn war zu Anfang schon ein krasser Gegensatz zu RSH, die von Beginn an ein wirklich sehr strenges, stringentes Konzept verfolgt haben.<\/p>\n<p>Es gab bei ffn zun\u00e4chst keinen dominierenden Verleger, also Anteilseigner, der \u201aberichtigend\u2019 h\u00e4tte diktieren konnte. Es war damals so, dass wir einfach so angefangen haben, dass drei Plattenarchive gekauft wurden, die dann teilweise mit privaten Best\u00e4nden vermischt und archiviert wurden. Einzelne Titel wurden auf Band gezogen, damit sie sich nicht abnutzen, wenn man die Songs von Platte abspielt, weil es damals ja noch keine CDs gab. Es war ein absolutes Experimentierfeld und die Musikredakteure, die eingekauft wurden, hatten, bis auf wenige, auch noch keine konkrete Radio-Erfahrung gehabt, das waren alles haupts\u00e4chlich Journalisten.<\/p>\n<p>Von daher war ffn eine Art Live-\u00dcbungsstation gewesen, was man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. Wir haben quasi w\u00e4hrend des Sendens richtig gelernt, Sendungen zu machen. Und den Leuten hat es zun\u00e4chst gefallen, uns dabei wachsen zu sehen.<\/p>\n<p>Der Erfolg im ersten Jahr war wirklich ph\u00e4nomenal, das lag haupts\u00e4chlich daran, dass der Hauptkonkurrent, der NDR, sehr schnarchig war, aber der hat nat\u00fcrlich auch nicht geschlafen und auf uns reagiert mit der Musikfarbe, mit der Art der Pr\u00e4sentation, mit der Verpackung usw., so dass ffn nach anderthalb Jahren massive Einbr\u00fcche bei den H\u00f6rerzahlen verzeichnen musste, was dazu gef\u00fchrt hat, dass die Programmdirektion gehen musste und mit ihr auch einige K\u00f6pfe gerollt sind und uns dann von den Verlegern eine amerikanische Beraterfirma (BCI aus M\u00fcnchen) vor die Nase gesetzt wurde.<\/p>\n<p>Es war dann allerdings so, dass der Sender und das Team schon derma\u00dfen gewachsen waren, dass diese K\u00f6nner wirklich Schwierigkeiten hatten, ihre amerikanischen Konzepte 1:1 umzusetzen. Wir haben die letztendlich auch nie konsequent umgesetzt, absichtlich nicht. So blieb es ein Hybrid: Tags\u00fcber wurde eine moderate Musikfarbe gefahren, der Abend dagegen relativ offen gelassen.<\/p>\n<p>Die angetragenen Konzepte sind zu meiner aktiven Zeit nie konsequent umgesetzt worden und ffn hat in den Folgejahren nie wieder diese Mega-Quoten erreicht. Was meiner Meinung auch damit zu tun hat, dass die Nutzung des Mediums Radio eine andere geworden ist.<\/p>\n<p>Es gab ja auch recht bald \u201aprivate\u2019 Konkurrenz wie Antenne, es wurde das Privatfernsehen eingef\u00fchrt und das \u2013 denke ich \u2013 hat auch viel dazu beigetragen, dass Radio viel affirmativer genutzt wurde. Von daher denke ich, dass da viele Faktoren zusammenspielen, die diese Schwankungen verursacht haben.<br \/>\nGenau kann man das ohnehin nicht analysieren, ich denke aber, dass dieses anf\u00e4ngliche Hin- und Herman\u00f6vrieren ffn mehr geschadet als genutzt hat. Wenn man eine straighte Linie verfolgt h\u00e4tte, w\u00e4re es vielleicht auf l\u00e4ngere Sicht erfolgreicher gewesen, aber wie gesagt, Verleger und Geldgeber denken halt genau so wie Politiker, nur in Quartalen und Legislaturperioden und die wollten den sofortigen Erfolg, den sie jetzt vielleicht auch nicht haben, aber zumindest haben sie jetzt das stromlinienf\u00f6rmige Radioprogramm, was sie schon immer angestrebt haben.<\/p>\n<p>Ich bin ja jetzt zum 20. Jubil\u00e4um von ffn f\u00fcr ein Buchprojekt interviewt worden. Da wurde klar, dass ffn bei vielen auch heute noch, 10 Jahre nachdem die ganzen \u201aChaoten\u2019 gefeuert worden sind, den Status des freakigen anderen Rocksenders hat, was wirklich sehr erstaunlich ist, dennoch merkt man hier deutlich, dass die Wahrnehmung von Ver\u00e4nderungen sehr viel verz\u00f6gerter eintritt, als man es selber als Macher wahrnimmt.<\/p>\n<p>Ich kann allerdings nicht verhehlen, dass es mich diebisch freut, dass sie sich mit diesem Image auch heute noch herum qu\u00e4len m\u00fcssen\u2026.<\/p>\n<h5>Ein Format im Sinne des Sendeformates bedeutet ja u.a., dass eine Sendung an gewisse Richtlinien (z.B. bei der Musikauswahl) angepasst werden muss.<br \/>\nWas bedeutete dies speziell f\u00fcr die Grenzwellen? Warst du noch \u201afrei\u2019 in der Auswahl der Beitr\u00e4ge und der Musik oder gab es schon Vorgaben, an die du dich halten musstest?<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Es gab bei ffn ja eine ganze Menge Programmdirektoren und diese Programmdirektoren standen der Sendung immer kritisch gegen\u00fcber. Sie wussten zwar, dass sie einen hohen Wert und hohe Einschaltquoten hat, teilweise bis zu 100.000 H\u00f6rer, wussten aber nicht warum, das hei\u00dft, sie konnten die Sendung \u00fcberhaupt nicht richtig greifen. Das war, um meine Lieblingsserie &#8218;Monk\u2019 zu zitieren, ein Segen, aber auch ein Fluch. Dieses \u201aMonk\u2019-Beispiel w\u00e4hle ich nicht ohne Hintersinn, denn ich mag es, wenn Leute absolut nonkonform arbeiten, aber dabei Spitzenresultate erzielen, ohne dass diese nach alten Regeln erkl\u00e4rbar und definierbar w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Dieses Ph\u00e4nomen konnten auch die ganzen amerikanischen Berater nicht erkl\u00e4ren, weil ich nach deren Richtlinien im Prinzip alles komplett falsch gemacht hatte, was man im Radio falsch machen kann: Es gab ellenlange Moderationen, ich habe Schriftdeutsch gelesen, teilweise mit endlos verschachtelten S\u00e4tzen, die ich, wenn ich sie mir heute anh\u00f6re, manchmal selber nicht mehr verstehe, habe komische Musik gespielt, \u00fcberlange Titel mit bis zu 20 Minuten L\u00e4nge und so weiter und so fort. Also alles das, was f\u00fcr straightes Formatradio steht, habe ich nicht gemacht; bewusst nicht gemacht!<\/p>\n<p>Diese Sendung war so andersartig, dass die ganzen Beraterfirmen gesagt haben: &#8218;wir wissen gar nicht, wo wir da ansetzen k\u00f6nnten, weil wir uns den Erfolg, der ja scheinbar da ist, nicht die Bohne erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Es gibt also nur zwei M\u00f6glichkeiten, entweder kippen oder so lassen, wie sie jetzt ist\u2019.<\/p>\n<p>Und ich wusste, dass ich immer dann gute Karten habe, wenn es um die Lizenzvergabe ging, denn alle vier Jahre wird ja die private Lizenz erneuert, zumindest nach dem Landesmediengesetz in Niedersachsen. Das hei\u00dft, dass selbst ein Kommerzsender gewisse Auflagen zu erf\u00fcllen hat wie kulturelle Vielfalt, Nachwuchsf\u00f6rderung usw. Und da das sonst so gut wie in keiner anderen Sendung statt fand, waren dann die Grenzwellen das Feigenblatt, denn bei mir fand das Geforderte statt..<\/p>\n<p>Ich wusste also, wenn die Lizenzvergabe ansteht, habe ich Narrenfreiheit, dann kann ich quasi machen was ich will, die Sendung werden sie nie im Leben kippen, denn dann h\u00e4tten sie echte Probleme. Und immer wenn die Lizenz vergeben war, wusste ich\u201a dass jetzt wieder ein paar Grade zur\u00fcckrudern angesagt war.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte das Wort \u201aNarrenfreiheit\u2019 insofern aber noch korrigieren und relativieren Das mag sich jetzt so anh\u00f6ren, dass ich dort gemacht habe\u201a was ich will oder dass ich gar beliebig war. Das war aber \u00fcberhaupt nicht der Fall. Die Sendung war ausgearbeitet bis en Detail, ich habe teilweise Wochen und Tage an einem Special gesessen und habe mir bei jedem einzelnen Titel, bei jeder Moderation genau \u00fcberlegt, wie und wo ich was platziere.<\/p>\n<p>Eine der gr\u00f6\u00dften Anma\u00dfungen und Unversch\u00e4mtheiten war ein relativ aktueller Beitrag im Programm von ffn zum 20j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um \u2013 und somit auch zum Jubil\u00e4um der &#8218;Grenzwellen\u2019, wo zwar der Kultwert der Sendung gew\u00fcrdigt, mein Lebenswerk aber zur individualistischen Marotte eines armen Spinners degradiert wurde, der nur seine \u201aLieblingsmusik\u2019 auflegt.<\/p>\n<p>Abgesehen davon, dass die ferngesteuerten Cretins des heutigen Privatfunks gar nicht in der Lage w\u00e4ren, eine Stunde lang ihr Lieblingsprogramm journalistisch zu gestalten, weil ihnen daf\u00fcr Geschmack, Historie und Hirn fehlt, l\u00e4sst diese Aussage auch entlarvende R\u00fcckschl\u00fcsse auf das Kulturverst\u00e4ndnis, das Verst\u00e4ndnis von Radio im herk\u00f6mmlichen Sinne und die reduzierte aurale Wahrnehmung dieser Spezie zu. Wundert mich aber nicht, denn damit hatte ich schon zu meiner aktiven Zeit bei ffn zu tun.<\/p>\n<p>Ich habe mich in der ganzen Zeit, trotz des Erfolges, den die Sendung hatte, immer in der Defensive gef\u00fchlt, ich war perverserweise immer bem\u00fcht, das zu verteidigen, was ich mache.<\/p>\n<p>Dieses Arbeiten aus der Defensive hat aber auch dazu gef\u00fchrt, besonders gewissenhaft und akribisch vorzugehen. Um ehrlich zu sein, arbeite ich am liebsten mit dem R\u00fccken zur Wand, denn das setzt ungeahnte Energie und Qualit\u00e4ten frei. Das ist bis heute so.<\/p>\n<p>Aber es ist eine Tatsache, dass der Erfolg der Sendung auch zu ihrem Aus gef\u00fchrt hat. 1997, als die 10-Jahres-Feiern von ffn anstanden, war der damalige Programmdirektor Cabanis wirklich bem\u00fcht, den Sender so stromlinienf\u00f6rmig wie m\u00f6glich zu gestalten. Doch wurden zu diesen Jubil\u00e4um meist immer nur zwei Leute interviewt, einmal <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dietmar_Wischmeyer\" target=\"_blank\">Dietmar Wischmeyer<\/a> und einmal ich, also die beiden Pole, die \u00fcberhaupt nicht f\u00fcr das \u201aneue Radio\u2019 stehen sollten, das ffn eigentlich haben wollte. Diese Popularit\u00e4t hat im Endeffekt dazu gef\u00fchrt, dass die Sendung gekippt wurde, das muss man ganz einfach so sehen. Also gekippt wegen Erfolg und das ist eine Sache, mit der ich ganz lange zu k\u00e4mpfen hatte. Wenn ich versagt h\u00e4tte und die Sendung wegen Misserfolg eingestellt worden w\u00e4re, w\u00e4re das leichter zu verkraften gewesen, aber dass sie genau aus dem Gegenteil gekippt worden ist, das war schon ein hartes Brot.<\/p>\n<p>Und wie sehr sie auch den Leuten fehlt, habe ich dann auch erfahren. Menschen fangen erst dann an zu heulen, wenn ihnen etwas fehlt, ohne sich dar\u00fcber Gedanken zu machen, in welchen Verh\u00e4ltnissen ihre Ikone eigentlich arbeitet. Dennoch ist es auch ein sch\u00f6nes Gef\u00fchl zu wissen, dass man die musikalische Sozialisation einer ganzen Generation doch ma\u00dfgeblich mitgepr\u00e4gt hat.<\/p>\n<p>Das alles liegt jetzt mittlerweile so lange zur\u00fcck, dass auch die Kinder meiner damaligen H\u00f6rer die alten Cassetten ihrer Eltern wieder entdecken und Kontakt zu mir aufnehmen. Es war also doch nicht alles umsonst<\/p>\n<h5>Seit Ende der 80er Jahre wird die Musik-Programmplanung \u00fcber ein Computer-Programm geregelt und durchgef\u00fchrt. Wie bist du bei der Planung deiner Sendung vorgegangen? Es gab ja schon eine gewisse Struktur, so dass am Anfang meist poppige Songs gelaufen sind. Aber war das von der Vorgehensweise der Planung dieser Sendungen anders, als wenn man z.B. die Sendestunde von 12:00 bis 13:00 Uhr mit Musik f\u00fcllt?<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Zun\u00e4chst eines: Die Grenzwellen wurden immer nur per Hand ohne ein unterst\u00fctzendes Computerprogramm erstellt! Das war bis zum Schlu\u00df reines Autorenradio.<\/p>\n<p>Diese \u201aPlanung\u2019 von 12:00 bis 01:00 Uhr Mittags wurde erst sp\u00e4ter durch den Computer gemacht, da musstest du dann nicht mehr viel planen, sondern hast die Titel nach gewissen Kriterien kategorisiert und dann lief das Ding so durch, also v\u00f6llig ohne Hand.<\/p>\n<p>Am Anfang haben wir die Musikprogramme noch mit der Hand gemacht, heutzutage unvorstellbar. Und zwar mit Bleistift auf ein Sendeprotokoll gekrickelt. Dazu muss man ehrlicherweise sagen, dass wir uns schon etwas Narrenfreiheit gelassen oder uns auch n\u00e4rrisch verhalten haben. Am Anfang war es wirklich so, dass wir den Originalbestand in zwei riesigen Katalogen ausgedruckt hatten. Das waren W\u00e4lzer von mehreren tausend Seiten, alphabetisch geordnet und dann hat die Musikredaktion das Programm wirklich mit der Hand zusammengestellt, d.h. wir sind die Listen durchgegangen und immer wenn ein Musikst\u00fcck (das konnte auch ein LP-St\u00fcck sein) gespielt werden sollte, wurde ein Kreuz dahinter gemacht, das war dann f\u00fcr vier Wochen gesperrt. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, wenn man einen formatierten Sender h\u00f6rt, wo dann teilweise die St\u00fccke vier- oder f\u00fcnfmal am Tag laufen.<\/p>\n<p>Wir hatten zwar auch eine Playlist mit ungef\u00e4hr sechzig St\u00fccken, aber bei diesen sechzig St\u00fccken war die Rotation wirklich sehr breit gestreckt, weil wir nur zwei oder drei Playlisttitel pro halbe Stunde gespielt haben und der Rest wurde durch uns Redakteure nach eigenem Gutd\u00fcnken ausgef\u00fcllt.<\/p>\n<p>Wenn jemand wie Uli Kniep Tagesprogramm gemacht hat, dann hast du es wirklich gemerkt, weil dann der Rock- und Bluesanteil gr\u00f6\u00dfer war, wenn Ulf Marquard das gemacht hat, dann war da mehr amerikanischer Mainstream Rock, und wenn Stieg das Programm zusammenstellte, war da haupts\u00e4chlich dieser ganze 80er Jahre Synthi-Pop drin. Und wenn Stieg Liebeskummer hatte und selbst wenn drau\u00dfen der sch\u00f6nste Sommertag strahlte, konnte es schon mal passieren, dass um 12:00 Uhr Mittags die traurigsten Balladen der Welt liefen.<\/p>\n<p>Also da sind wirklich schon Fehler gemacht worden. Es gab sogar mal einen Moderator, der hat sich geweigert, das zu spielen! Ich wei\u00df es noch genau. Ich hatte wirklich heftigen Liebeskummer gehabt und dementsprechend das Programm zusammengestellt. Da liefen dann Balladen von Gary Numan und Nick Cave hintereinander. Jens Krause, der damalige Fr\u00fchmoderator, kam dann w\u00e4hrend der Sendung wutentbrannt in die Redaktion, knallte mir das Protokoll auf den Tisch und sagte &#8218;den Schei\u00df spiel ich nicht, was f\u00e4llt dir \u00fcberhaupt ein! Wir haben es 8:00 Uhr morgens, es ist ein warmer Sommertag und du gibst mir so \u201ane Kacke&#8216;. Nat\u00fcrlich hatte er Recht. Solche Fehler werden nat\u00fcrlich durch ein strenges Format ausgeschlossen, aber solche Sachen sind damals wirklich passiert und die haben uns sogar wirklich geschadet&#8230; w\u00fcrde ich mal sagen&#8230;<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zu deiner eigentlichen Frage. Du sagst, die Grenzwellen gingen immer poppig los&#8230; Ich habe versucht, immer einen flie\u00dfenden \u00dcbergang von der vorherigen Sendung, ob das nun Oldies oder Liebesgr\u00fc\u00dfe waren, das kam ja immer auf den Sendetermin an, zu finden. Einfach, um halt den Einstieg zu erleichtern, denn der gro\u00dfe Erfolg der Grenzwellen lag auch darin begr\u00fcndet, dass sie auf einer Servicestation liefen. Heute gibt es eine ganze Reihe an Sendungen, die sich mit dieser Musik besch\u00e4ftigen und die auf irgendwelchen B\u00fcrgerkan\u00e4len, auf irgendwelchen Internetradios laufen. Und das sind eigentlich alles Sender oder Stationen, die schon zu den Bekehrten predigen, d.h. dass die Leute die diese Musik eh m\u00f6gen, diese Sendungen ganz gezielt einschalten.<\/p>\n<p>Bei mir war es ein wirkliches Ph\u00e4nomen zu beobachten, dass vorher Oldies oder &#8218;Liebesgr\u00fcsse&#8216; liefen, also ein sehr massenkompatibles Programm, und dann im Anschluss die Grenzwellen und dass dann bei vielen einfach das Radio weiterlief. Sie haben nicht bewusst eingeschaltet, haben aber auch vielleicht nicht immer abgeschaltet. Und du hast Leute mit dieser Art von Musik vertraut gemacht, die bislang gar nichts davon wussten.<\/p>\n<p>Ich sage dir ganz ehrlich: Das Hauptpublikum, das ich bei den Grenzwellen hatte und das ich teilweise heute noch treffe, das ist nicht das typische Szenepublikum, das man heute mit dieser Szene, die es damals so noch gar nicht gab, assoziiert, sondern es waren ganz normale Leute, die Musik entdeckt haben, die sie so vorher nicht kannten und die sich dann weiter dar\u00fcber informiert haben. Ich habe es auch immer an der Post gemerkt, die dann gekommen ist, die Klientel war damals oft sogar weitaus \u00e4lter als ich. Mein h\u00e4rtester Fan war eine 80-j\u00e4hrige Frau aus der ehemaligen DDR, die mir auch immer geschrieben hat &#8211; die Briefe sind komischerweise auch immer angekommen &#8211; die auch immer geschw\u00e4rmt hat, es w\u00e4re ihre Lieblingssendung und was da laufen w\u00fcrde, das w\u00e4re doch total fantastisch. Also Leute gesetzten Alters, die eher auf intellektuellerem Niveau anzusiedeln waren, als der normale EBM-Proll. Das hat mir auch immer sehr gut gefallen, denn das waren auch die Leute, die ich eigentlich auch immer erreichen und f\u00fcr die Sendung begeistern wollte. Und ich wollte Leute haben, die nicht H\u00e4ppchenweise Radio h\u00f6ren, sondern die wirklich bewusst h\u00f6ren.<br \/>\nDas hat sich auch in den Quoten gezeigt, d.h. die Einschaltquoten der Grenzwellen waren immer konstant, die Leute, die die Sendung geh\u00f6rt haben, haben sie immer am St\u00fcck geh\u00f6rt und nicht nur mal nur \u201ane Stunde.<\/p>\n<p>Na klar, es kann sein, dass wenn man ein Special lief, das wirklich sehr polarisiert hat, dass vermehrt ausgeschaltet wurde, aber im Grunde genommen wurde die Sendung wirklich komplett durchgeh\u00f6rt. Das war wirklich ein Ph\u00e4nomen, die Verweildauer bei den Grenzwellen war immens hoch.<\/p>\n<h5>Das, was die Grenzwellen ja auch ausgemacht haben, Bands f\u00fcr die Sendung zu interviewen oder CDs zu kritisieren, findet sich heute teilweise immer noch in der Radiolandschaft wieder. Es gibt noch Spezialsendungen im kommerziellen Rundfunk, nur behandeln diese meist nur noch musikalische Mainstream-Themen. In wiefern war im Sektor der Spezialsendungen in den letzten Jahren ein Wandel zu beobachten, wenn man mal die Grenzwellen mit einer heutigen Spartensendung im kommerziellen Rundfunk vergleicht?<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Ich muss gestehen, dass ich Musik im Radio kaum mehr h\u00f6re. Trotz der Tatsache, dass ich f\u00fcr NDRinfo arbeite, findet Musikh\u00f6ren im Radio f\u00fcr mich nicht mehr statt, nur noch Wort.<\/p>\n<p>Hier Zuhause h\u00f6re ich sowieso prinzipiell kein Radio. Den einzigen Sender, den ich wirklich exzessiv h\u00f6re, allerdings nur, wenn ich Auto fahre, ist Deutschlandfunk, weil ich es mag, \u00fcberrascht zu werden. Das ist, neben NDRinfo, wirklich einer der wenigen Sender, der journalistisch spannend arbeitet. Gewonnen hat bei mir der Moderator oder Redakteur, der mir ein Thema pr\u00e4sentiert, das mir bislang v\u00f6llig fremd war, von dem ich bislang nichts wusste und es so spannend vermittelt, dass ich, nachdem ich angekommen bin, im Auto so lange sitzen bleibe, bis die Sendung zu Ende ist, auch wenn sie noch zehn Minuten oder eine viertel Stunde dauert.<\/p>\n<p>Und das ist es, was Radio eigentlich ausmachen sollte.<br \/>\nEs sollte die Leute in eine Welt abtauchen lassen, es sollte sie \u00fcberraschen und es sollte sie vor allem ernst nehmen und nicht f\u00fcr dumm verkaufen.<\/p>\n<p>Ich lasse mich ungern anschreien im Radio, so wie es viele Moderatoren oder \u201aMorning Mans\u2019 tun und ich lasse mir keine gute Laune verkaufen, die in Wirklichkeit keine gute Laune ist, sondern nur Schmierentheater der alleruntersten Stufe.<\/p>\n<p>Das war bei mir zum Beispiel immer so: Wenn Stieg Schei\u00dfe drauf war oder Liebeskummer hatte, dann hast du es geh\u00f6rt; da habe ich anders moderiert und auch die Musikauswahl war anders. Nicht, dass ich mich habe bewusst gehen lassen, doch es war schon so, dass ich, wenn ich z.B. in der &#8218;Nightline&#8216; St\u00fccke ausgew\u00e4hlt habe, die meiner Stimmung entsprachen, diese dann besser verkaufen und transportieren konnte. Wenn ich so etwas auch bei anderen Moderatoren bemerke, gef\u00e4llt mir das immer sehr gut und ich kann das auch honorieren.<\/p>\n<h5>W\u00fcrdest du sagen, dass das, was heute an journalistischer Arbeit, vor allem im privaten Rundfunk geleistet wird weniger emotional ist als fr\u00fcher?<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Moment, wir wollen doch privaten Rundfunk nicht mit Journalismus in Zusammenhang bringen!? Das w\u00e4re jetzt ein bisschen zu gewagt.<\/p>\n<p>Das alles ist heutzutage eher Handwerk und stupides, nicht hinterfragendes, nach Markgesetzen funktionierendes Handwerk gilt ja, das ist auch so eine amerikanische Philosophie, per se als professionell. &#8218;This is a great song\u2019, sagte der amerikanische Berater zu mir, wenn der Song gut getestet war. \u2018No\u2019, sagte ich, \u2018this is fucking shit, but I think we\u2019ve to play it, because it is popular.\u2019 \u2018No it\u2019s a great song\u2019, sagte er dann, \u2018you must believe it is a great song because it is popular\u2019. Damit habe ich mich nie abfinden k\u00f6nnen: Wenn es dem Volk gef\u00e4llt, ist es ein guter Song und darum ist er auch qualitativ gut.<\/p>\n<p>Das musst du auch selber glauben, das musst du verinnerlichen, weil du es sonst nicht verkaufen kannst. Was gleichzeitig bedeutet, dass Du Geschmack, Hirn und das eigene Urteilsverm\u00f6gen besser gleich in den M\u00fcll schmei\u00dft, wenn du es je besessen haben solltest.<\/p>\n<p>Wir haben es ja damals auch geschafft, selbst Hits zu produzieren, die man heute noch auf den \u201aPowerstation\u2019 und \u201aNightline\u2019-Samplern h\u00f6ren kann, St\u00fccke wie &#8218;Face To Face\u201c von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Shirley_Manson\" target=\"_blank\">Goodbye Mr. MacKenzie<\/a> und allen voran &#8218;Do I Love Her\u2019 von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Taj_Mahal_(Musiker)\" target=\"_blank\">Taj Mahal<\/a>. Wann immer diese St\u00fccke liefen, konntest Du Dich darauf verlassen, dass gleich die Telefonleitungen zusammen brachen, weil die Leute wissen wollten, was das f\u00fcr ein St\u00fcck war.<\/p>\n<p>F\u00fcr Formatradiofetischisten ist das aber kein gutes Zeichen sondern Alarmstufe rot, denn es zeigt offensichtlich, dass das St\u00fcck polarisiert und dass man es nicht kennt, zudem scheinen die Anrufer wirklich noch zuzuh\u00f6ren. Von daher ist der Titel besser aus dem Programm zu entfernen und bitte nur noch die Sachen zu spielen, wo man nicht so genau hinh\u00f6ren muss.<\/p>\n<p>Es h\u00f6rt sich krank an, aber die ticken wirklich so. Zumindest damals. Zudem wurde der eigene Marktwert nicht erkannt. Genau das ist die Philosophie und mit der konnte ich noch nie leben. Das hei\u00dft, ich konnte nie Schei\u00dfe im Radio verkaufen, ich konnte also nie Sachen feiern, hinter denen ich nicht gestanden habe.<\/p>\n<p>Ich habe mir da nie reinreden und mich im Gegenzug auch nie von Bands oder Plattenfirmen kaufen lassen. Es war ja auch so, dass die Grenzwellen fr\u00fcher auch ein riesiges Machtmonopol besa\u00dfen. Eine Band, die in den Grenzwellen nicht vorgestellt wurde, fand f\u00fcr eine bestimmte Zielgruppe einfach nicht statt. Punkt. Die hatten dann auch weniger Verk\u00e4ufe, deutlich weniger. Ich habe ja selber auch Musik gemacht, ich habe mich aber nie selber im Radio gespielt, weil ich nie den Verdacht aufkommen lassen wollte, &#8218;ach der spielt ja nur sich selbst, weil er halt in dieser Position ist und er l\u00e4sst mich hinten runterfallen\u2019. Wenn ich eine Band nicht gespielt habe, dann hatte ich daf\u00fcr meine Gr\u00fcnde. Entweder weil ich sie Schei\u00dfe fand oder weil es meiner Meinung nach nicht in den Rahmen der Sendung passte oder weil es andere Bands gab, die es mehr Wert waren, gespielt zu werden.<\/p>\n<p>Und das hat mir teilweise auch b\u00f6se Anfeindungen eingebracht. Es war dann auch wirklich so, dass ich meine Playlisten immer an die gro\u00dfen Ketten wie Saturn oder wie sie alle hei\u00dfen geschickt habe, weil die mich darum gebeten haben. Sie wussten, dass wenn ich heute Abend ein neues St\u00fcck spiele, morgen zig Leute auf der Matte stehen und diese CD haben wollen.. Das war wirklich so, von daher wurde ich von vielen Plattenlabels quasi auf H\u00e4nden getragen.<\/p>\n<h5>Noch einmal zur\u00fcck zum Journalismus. Also w\u00fcrdest du sagen, dass Radiojournalismus heute eher das Abliefern massenkonformer Produkte ist?<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Journalismus ist f\u00fcr mich Aufdr\u00f6seln, Hinterfragen, noch viel wichtiger: sich in etwas reinf\u00fchlen, um daraus auch eine gewisse Quintessenz zu ziehen und die auch pers\u00f6nlich zu vermitteln, wenn m\u00f6glich aus einem unvermuteten Blickwinkel. Das macht Privatfunk nicht.<\/p>\n<h5>Gab es, was journalistische Beitr\u00e4ge im Tagesprogramm von Radio ffn anbelangt, auch einen Wandel in den letzten Jahren?<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Oh ja, einen geh\u00f6rigen Wandel. Aber der fand schon vor mehr als einem Jahrzehnt statt.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, ob du das damals mitbekommen hast, dass ffn zusammen mit dem Spiegel diese ganze Spielbank-Affaire angeleiert hat, die ja letztendlich auch zum Sturz der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ernst_Albrecht\" target=\"_blank\">Ernst Albrecht<\/a> -Regierung gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Das war eine gro\u00dfe journalistische Tat und hat auch ffn ganz sch\u00f6ne Probleme eingebracht: Pl\u00f6tzlich brannten Autos, pl\u00f6tzlich erhielten Redakteure Morddrohungen usw. Das war eine ziemlich harte Phase und Ernst Albrecht, der damals nach einem alten CDU-Modell vor hatte, zwei private Stationen zu installieren, um gegen den &#8218;roten&#8216; NDR zu agieren, muss damals zuhause mit dem Kopf gegen die Wand gelaufen sein, weil genau der Sender, den er gewollt hatte, praktisch seinen Sturz mitinitiiert hat.<\/p>\n<p>Es war ja damals auch so, dass die Fragetechniken, gerade bei politischen Interviews bei den \u00f6ffentlich-rechtlichen Sendern gemeinhin noch sehr devot gegen\u00fcber der Obrigkeit waren. Guck Dir im Fernsehen mal die Tagesschau von vor 20 Jahren an\u2026 Wenn du dir damals vor zwanzig Jahren die politischen Interviews bei den \u00d6ffentlich Rechtlichen angeh\u00f6rt hast, die wirklich sehr buckelnd waren und kaum nachgefragt haben, hatte ffn damals mit einer Moderatorin und Journalistin Namens <a href=\"https:\/\/www.ffn-history.de\/moderatoren\/\" target=\"_blank\">Helga Hamade<\/a> zum Beispiel ein Kaliber an der Hand, die den Leuten massiv ins Wort gefallen ist, wenn sie eine Frage nicht beantwortet haben, teilweise in ziemlich forschem Ton versucht hat, die Leute auf den Punkt zu bringen und sie damit auch br\u00fcskiert, vorgef\u00fchrt und enttarnt hat. Das war teilweise ein richtiger Skandal.<\/p>\n<p>Damals hatte das auch ziemlich viele Lobpreisungen eingebracht, aber rein politisch hat es ffn im Endeffekt mehr geschadet als genutzt.<\/p>\n<h5>Ein Programm w\u00fcrde nicht mit all seinen Spezial- und Spartensendungen zehn Jahre lang bestehen, wenn es nicht gewisse H\u00f6rererfolge verzeichnen k\u00f6nnte. Was ist der Ausl\u00f6ser f\u00fcr eine so umfassende Umstrukturierung des Radioprogramms, wie sie 1997 bei Radio ffn stattgefunden hat?<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Dies ist damit zu begr\u00fcnden, dass die Einschaltquoten der Grenzwellen zwar ph\u00e4nomenal waren bis ganz zum Schluss, aber die Zahlen f\u00fcr das gesamte andere Programm stark eingebrochen sind. Das Problem war, dass Grenzwellen eine Art Aush\u00e4ngeschild waren und viele Leute diesen Sender nur mit Grenzwellen assoziiert haben und es von daher nicht nur eine Image- sondern auch eine Marketing-Frage war. Es ist auch eine der Philosophien des amerikanischen Formatradios, dass der Sender verl\u00e4sslich sein muss, d.h. ich muss immer einschalten k\u00f6nnen und kann mich immer darauf verlassen, immer, zu jeder Zeit, dieselbe Musikfarbe, dasselbe Format zu bekommen. Egal, ob es nachts um 3, morgens um 8 oder mittags um 12 ist.<\/p>\n<p>Und dieses Format wurde ja nicht zwangsl\u00e4ufig durchgehalten, also von daher mussten Grenzwellen weg. Gerade weil die Sendung so erfolgreich war, war sie ein Problem.<\/p>\n<h5>Aber es waren ja nicht nur die Grenzwellen, die abgesetzt wurden, es wurde ja das ganze Programm, angefangen bei den Jinglepaketen, der Musikfarbe im Tagesprogramm, bis hin zur Station Voice teilweise grundlegend erneuert. War die Absetzung der Grenzwellen hier nur Mittel zum Zweck, der endg\u00fcltige Grund, um die Radioformatierung bei ffn voranzutreiben?<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Naja Grenzwellen war ja die einzige Specialsendung, die \u00fcberhaupt bis zum Schluss \u00fcberlebt hat, die anderen Specials sind ja schon viel fr\u00fcher gekippt worden. Nach den strengen Formatmaximen h\u00e4tte man Grenzwellen aber auch schon viel fr\u00fcher kippen m\u00fcssen. Dass sie \u00fcberhaupt zehn Jahre \u00fcberlebt haben, war schon erstaunlich.<\/p>\n<h5>Was macht aber, aus deiner Sicht, das heutige Formatradio f\u00fcr die Masse so attraktiv bzw. was ist sein Sinn und Zweck?<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Es soll keinen Grund geben, auszuschalten, obwohl es eigentlich gar keinen Grund gibt, \u00fcberhaupt einzuschalten. Das ist die Philosophie.<\/p>\n<p>Radio soll wirklich nur nebenbei laufen &#8211; und das ist auch genau so geplant. Es soll affirmativ konsumiert werden, d.h., die Leute sollen gar nicht genau hinh\u00f6ren, die sollen alles mit halbem Ohr wahrnehmen und nebenbei kochen, Kinder verpr\u00fcgeln, Auto fahren oder was wei\u00df ich auch immer und wenn das dann so ist, dann ist es in Ordnung und man soll so oft wie m\u00f6glich diese bl\u00f6den Jingles, Station-IDs und irgendwelche Hirnerweichenden Spr\u00fcche wahrnehmen, um dann am Ende, wenn die n\u00e4chste Medienanalyse l\u00e4uft, die richtige Antwort zu geben. Das ist das ganze Konzept, mehr ist es nicht.<br \/>\nEs ist wirklich so simpel und einfach.<\/p>\n<p>Zwar ist es so, dass ffn durch die teilweise R\u00fcckkehr des Fr\u00fchstyxradios versucht, sich wieder ein bisschen altes Profil einzuhauchen, doch ebenso k\u00f6nnte man ein totes Pferd aufz\u00e4umen. Teilweise haben sie ja auch die alten Slogans wie &#8217;na denn ffn\u2019 reaktiviert, aber im Prinzip denke ich, haben sie wenig Handlungsspielraum. Die Mannschaft, die damals an Bord gewesen war, die auch ein anderes Programm machen k\u00f6nnte, die ist einfach nicht mehr da.<br \/>\nDie m\u00fcssten quasi alle feuern und neue Leute da hinsetzen, um wieder ein anderes Programm machen zu k\u00f6nnen. Die F\u00e4higkeiten, die Schule von damals existiert nicht mehr. Ist einfach so.<\/p>\n<p>Ein Problem, warum es bei uns fr\u00fcher auch immer gro\u00dfen Frust und \u00c4rger im Sender gab war, dass das, was von den ganzen Berateridioten gefordert wurde, quasi einer Ferrari-Fahrt mit komplett angezogener Handbremse gleich kam. Wir waren ja f\u00fcr diesen Job, der jetzt von uns verlangt wurde, vollkommen \u00fcberqualifiziert. Wir wollten ja immer viel mehr machen, wir wollten ja journalistisch arbeiten. Das sollten wir pl\u00f6tzlich nicht mehr.<br \/>\nVon daher war es auch wirklich ein Problem, was sehr viel Unmut und Bauchschmerzen bei der ganzen Mannschaft verursacht hat. Die Leute, die jetzt \u201amoderieren\u2019, kennen es gar nicht anders, die k\u00f6nnen auch nicht anders. Von daher sind die mit der jetzigen Situation wahrscheinlich ganz zufrieden. Nur wenn die jetzt gefordert w\u00e4ren, Radio im urspr\u00fcnglichen Sinne zu machen, dann w\u00fcrde das gar nicht klappen, weil sie das eben nicht k\u00f6nnen. Das ist keine Anma\u00dfung und keine Arroganz. Wenn du dir das anh\u00f6rst und du die Leute kennst, dann wei\u00dft du, dass es so ist. Kann sein, dass aus einigen wirklich gute journalistische Moderatoren h\u00e4tten werden k\u00f6nnen, aber bei den Vorgaben und Zw\u00e4ngen ist das quasi unm\u00f6glich.<\/p>\n<h5>K\u00f6nnte das, was du eben \u00fcber die Radionutzung gesagt hattest einer der Gr\u00fcnde sein, warum es heute kaum mehr wirkliche Musikvielfalt im kommerziellen Radio gibt? Denn damit sich Musikvielfalt wirklich lohnt, m\u00fcsste der H\u00f6rer sie ja auch gezielt h\u00f6ren und wahrnehmen.<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Das ist ein Hand-in-Hand-Spiel mit der unseligen Musikindustrie, die nat\u00fcrlich auch wieder total verbl\u00f6det war und auf das Formatradio so massiv reagiert hat, dass sie ernsthaft Schaden genommen hat.<\/p>\n<p>Um mal ein simples Beispiel zu nehmen: Um Titel vermeintlich massenkompatibel zu machen, wurden Gitarrensoli aus den St\u00fccken heraus geschnitten.<br \/>\nSelbst bei Songs von Weichsp\u00fclern wie A-Ha wurden Soli entfernt, weil gesagt wurde, \u201adas tut den Leuten weh, das k\u00f6nnen wir denen nicht zumuten\u2019. Es wurden also St\u00fccke bewusst absolut verst\u00fcmmelt.<\/p>\n<p>Antenne Bayern hat uns das beeindruckend vorgemacht, denn Antenne Bayern hatte dieselben Beraterfirmen wie ffn auch. Die Musikindustrie hat darauf dann reagiert und ist danach mit so flachen Produkten an den Start gegangen, die schon per se nicht wehtun, was letztendlich dazu f\u00fchrte, dass innovative Musik nur noch au\u00dferhalb der Service-Stationen statt fand.<\/p>\n<p>Es gab zum Beispiel ein St\u00fcck, von Klaus Lage war das glaub ich sogar, der mal einen ziemlichen Sturm im Wasserglas verursacht hat, als er sagte, \u201awenn ihr aus meinen St\u00fccken das Gitarrensolo raus schneidet, dann d\u00fcrft ihr es halt nicht spielen\u2019. Da haben die Privatsender gesagt, \u201adann spielen wir dich halt nicht, dann findest du nicht statt\u2019. Lage hat aber ziemlich schnell einen R\u00fcckzieher gemacht und dann lief das St\u00fcck in der kastrierten Version doch. Aber Du verstehst also das Problem: Zu diesem Spiel geh\u00f6ren immer zwei Seiten. Was keiner von beiden wusste, ist, dass am Ende beide verlieren werden.<\/p>\n<h5>Das hei\u00dft also, das Radio sich nach der Musikindustrie richtet, die wiederum nat\u00fcrlich bevorzugt Chartware produziert und auf den Markt wirft, diese Chartware stellt im Moment keine wirkliche Musikvielfalt dar und so sind wir in einem scheinbar nicht enden wollenden Kreislauf. Oder?<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Musik ist im Bewusstsein vieler Menschen extrem unwichtig geworden, obwohl wir heute permanent von Musik umgeben sind. Du darfst hier nicht von uns, den Musikliebhabern und Plattensammlern der alten Schule, ausgehen, denn wie viele Leute dieser Sorte gibt es noch davon? Das sind wirklich nur noch sehr wenige. In meiner Generation haben alle aus meiner Klasse Platten gesammelt und waren Musikfans auf ihre Weise, d.h. jeder hatte seine Plattensammlung gehabt und das war das bestimmende Element, das Fetisch, worauf es ankam. Und hattest Du die falsche Plattensammlung oder aus Versehen die von einem falschen Freund geschenkte \u201aModern Talking\u2019 nicht weg ger\u00e4umt, warst Du gesellschaftlich tot. Auf Jahre.<\/p>\n<p>Das alles gilt heute nicht mehr. Wenn du dir die heutigen Kids anguckst, die erstmal eine gro\u00dfe Vielfalt an anderen zerstreuenden Produkten haben, seien es andere Medien wie Playstation, DVD und was auch immer, denke ich, dass f\u00fcr diese Leute die Zeiten des Musikh\u00f6rens, des Sammelns von Musik und auch das intensive Besch\u00e4ftigen mit der Musik , mit den Inhalten eines Albums wirklich absolut vorbei sind. Das liegt an so vielen Dingen. Die Verf\u00fcgbarkeit von Musik allein, die gro\u00dfe Verf\u00fcgbarkeit aller Bilder und T\u00f6ne \u00fcbers Internet, entwertet nat\u00fcrlich die Musikkutur enorm.<\/p>\n<p>Es gab z.B. Zeiten, in denen ich gewissen St\u00fccken nachgejagt bin. Ich wollte sie \u00fcberhaupt nicht als LP oder CD haben, ich wollte sie einfach nur h\u00f6ren.<br \/>\nSo etwas erlebst du bei der heutigen Kid-Generation wirklich extrem selten, weil es heute auch wirklich alles gibt. Diese Verf\u00fcgbarkeit, die gro\u00dfe Masse und diese gro\u00dfe Indifferenz und die gro\u00dfe Produktionsflut ist nat\u00fcrlich auch verbunden mit einer stetig abnehmenden Qualit\u00e4t. H\u00f6rt sich pessimistisch an, ist es aber nicht wirklich, weil man dadurch als Musikliebhaber dann doch wieder in eine elit\u00e4re Position geschleudert wird, die auch gar nicht mal so schlecht ist.<\/p>\n<h5>Also ist die Frage nach dem Umgang mit Musik noch viel umfassender, also viel mehr eine gesellschaftliche Frage\u2026?<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Ja, w\u00fcrde ich so sagen. Es gibt ja heute keinen Musikstil mehr, der alle eint; es gibt keinen wirklichen Trend mehr. Ich glaube, der letzte \u00fcbergreifende Trend war Techno oder Hiphop, aber das ist auch schon wieder Jahrzehnte her.<\/p>\n<p>Es gibt heute nichts mehr. Es gibt vielleicht mal einzelne Stars, die aber f\u00fcr keinen bestimmten Trend stehen, der dominierend, beeinflussend oder inspirierend sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<h5>Kommen wir zur\u00fcck auf das Radio und die Musikvielfalt im Radio. Meiner Meinung nach, sind Musikvielfalt und journalistisches Arbeiten bzw. redaktionelle Beitr\u00e4ge doch sehr eng miteinander verbunden, denn man m\u00f6chte ja heute vielleicht gerne wissen, welches St\u00fcck wurde gespielt und mit welcher Intention wurde es aufgenommen und dies fehlt ja heute teilweise g\u00e4nzlich.<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Das ganze ist auch ein bisschen philosophischer Natur. Kommt immer darauf an, was du f\u00fcr ein Musikverst\u00e4ndnis hast, wie du Musik selber empfindest, wie du sie erlebst und ob du in der Lage bist, die Sachen auch entsprechend so zu vermitteln, dass sie beim H\u00f6rer wirklich das Gef\u00fchl erzeugen, welches du selber bei der Musik hast und das ganze auch dementsprechend zu kombinieren. Ich denke mal, das ist ein ganz wichtiger Punkt, Es gibt auch sehr viele Musikredakteure, die auch viel pragmatischer sind und die irgendwelche Sachen spielen, weil sie halt auf irgend eine Weise obskur sind, weil sie in den Independent-Charts in Finnland Nummer 1 sind usw.<\/p>\n<p>John Peel war immer sehr gut darin, solchen Sachen aufzutun. Der hat z.B. auch Stephanie von Monacos f\u00fcrchterliche Discoschei\u00dfe inmitten erlesener Punk- und Reggae-Nummern gespielt, einfach, weil er es cool fand, dass eine Prinzessin Schlager singt.<\/p>\n<p>Diese \u2013 \u00fcbrigens absolut unironische- Konsequenz und der Bruch mit dem eigenen Format hat mir sehr gut gefallen \u2013 und ist auch einer der Gr\u00fcnde, warum ich Bl\u00fcmchen in den Grenzwellen gespielt habe. Auch das war absolut unironisch, weil ich deren erstes Album f\u00fcr einen wirklichen Meilenstein halte, zu diesem Zeitpunkt aber jeder dachte, ich w\u00e4re ein alter Zyniker.<\/p>\n<p>Es gibt verschiedenste Kriterien, als Musikredakteur Musik zu beurteilen und Musik zu empfinden.<br \/>\nIch denke, es ist ein wichtiger Punkt, dass man einen unmittelbaren Bezug zum Metier hat. Wenn du dir die heutigen Moderatoren bei den Formatradios anschaust, die legen, wenn ein Titel l\u00e4uft, den Kopfh\u00f6rer daneben, weil sie den ganzen Schei\u00df sowieso nicht mehr ertragen k\u00f6nnen, d.h. die leben das \u00fcberhaupt nicht mehr und das ist ein gro\u00dfes Problem. Ein Problem, das der sensible H\u00f6rer sp\u00fcrt, wenn er noch zuh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Ich habe immer sehr selektiv Musik geh\u00f6rt. Ich habe immer darauf geachtet, dass ich im Job die Freude und den Spa\u00df an der Musik nie verliere.<br \/>\nImmer wenn eine \u00dcbers\u00e4ttigung drohte, bin ich zur\u00fcckgefahren, d.h. wenn mir ein Album wirklich sehr gut gef\u00e4llt, und das ist heute sogar teilweise extremer als fr\u00fcher, dann versuche ich, dass es Teil meines Lebens wird, dass es mir in Fleisch und Blut \u00fcbergeht und stelle daf\u00fcr zehn andere Alben, die vielleicht auch interessant sein k\u00f6nnten, aber erstmal zur\u00fcck, weil ich das eine w\u00fcrdigen will, anstatt zum v\u00f6llig blinden Sammler zu verkommen, der sagt, \u201aich muss alles haben\u2019.<\/p>\n<p>Ich habe Freunde, die haben eine derartige Masse mp3s auf ihrem Rechner, dass sie die bis zum Ende ihres Lebens in Echtzeit nicht h\u00f6ren k\u00f6nnen. Da wird nur noch gesammelt und verwaltet, ohne zu rezipieren und zu verarbeiten.<\/p>\n<p>Das war ja auch die Philosophie von John Peel, die ich nie so ganz nachvollziehen konnte. Der sagte, es w\u00fcrde ihn krank machen, dass es irgendwo auf der Welt eine Platte geben k\u00f6nnte, die er ganz toll finden w\u00fcrde und er nicht die Chance hat, sie zu h\u00f6ren. So what! Ich denke, das ist relativ normal, aber da wir eben nur ein Leben haben, h\u00f6re ich relativ selektiv und erforsche das Gute, das ich habe, daf\u00fcr umso intensiver. Und ich bin nach wie vor gerne bereit, mich daf\u00fcr einem \u201aFilter\u2019 auszusetzen \u2013 sei es eine gute Radiosendung, sei es ein Freund, der mir von seiner Lieblingsplatte vorschw\u00e4rmt und mir seine Geschichte dazu erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Das sind alles Faktoren, die letztendlich einflie\u00dfen, um sich einem Werk zu n\u00e4hern, daf\u00fcr \u00fcberhaupt Interesse zu zeigen und es sch\u00e4tzen und lieben zu lernen. Das sind Faktoren, die das solit\u00e4re Runterladen von P2P-Portalen nicht ersetzen kann. Und gerade hier vernachl\u00e4ssigt das Radio seinen eigentlichen Auftrag!<\/p>\n<p>Es gibt ja auch ganz verschiedene Ans\u00e4tze, wie man Musik aufnimmt. Viele sagen \u201adas ist ja alles so depressiv, was du immer spielst, das zieht einen ja runter\u2019. Musik, die mich depressiv und traurig macht ist f\u00fcr mich Musik ohne Seele, die, die einfach vorhersehbar und unehrlich ist.<br \/>\nWenn ich morgens im Radio Phil Collins oder Xavier Naidoo h\u00f6re, dann werde ich wirklich depressiv. Ich kann \u201aPornography\u2019 von The Cure oder \u201aMusic For A New Society\u2019 von John Cale zum Fr\u00fchst\u00fcck h\u00f6ren \u2013 f\u00fcr viele die deprimierendsten Alben aller Zeiten &#8211; ich bekomme dabei merklich bessere Laune, denn diese Musik ist ehrlich und hat f\u00fcr mich auch in ihrer Ausweglosigkeit und Trauer etwas Reinigendes, etwas Aufbauendes. Wenn ich zum Beispiel traurig oder depressiv bin, dann h\u00f6re ich Musik, die absolut meiner Stimmung entspricht.<\/p>\n<h5>Wenn wir Radio ein wenig ausweiten und Internetradios und Podcast-Angebote mit einbeziehen, k\u00f6nnte nicht so vielleicht ein Trend entstehen, der sich abseits des Mainstreams bewegt?<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Das sehe ich so nicht. Der ganze Web 2.0-Generation \u00fcbernimmt auch ohne wirtschaftliche Not oder Zw\u00e4nge genau die konformen, verquasten Formatideen, die sie aus den alten Medien kennt, ohne die neuen M\u00f6glichkeiten voll auszusch\u00f6pfen.<\/p>\n<p>Ich bin von den Internetradios ma\u00dflos entt\u00e4uscht, und zwar aus demselben Grund, aus dem ich auch vom Formatradio entt\u00e4uscht bin, denn die meisten sind wieder eine Predigt an die Bekehrten. Selbst wenn ich mir einen Sender wie EBM Radio anh\u00f6re, wo ich wirklich die Gewissheit habe, dass ich Musik, die ich mag, relativ verl\u00e4sslich bekomme, wird mir nach sp\u00e4testens zwei Stunden langweilig, weil ich alles schon kenne. Zwar nicht jedes St\u00fcck, aber das Format ist absolut berechenbar.<\/p>\n<p>Da h\u00f6re ich doch lieber irgendein Internetradio aus Timbuktu mit heimischer Folklore, ganz einfach, weil hier die Chance besteht, noch \u00fcberrascht zu werden und den Horizont zu erweitern. Aber die vermeintliche Vielfalt ist im Grunde nur eine neue Armut, denn es gibt wirklich kaum neue Aspekte, die sich auf Inhalte st\u00fctzen, sondern nur auf neue Pr\u00e4sentationsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Ich bef\u00fcrchte, dass auch die Leute, die das Medium Internet nutzen, doch wieder zu den Sachen zur\u00fcckkehren, die sie bereits kennen. Gerade grenzenlose Freiheit und unendliche Wahlm\u00f6glichkeiten treiben die Leute vermehrt wieder zur\u00fcck in ihren \u00fcberschaubaren, warmen Kuschelkosmos, in dem jeder Ton am rechten Platz sitzt.<\/p>\n<p>Ich kenne das ja von mir selbst: bei youtube gebe ich erstmal die Bands ein, die ich kenne, in der Hoffnung, ein St\u00fcck oder eine Dokumentation zu sehen, die ich von dem Lieblingsinterpreten noch nicht kenne. Was ich sagen will: Neue Medien ver\u00e4ndern die H\u00f6rgewohnheiten wenig.<br \/>\nJe mehr Kan\u00e4le ich im Fernsehen zur Auswahl habe, desto mehr beschr\u00e4nke ich mich auf ein oder zwei qualitativ verl\u00e4ssliche, der Rest nervt und irritiert. Das ist die Crux: Technisch abrufbar ist ein enormer Content, aber die Geisteshaltung der Up- und Downloader ist ein R\u00fcckfall ins letzte Jahrhundert, denn ich habe keine Vielfalt, sondern nur unreflektierte Masse.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wei\u00df ich, dass mich viele Leute als ewig gestrig stigmatisieren, weil ich einen Wertekodex in mir trage, den sie f\u00fcr sich, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, selbst beanspruchen, dabei aber nicht mal ansatzweise in der Lage sind, diesen ohne Einbezug marktwirtschaftlicher Gesetze zu formulieren, bzw. bis heute nicht begriffen haben, um was es mir eigentlich geht. Es geht darum, sich selber wieder Freir\u00e4ume zu schaffen und ein Programm zu fordern, dass anspruchsvollen H\u00f6rgewohnheiten entspricht und dementsprechend rezipiert wird.<br \/>\nUnd da reicht ein altes Kofferradio unter der Bettdecke \u2013 ohne den parallel dazu laufenden DVD-Player, Internet oder Playstation.<\/p>\n<p>Das hat mich damals auch an Leuten wie Alan Bangs fasziniert, er hatte eine Bandbreite, die stilistisch \u00fcberhaupt nicht festzumachen war.<br \/>\nDa liefen dann wirklich Chansons von Jacques Brel, dann kam John Cale, dann Wire, dann John Lee Hooker und dann noch was anderes, aber er hat es so zusammengef\u00fcgt, dass es eine atmosph\u00e4rische Einheit war, aber ohne wirkliche stilistische Scheuklappen. Das hat mich damals schon extrem \u00fcberrascht und hat mich auch damals schon, bevor ich \u00fcberhaupt Radio gemacht habe, immer beeindruckt und ich habe auch versucht, das immer ein St\u00fcck weit zu transportieren.<\/p>\n<p>Heute wollen die Leute Verl\u00e4sslichkeit. Von daher k\u00e4me ich nie auf die Idee, jetzt irgendeinem Internetradio besonders lange oder intensiv zuzuh\u00f6ren. Ich wei\u00df, was da kommt.<\/p>\n<p>Das ist auch ein Grund, um noch mal darauf zur\u00fcck zu kommen, warum ich so einen Sender wie Deutschlandfunk f\u00fcr so wertvoll halte. Sie \u00fcberraschen mich einfach. Ich habe letztens wieder ein Portrait geh\u00f6rt \u00fcber den ersten Musikcomedian namens Spike Jones, einen Menschen, den ich \u00fcberhaupt nicht kannte.<br \/>\nEs war wirklich eine fantastische Sendung, die sein Leben in allen Facetten beleuchtet hat, super spannend, eine ganz tolle Atmosph\u00e4re, zudem hat die Sendung angeregt, das Thema noch zu vertiefen oder auch im Internet zu recherchieren und hat mich zum wirklichen Spike Jones-Fan gemacht. So etwas bleibt bei mir dann auch h\u00e4ngen und das sind Sendungen, die ich absolut feiern kann und wo ich auch immer eine E-Mail an den Moderator schreibe und sage: \u201aMensch, das war richtig klasse, was du da gemacht hast\u2019! Auch, weil ich genau wei\u00df, dass wahrscheinlich nur 0,01% der Bev\u00f6lkerung so etwas \u00fcberhaupt wahrnimmt und noch weniger sich f\u00fcr solch eine Sendung bedanken. Da steckt soviel Liebe, soviel K\u00f6nnen in solchen Sendungen, die aber nat\u00fcrlich auch ein gewisser Kostenfaktor sind.<\/p>\n<p>Das ist n\u00e4mlich auch noch ein ganz wichtiger Punkt, den ich auch noch erw\u00e4hnen wollte, denn Grenzwellen war nat\u00fcrlich eine extrem teure Sendung, weil ich nat\u00fcrlich auch einen Tag, manchmal aber auch zwei Tage, irgendwo hinfahren musst, um Interviews zu f\u00fchren, z.B. mit Front 242 in Belgien. Da habe ich mir einen Dienstwagen geschnappt und bin f\u00fcr Front 242 nach Belgien gefahren oder nach Italien geflogen, um <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kirlian_Camera\" target=\"_blank\">Kirlian Camera<\/a> zu interviewen. Das war nat\u00fcrlich recht kostenintensiv, wenn noch ne \u00dcbernachtung hinzukam erst recht. Und dann halt logischerweise die Arbeitszeit, dann fiel ich manchmal f\u00fcr so eine Sendung f\u00fcr zwei\/drei Tage aus und das f\u00fcr drei Stunden Sendung. Das entspricht nicht der Philosophie des Formatradios. Nicht, dass ich den Sender arm gemacht h\u00e4tte\u2026<\/p>\n<p>Es ist auch interessant zu sehen, dass die hohen Einschaltquoten mir werbetechnisch \u00fcberhaupt nichts gebracht haben, weil die ganzen Werbekunden die Zeit nach 18:00 Uhr komplett vernachl\u00e4ssigt haben und sich einen Schei\u00df daf\u00fcr interessierten, was da \u00fcberhaupt l\u00e4uft. Da h\u00e4tte ich mir die Haare raufen k\u00f6nnen. Ich wei\u00df noch genau, dass ich mal \u00fcber einen Zeitraum von acht Wochen in den Grenzwellen jeden Sonntag einen Werbespot f\u00fcr das neue Howard Carpendale \u2013Album hatte. Das war schon ein Running Gag, wo ich mich dann wirklich fragte, wie bl\u00f6d kann man sein, so einen Spot in der Sendung zu platzieren. Und die Leute bei denen ich es gerne gesehen h\u00e4tte, dass sie explizit Werbung in der Sendung schalten, haben es aber nicht f\u00fcr n\u00f6tig gehalten, weil sie sagten, wenn Stieg unsere Platten spielt, dann ist uns das schon Werbung genug.<\/p>\n<h5>Abschlie\u00dfend noch die Frage, ob du noch zu den in unserem Gespr\u00e4ch genannten und behandelten Themen etwas erg\u00e4nzen oder hinzuf\u00fcgen m\u00f6chtest?<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Dann mal was Positives zum Schluss: Etwas, woran man sehr gut merken kann, dass auch wirklich ein Bed\u00fcrfnis nach gutem Wort da ist, ist der ph\u00e4nomenale Erfolg von H\u00f6rb\u00fcchern, die ja im Gegensatz zu Musik-CDs phantastische Verkaufszahlen einfahren. Warum gibt es keinen Sender, der konsequent \u2013 auch kommerziell \u2013 nur Wortbeitr\u00e4ge, H\u00f6rspiele und auch H\u00f6rb\u00fccher sendet? Das f\u00e4nde ich mal wirklich ein sehr interessantes Experiment und ich glaube schon, dass es wirklich funktionieren k\u00f6nnte, wenn man es clever anstellt.<\/p>\n<p>Was mir damals schon auf die Nerven gegangen ist, ist diese verlogene Philosophie, dass ein Beitrag im Formatradio nicht l\u00e4nger als 1:30 Minuten lang sein darf. Das ist Schwachsinn.<br \/>\n1:30 k\u00f6nnen super super lang sein, wenn der Beitrag nichts hergibt, und sie k\u00f6nnen auch extrem kurz sein, wenn du nicht alles reinpacken kannst. Das ist genau so, wenn ich f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zillo\" target=\"_blank\">Zillo<\/a> schreibe und die Chefredaktion dir sagt, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Funker_Vogt\" target=\"_blank\">\u201aFunker Vogt<\/a> 2 Seiten, Retrospektive \u00fcber <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nico_(S%C3%A4ngerin)\" target=\"_blank\">Nico<\/a> \u201ane viertel Seite.\u2019<br \/>\nDas ist verkehrte Welt. \u00dcber Nico k\u00f6nnte ich 20 Seiten schreiben, bei Funker Vogt reichen zwei S\u00e4tze.<br \/>\nIst wirklich so. Du sitzt da vor dem verbalen Nichts und musst dir in dem einen Fall einen Schei\u00df aus den Fingern saugen, damit du es irgendwie voll kriegst, nur weil die ne Anzeige bezahlt haben, in dem anderen Fall musst Du wie bl\u00f6de komprimieren, weil es angeblich nur eine Minderheit interessiert. Wie gesagt, auf dem Zeitschriftenmarkt findest du das ganz genaue \u00c4quivalent, zumindest bei den Szene-Zeitungen, die ebenfalls nur ein Format bedienen. Dabei w\u00e4re es eine Herausforderung, ein vermeintlich unpopul\u00e4res, aber relevantes Thema so interessant und verf\u00fchrerisch aufzubereiten, dass man es einfach lesen muss. Und k\u00f6nnte somit sogar Trends und Duftnoten setzen.<\/p>\n<p>In dem Zusammenhang da muss ich noch einmal Sender wie NDR-Info oder Deutschlandfunk hervorheben.<br \/>\nDie schei\u00dfen auf solche Vorgaben, da kann ein Beitrag auch schon mal eine viertel Stunde lang sein, das ist egal. Wenn der Beitrag wirklich gut ist, dann tr\u00e4gt es das auch. Das Problem ist halt, dass meine Generation noch mit diesem alten Autorenradio aufgewachsen ist. Die heutigen Kids k\u00e4men nie auf die Idee, solche Sender auch nur einzuschalten und wissen oft auch gar nicht, dass es so was gibt oder dass es so was geben k\u00f6nnte und das ist wirklich bedauerlich und der Grund, warum sich das Medium Radio zu Grunde richtet und sich selbst den Kopf und die Beine abschl\u00e4gt. Jedes Jahr ein St\u00fcck mehr.<\/p>\n<p>Das ist eine sehr bedauerliche Entwicklung, weil ich denke, dass das Ohr wirklich noch das wichtigste Organ ist und dass es die Phantasie und damit auch den ganzen Menschen extrem positiv formt, weil eigene Welten im Kopf entstehen, anstatt sich von allen Seiten von jedem Schei\u00df zuballern zu lassen. Von daher nimmt nicht nur die ganze Radiokultur ab, sondern auch die ganze H\u00f6rkultur, sie ist ziemlich am Ende.<\/p>\n<h3>Dreizehn Jahre sp\u00e4ter<\/h3>\n<p>Seit  meinem Gespr\u00e4ch mit Ecki Stieg sind 13 Jahre ins Land gegangen, in denen eine Menge passiert ist &#8211; sowohl in der Radio- und Musiklandschaft, als auch bei ihm und den Grenzwellen. Grund genug, zur Wiederver\u00f6ffentlichung dieses Interviews dies mit aktuellen Gedanken und Ereignissen ein wenig aufzufrischen.<\/p>\n<h5>Nachdem die Grenzwellen 1997 abgesetzt wurden, warst du ja hin und wieder mit Spezialsendungen im Rahmen der Sendung &#8222;Nachtclub&#8220; auf NDRinfo zu h\u00f6ren. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit? Und wie unterschied sich die Herangehens- und Arbeitsweise zu der der GW?<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Das war ein Versuch, weiterhin Radio zu machen, weil mir das Medium nach meinem Ausscheiden bei radio ffn doch sehr fehlte.<\/p>\n<p>Ich kannte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Peter_Urban\" target=\"_blank\">Peter Urban<\/a> noch durch zahlreiche Begegnungen zu meinen aktiven Radiozeiten, er war meine erste Anlaufstelle \u2013 und so kam es dazu.<\/p>\n<p>Die Sendungen repr\u00e4sentierten schon den Geist der fr\u00fcheren Grenzwellen, aber es waren monothematische Portraits, u.a. mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Klaus_Schulze\" target=\"_blank\">Klaus Schulze<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Holger_Czukay\" target=\"_blank\">Holger Czukay<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deine_Lakaien\" target=\"_blank\">Deine Lakaien<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Carlos_Per%C3%B3n\" target=\"_blank\">Carlos Per\u00f2n<\/a> \u2013 aber auch von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Billy_MacKenzie\" target=\"_blank\">Billy MacKenzie<\/a>. Das war eine sch\u00f6ne Arbeit, f\u00fcr mich dennoch auch unbefriedigend, weil mir die Regelm\u00e4\u00dfigkeit und Kontinuit\u00e4t fehlte. Das h\u00f6rte man auch in der Moderation.<\/p>\n<h5>Die Grenzwellen erleben seit 2014 auf Radio Hannover ihr Revival, unterscheiden sich inhaltlich jedoch stark von der Ursprungssendung bei FFN. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Radio Hannover und der Neuauflage der Grenzwellen?<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Nach dem Tod meiner Frau 2009, die ja auch stark in den Grenzwellen-online-shop involviert war, hatte ich das Kapitel \u201eGrenzwellen\u201c f\u00fcr mich eigentlich beendet. Dieser Shop war f\u00fcr mich damals der finale Versuch, den Namen \u201eGrenzwellen\u201c mit einem Konzept und Inhalt am Leben zu halten.<\/p>\n<p>Vornehmlich wurden die \u201eGrenzwellen\u201c aber immer noch mit der Sendung und der Zeit von 1987 \u2013 1997  assoziiert. Wann immer ich irgendwo eingeladen wurde, hie\u00df es \u201e\u201cEx-Grenzwellen-Moderator\u201c \u2013 und das wurde mit der Zeit zu einem M\u00fchlstein um den Hals, ich war es irgendwann leid, st\u00e4ndig nur auf den vergangenen Ruhm und Leistung reduziert, als Fossil wahrgenommen zu werden.<\/p>\n<p>Gleichzeitig verlor ich immer mehr das Interesse an der dort gespielten Musik, verlor zum Schluss das Interesse an Musik \u00fcberhaupt, was auch an meiner pers\u00f6nlichen, durch Drogen und Alkohol verursachten Lebenskrise zusammenhing, die erst 2013 \u00fcberwunden wurde. Erst danach, nach einer lange Therapie, nach der ich mein Leben v\u00f6llig umgekrempelt und neu ausgerichtet habe, wurde Musik wieder zu einem ganz zentralen Lebensinhalt, die heute mehr Raum einnimmt, als jemals zuvor in meinem Leben.<\/p>\n<p>Genau zu diesem Zeitpunkt, n\u00e4mlich Ende 2013, kam die erste Anfrage von Radio Hannover, die ich am Anfang erst gar nicht richtig ernst nahm, denn Anfragen dieser Art gab es immer mal wieder. Vornehmlich von Internet-Sparten-Radios, doch ich hatte nie das Interesse und damals auch nicht die technischen M\u00f6glichkeiten, das umzusetzen. Bis ich realisiert hatte, dass Radio Hannover eine richtige, auch terrestrisch sendende Station ist, die dar\u00fcber hinaus auch noch bereit war, die journalistische Leistung zu honorieren, verging ziemlich viel Zeit.<\/p>\n<p>Der wesentliche Unterschied zwischen meiner Zeit bei radio ffn und Radio Hannover ist folgender: Bei radio ffn musste ich eine Sendung wie die \u201eGrenzwellen\u201c, trotz Einschaltquoten von teilweise 100.000 H\u00f6rern, st\u00e4ndig verteidigen. Unentwegt wurde mir von den Programmdirektoren herein geredet, st\u00e4ndig sollte ich mich rechtfertigen, wenn ich Kl\u00e4nge gesendet habe, die die Formatgrenzen zu sehr sprengten. Das ist bei Radio Hannover v\u00f6llig anders: Erst einmal moderieren dort fr\u00fchere Redaktionskollegen von mir, einer davon, Bj\u00f6rn Stack, ist zudem der Programmdirektor. Wichtig auch, dass meine Mitwirkung ma\u00dfgeblich auf die Initiative der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung, vor allen Dingen in Person von Martin W\u00f6bbeking, zur\u00fcckging.<\/p>\n<p>Erstmals hatte ich das Gef\u00fchl, dass dort wirklich verstanden wird, was ich tue.<br \/>\nVon daher f\u00fchle ich mich bei Radio Hannover sehr wohl \u2013 und ich finde  es toll, ebenso wie es bei radio ffn damals der Fall war, dass die Sendung auf einer ganz \u201enormalen\u201c Servicestation stattfindet und eben nicht auf einem Nischensender. Denn nur so hat man die M\u00f6glichkeit, auch neue H\u00f6rer zu gewinnen.      <\/p>\n<h5>War f\u00fcr dich nach dem Grenzwellen-Neustart von Anfang an klar gewesen, die musikalische Ausrichtung anders zu gestalten, also weg von EBM, Synth-Pop, Gothic &#038; Co hin zu eher experimentelleren und vorwiegend instrumentalen Themen?<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Als das Angebot von Radio Hannover kam, wollte ich die Sendung zun\u00e4chst auf gar keinen Fall \u201eGrenzwellen\u201c nennen. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr habe ich teilweise schon zu Beginn unseres Gespr\u00e4chs geschildert, zum anderen wollte ich auf gar keinen Fall eine retrospektive Nostalgieshow. Du darfst nicht vergessen dass zwischen dem Ende der ersten Grenzwellen-Phase 1997 und 2013 fast 17 Jahre lagen, das ist fast eine ganze Generation. In der Zeit ist nicht nur musikalisch viel passiert, sondern ich selbst habe mich auch sehr ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Radio Hannover beharrte aber auf den Namen und der Marke \u201eGrenzwellen\u201c, was letztendlich auch eine gute und auch logische Idee war: Denn im Grunde genommen ist der Geist, in diesem Fall die Suche nach neuer Musik, derselbe geblieben, nur die Musik hat sich ver\u00e4ndert. Das war nat\u00fcrlich auch ein Risiko, denn viele alte H\u00f6rer erwarteten,dass jetzt ausschlie\u00dflich die alten Heroen gespielt werden. Die wurden teilweise etwas verprellt, teilweise haben sie es auch verstanden und die neuen Kl\u00e4nge begierig aufgesaugt und waren dankbar f\u00fcr neue Inspirationen. Zudem sind auch viele H\u00f6rer hinzugekommen, die die \u201ealten\u201c Grenzwellen gar nicht kannten oder schlichtweg zu jung sind, um sie damals geh\u00f6rt zu haben. F\u00fcr diese H\u00f6rer bin ich besonders dankbar.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus sind die Grenzwellen ab 2014 nun auch keine radikale Kehrtwende: Die Musik ist immer noch vorwiegend elektronisch produziert, Ambient und IDM habe ich auch damals schon gespielt, allerdings nicht in dem Ausma\u00df, auch deshalb, weil es auf diesem Feld bis 1997 nicht so viele K\u00fcnstler gab, die diese Musik produzierten.<\/p>\n<h5>Auf deiner Homepage ver\u00f6ffentlichtest du in den 2000er Jahren ja nach dem Radioaus der Grenzwellen weiter Rezensionen zu CDs und Konzerten sowie Band- und K\u00fcnstlerportraits. 2006 riefst du zudem den bis dato ersten allumfassenden MP3-Downloadshop f\u00fcr die &#8222;schwarze Szene&#8220; ins Leben, welcher jedoch nur wenige Jahre online war. War der Erfolg eines MP3-Shops nicht der, den du dir erhofft hattest bzw. was waren die Ursachen f\u00fcr die &#8222;Schlie\u00dfung&#8220; des Shops? Was w\u00fcrdest du heute anders machen?<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Dieser Shop war eine Mikro-Version dessen, was erst sp\u00e4ter mit iTunes popul\u00e4r wurde. Die Idee kam mir, weil es unz\u00e4hlige K\u00fcnstler gab, deren Katalog zu der Zeit weder auf CD oder gar digital verf\u00fcgbar war. So wie der von Tommi Stumpff, Carlos Per\u00f2n oder Some More Crime. Zudem hatte ich unz\u00e4hlige gute Live-Aufnahmen von K\u00fcnstlern wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Joachim_Witt\" target=\"_blank\">Joachim Witt<\/a> oder Deine Lakaien, die wir dort exklusiv vertrieben haben. Zu Beginn auch mit gro\u00dfem Erfolg, das war f\u00fcr einige Jahre mein wirtschaftliches Standbein.<\/p>\n<p>Irgendwann zogen dann aber iTunes, Amazon und vor allen Dingen die digitalen Vertriebe nach, die nat\u00fcrlich weitaus bessere M\u00f6glichkeiten hatten als unser solit\u00e4rer Shop und gr\u00f6\u00dftenteils auf Exklusivit\u00e4t pochten. So verloren wir verst\u00e4ndlicherweise schnell den Katalog von Labels wie Danse Macabre oder Dependent, die Verk\u00e4ufe gingen deutlich zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Der Ausschlag, den Shop endg\u00fcltig dicht zu machen, war 2009 die Krebserkrankung und der Tod meiner Frau. Wie schon gesagt, war das damals f\u00fcr mich auch das Ende der \u201eGrenzwellen\u201c.<\/p>\n<p>In Zeiten von Bandcamp w\u00e4re ein solcher Shop heute komplett \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<h5>W\u00e4hrend unseres ersten Interviews 2007 sprachen wir auch \u00fcber die Musik- und H\u00f6rkultur im Allgemeinen. Es hat sich seitdem einiges ver\u00e4ndert, H\u00f6rgewohnheiten haben sich ver\u00e4ndert, Streaming scheint derzeit den Musikkauf abzul\u00f6sen und das Konsumverhalten ma\u00dfgebend zu beeinflussen. Wie beurteilst du diese (Ver)\u00c4nderungen? Wie erlebst du sie? Nutzt du solch neue Angebote wie Streaming?<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Nein, ich nutze sie nie und versuche all dem zu  entfliehen, was von Algorithmen gesteuert wird. Ich bin da wirklich noch sehr \u201eold school\u201c, grabe mich selbst durch die Masse der Ver\u00f6ffentlichungen und suche selbst.<\/p>\n<p>Das ist \u00fcbrigens auch ein gravierender Unterschied zwischen den \u201ealten\u201c und \u201eneuen\u201c Grenzwellen: Fr\u00fcher gab es in meinen Sparten w\u00f6chentlich manchmal nicht genug Musik, um die Sendung mit interessanten Neuheiten zu best\u00fccken. Heute gibt es eine derartige Masse, dass ich meine Aufgabe heute daran sehe, klug zu selektieren und diese Musik in einen sinn- und stimmungsvollen Zusammenhang und Fluss einzubetten. Denn im Gegensatz zu den 90er Jahren kann man heute kaum mehr etwas wirklich Neues oder gar Rarit\u00e4ten pr\u00e4sentieren: Im Internet gibt es eben fast alles und ist jederzeit abrufbar.<\/p>\n<p>Mein Anspruch ist es, eine Sendung zu gestalten, deren Zusammenstellung man eben nur dort findet und die sich kein Algorithmus \u201eausdenken\u201c k\u00f6nnte.<\/p>\n<h5>Etwas genauer nachgefragt. Viele Songs haben heutzutage noch nicht mal mehr die fr\u00fcher typisch gewesene Radiol\u00e4nge von 3:35 sondern unterschreiten diese teils sehr stark. Haben wir, mehr noch als vor 13 jahren, verlernt, Musik wirklich zu h\u00f6ren?<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Keine Ahnung. St\u00fccke, die ich h\u00f6re, sind teilweise \u00fcber eine Stunde lang.<br \/>\nUnd ich h\u00f6re tats\u00e4chlich noch ganze Alben von Anfang bis zum Ende.<\/p>\n<h5>Ein Lichtblick im Radiosektor scheint (zumindest nach meinen Beobachtungen) aktuell der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk zu sein. Zwar schafft er es (noch) nicht, sich in seinen Spezialsendungen und Abendschienen komplett vom Mainstream zu l\u00f6sen, bietet jedoch, neben Spartenstreams der privaten Rundfunkanstalten und Spotify-Playlists, eine gute Abwechslung zum Musikeinerlei des Tagesprogramms. Hervorzuheben seien hier die Nachtclub-Sendungen, deren Teil du ja auch bereits warst, aber auch die &#8222;Soundfiles&#8220; auf NDR2, insbesondere auch die Peter Urban Show. Eine Fehleinsch\u00e4tzung meinerseits oder teilst du diese Beobachtung?<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Diese Frage kann ich nicht beantworten, denn das bisschen Radio, das ich h\u00f6re, mache ich selbst.<br \/>\nIch habe daf\u00fcr wirklich keine Zeit, viel lieber widme ich mich den Terabyte ungeh\u00f6rter Musik, die hier noch auf mich warten.<\/p>\n<h5>Abschlie\u00dfend auch dieses Mal die Frage, gibt es noch irgendetwas, das du noch sagen, erg\u00e4nzen etc. m\u00f6chtest?<\/h5>\n<p>Ecki Stieg: Eigentlich nicht.<br \/>\nVielleicht noch die Tatsache, dass ich sehr gl\u00fccklich bin, das zu machen, was ich aus- und erf\u00fcllt und damit auch noch Erfolg zu haben. Das sehe ich auch heute noch als Privileg.<\/p>\n<iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fchristian-ohrens.de%2Fwordpress%2F2020%2F03%2F04%2Fmusikvielfalt-im-radio-das-beispiel-grenzwellen-im-gespraech-mit-radio-redakteur-und-moderator-ecki-stieg%2F&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=450&amp;action=like&amp;colorscheme=light\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" allowTransparency=\"true\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px;margin-top:5px;\"><\/iframe>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keine Frage &#8211; die musikalische Sozialisation findet gr\u00f6\u00dftenteils im eigenen Elternhaus, im ersten Freundeskreis oder auch durch Medien wie das Radio statt. Ein Gro\u00dfteil meines Musikgeschmacks verdanke ich dem Radio, vornehmlich dem privatkommerziellen Sender FFN (fr\u00fcher Radio FFN), welcher bis Ende der 1990er Jahre im Abendprogramm genrespezifische Spartensendungen anbot, unter ihnen die &#8222;Grenzwellen&#8220;. Abseits des [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"h5ap_radio_sources":[],"footnotes":""},"categories":[14,4],"tags":[832,108,838,829,192,187,831,828,201,421,657,825,836,824,191,830,827,835,837,826,833,834],"class_list":["post-592","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medien","category-projekte","tag-darkwave","tag-ebm","tag-ecki-stieg","tag-ffn","tag-ffn-grenzwellen","tag-formatradio","tag-gothic","tag-grenzwellen","tag-interview","tag-journalismus","tag-kuenstler","tag-musik-im-radio","tag-programmkritik","tag-radio","tag-radio-ffn","tag-radio-hannover","tag-radiogeschichte","tag-radiojournalismus","tag-radioprogramm","tag-sendungsformat","tag-synthpop","tag-techno"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/592","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=592"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/592\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":596,"href":"https:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/592\/revisions\/596"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=592"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=592"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/christian-ohrens.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=592"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}