Kategorie-Archiv: Artikel und Essays

Noch drei Sprünge bis zum Abgrund – Warum und Wie ich als Blinder Spielkonsolen nutze

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Für viele Kinder und Jugendliche gehören PC- und Videospiele inzwischen zu ihrem Alltag dazu. Und auch bei Erwachsenen gibt es viele, die diesem Zeitvertreib oder Hobby, mal mehr oder weniger ausgeprägt, nachgehen. Auch ich als Blinder spiele und das mit großer Begeisterung. Jedoch interessieren mich weniger Spiele, welche speziell für unseren Nutzerkreis entwickelt wurden (Beispiel sog. Audiogames) oder solche, die so gestaltet sind, dass wir sie problemlos auch mit Sehenden zusammenspielen können (zahlreiche Smartphone-Games, Quizspiele etc.), sondern konzentriere mich beim Spielgenuss zum Großteil auf herkömmliche Spielekonsolen wie Nintendo, Playstation etc. Wie ich zu solch einem eher ausgefallenen Hobby kam und warum ich solche und nicht die speziell für blinde Gamer entwickelten Spiele bevorzuge,, werde ich oft gefragt. Hier meine Antwort dazu.

Ich sitze vor einem alten C64, meine linke Hand hält den Steuerknüppel eines Joysticks und um mich herum stehen drei/vier Leute und schauen zu | Bild Copyright Christian Ohrens, Location Retro Spiele Club Hamburg

Konsolen spielende Kinder oder: Eine Frage der Erziehung und des Zugangs

Einige seiner Interessen und Hobbys bekommt man häufig als Kind von den Eltern ein Stück weit mit in die Wiege gelegt. Da mein Vater sich für Videospiele begeistern konnte, kam ich schon früh in Kontakt mit C64, Nintendo & co.

Während meiner Schulzeit konnte ich häufig beobachten, dass einige Eltern blinder Kinder ihre Kinder quasi auch „blind erzogen“, damit meine ich, dass sie bei ihrer Erziehung und der Medien- und Spieleauswahl immer die Blindheit im Hinterkopf hatten und diese auch gern als Ausschlusskriterium und Begründung nutzten, warum ihr blindes Kind dieses oder jenes nicht machen soll oder kann. In diesem Bereich fielen bzw. fallen auch ganz klar Videospiele aller Art. Zwar wurde ihnen schon erklärt, um was es sich dabei handelt, viele verwiesen jedoch im gleichen Atemzug darauf, dass man ja blind sei und damit nichts anfangen könne. Ein Ausprobieren fand somit gar nicht erst statt.

Anders bei mir. Da mein Vater und weitere Verwandte ab und zu durchaus zum Joystick oder GameBoy griffen, wurde ich schon recht früh mit derartigen Angeboten konfrontiert. Die Neugier war groß („Was piept da so und gibt so lustige Geräusche von sich?“) und weckte bei mir letzten Endes auch den Wunsch, es selber einmal auszuprobieren.

Viele Dinge in meiner Kindheit geschahen nach dem Motto „geht nicht, gibt’s nicht!“ und so tastete ich mich buchstäblich mit 8 oder 9 Jahren an unseren damaligen Comodore 64 heran und probierte die ersten Spiele aus, anfangs noch mit Unterstützung meiner Eltern, denn ich wollte wissen, was bei welchem Geräusch passierte, zum Schluss jedoch immer mehr auch allein. Es ging mir nie darum, wirklich weit zu kommen, der Ansporn, meine Figur immer länger vor dem Absturz, das Raumschiff vor dem Abschuss zu bewahren, reichten vollends aus. Die Zeit, in der wir den C64 besaßen und auch nutzten, war für mich somit die „Geburtsstunde“ des Videospiele spielens.

Kritiker würden jetzt sagen, dass es doch „besseres“, „schöneres“ und „wichtigeres“ als Kind zu spielen gäbe – keine Sorge, die Vielfalt war da. Es war nur ein weiteres „Angebot“ Seitens meiner Eltern, das ich annahm und ausprobierte – so wie Filme schauen, Fahrrad oder Rollschuh fahren, mit Lego spielen, vorlesen bekommen (und später selber lesen) auch.

Mario vs. Sonic oder: Der Ton macht die Musik… und entscheidet, welche Konsole man spielt

Im Winter ’93 schenkten Teile meiner Familie meinem Vater zu Weihnachten einen Super Nintendo (der Einfachheit halber weiter als SNES abgekürzt). Mit im Paket befand sich der elegendäre SNES-Klassiker „Super Mario World“. Kaum ausgepackt und angeschlossen, stellte ich beim ersten Mithören schnell fest, dass der Sound bei dieser Konsole um Längen besser und detaillierter zu sein scheint, als noch beim dagegen quäkigen C64. Ein Ausprobieren war somit auch hier vorprogrammiert… ähm, wer bekam noch mal die Konsole geschenkt? 😉

Es folgten in den nächsten Jahren viele weitere Spiele, die mein Vater sich entweder aus der Videothek mitbrachte oder selber kaufte. Ich fand für mich heraus, dass es durchaus Spiele gibt, die sich blind nur schwer spielen lassen. Auch wenn mein Vater ein sehr gutes Gespür dafür entwickelte, welches Spiel ich mal ausprobieren könnte und welches eher nicht, die Neugier, alles was da war mindestens einmal ausprobiert zu haben, war trotzdem da. Klappte ein Spiel nicht und ich hätte somit ruhig auf das väterliche Urteil hören sollen, war die Frustration jedoch eher gering.

Es blieb jedoch nicht beim SNES. Ostern ’94 wünschte ich mir einen eigenen GameBoy, was meine Eltern wohl weniger, dafür jedoch den Rest der Verwandtschaft schon arg verwunderte. Sie konnten das Phänomen „blindes, konsolenspielendes Kind“ noch nicht ganz begreifen. Und oft hörte ich hinter vorgehaltener Hand die Leute fragen: „Was hat er davon? Er sieht es doch nicht?!“ Die Vehemenz, mit der ich hier am Ball blieb und auch vor ihren Augen – um meinen Vater zu zitieren – mit einer Geduld spielte, die er teilweise nicht aufbrachte, konnten sie dann doch eines besseren belehren.

An dieser Stelle eine kleine Anekdote. Waren wir im Urlaub, habe ich es im Handumdrehen geschafft, sämtlichen Leuten, die mich beobachtet, ja teilweise sogar angestarrt hatten, die Gesichtszüge entgleisen zu lassen. Im ersten Moment noch ein Buch in Blindenschrift gelesen, was bei vielen schon faszinierte Blicke hervorrief, dann das Buch weggepackt, Kopfhörer aufgesetzt und den Stecker dann nicht in einen Walk- oder Diskman, sondern in den mitgebrachten GameBoy gesteckt. Meine Eltern berichteten mir dann später immer, wie irritiert ich von manchen danach begafft worden war – jedoch angesprochen und Fragen gestellt haben uns natürlich die wenigsten.

Ein Jahr später fand ein kleiner Systemwechsel statt. Ich „erbte“ sozusagen den SNES meines Vaters, da er sich eine Sega Megadrive Konsole zugelegt hatte. Jedoch konnten mich Sonic & co nicht richtig überzeugen. Auch wenn es auf den Sega-Konsolen durchaus blind spielbare Spiele gegeben hätte, der für den Megadrive typische Sound konnte mich nicht überzeugen und zum Weiterspielen animieren. Natürlich war ich vom C64 oder vom eigenen GameBoy minimalistische Soundszenarien gewohnt, aber trotzdem wurden der Sega und ich nicht so richtig warm – und wie ich heute weiß, erging es vielen sehenden Spielern da ähnlich; zwar nicht des Tones wegen, da gab es dann andere Ausschlusskriterien.

Weitere Kennenlernstationen waren der N64, die Playstation 1 sowie während eines Tunesienurlaubs auch ein klassischer Spielhallenautomat, auf dem ein Kampfspiel vorinstalliert war.

„Wenn es knallt noch ’nen Meter“… oder: Als Blinder Videospiele erlernen

Egal, um welche Konsole oder welches Spiel es sich handelt, das Prinzip, wie ich mir neue Spiele aneigne, ist eigentlich stets dasselbe.

Spiele kennenlernen und zuhören. Von 0 auf 100? Das geht nicht. Wer noch nie mit Videospielen zu tun hatte, sollte anfangs sich erst mal mit spieletypischen Sounds und Strukturen auseinandersetzen. So habe ich es anfangs auch getan. Ich konnte Stunden damit verbringen, bei meinem Vater zu sitzen und ihm beim Spielen einfach nur zuzuhören und ab und an Fragen zur Handlung oder den Geräuschen zu stellen. Denn viele genretypischen Sounds ähneln sich sehr stark. Das Springen in einem Jump and Run Abenteuer, das Einsammeln von Dingen, Laserfeuer und Explosionen, Schläge etc. Viele Sounds finden sich in abgewandelten Formen in verschiedensten Spielen und Genres immer wieder.

Worum geht es? Hierunter fallen nicht nur die Story und die Aufgabe sondern durchaus auch das Genre. Denn wie eben schon erwähnt, weiß ich auch, was geräuschtechnisch ungefähr auf mich zukommen wird. Dieses Wissen ist vor allem dann wichtig, wenn ich Spiele zum ersten Mal spiele und niemanden Sehendes für eine erste Einweisung zugegen ist.

Strukturen und Abläufe erkennen. Wenn ich nicht sehe, wann der Abgrund kommt, muss ich mir andere, markante Punkte merken, wo ungefähr der Abgrund kommen könnte. Die Musik ist dabei kein guter Anhaltspunkt. Verzögert sich der Spielablauf durch irgendwas nur ein wenig (drückt man z. B. auf Pause und das Spiel ist so programmiert, dass die Musik im Hintergrund weiterläuft), sind alle Taktzählereien für die Katz. Generell zähle ich nur sehr selten in Spielen Sprünge, Schüsse, Schläge, Takte etc. Ich merke mir grob den Tonablauf, was sammele ich zu erst, was gibt es für Besonderheiten, was verändert sich usw. und versuche, mir so wichtige Spielpunkte zu erarbeiten und zu merken. Es kann helfen, sich sog. „Let’s Plays“ anzuschauen bzw. anzuhören. Mein Vater hatte seiner Zeit bei allen unseren Spielen das jeweils erste Level auf Kassette aufgenommen, sodass ich eine erste Orientierung hatte. Heute gibt es für sowas YouTube, so lange der Spieler nicht andauernd in sein Video reinlabert und ich somit von der Geräuschkulisse nichts mehr mitbekommen kann.

Bewegungsabläufe merken. In vielen Spielen gibt es gewisse Bewegungsabläufe (z. B. in „Super Mario“ beim Auffinden des Pilzes, um zu wachsen, bei Donkey Kong das charakteristische Klopfen des Affen im Fass, damit man ihn befreit usw.). Diese erlerne ich entweder im Beisein sehender Spieler oder durch bloßes Ausprobieren. Dank Internet sind viele Manuals zu zahlreichen Konsolenspielen online abrufbar und Mitglieder in Spieleforen geben bereitwillig Auskunft, in den Neunzigern und frühen Zweitausendern jedoch hieß es für mich einfach „try or die“!

Schwierigkeitsgrad senken. Viele Spiele erlauben es, die Schwierigkeitsstufe herabzusenken. Gerade bei Kampf- und Actionspielen ist dies sehr zu empfehlen.

Geduld ist der größte Bonus im Spiel! Blind zu spielen bedeutet auch, geduldig mit sich selbst zu sein. Auch der Sehende kommt nicht sofort bis ans Levelende und benötigt mehrere Anläufe. Wie oben erwähnt, bewunderte mich mein Vater teilweise für meine Geduld, es immer und immer wieder zu versuchen – wie oft warf er wutentbrannt das Gamepad beiseite, weil etwas nicht so klappte, wie er es im Spiel wollte. Manchmal, gerade auch bei neueren Konsolen, erschließen sich die Sounds im Spiel mir nicht sofort, da heißt es, durch Herumprobieren den richtigen Weg zu finden.

Sidescroller vs. Open World? Viele Spiele auf alten Konsolen folgen dem Sidescroller-Prinzip, d. h. die Steuerung lässt nur ein Vorwärts- oder Rückwärtslaufen der Figuren zu. Auch wenn viele Spiele eine 3D-Optik besitzen und die Perspektive wechselt, die Steuerung bleibt immer gleich. Anders beim „Open World“ Konzept, bei dem die Steuerung in alle Himmelsrichtungen erfolgen kann. Da es bei Letzterem noch mehr Spielraum, noch mehr Laufmöglichkeiten und somit weniger Anhaltspunkte gibt, fallen solche Spiele für mich eher weg. Ein Grund, warum ich mich auch eher auf alte Spielekonsolen konzentriere und nicht auch beispielsweise der X-Box oder der PS4 eine Chance gebe.

Warum ich als Blinder nun Konsolenspiele spiele oder: Konsole vs. Audiogame

Es gibt sie tatsächlich, für blinde Gamer entwickelte, sog. Audiogames. Der Name ist Programm, das Hauptaugenmerk liegt hier im Sounddesign, nur wenige Spiele verfügen über eine Grafik. Die Vielfalt reicht hier von teilweise sehr einfach gestrickten Spielen bis hin zu ausgeklügelten Action Adventures. Warum also nicht die Palette an Spezialangeboten nutzen, anstatt auf das zurückzugreifen, was eh nur eingeschränkt funktioniert?

Vielleicht bin ich ein Gewohnheitstier. Ich habe Spiele als Konsole kennengelernt, ohne Computer etc. Und auch heute empfinde ich es als mal sehr angenehm, wenn man mal nicht am PC hockt und theoretisch nebenbei mit E-Mails und anderen Nachrichten konfrontiert wird. Spielen ist eine Ablenkung und da darf der Computer ruhig aus mal ausbleiben – genau wie das Smartphone. Denn auch für unser kleines Taschenbüro gibt es inzwischen einige Spiele, die noch nicht einmal speziell für einen blinden Spielerkreis konzipiert wurden, jedoch sowohl von blinden als auch sehenden Gamern gespielt werden können. Auch wenn das Sounddesign in solchen Spielen, aber auch in Audiogames um ein Vielfaches besser ist, greife ich dennoch auf die Nostalgie zurück.

Ein weiterer Punkt ist, dass Spielen ein kurzweiliger Zeitvertreib ist. Mal für ein Stündchen, vielleicht auch zwei spielen und kurz abtauchen reicht. Ich brauche hierfür kein großartiges Storytelling, keine tiefgründigen Hintergründe, um ein Spiel spielen zu wollen. Und ganz wichtig: Ich spiele, weil es mir Spaß macht. Das bedeutet, es spielt keine große Rolle, ob ich das Level nun schaffe oder nicht. Den Ansporn, ein Spiel von Anfang mit Ende durchspielen zu müssen, verspüre ich nicht. Es ist schön, ein Level zu schaffen, es ist aber auch nicht schlimm, es nicht zu schaffen. Der Spaß am Spielen an sich ist schon befriedigend genug. Wo andere sich zwei Stunden lang nur einem Spiel widmen, versuche ich mich durchaus in mehreren Spielen.

Zwischen Spielhalle, Arena und Fantasiewelten oder: Welche Genres sich blind durchaus spielen lassen

Jump and Run: Das Durchlaufen (oder Durchspringen) verschiedener Welten, Sammeln von Leben und anderen wichtigen Dingen und Gegenständen stehen simpel gesagt im Mittelpunkt vieler solcher Spiele. Sind sie Sidescroller, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, sie zumindest ein wenig spielen zu können. Oftmals sind die Welten und Levels jedoch so konzipiert, die Pfade zu verschlungen, die Hindernisse zu hoch, dass man blind keinen Zugang zu ihnen finden kann, höchstens unter sehender Anleitung. Durchaus spielbare Titel sind z. B.: Super Mario World/Allstars (SNES), Super Mario Bros (NES), Super Mario Land 2 (GB), Super Mario Land 3/Warioland (GB), Bubsy (SNES), Mickey Mouse Magical Quest (z. B. SNES, GBA), Donkey Cong Land (GB), Donkey Kong Country 1 o 2 (SNES), Flinstones (SNES), Ducktales (NES, GB), Die Schlümpfe (GB), Yogi Bear (GB), Mr. Nuts (SNES), Rayman (PS1).

Fighting/Kampfspiele: In diesem Genre hat man als blinder Spieler die meisten Chancen, spielbare Titel zu finden. Vor allem, wenn man sich Combos und Moves von Spielen wie z. B. „Street Fighter“ aneignet, denn viele andere Hersteller haben diese auch in ihre Spiele mit übernommen. Die meisten Kampfspiele sind steuerungstechnisch Sidescroller, auch wenn die Grafik oftmals anderes vermuten lässt. Es lohnt sich einmal zu verlieren, um zu wissen, wer der Gegner ist und wer man selbst. Zu 90% geben die Charaktäre in solchen Spielen auch kurze Shouts bei Schlägen, Combos oder Treffern von sich, sodass gut zu erkennen ist, wer gerade am Zug bzw. Schlag war. Manche Spiele verfügen zudem nicht nur über den Hinweis „You Win“ am Ende einer Runde, sondern auch über einer namentlichen Nennung des Gewinners. Dies hilft nur dann weiter, wenn man genau weiß, welchen Charakter man spielt. Die Auswahl an spielbaren Titeln ist unüberschaubar, daher hier nur eine kleine Auswahl: Street Fighter Reihe (SNES, PS1-2, vor allem die Ex- oder Alpha Reihe), Tekken 1-3 (PS1), Tekken 4 (PS2), Dead or Alive (PS1), Virtua Fighter 4 (PS2), Battle Arena Toshiden Reihe (PS1), Blody Roar (PS1), Teenage Mutant Ninja turtles Tournament Fighter (SNES), Super Virginia Girls (SNES), Fatal Fury 2 o Special (SNES), Soul Blade (PS1), King of Fighters Reihe (PS1/PS2), Double Dragon 5 (SNES), Fighter’s History (SNES), Fighter Story 2 (SNES), Mortal Kombat Reihe (SNES, PS1/PS2), Kensai (PS1).

Beat bzw. Shot ‚em Up: Actiongeladene Abenteuer, welche sowohl Elemente aus Fighting als auch Jump and Run Abenteuern enthalten, bietet dieses Genre. Hier geht es weniger um trickreiches Kämpfen mittels Tricks, eine Mission bzw. Aufgabe steht bei vielen Spielen klar im Mittelpunkt. Auch in diesem Genre sind durchaus einige Spiele spielbar, z. B. folgende Titel: Teenage Mutant Ninja Turtles 4 (SNES), Turtles 1-3 (GB), Captain America (SNES), X-Men (SNES), Mega Man (GB, NES, SNES), Final Fight 1-3 (SNES), Legend (PS1), Power Rangers Cars (SNES).

Shhooting: Ob Weltraumabenteuer in fernen Galaxien oder Balleraction auf der Erde, auch in diesem Genre finden sich ebenfalls ein paar spielbare Spiele. Zu beachten ist dabei jedoch, dass es in vielen Spielen möglich ist, sein Flugobjekt nicht nur nach oben und unten, sondern auch zusätzlich vor und zurück zu steuern; ein wenig Übung macht bei einigen Spielen auch hier nach der Zeit den Meister. Spielbar wären z. B.: Pop’n Twin Bee (SNES), Parodius Reihe (SNES), Gradius Reihe (SNES), Space Invaders (versch Plattformen), R-Type (versch Plattformen), Starfox (SNES), Super Drop Zone (SNES, oder Drop Zone auf C64 bzw. GB), Solar Striker (GB), Phalanx (SNES, GBA).

Sport: Eines mit der wohl schwersten Genres, wenn es um die Spielbarkeit durch Blinde geht. Aber mit Einschränkungen und/oder ein wenig Geduld lassen sich auch hier durchaus Spiele finden. Zumal einige Autorennspiele auf der Playstation über einen Copiloten verfügen, der einem die Richtung ansagt. Falls es diesen nicht gibt, wenns knallt einfach probieren, ob es nun nach rechts oder links weitergeht. Und wer auf Fußball steht, sollte unbedingt die FIFA-Spiele für die PS1 und PS2 probieren, sich hier jedoch von einem Sehenden anfangs ein wenig helfen lassen. Spielbare Titel in diesem Genre wären z. B.: Formel 1 diverse Titel (GB, SNES, PS1), V-Rally Reihe (PS1/PS2), Fifa Reihe (nur auf PS1/PS2 mit Kommentator, bis Fifa 2011 auch mit recht einfacher Spielersteuerung), Street Racer (GB).

Weitere Spiele: Ob Quizspiel oder Flipperautomat, neben den üblichen Genres gibt es durchaus noch weitere Titel, die durchaus einen Versuch wert sind. Beim Flipperautomaten (Pinball) z. B., hört man sehr gut, wenn sich die beiden Arme bewegen und verschiedene Bonusse abgeräumt werden. Wenn man etwas sucht, findet sich auch durchaus ein gutes Quiz, bei dem die Fragen vom Quizmaster vorgelesen werden. Lieber doch was ganz anderes probieren? Wie wäre es mit dem Klassiker Bomberman, nur vorsicht, dass man sich nicht „versehentlich“ selber in die Luft sprengt. Auch hier eine kleine Auswahl: You Don’t Know Jack (PS1), True Pinball (PS1), Kirby’s Pinball (GB), Pokemon Pinball (GBC, mit Vibrationsfeedback), Pinball Dreams (SNES), Pinball Fantasy (SNES), Pacman (versch Plattformen), Bomberman Reihe (versch Plattformen), Wario Blast (GB), Hugo (PS1), Hugo 2 (GB).

Diese Liste ist keineswegs komplett, wird jedoch stetig ergänzt!

Fazit

Zugegeben, blind alte Konsolen zu spielen gehört wohl zu einem eher ungewöhnlichen Hobby. Warum ich, obwohl ich den Spielablauf etc. nicht sehen kann, trotzdem lieber zur Spielekonsole anstatt zu „besser“ spielbaren Titeln zurückgreife, wie es zu dieser Begeisterung kam und welche Genres sich durchaus auch blind spielen lassen, darauf sollte dieser Artikel eine erste Antwort geben.

Wo andere stundenlang in virtuellen Welten versinken, ist Spielen für mich eine kurzzeitige Ablenkung, ob zum Zeitvertreib oder als Ausgleich für einen Tag am Schreibtisch. Für mich war es auch ganz „natürlich“, auch schon als Kind dies auszuprobieren und mich nicht, wie leider vielzuviele, sich nur auf das zu konzentrieren, was offensichtlich zugänglich und für „Blinde geeignet“ erscheint.

Es gibt wenig Gleichgesinnte, zumindest sind mir in all den Jahren, in denen ich schon Videospiele spiele, nur sehr wenige begegnet. Zu groß scheint die Hürde zu sein, etwas anzufangen, was auf dem ersten Blick nicht für unseren Personenkreis gedacht bzw. gemacht ist. Da haben es die sehenden Spieler umso leichter, vor allem in Zeiten von Social Media, schnell Spieleinteressierte zum Austauschen oder für schnellen, guten Rat zu finden.

Ich möchte daher diejenigen ermutigen, die dem Thema Computer- oder Videospiele nicht ganz abgeneigt sind, es selber einmal auszuprobieren – denn nur Versuch macht klug und Ihr habt nichts zu verlieren, außer ein virtuelles Leben und ein bisschen Zeit. 😉

Gedanken-Gänge 42 – Manchmal war früher eben doch vieles besser… oder: Eine kleine Hommage an die neunziger Jahre

In zahlreichen Beiträgen in sozialen Netzwerken, ja sogar in ganzen Gruppen, wird der Nostalgie freien Lauf gelassen. Für viele Menschen waren die neunziger Jahre mit das beste und tollste Jahrzehnt, die schönste Zeit – wobei das sicherlich viele von den Jahren der eigenen Kindheit behaupten werden. Ja selbst in unzähligen Retrospektiven im TV und in Live-Comedy-Shows wird seit geraumer Zeit den Neunzigern gedacht und die Musik dieses Jahrzehnts erlebt spürbar ihr Comeback, ob nun im Radio oder auf Partys. Gründe genug, auch hier mit einer kleinen Hommage an die eigene Kindheit zu starten. Mal ohne all die Probleme, die es damals schon gab oder die Dinge schlecht zu reden, die wir „damals“ noch nicht hatten. Und ich verzichte hier bewusst auf Bilder und Videos, die meine Erinnerungen durchaus illustrieren würden und überlasse Euch ganz und gar Eurer Fantasie.

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Gedanken-Gänge 41 – Es gibt nur Schwarz-Weiß-Maler oder: Ein paar Gedanken zu Greta Thunberg und der Fridays For Future Bewegung

Hut ab. Die Gesellschaft teils sehr spürbar in zwei Lager zu teilen, schafften bislang nur Politiker mit ihren Äußerungen und Taten. Wobei es hier sogar oftmals viel vielschichtigere Meinungen und Kommentare gibt, als bei dieser jungen Frau. Denn in nur einem Jahr hat es ein 16jähriges Mädel aus Schweden nicht nur vollbracht, Tausende junge Menschen Freitags auf die Straße zu bringen, sondern auch, eine Diskussion zu entfachen, die in unserer Gesellschaft ihresgleichen sucht. Grund genug, zum Jahresende einen Versuch zu starten, die ganze Geschichte etwas differenzierter zu betrachten.

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Gedanken-Gänge XXXX – Von Fastfood, Shopping & co oder: Ein Rundgang durch die geläufigsten Anglizismen unserer Alltagssprache

Deutsche Sprache, schwere Sprache – heißt es ja so schön. Unterhält man sich jedoch mit älteren Menschen, so bekommt man nach ihren Aussagen jedoch den Eindruck, dass von der Deutschen Sprache eh nicht mehr soviel übrig ist, so sehr übernehmen wir Ausdrücke, vornehmlich aus dem Englischen, mit in unseren alltäglichen Sprachgebrauch. Mit Baujahr ’84 wurde ich in eine Generation hineingeboren, in der Anglizismen (Erklärung folgt gleich) mit an der Tagesordnung waren; es für uns somit nicht mehr „besonders“ war, Lehnwörter aus dem Englischen mit ins Deutsche zu übernehmen – und wenn es nur das einfache „cool“ war und ist.

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Gedanken-Gänge XXXIX – Es gibt immer was zu Meckern oder: Sich über Dinge beschweren, die jedoch anderen helfen

Ein Sprichwort besagt, das alles was uns nicht tötet, uns abhärtet. Wenn dem wirklich so ist, sollten einige von uns sich manches Mal überlegen, über was sie sich so beschweren.

Ich las gestern auf Facebook, dass sich jemand über das Piepen der Blindenampel unter seinem Fenster beklagte; das würde ihn (oder sie) stören. Im ersten Augenblick mag man ja denken: „Na klar, es piept monoton, mal leiser, mal laut, das kann schon nervig sein“. Ich beobachte allerdings immer wieder, dass sich Menschen erschreckenderweise immer über die Dinge zu beschweren scheinen, die anderen Leuten helfen – siehe Beispiel Blindenampel.

Ob nun die Blindenampel (die übrigens ja nicht immer piept, zumindest in Hamburg nicht, sondern nur dann, wenn man das Tonsignal per Knopfdruck anfordert), die Ansagen in der Bahn oder sogar den Leitstreifen am Bahnsteig, immer scheint es irgendwen zu geben, der sich darüber echauffiert; oder, um es mit den Worten von Tilo Wolff bzw. seiner Band Lacrimosa zu sagen: „Irgend ein Arsch ist immer unterwegs“ – und damit wollte er genau dies zum Ausdruck bringen.

Wer sich jetzt fragt, was Menschen an solchen Hilfsmitteln stört – hier mal ein kurzer Abriss über mögliche Beweggründe.

Die Blindenampel, also Ampel mit akustischen Signalen, scheint einige Mitmenschen schon allein deswegen zu „stören“, weil – je nach Ausführung und verwendetem Signalgeber – die Ampel schon einmal dauerhaft tickert. Dies dient übrigens dazu, dass wir blinden Teilnehmer am Straßenverkehr diesen Ampelmasten überhaupt erst finden können. Denn ein abgeflachter Bordstein ist noch kein Garant, dass sich hier auch eine Ampel befindet. Außerdem wird das Ticken, je nach Lautstärke des Straßenlärms, auch mal lauter, mal leiser. Hinzu kommt noch dieses von vielen als nervig empfundene Piepen während der Grünphase. Zugegeben: So viele blinde Menschen überqueren eine Straße oftmals gar nicht, so häufig wie die Ampel piept. Liegt wohl daran, dass es Passanten gibt, die ernsthaft glauben, durch penetrantes maltritieren des Auslösers würde die Ampel schneller umspringen – Trugschluss, meine Lieben. Auch der Irrglaube, man bräuchte nur S.O.S. mit dem Taster zu „morsen“ und es werde Licht (äh Grün), stimmt nicht. So weit, so gut. Es mag auch Ampeln in Deutschland zu geben, bei denen ein Anfordern des Piepstons gar nicht möglich bzw. nötig ist, da sie immer, bei jeder Grünphase munter piept. Aber auch eine Grünphase geht mal vorbei und wer an einer stark befahrenen Straße, direkt an der Kreuzung wohnt, sollte sich lieber über den dauerhaften Straßenlärm aufregen, anstatt über piepende Ampeln. Zumal viele Ampelanlagen des Nachts eh abgeschaltet werden und somit auch das Piepen wegfällt. Dass es durchaus auch Leuten helfen kann, blendet man gerne aus.

Ansagen in Bus oder Bahn sind auch nicht jedermanns Freund – doch warum eigentlich? Mag an unserer derzeitigen Gesellschaft liegen, denn viele tragen ja sowieso ihr unsichtbares „bitte nicht stören, bitte nicht ansprechen!“ Schild mit sich herum, dies merkt man allein schon, wie sehr manche in, auch auf der Straße, in ihre Smartphonewelt abtauchen. Viele scheinen sich, ob nun im ICE oder in der heimischen S-Bahn, über Ansagen aufzuregen, weil sie wohl gerade in ihrer Unterhaltung, im Sekundenschlaf, Tagtraum oder bei ihrer „Arbeit“ gestört werden. Aber gerade dann ist die Einordnung einer Ansage als Störfaktor unlogisch, denn ist man im Buch oder Laptop vertieft, schaut auch nicht aus dem Fenster oder auf die Uhr, mag man sicher auch gern vergessen, dass man sein Ziel erreicht hat. Und trotzdem missfällt es manchen Fahrgästen, dass es Durchsagen gibt – schon komisch, oder? Ich saß 2015 mal in einer Eurobahn nach Venlo und hätte den Ausstieg Dank fehlender Durchsagen beinahe verpasst. Auf dem Bahnhof traf ich durch Zufall den Schaffner, der mir sagte, es hätten sich Leute über Durchsagen morgens im Zug beklagt, darum würden einige Kollegen sie in den ersten Zügen abschalten. Wenn es doch auch nur einmal anders herum funktionieren würde – komischerweise geht das selten.

Leitstreifen (oder sollte ich „Leidstreifen“ sagen?) helfen blinden Menschen, sich an der Bahnsteigkannte entlang zu orientieren, den nächsten Treppenabgang, den Aufzug oder die Notrufsäule zu finden. Manche nutzen sie jedoch auch gern als „Haltelinie“ (man soll ja hinter der Linie bleiben, will aber unbedingt der Erste an der Tür sein) und stellen sich mit Sack und Seil darauf. Andere wiederum hassen sie, weil sich der Koffer Dank Leitstreifen (so sie vernünftig konstruiert sind) echt schwer ziehen lässt. Ein paar Zentimeter weiter zur Bahnsteigmitte zu gehen? Kommt für sie nicht in Frage. Ich habe auch schon Leute mit Kinderwagen leider fluchen hören und wundere mich auch hier, warum es vielen nicht möglich ist, einfach ein paar Schritte zur Seite zu gehen, um auch hier das Gefährt besser schieben zu können.

Sich erst mal zu beklagen, ohne zu wissen, über was man sich da eigentlich beklagt, scheint vielleicht hierzulande ein Stück weit in der Natur des Menschen zu liegen? Anstatt sich über wirklich „sinnvolle“ Dinge aufzuregen, sind es dann meist diese Kleinigkeiten und das – natürlich – oftmals auch aufgrund von Unwissenheit.

Dabei hätten z. B. blinde Passanten, Zugfahrer oder wer auch immer, durchaus auch den einen oder anderen Grund, sich über dieses oder jenes aufzuregen – z. B. abgeflachte Bordsteine, die so flach sind, dass kaum mehr mit dem Stock erkennbar ist, ob man sich auf dem Gehweg oder der Straße befindet. Aber dies hilft jedoch den zahlreichen Rollifahrern, sich unbeschwerter fortzubewegen. Also muss man sich an gegebenem Ort dann nach Alternativen umschauen, Dinge, die einem helfen können, trotzdem nicht auf der Straße zu landen. Genauso, wie der, dem die Ansagen im Zug stören, einfach Ohrstöpsel einsetzt oder diejenigen, die sich über piepende Ampeln aufregen, einfach nach dem Lüften das Fenster auch wieder schließen könnten. 😉

Gedanken-Gänge XXXVIII – Der Wunsch, allen gerecht zu werden und die Angst vor Entfremdung oder: Wenn wir uns am Ende selbst belügen

In letzter Zeit war ja, vor allem hinsichtlich der wieder aufkeimenden Rassismus-Debatte und der immer zunehmenden Zahl an „Protest“- oder sonstigen AFD-Wählern schon des öfteren mal von sog. „Entfremdung“ die Rede. Für viele ein Unwort, für andere ein Ausdruck von Angst schlecht hin.

Was ist denn diese ominöse „Entfremdung“ nun eigentlich? Im Grunde, fragt man mal Menschen in seinem Umfeld, die dieses Wort gebrauchen, wäre Entfremdung allein schon der Einfluss aus anderen Ländern, die hierzulande ihre Anwendung finden. Ob nun kulturell, sprachlich (dazu in Bälde ebenfalls ein weiterer Beitrag), religiös oder sonstwie geartet. Problem an der ganzen Geschichte ist, dass sich viele, die dieses Unwort verwenden, zum einen nicht mit dem „Anderen“ auseinandersetzen (wollen) und zum anderen sehr wohl zu vergessen scheinen, dass wir Deutschen von je her schon immer anderen Einflüssen usw. ausgesetzt waren. Wer dies abstreitet, möge mal an die diversesten Dinge denken, die in den letzten Jahrhunderten – und zwar aus anderen Ländern und Kulturen – z. B. allein schon durch die Seefahrt mitgebracht (importiert) und somit verwendet wurden. Oder sind Kaffee, Kakao, Nudeln, Reis oder Pfeffer etwa Dinge, die – im übertragenen Sinn – auf Deutschem Mist gewachsen sind? Wohl kaum.

Trotzdem reden wir über Entfremdung bzw. haben viele in unserem Land Angst davor -, gehen jedoch zum Italiener, essen Kebab oder lassen sich von jemandem mit Migrationshintergrund beim Frisör die Haare schneiden was doch für eine Farce. Entfremden wir uns also allein schon durch diese Angst ein Stück weit selbst?

Deutschland ist inzwischen ein Schmelztigel aus verschiedensten Nationen und Kulturen, jedoch haben wir es bisher immer geschafft, trotzdem in der kulturellen Vielfalt unsere Traditionen zu wahren. Wieso also fühlen wir uns so überrannt auf einmal? Drang,

Ist es vielleicht, weil nun diejenigen, die einmal fremd in unserem Land waren, nun auch ihre Rechte auf Gleichbehandlung und Religionsfreiheit fordern? Von Kritikern wird in diesem Zusammenhang meist durch Stammtischparolen geantwortet, dass wenn wir im großen Stil in ein kulturell und religiös anders gelagertes Land auswandern würden, wir uns schließlich auch an die neue Heimat anpassen müssten und nicht das Land sich an uns. Ein Fünkchen Wahrheit mag ja dran sein, denkt man beispielsweise daran, dass es in anderen Kulturkreisen nicht erlaubt ist, so freizügig gekleidet herumzulaufen, wie viele es hierzulande tun – wobei es auch hier Menschen gibt, die sich hierüber aufregen und zwar aus den eigenen Reihen!

Das „Problem“ hierzulande dürfte nicht nur allein die Angst vor „Entfremdung“ sein, sondern auch der Drang, es wirklich allen rechtmachen zu wollen. Und zwar nicht nur in kultureller Sicht, sondern auch in sprachlicher. Da regen sich Leute auf, weil ihre nicht-christlichen Kinder an einem Martinsumzug teilnehmen – prompt wird dieser umbenannt, ohne zu beachten, dass Martin zwar ein guter, frommer Mann, jedoch nicht unbedingt ein Christ war. Interessiert bloß keinen. Vieler Orts wurden und werden Weihnachts- in Winter- oder sonstwas für Märkte umbenannt – gut, dass Weihnachtsmärkte vieler Orts nichts mehr mit Weihnachten am Hut haben, lassen wir mal außenvor. Umgekehrt würde jedoch wohl kein Moslem auch nur auf die Idee kommen, sein „Zuckerfest“ aufgrund des immer größer werdenden Gesundheitswahns und dem Drang, Kindern Süßes – wenn überhaupt – nur noch in Maßen zu gewähren, hierzulande sein „Zuckerfest“ umzubenennen. Und selbst wenn ich als Christ, Jude, Babtist oder sonstwer hierzu eingeladen werde, ich käme im Traum nie darauf, eine Namensänderung zu fordern. Aber so ist sie halt, unsere Political Correctness. Durch sie werden auf einmal kulturelle Traditionen und Benennungen auf den Prüfstand gestellt und Diskriminierungen entdeckt, die vorher noch keiner gefunden hat. Böse gesagt, wenn jemand zum Martinsumzug oder Weihnachtsmarkt, ja selbst zum Karnevalsumzug nicht gehen mag und diesen, sei es nur der Bezeichnung wegen, für sich und seine Kinder ablehnt, möge er dies tun, kein Problem. Statt diese Leute sprachlich abzuholen sollte es eher unsere Aufgabe sein, die Feste und Bräuche derjenigen, die wir in unsere Gesellschaft zu integrieren versuchen, zu akzeptieren. In anderen Ländern und Städten (z. B. Sarajevo sei als Paradebeispiel genannt) funktioniert das doch auch – nur bei uns natürlich nicht.

Wenn wir doch diesen Drang verspüren, unsere Kultur, Sitten und Bräuche auf einmal auf den Prüfstand zu stellen und alles mögliche zu hinterfragen, zerstören wir somit ein Stück Kultur nicht auch? Schließlich müssten wir uns gegenüber erst einmal wirklich ehrlich sein: Die wenigsten von uns sind heute noch wirklich gläubig und gehen in die Kirche, alle feiern jedoch – mal mehr, mal weniger – Weihnachten. Wenn wir also wirklich so sprachlich korrekt sein wollen, müssten wir Weihnachten der Wahrheit wegen doch eher in „Konsumfest“ umbenennen, denn sich Besinnen auf die Geburt Jesu, allein schon das Hören oder Lesen der Weihnachtsgeschichte, machen von uns, vor allem den Jüngeren, wohl auch nur noch die wenigsten. Also, halten wir mal lieber den Ball flach, bevor wieder mal jemand wegen „Entfremdung“ schreit.

Alles RETRO… oder was?! | Teil 1: Die „Sesamstraße“

Es ist an der Zeit, sich nach langer Pause mal wieder medialen Themen zu widmen. Auftakt hierzu bildet eine neue Artikelreihe, welche sich ein wenig mit Medienangeboten vergangener Tage auseinandersetzen soll.

Alles RETRO… oder was?! | Teil 1: Die „Sesamstraße“ weiterlesen

Gedanken-Gänge XXXVI – Wird sich von *Innen im Innern von uns etwas ändern? Oder: Ein wenig aufgewärmter, alter Sprachkaffee

Schon ein Weilchen ist es her, da kursierten auf Facebook & co diverseste Artikel, welche sich mit dem Sinn (oder Unsinn) genderkonformer Sprache auseinandersetzten – ob nun berechtigt kritisch, satirisch oder einfach nur stumpfsinnig.

Allen kritischen Texten war gemein, dass sie hinterfragten, ob es zu jeder scheinbar männlichen Form eines Wortes eine weibliche, wenn nicht sogar geschlechtsneutrale Form zu geben hat. Auch der Sinn von Endsilben (wie *Innen) wurde hier hinterfragbe.

Wer diese Artikel teilte, sah sich schnell einer wachsenden Kritik ausgesetzt, als hätte man selbst diesen geteilten Text in die Welt hinaus gepostet und wär für alle Inhalte somit „verantwortlich“. Schon erschreckend irgendwie, dass es auch hier, wie bei vielen anderen Diskursen auch, scheinbar für viele nur ein Schwarz-Weiß-Denken zu geben scheint.

Die Frage, die ich als in dem Sinn nicht Betroffener natürlich nur schwer beantworten kann ist, ob sich Frauen bei Nichtnennung einer adäquaten Form sogleich ausgegrenztfühlen (Kollegen anstatt Koleg*Innen, Studenten, Mitarbeiter usw.)? Im Gegenzug wurde ja von vielen auch argumentiert, dass sich männliche Leser auch nicht ausgegrenzt oder benachteiligt fühlen würden, sollte es zu einem Wort mal nur eine weibliche Form geben und keine Männliche – doch wer so argumentieren wollte, wurde natürlich auch gleich wieder in die Schranken verwiesen und wenn es nur mit der schönen Redewendung das man das so ja nicht sehen könne, geschah.

Doch macht ein *Innen die Welt wirklich besser? Böse gesagt: Ändert das Anhängsel am Ende nicht sogar nur die Sprache und nicht die innere Einstellung zur Frau?

Sprache kann vieles bewirken und durch sie könnte durchaus ein Umdenken stattfinden – so ein weiteres Argument vieler. Doch wage ich dies ein Stück weit zu bezweifeln. Wer gegen die Gleichberechtigung von Frauen ist, macht seine Einstellung nicht durch eine verschriftlichte Gleichbehandlung wieder wett. Das wäre, als würde man das negativ besetzte Wort „Behindert“ durch irgendetwas scheinbar Positives ersetzen. Auf dem Papier wäre somit der Schriftbegriff für „Behindert“/“Behinderung“ ausgetauscht, die Grundeinstellung im Kopf ändert sich dadurch jedoch noch lange nicht.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, dies mag sicher auch den Bereich der Sprache betreffen. Dennoch fürchte ich, dass sich viele Befürworter eher umsonst an etwas klammern, was auf dem Papier und im Internet zwar schön aussieht und sich aus ihrer Sicht auch besser bzw. ansprechender liest, jedoch im Umgang miteinander keine (Ver-)Änderungen hervorrufen dürfte. Sprich eine Besserstellung im Job, gleichberechtigte Bezahlung etc. wird es durch *Innen oder die Endsilbe *de (Lehrende, Studierende, Teilnehmende) nicht geben.

Gedanken-Gänge XXXV – Teilhabe ist kein Kompromiss

Seit inzwischen mehreren jahren wird, auf politischer Ebene, aber auch vor allem in Betroffenenkreisen, in sozialen Medien und Foren heiß darüber diskutiert, ob und inwieweit eine uneingeschränkte und ungeteilte Teilhabe von Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft erfolgen kann und muss – einerseits äußerst löblich, zeigt es doch, wie groß das Interesse und Desinteresse, egal von welcher Seite, für dieses Anliegen ist. Andererseits wird genau diese Diskussion ermüdender denn je; warum, dazu hier ein paar Zeilen.

„Eine ausnahmslose Teilhabe kann und wird es nicht geben!“ – so die Hauptaussage, die in vielen Diskussionen, auch und vor allem inzwischen unter Betroffenen, am Ende eines Diskussionstages im Raum stehenbleibt. Versucht man die Argumente für diese Aussage nachzuvollziehen, schlackert man am Ende nur mit den Ohren. Denn selbst behinderte Menschen fangen an, dem nichtbehinderten Betreiber von Freizeitanlagen eine gewisse Handlungsfreiheit zu attestieren, wen er was in welchem Umfang nutzen lässt. Ferner wird im gleichen Atemzug meist angeführt, dass es eine 100 prozentige Teilhabe sowieso nicht geben kann, denn dann müssten wir auch zukünftig blind autofahren können – was doch für ein hinkender Vergleich!
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Gedanken-Gänge XXXIV – „Was ist, wenn etwas passiert?“ oder: Von der Angst, dass irgendwann einmal etwas passieren könnte…

Immer, wenn es um Teilhabe und Teilnahme von Menschen mit Behinderung geht, ob nun Konzerte, Schwimmbad, Freizeitpark & co., hört man leider mehr Stimmen, die von Ausschlüssen und Teilnahmeverboten berichten, als umgekehrt. Und immer, wenn daraufhin Diskussionen entfachen, an denen sich nicht nur Betroffene, sondern meist auch nicht Betroffene beteiligen, ist ein Satz schon vorprogrammiert: „… und wenn etwas passiert?“.

Ich weiß nicht, ob das so ein typisch Deutsches Ding ist, die Angst vor dem ominösen „Wenn“ und „Hätte“. Vor allmöglichen Widrigkeiten wollen wir uns schützen – einerseits verständlich, vor allem aus der Sicht eines Betreibers von was auch immer für einer Freizeiteinrichtung.

Doch schießt man sich mit diesem „Wenn“ nicht sogar mehr ins Abseits und macht sich erst recht in gewisserweise „angreifbarer“?

Wo in anderen Ländern gefühlt einfach mal „gemacht“ wird und man nicht ewig die Negativkonsequenz im Hinterkopf hat, findet hirzulande der Ausschluss noch vor der eigentlichen Teilnahme statt: auf dem Papier oder im Internet, in Zugangsbeschränkungen und Nutzungsregeln, in Tüv-Bestimmungen oder anderen, ähnlich gelagerten Dingen. Allen gemein ist das angebliche Wissen über die Fähigkeiten, die ein Besucher mit Behinderung hat – oder eben nicht hat. Ob das ganze nun Hand und Fuß hat und vernünftig belegt und recherchiert wurde, vollkommen egal, denn „wenn etwas passiert“, wir sind vorbereitet!

Aber die Frage nach dem „Wenn“ und „Aber“ begegnet uns ja nicht nur bei solch Freizeitunternehmungen wie dem Schwimmengehen oder einem Festivalbesuch. Bei viel banaleren Dingen dürfen wir uns immer und immer wieder diese eine Frage anhören. Ob bei Reisen, beim Discobesuch, beim nächtlichen Heimkommen, ja selbst bei so Alltagsdingen wie dem Kochen. Als Mensch mit Behinderung muss man sich immer mit dem „Wenn“ der Nichtbehinderten, also dieser unterschwelligen Befürchtung, dass etwas passieren könnte, auseinandersetzen. Viele vergessen dabei, dass jedem zu jeder Zeit etwas passieren kann, egal wann wie und wo.

Die Antwort hierauf kann einfacher nicht sein: Was ist, wenn etwas passiert? Dann passiert es eben! Wir werden es vorab eh nicht wissen, wir können ja nicht hellsehen und das Leben hält eben nicht immer nur positive Ereignisse parat – so nüchtern traurig man dies auch finden mag.

Der Betreiber von Freizeitanlagen will sich, das ist immer die nächste Argumentation, durch dieses „Wenn“ bloß absichern. Aber war da nicht mal was mit Handeln auf eigenes Risiko oder so? Doch dieser Wille nach Risiko wird einem ja förmlich aberkannt – nichts mehr von wegen „no risk, no fun“! Und die schlechte Publicity, böse Medienmeldungen oder gar eine Schadensersatzklage kommen ja für viele als Angstszenario noch obendrauf.

Womit wir auch beim eigentlichen „Problem“ des „Wenns“ wären: Es ist die Angst, die, meist Außenstehende, zu dieser „Wenn“-Frage verleitet. Als Optimist kann ich dazu nur sagen: Wenn ich mir immer vorher die Frage stelle, was wäre, wenn, würde ich viele Dinge doch gar nicht mehr machen – selbst die einfache Straßenüberquerung könnte somit zur größten Gefahr werden; was ist nämlich, wenn einer bei Rot fährt? Was ist, wenn das Flugzeug abstürzt? Einer eine Bombe zündet? Ich des Nachts überfallen werde? Aber nach sowas fragt man nicht! Denn sonst könnten wir uns alle gleich selber begraben.

Und wenn dann doch etwas passiert? Dann sind sogleich die mit dem erhobenen Zeigefinger da („Hab ich’s dir nicht gesagt?!“). Aber meistens passiert ja eben… NICHTS! Und trotzdem, für diese vielleicht 1- 2- 3- von mir aus auch 5% des Restrisikos rennen Aktivisten, Teilhabe- und Inklusionskämpfer gegen Windmühlen an. Denn die wichtigste „Wenn“-Frage traut man sich erst gar nicht zu stellen: Was ist, wenn man uns überhaupt nicht teilhaben lassen will? Aber das ist wieder ein ganz anderes, neues Thema…