Meine Bilder und Videos

Einleitung: Blind Fotografieren und Filmen?

Etwas, was sich, auf dem ersten Blick, zunächst auszuschließen scheint. Denn man filmt und fotografiert ja schließlich etwas, das einem (visuell) anspricht, beeindruckt, überzeugt. Doch ist dem wirklich so?

Wo sehende Touristen, Fotografen und Videofilmer häufig etwas festhalten, das sie visuell beeindruckt und fasziniert, versuche ich, die Dinge und Orte zu fotografieren und zu filmen, die mich ganzheitig beeindrucken. Sei es die Atmosphäre eines Ortes – etwas, das sich oftmals eh schwer „nur“ in Worte fassen lässt -,, die Beschaffenheit einer Statue (weil sie sich gut anfühlt und somit aus meiner „Sicht“ interessant aussieht) oder ein Ort, weil er aus der Beschreibung von (sehenden) Passanten interessant ist etc.

Für mich ist das Fotografieren und Filmen ein künstlerisches Experiment,, zu vergleichen, was ich auf den von mir erstellten Videos kommentiere und was am Ende von alledem tatsächlich auf dem Bildschirm zu sehen ist. Hier ein Kommentar einer Websitebesucherin zu meinen Fotoarbeiten

Doch wie kommt man auf so eine ausgefallene Idee?

Während meines Studiums habe ich mich (fast ausschließlich) mit audiovisuellen Medien, vorrangig Film und Fernsehen, auseinandergesetzt. Hieraus entstand die Idee, einmal selbst etwas zu filmen, ob nun einen Ort, ein Interview oder was auch immer. Blinde, die sich begleiten und filmen lassen, gab es in der Vergangenheit bereits. Ich wollte selber die Kamera halten und führen; quasi als blinder Regisseur meines eigenen Filmes.

Auch wenn ich vielleicht nicht dieselben Ergebnisse erzielen kann, wie ein vollsehender Kameramann. Aber das ist auch gar nicht meine Absicht!

Was das Fotografieren angeht, so entstand die Idee kurz vor meiner letzten Reise. Warum immer nur in Worten beschreiben, was man erlebt hat, gerade, wenn ein Großteil des Freundeskreises sehend ist? Warum soll ich nicht auch, als Blinder, Urlaubsfotos mit nach Hause bringen? Und könnte es nicht interessant sein, wenn man frei nach Gefühl fotografiert, anstatt sich von dem leiten zu lassen, was alle fotografieren?

Beim Fotografieren und Filmen orientiere ich mich stets an Beschreibungen von Passanten, an Geräuschen oder aber auch örtlichen Gegebenheiten (Treppen, Eingänge, Häuserwände etc.). Ich lasse mir meine Umgebung beschreiben, erkunde auf eigene Faust Orte und entscheide so, ob ein Platz/ein Ort/ein Gegenstand für mich interessant ist oder nicht.

Ca. 80-90% meiner hier gezeigten Filme und Fotos sind wirklich von mir geschossen worden. Dies bedeutet auch, dass ich mir zwar von anderen Passanten bzw. Besuchern beschreiben ließ, was sich in meiner unmittelbaren Umgebung befand, jedoch ließ ich mich selten beim Fotografieren führen, geschweige denn habe die Kamera aus der Hand gegeben. Letzteres machen die übrigen 10-20% meiner Fotos aus.

Die Bilder sind so, wie sie sind: Originale. Unbearbeitet, unselektiert. Selbst wenn ein Bild zehnmal aufgenommen wurde, selbst wenn es verruckelt ist oder die Kamera schief gehalten wurde, selbst wenn nur eine weiße Wand (anstatt des ganzen Raumes) aufgenommen wurde. Viele der Bilder hätte der Sehende sicherlich aussortiert. Aber genau darin liegt ja gerade der Sinn meines Experiments.

Denn „perfekte“ Bilder, welche womöglich noch nachbearbeitet wurden, gibt es genug. Und perfekte Bilder spiegeln nun einmal weder das Leben, noch den besuchten Ort wieder. Aber seien wir auch mal ehrlich: Was ist eigentlich perfekt?

Vorsicht… Blinder Fotograf!

Ich trage hier ein Shirt mit Aufdruck

Viele, vor allem sehende, Menschen verstehen nicht, warum ein Blinder fotografiert oder filmt. Sie können und wollen sich auch zum Teil nicht mit so einer Situation auseinandersetzen, weil es für sie schlicht weg keinen Sinn ergibt und, auf dem ersten Blick, nur wie unnütze Knipserei aussieht.

Bei Anderen wiederum wird sogleich das Helfer-Syndrom geweckt. Eigentlich nicht schlimm, würden manche nicht sogleich das Kommando der Kamera übernehmen und ein aus ihrer Sicht besseres Foto schießen wollen. Dies führte in der Vergangenheit schon dazu, dass Passanten auf der Straße mir die Kamera aus der Hand nehmen, oder zumindest mit mir gemeinsam die Kamera richtig führen wollten.

Um diese ‚Eingriffe‘ zu verhindern, aber auch um ein wenig die Neugier für das ‚Neue‘ zu wecken, entschied ich mich in diesem Jahr, bei meinen Foto- und Videotouren ein T-Shirt zu tragen: „Starrt mich nicht so an… Ich bin doch bloß ein blinder Fotograf“. Diese Verharmlosung, die eher einen Scherz vermuten lässt, bringt jedoch die Sache kurz und knackig auf den Punkt: Wir sind ’nur‘ blind, haben aber die gleichen Interessen wie Ihr. Wir belächeln Euch ja auch nicht, wenn Ihr mal Hörspiele hört oder produziert. Sie enthalten ja auch schließlich nichts fürs geliebte Auge…

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