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Noch drei Sprünge bis zum Abgrund – Warum und Wie ich als Blinder Spielkonsolen nutze

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Für viele Kinder und Jugendliche gehören PC- und Videospiele inzwischen zu ihrem Alltag dazu. Und auch bei Erwachsenen gibt es viele, die diesem Zeitvertreib oder Hobby, mal mehr oder weniger ausgeprägt, nachgehen. Auch ich als Blinder spiele und das mit großer Begeisterung. Jedoch interessieren mich weniger Spiele, welche speziell für unseren Nutzerkreis entwickelt wurden (Beispiel sog. Audiogames) oder solche, die so gestaltet sind, dass wir sie problemlos auch mit Sehenden zusammenspielen können (zahlreiche Smartphone-Games, Quizspiele etc.), sondern konzentriere mich beim Spielgenuss zum Großteil auf herkömmliche Spielekonsolen wie Nintendo, Playstation etc. Wie ich zu solch einem eher ausgefallenen Hobby kam und warum ich solche und nicht die speziell für blinde Gamer entwickelten Spiele bevorzuge,, werde ich oft gefragt. Hier meine Antwort dazu.

Ich sitze vor einem alten C64, meine linke Hand hält den Steuerknüppel eines Joysticks und um mich herum stehen drei/vier Leute und schauen zu | Bild Copyright Christian Ohrens, Location Retro Spiele Club Hamburg

Konsolen spielende Kinder oder: Eine Frage der Erziehung und des Zugangs

Einige seiner Interessen und Hobbys bekommt man häufig als Kind von den Eltern ein Stück weit mit in die Wiege gelegt. Da mein Vater sich für Videospiele begeistern konnte, kam ich schon früh in Kontakt mit C64, Nintendo & co.

Während meiner Schulzeit konnte ich häufig beobachten, dass einige Eltern blinder Kinder ihre Kinder quasi auch „blind erzogen“, damit meine ich, dass sie bei ihrer Erziehung und der Medien- und Spieleauswahl immer die Blindheit im Hinterkopf hatten und diese auch gern als Ausschlusskriterium und Begründung nutzten, warum ihr blindes Kind dieses oder jenes nicht machen soll oder kann. In diesem Bereich fielen bzw. fallen auch ganz klar Videospiele aller Art. Zwar wurde ihnen schon erklärt, um was es sich dabei handelt, viele verwiesen jedoch im gleichen Atemzug darauf, dass man ja blind sei und damit nichts anfangen könne. Ein Ausprobieren fand somit gar nicht erst statt.

Anders bei mir. Da mein Vater und weitere Verwandte ab und zu durchaus zum Joystick oder GameBoy griffen, wurde ich schon recht früh mit derartigen Angeboten konfrontiert. Die Neugier war groß („Was piept da so und gibt so lustige Geräusche von sich?“) und weckte bei mir letzten Endes auch den Wunsch, es selber einmal auszuprobieren.

Viele Dinge in meiner Kindheit geschahen nach dem Motto „geht nicht, gibt’s nicht!“ und so tastete ich mich buchstäblich mit 8 oder 9 Jahren an unseren damaligen Comodore 64 heran und probierte die ersten Spiele aus, anfangs noch mit Unterstützung meiner Eltern, denn ich wollte wissen, was bei welchem Geräusch passierte, zum Schluss jedoch immer mehr auch allein. Es ging mir nie darum, wirklich weit zu kommen, der Ansporn, meine Figur immer länger vor dem Absturz, das Raumschiff vor dem Abschuss zu bewahren, reichten vollends aus. Die Zeit, in der wir den C64 besaßen und auch nutzten, war für mich somit die „Geburtsstunde“ des Videospiele spielens.

Kritiker würden jetzt sagen, dass es doch „besseres“, „schöneres“ und „wichtigeres“ als Kind zu spielen gäbe – keine Sorge, die Vielfalt war da. Es war nur ein weiteres „Angebot“ Seitens meiner Eltern, das ich annahm und ausprobierte – so wie Filme schauen, Fahrrad oder Rollschuh fahren, mit Lego spielen, vorlesen bekommen (und später selber lesen) auch.

Mario vs. Sonic oder: Der Ton macht die Musik… und entscheidet, welche Konsole man spielt

Im Winter ’93 schenkten Teile meiner Familie meinem Vater zu Weihnachten einen Super Nintendo (der Einfachheit halber weiter als SNES abgekürzt). Mit im Paket befand sich der elegendäre SNES-Klassiker „Super Mario World“. Kaum ausgepackt und angeschlossen, stellte ich beim ersten Mithören schnell fest, dass der Sound bei dieser Konsole um Längen besser und detaillierter zu sein scheint, als noch beim dagegen quäkigen C64. Ein Ausprobieren war somit auch hier vorprogrammiert… ähm, wer bekam noch mal die Konsole geschenkt? 😉

Es folgten in den nächsten Jahren viele weitere Spiele, die mein Vater sich entweder aus der Videothek mitbrachte oder selber kaufte. Ich fand für mich heraus, dass es durchaus Spiele gibt, die sich blind nur schwer spielen lassen. Auch wenn mein Vater ein sehr gutes Gespür dafür entwickelte, welches Spiel ich mal ausprobieren könnte und welches eher nicht, die Neugier, alles was da war mindestens einmal ausprobiert zu haben, war trotzdem da. Klappte ein Spiel nicht und ich hätte somit ruhig auf das väterliche Urteil hören sollen, war die Frustration jedoch eher gering.

Es blieb jedoch nicht beim SNES. Ostern ’94 wünschte ich mir einen eigenen GameBoy, was meine Eltern wohl weniger, dafür jedoch den Rest der Verwandtschaft schon arg verwunderte. Sie konnten das Phänomen „blindes, konsolenspielendes Kind“ noch nicht ganz begreifen. Und oft hörte ich hinter vorgehaltener Hand die Leute fragen: „Was hat er davon? Er sieht es doch nicht?!“ Die Vehemenz, mit der ich hier am Ball blieb und auch vor ihren Augen – um meinen Vater zu zitieren – mit einer Geduld spielte, die er teilweise nicht aufbrachte, konnten sie dann doch eines besseren belehren.

An dieser Stelle eine kleine Anekdote. Waren wir im Urlaub, habe ich es im Handumdrehen geschafft, sämtlichen Leuten, die mich beobachtet, ja teilweise sogar angestarrt hatten, die Gesichtszüge entgleisen zu lassen. Im ersten Moment noch ein Buch in Blindenschrift gelesen, was bei vielen schon faszinierte Blicke hervorrief, dann das Buch weggepackt, Kopfhörer aufgesetzt und den Stecker dann nicht in einen Walk- oder Diskman, sondern in den mitgebrachten GameBoy gesteckt. Meine Eltern berichteten mir dann später immer, wie irritiert ich von manchen danach begafft worden war – jedoch angesprochen und Fragen gestellt haben uns natürlich die wenigsten.

Ein Jahr später fand ein kleiner Systemwechsel statt. Ich „erbte“ sozusagen den SNES meines Vaters, da er sich eine Sega Megadrive Konsole zugelegt hatte. Jedoch konnten mich Sonic & co nicht richtig überzeugen. Auch wenn es auf den Sega-Konsolen durchaus blind spielbare Spiele gegeben hätte, der für den Megadrive typische Sound konnte mich nicht überzeugen und zum Weiterspielen animieren. Natürlich war ich vom C64 oder vom eigenen GameBoy minimalistische Soundszenarien gewohnt, aber trotzdem wurden der Sega und ich nicht so richtig warm – und wie ich heute weiß, erging es vielen sehenden Spielern da ähnlich; zwar nicht des Tones wegen, da gab es dann andere Ausschlusskriterien.

Weitere Kennenlernstationen waren der N64, die Playstation 1 sowie während eines Tunesienurlaubs auch ein klassischer Spielhallenautomat, auf dem ein Kampfspiel vorinstalliert war.

„Wenn es knallt noch ’nen Meter“… oder: Als Blinder Videospiele erlernen

Egal, um welche Konsole oder welches Spiel es sich handelt, das Prinzip, wie ich mir neue Spiele aneigne, ist eigentlich stets dasselbe.

Spiele kennenlernen und zuhören. Von 0 auf 100? Das geht nicht. Wer noch nie mit Videospielen zu tun hatte, sollte anfangs sich erst mal mit spieletypischen Sounds und Strukturen auseinandersetzen. So habe ich es anfangs auch getan. Ich konnte Stunden damit verbringen, bei meinem Vater zu sitzen und ihm beim Spielen einfach nur zuzuhören und ab und an Fragen zur Handlung oder den Geräuschen zu stellen. Denn viele genretypischen Sounds ähneln sich sehr stark. Das Springen in einem Jump and Run Abenteuer, das Einsammeln von Dingen, Laserfeuer und Explosionen, Schläge etc. Viele Sounds finden sich in abgewandelten Formen in verschiedensten Spielen und Genres immer wieder.

Worum geht es? Hierunter fallen nicht nur die Story und die Aufgabe sondern durchaus auch das Genre. Denn wie eben schon erwähnt, weiß ich auch, was geräuschtechnisch ungefähr auf mich zukommen wird. Dieses Wissen ist vor allem dann wichtig, wenn ich Spiele zum ersten Mal spiele und niemanden Sehendes für eine erste Einweisung zugegen ist.

Strukturen und Abläufe erkennen. Wenn ich nicht sehe, wann der Abgrund kommt, muss ich mir andere, markante Punkte merken, wo ungefähr der Abgrund kommen könnte. Die Musik ist dabei kein guter Anhaltspunkt. Verzögert sich der Spielablauf durch irgendwas nur ein wenig (drückt man z. B. auf Pause und das Spiel ist so programmiert, dass die Musik im Hintergrund weiterläuft), sind alle Taktzählereien für die Katz. Generell zähle ich nur sehr selten in Spielen Sprünge, Schüsse, Schläge, Takte etc. Ich merke mir grob den Tonablauf, was sammele ich zu erst, was gibt es für Besonderheiten, was verändert sich usw. und versuche, mir so wichtige Spielpunkte zu erarbeiten und zu merken. Es kann helfen, sich sog. „Let’s Plays“ anzuschauen bzw. anzuhören. Mein Vater hatte seiner Zeit bei allen unseren Spielen das jeweils erste Level auf Kassette aufgenommen, sodass ich eine erste Orientierung hatte. Heute gibt es für sowas YouTube, so lange der Spieler nicht andauernd in sein Video reinlabert und ich somit von der Geräuschkulisse nichts mehr mitbekommen kann.

Bewegungsabläufe merken. In vielen Spielen gibt es gewisse Bewegungsabläufe (z. B. in „Super Mario“ beim Auffinden des Pilzes, um zu wachsen, bei Donkey Kong das charakteristische Klopfen des Affen im Fass, damit man ihn befreit usw.). Diese erlerne ich entweder im Beisein sehender Spieler oder durch bloßes Ausprobieren. Dank Internet sind viele Manuals zu zahlreichen Konsolenspielen online abrufbar und Mitglieder in Spieleforen geben bereitwillig Auskunft, in den Neunzigern und frühen Zweitausendern jedoch hieß es für mich einfach „try or die“!

Schwierigkeitsgrad senken. Viele Spiele erlauben es, die Schwierigkeitsstufe herabzusenken. Gerade bei Kampf- und Actionspielen ist dies sehr zu empfehlen.

Geduld ist der größte Bonus im Spiel! Blind zu spielen bedeutet auch, geduldig mit sich selbst zu sein. Auch der Sehende kommt nicht sofort bis ans Levelende und benötigt mehrere Anläufe. Wie oben erwähnt, bewunderte mich mein Vater teilweise für meine Geduld, es immer und immer wieder zu versuchen – wie oft warf er wutentbrannt das Gamepad beiseite, weil etwas nicht so klappte, wie er es im Spiel wollte. Manchmal, gerade auch bei neueren Konsolen, erschließen sich die Sounds im Spiel mir nicht sofort, da heißt es, durch Herumprobieren den richtigen Weg zu finden.

Sidescroller vs. Open World? Viele Spiele auf alten Konsolen folgen dem Sidescroller-Prinzip, d. h. die Steuerung lässt nur ein Vorwärts- oder Rückwärtslaufen der Figuren zu. Auch wenn viele Spiele eine 3D-Optik besitzen und die Perspektive wechselt, die Steuerung bleibt immer gleich. Anders beim „Open World“ Konzept, bei dem die Steuerung in alle Himmelsrichtungen erfolgen kann. Da es bei Letzterem noch mehr Spielraum, noch mehr Laufmöglichkeiten und somit weniger Anhaltspunkte gibt, fallen solche Spiele für mich eher weg. Ein Grund, warum ich mich auch eher auf alte Spielekonsolen konzentriere und nicht auch beispielsweise der X-Box oder der PS4 eine Chance gebe.

Warum ich als Blinder nun Konsolenspiele spiele oder: Konsole vs. Audiogame

Es gibt sie tatsächlich, für blinde Gamer entwickelte, sog. Audiogames. Der Name ist Programm, das Hauptaugenmerk liegt hier im Sounddesign, nur wenige Spiele verfügen über eine Grafik. Die Vielfalt reicht hier von teilweise sehr einfach gestrickten Spielen bis hin zu ausgeklügelten Action Adventures. Warum also nicht die Palette an Spezialangeboten nutzen, anstatt auf das zurückzugreifen, was eh nur eingeschränkt funktioniert?

Vielleicht bin ich ein Gewohnheitstier. Ich habe Spiele als Konsole kennengelernt, ohne Computer etc. Und auch heute empfinde ich es als mal sehr angenehm, wenn man mal nicht am PC hockt und theoretisch nebenbei mit E-Mails und anderen Nachrichten konfrontiert wird. Spielen ist eine Ablenkung und da darf der Computer ruhig aus mal ausbleiben – genau wie das Smartphone. Denn auch für unser kleines Taschenbüro gibt es inzwischen einige Spiele, die noch nicht einmal speziell für einen blinden Spielerkreis konzipiert wurden, jedoch sowohl von blinden als auch sehenden Gamern gespielt werden können. Auch wenn das Sounddesign in solchen Spielen, aber auch in Audiogames um ein Vielfaches besser ist, greife ich dennoch auf die Nostalgie zurück.

Ein weiterer Punkt ist, dass Spielen ein kurzweiliger Zeitvertreib ist. Mal für ein Stündchen, vielleicht auch zwei spielen und kurz abtauchen reicht. Ich brauche hierfür kein großartiges Storytelling, keine tiefgründigen Hintergründe, um ein Spiel spielen zu wollen. Und ganz wichtig: Ich spiele, weil es mir Spaß macht. Das bedeutet, es spielt keine große Rolle, ob ich das Level nun schaffe oder nicht. Den Ansporn, ein Spiel von Anfang mit Ende durchspielen zu müssen, verspüre ich nicht. Es ist schön, ein Level zu schaffen, es ist aber auch nicht schlimm, es nicht zu schaffen. Der Spaß am Spielen an sich ist schon befriedigend genug. Wo andere sich zwei Stunden lang nur einem Spiel widmen, versuche ich mich durchaus in mehreren Spielen.

Zwischen Spielhalle, Arena und Fantasiewelten oder: Welche Genres sich blind durchaus spielen lassen

Jump and Run: Das Durchlaufen (oder Durchspringen) verschiedener Welten, Sammeln von Leben und anderen wichtigen Dingen und Gegenständen stehen simpel gesagt im Mittelpunkt vieler solcher Spiele. Sind sie Sidescroller, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, sie zumindest ein wenig spielen zu können. Oftmals sind die Welten und Levels jedoch so konzipiert, die Pfade zu verschlungen, die Hindernisse zu hoch, dass man blind keinen Zugang zu ihnen finden kann, höchstens unter sehender Anleitung. Durchaus spielbare Titel sind z. B.: Super Mario World/Allstars (SNES), Super Mario Bros (NES), Super Mario Land 2 (GB), Super Mario Land 3/Warioland (GB), Bubsy (SNES), Mickey Mouse Magical Quest (z. B. SNES, GBA), Donkey Cong Land (GB), Donkey Kong Country 1 o 2 (SNES), Flinstones (SNES), Ducktales (NES, GB), Die Schlümpfe (GB), Yogi Bear (GB), Mr. Nuts (SNES), Rayman (PS1).

Fighting/Kampfspiele: In diesem Genre hat man als blinder Spieler die meisten Chancen, spielbare Titel zu finden. Vor allem, wenn man sich Combos und Moves von Spielen wie z. B. „Street Fighter“ aneignet, denn viele andere Hersteller haben diese auch in ihre Spiele mit übernommen. Die meisten Kampfspiele sind steuerungstechnisch Sidescroller, auch wenn die Grafik oftmals anderes vermuten lässt. Es lohnt sich einmal zu verlieren, um zu wissen, wer der Gegner ist und wer man selbst. Zu 90% geben die Charaktäre in solchen Spielen auch kurze Shouts bei Schlägen, Combos oder Treffern von sich, sodass gut zu erkennen ist, wer gerade am Zug bzw. Schlag war. Manche Spiele verfügen zudem nicht nur über den Hinweis „You Win“ am Ende einer Runde, sondern auch über einer namentlichen Nennung des Gewinners. Dies hilft nur dann weiter, wenn man genau weiß, welchen Charakter man spielt. Die Auswahl an spielbaren Titeln ist unüberschaubar, daher hier nur eine kleine Auswahl: Street Fighter Reihe (SNES, PS1-2, vor allem die Ex- oder Alpha Reihe), Tekken 1-3 (PS1), Tekken 4 (PS2), Dead or Alive (PS1), Virtua Fighter 4 (PS2), Battle Arena Toshiden Reihe (PS1), Blody Roar (PS1), Teenage Mutant Ninja turtles Tournament Fighter (SNES), Super Virginia Girls (SNES), Fatal Fury 2 o Special (SNES), Soul Blade (PS1), King of Fighters Reihe (PS1/PS2), Double Dragon 5 (SNES), Fighter’s History (SNES), Fighter Story 2 (SNES), Mortal Kombat Reihe (SNES, PS1/PS2), Kensai (PS1).

Beat bzw. Shot ‚em Up: Actiongeladene Abenteuer, welche sowohl Elemente aus Fighting als auch Jump and Run Abenteuern enthalten, bietet dieses Genre. Hier geht es weniger um trickreiches Kämpfen mittels Tricks, eine Mission bzw. Aufgabe steht bei vielen Spielen klar im Mittelpunkt. Auch in diesem Genre sind durchaus einige Spiele spielbar, z. B. folgende Titel: Teenage Mutant Ninja Turtles 4 (SNES), Turtles 1-3 (GB), Captain America (SNES), X-Men (SNES), Mega Man (GB, NES, SNES), Final Fight 1-3 (SNES), Legend (PS1), Power Rangers Cars (SNES).

Shhooting: Ob Weltraumabenteuer in fernen Galaxien oder Balleraction auf der Erde, auch in diesem Genre finden sich ebenfalls ein paar spielbare Spiele. Zu beachten ist dabei jedoch, dass es in vielen Spielen möglich ist, sein Flugobjekt nicht nur nach oben und unten, sondern auch zusätzlich vor und zurück zu steuern; ein wenig Übung macht bei einigen Spielen auch hier nach der Zeit den Meister. Spielbar wären z. B.: Pop’n Twin Bee (SNES), Parodius Reihe (SNES), Gradius Reihe (SNES), Space Invaders (versch Plattformen), R-Type (versch Plattformen), Starfox (SNES), Super Drop Zone (SNES, oder Drop Zone auf C64 bzw. GB), Solar Striker (GB), Phalanx (SNES, GBA).

Sport: Eines mit der wohl schwersten Genres, wenn es um die Spielbarkeit durch Blinde geht. Aber mit Einschränkungen und/oder ein wenig Geduld lassen sich auch hier durchaus Spiele finden. Zumal einige Autorennspiele auf der Playstation über einen Copiloten verfügen, der einem die Richtung ansagt. Falls es diesen nicht gibt, wenns knallt einfach probieren, ob es nun nach rechts oder links weitergeht. Und wer auf Fußball steht, sollte unbedingt die FIFA-Spiele für die PS1 und PS2 probieren, sich hier jedoch von einem Sehenden anfangs ein wenig helfen lassen. Spielbare Titel in diesem Genre wären z. B.: Formel 1 diverse Titel (GB, SNES, PS1), V-Rally Reihe (PS1/PS2), Fifa Reihe (nur auf PS1/PS2 mit Kommentator, bis Fifa 2011 auch mit recht einfacher Spielersteuerung), Street Racer (GB).

Weitere Spiele: Ob Quizspiel oder Flipperautomat, neben den üblichen Genres gibt es durchaus noch weitere Titel, die durchaus einen Versuch wert sind. Beim Flipperautomaten (Pinball) z. B., hört man sehr gut, wenn sich die beiden Arme bewegen und verschiedene Bonusse abgeräumt werden. Wenn man etwas sucht, findet sich auch durchaus ein gutes Quiz, bei dem die Fragen vom Quizmaster vorgelesen werden. Lieber doch was ganz anderes probieren? Wie wäre es mit dem Klassiker Bomberman, nur vorsicht, dass man sich nicht „versehentlich“ selber in die Luft sprengt. Auch hier eine kleine Auswahl: You Don’t Know Jack (PS1), True Pinball (PS1), Kirby’s Pinball (GB), Pokemon Pinball (GBC, mit Vibrationsfeedback), Pinball Dreams (SNES), Pinball Fantasy (SNES), Pacman (versch Plattformen), Bomberman Reihe (versch Plattformen), Wario Blast (GB), Hugo (PS1), Hugo 2 (GB).

Diese Liste ist keineswegs komplett, wird jedoch stetig ergänzt!

Fazit

Zugegeben, blind alte Konsolen zu spielen gehört wohl zu einem eher ungewöhnlichen Hobby. Warum ich, obwohl ich den Spielablauf etc. nicht sehen kann, trotzdem lieber zur Spielekonsole anstatt zu „besser“ spielbaren Titeln zurückgreife, wie es zu dieser Begeisterung kam und welche Genres sich durchaus auch blind spielen lassen, darauf sollte dieser Artikel eine erste Antwort geben.

Wo andere stundenlang in virtuellen Welten versinken, ist Spielen für mich eine kurzzeitige Ablenkung, ob zum Zeitvertreib oder als Ausgleich für einen Tag am Schreibtisch. Für mich war es auch ganz „natürlich“, auch schon als Kind dies auszuprobieren und mich nicht, wie leider vielzuviele, sich nur auf das zu konzentrieren, was offensichtlich zugänglich und für „Blinde geeignet“ erscheint.

Es gibt wenig Gleichgesinnte, zumindest sind mir in all den Jahren, in denen ich schon Videospiele spiele, nur sehr wenige begegnet. Zu groß scheint die Hürde zu sein, etwas anzufangen, was auf dem ersten Blick nicht für unseren Personenkreis gedacht bzw. gemacht ist. Da haben es die sehenden Spieler umso leichter, vor allem in Zeiten von Social Media, schnell Spieleinteressierte zum Austauschen oder für schnellen, guten Rat zu finden.

Ich möchte daher diejenigen ermutigen, die dem Thema Computer- oder Videospiele nicht ganz abgeneigt sind, es selber einmal auszuprobieren – denn nur Versuch macht klug und Ihr habt nichts zu verlieren, außer ein virtuelles Leben und ein bisschen Zeit. 😉

Gedanken-Gänge XXXIX – Es gibt immer was zu Meckern oder: Sich über Dinge beschweren, die jedoch anderen helfen

Ein Sprichwort besagt, das alles was uns nicht tötet, uns abhärtet. Wenn dem wirklich so ist, sollten einige von uns sich manches Mal überlegen, über was sie sich so beschweren.

Ich las gestern auf Facebook, dass sich jemand über das Piepen der Blindenampel unter seinem Fenster beklagte; das würde ihn (oder sie) stören. Im ersten Augenblick mag man ja denken: „Na klar, es piept monoton, mal leiser, mal laut, das kann schon nervig sein“. Ich beobachte allerdings immer wieder, dass sich Menschen erschreckenderweise immer über die Dinge zu beschweren scheinen, die anderen Leuten helfen – siehe Beispiel Blindenampel.

Ob nun die Blindenampel (die übrigens ja nicht immer piept, zumindest in Hamburg nicht, sondern nur dann, wenn man das Tonsignal per Knopfdruck anfordert), die Ansagen in der Bahn oder sogar den Leitstreifen am Bahnsteig, immer scheint es irgendwen zu geben, der sich darüber echauffiert; oder, um es mit den Worten von Tilo Wolff bzw. seiner Band Lacrimosa zu sagen: „Irgend ein Arsch ist immer unterwegs“ – und damit wollte er genau dies zum Ausdruck bringen.

Wer sich jetzt fragt, was Menschen an solchen Hilfsmitteln stört – hier mal ein kurzer Abriss über mögliche Beweggründe.

Die Blindenampel, also Ampel mit akustischen Signalen, scheint einige Mitmenschen schon allein deswegen zu „stören“, weil – je nach Ausführung und verwendetem Signalgeber – die Ampel schon einmal dauerhaft tickert. Dies dient übrigens dazu, dass wir blinden Teilnehmer am Straßenverkehr diesen Ampelmasten überhaupt erst finden können. Denn ein abgeflachter Bordstein ist noch kein Garant, dass sich hier auch eine Ampel befindet. Außerdem wird das Ticken, je nach Lautstärke des Straßenlärms, auch mal lauter, mal leiser. Hinzu kommt noch dieses von vielen als nervig empfundene Piepen während der Grünphase. Zugegeben: So viele blinde Menschen überqueren eine Straße oftmals gar nicht, so häufig wie die Ampel piept. Liegt wohl daran, dass es Passanten gibt, die ernsthaft glauben, durch penetrantes maltritieren des Auslösers würde die Ampel schneller umspringen – Trugschluss, meine Lieben. Auch der Irrglaube, man bräuchte nur S.O.S. mit dem Taster zu „morsen“ und es werde Licht (äh Grün), stimmt nicht. So weit, so gut. Es mag auch Ampeln in Deutschland zu geben, bei denen ein Anfordern des Piepstons gar nicht möglich bzw. nötig ist, da sie immer, bei jeder Grünphase munter piept. Aber auch eine Grünphase geht mal vorbei und wer an einer stark befahrenen Straße, direkt an der Kreuzung wohnt, sollte sich lieber über den dauerhaften Straßenlärm aufregen, anstatt über piepende Ampeln. Zumal viele Ampelanlagen des Nachts eh abgeschaltet werden und somit auch das Piepen wegfällt. Dass es durchaus auch Leuten helfen kann, blendet man gerne aus.

Ansagen in Bus oder Bahn sind auch nicht jedermanns Freund – doch warum eigentlich? Mag an unserer derzeitigen Gesellschaft liegen, denn viele tragen ja sowieso ihr unsichtbares „bitte nicht stören, bitte nicht ansprechen!“ Schild mit sich herum, dies merkt man allein schon, wie sehr manche in, auch auf der Straße, in ihre Smartphonewelt abtauchen. Viele scheinen sich, ob nun im ICE oder in der heimischen S-Bahn, über Ansagen aufzuregen, weil sie wohl gerade in ihrer Unterhaltung, im Sekundenschlaf, Tagtraum oder bei ihrer „Arbeit“ gestört werden. Aber gerade dann ist die Einordnung einer Ansage als Störfaktor unlogisch, denn ist man im Buch oder Laptop vertieft, schaut auch nicht aus dem Fenster oder auf die Uhr, mag man sicher auch gern vergessen, dass man sein Ziel erreicht hat. Und trotzdem missfällt es manchen Fahrgästen, dass es Durchsagen gibt – schon komisch, oder? Ich saß 2015 mal in einer Eurobahn nach Venlo und hätte den Ausstieg Dank fehlender Durchsagen beinahe verpasst. Auf dem Bahnhof traf ich durch Zufall den Schaffner, der mir sagte, es hätten sich Leute über Durchsagen morgens im Zug beklagt, darum würden einige Kollegen sie in den ersten Zügen abschalten. Wenn es doch auch nur einmal anders herum funktionieren würde – komischerweise geht das selten.

Leitstreifen (oder sollte ich „Leidstreifen“ sagen?) helfen blinden Menschen, sich an der Bahnsteigkannte entlang zu orientieren, den nächsten Treppenabgang, den Aufzug oder die Notrufsäule zu finden. Manche nutzen sie jedoch auch gern als „Haltelinie“ (man soll ja hinter der Linie bleiben, will aber unbedingt der Erste an der Tür sein) und stellen sich mit Sack und Seil darauf. Andere wiederum hassen sie, weil sich der Koffer Dank Leitstreifen (so sie vernünftig konstruiert sind) echt schwer ziehen lässt. Ein paar Zentimeter weiter zur Bahnsteigmitte zu gehen? Kommt für sie nicht in Frage. Ich habe auch schon Leute mit Kinderwagen leider fluchen hören und wundere mich auch hier, warum es vielen nicht möglich ist, einfach ein paar Schritte zur Seite zu gehen, um auch hier das Gefährt besser schieben zu können.

Sich erst mal zu beklagen, ohne zu wissen, über was man sich da eigentlich beklagt, scheint vielleicht hierzulande ein Stück weit in der Natur des Menschen zu liegen? Anstatt sich über wirklich „sinnvolle“ Dinge aufzuregen, sind es dann meist diese Kleinigkeiten und das – natürlich – oftmals auch aufgrund von Unwissenheit.

Dabei hätten z. B. blinde Passanten, Zugfahrer oder wer auch immer, durchaus auch den einen oder anderen Grund, sich über dieses oder jenes aufzuregen – z. B. abgeflachte Bordsteine, die so flach sind, dass kaum mehr mit dem Stock erkennbar ist, ob man sich auf dem Gehweg oder der Straße befindet. Aber dies hilft jedoch den zahlreichen Rollifahrern, sich unbeschwerter fortzubewegen. Also muss man sich an gegebenem Ort dann nach Alternativen umschauen, Dinge, die einem helfen können, trotzdem nicht auf der Straße zu landen. Genauso, wie der, dem die Ansagen im Zug stören, einfach Ohrstöpsel einsetzt oder diejenigen, die sich über piepende Ampeln aufregen, einfach nach dem Lüften das Fenster auch wieder schließen könnten. 😉

Als Blinder auf dem Wiener Prater – Der Testbericht

Boomerang Achterbahn im Wiener Prater | Bild Copyright Christian Ohrens, Parkerlebnis

Freizeitparks blind zu erleben und zu nutzen ist hierzulande immer noch nicht vollends von Erfolg gekrönt. Es gibt derzeit noch keine einheitliche Regelung, ob blinde Parkbesucher eine Begleitung benötigen, ob sie auch ohne Begleitung fahren dürfen oder ob ihnen sogar eine Mitfahrt verwehrt bleibt.

Hingegen scheint hierzulande die Nutzung von Kirmesattraktionen und -fahrgeschäften problemloser vonstatten zu gehen. Hier konnten wir bis jetzt eine Hilfsbereitschaft beobachten, die in manch anderen Bereichen der Freizeitgestaltung ihresgleichen sucht.

Schaut man einmal über den Tellerrand hinaus, so konnten wir bei bisherigen Tests ausländischer Parks – mit Ausnahme des Disneyland Paris – feststellen, dass die Themen Hilfsbereitschaft, lösungsorientiertes Handeln und der Umgang mit Menschen mit Handikap allgemein einen ganz anderen Stellenwert zu genießen scheinen. Zwar können die bislang getesteten Parks (Tivoli Gardens, Thorpe Park sowie Efteling) nicht für alle Freizeitparks des jeweiligen Landes sprechen, sie gehen in jedem Fall aber mit gutem, teils bewundernswertem Beispiel voran. (Siehe auch: Freie Fahrt, auch für Blinde: Warum Christian Ohrens Freizeitparks als Blinder testet – Interview)

Eine Ausnahmestellung in puncto Freizeitparks dürfte der Wiener Wurstelprater genießen, vereint er doch praktisch sowohl den Flair einer Kirmes mit der Atmosphäre eines Freizeitparks. Die Fahrgeschäfte werden hier nicht von einem zentralen Unternehmen geführt, sondern obliegen der Führung einzelner Schausteller beziehungsweise Unternehmen.

Das Riesenrad ist das Wahrzeichen des Wiener Wurstelpraters | Bild Copyright Christian Ohrens, Parkerlebnis

Wie verhält es sich nun in Wiens Adresse Nr. 1, wenn es um Achterbahn, Karussell und Co. geht, hinsichtlich der Nutzbarkeit durch einen blinden Gast? Im Rahmen unserer bei Parkerlebnis.de durchgeführten Testreihe fand ich dies im Oktober dieses Jahres heraus!

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Der Wunsch, einmal etwas sehen zu können: Eine Befragung von 18 blinden bzw. sehbehinderten Menschen

Einmal wieder sehen können – aus Sicht des sehenden Menschen scheint dies der allergrößte Wunsch im Leben zu sein, den ein Blinder eigentlich haben müsste. Deutlich wird dies auch, betrachtet man sich die zahlreichen Medienberichte über neuartige Techniken, Chips, Brillen und Apps, mit deren Hilfe blinde Menschen, direkt oder indirekt, wieder sehend gemacht werden könnten – KÖNNTEN, weil sich viele Technologien immer noch im Entwicklungsstadium befinden und scheinbar selbigen nur sehr selten verlassen.

Egal ob Brille, die gedruckten Text auf Fingerzeig vorliest oder sogar, natürlich nur nach vorherigem Training, Personen erkennt, ein Chip, der Bilder in Form von Vibrationen versucht wiederzugeben, Versuche mit herangezüchteten Sehnerven und viele weitere Ideen mehr, dem Erfindungsdrang sehender Wissenschaftler und Tüftler, wenn es darum geht, Blinde wieder annähernd das Sehen zu ermöglichen oder ihnen ein Stück mehr der Sehendenwelt zu eröffnen, scheinen kaum Grenzen gesetzt. Fragt sich letzten Endes, wie umsetzbar ist eine solche Idee? Wer soll das bezahlen? Und vor allem, wer wird es am Ende nutzen?

Denn eines sticht hier ganz klar heraus – und dies konnte ich auch immer wieder in unzähligen Gesprächen und Diskussionen mit Sehenden feststellen: Aus Sicht eines sehenden Menschen scheint Blindheit immer noch eine mit der schlimmsten Dinge zu sein, die einem wiederfahren kann. Dem entsprechend hat, wieder aus Sehendensicht, die Wiedererlangung des Sehsinns allerhöchste Priorität, eröffnet es einem Blinden scheinbar doch den Rest der Welt und ergeben sich hieraus doch ganz neue Möglichkeiten.

Doch wie verhält es sich eigentlich in der Realität? Wollen blinde Menschen überhaupt (wieder) sehen können? Bevor ich mich dieser Frage widme, sei kurz erwähnt, dass geschätzt 50% (wenn nicht sogar mehr) aller blinden Menschen späterblindet sind. Man könnte somit annehmen, dass der Wunsch zu sehen somit allein deswegen schon sehr stark ausgeprägt sein könnte und die oftmals vorhandene Euphorie über neue, medizinische Innovationen somit nur all zu verständlich erscheint. Ist dem wirklich so?

Um erste Antworten auf diese Fragen zu bekommen, befragte ich Mitglieder eines Forums für blinde und sehbehinderte Menschen. Achtzehn Personen haben mir, teils sehr ausführlich, auf diese Fragen geantwortet. Es ist natürlich keine repräsentative Umfrage, jedoch geben die Antworten einen ersten, sehr guten Einblick, wie ebenfalls blinde Menschen über das Thema Sehen denken. Meine persönlichen Ansichten zu dieser Frage habe ich in diesem Blogbeitrag aus dem Jahr 2011 beschrieben. Auch wenn dieser schon ein paar Jahre alt ist, hat sich an meiner persönlichen Einstellung seither nichts geändert.

Die Antworten werden im folgenden Text wiedergegeben, hierbei habe ich jedoch zum einen die Namen geändert, zum anderen jedoch mir erlaubt, der besseren Lesbarkeit wegen die zitierten Texte zu korrigieren.

Ich danke an dieser Stelle daher allen, die mir offen und ehrlich Rede und Antwort gestanden haben.

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Gedanken-Gänge XXXI – „Wo ist Ihre Begleitung?“ oder: Über Beschützerinstinkte, die keiner braucht

Viele von uns Menschen mit Behinderung kennen diese Situationen nur zu gut: Man befindet sich irgendwo, ob in einem Restaurant, in einem Laden, in der Bahn, im Konzert, im Kino oder im Schwimmbad und wird (für den nicht Behinderten wie selbstverständlich) nach einer vorhandenen Begleitperson gefragt. Dem „Warum“ dieser Frage auf dem Grund zu gehen ist dabei gar nicht so einfach. Einerseits sind es die vielerseits vorhandenen Selbstunterschätzungen (was wäre, wenn ich jetzt in der Situation wäre?), andererseits das vorhandene Halbwissen über den Schwerbehindertenausweis, seine sog. Merkzeichen und deren Bedeutung.

Was Beschützerinstinkt, Selbstunterschätzung und Überforderung mit der Situation anbelangt, so hilft einem hier häufig nur zu versichern, dass man dieses oder jenes auch alleine schafft. Zeigt sich der andere unbeeindruckt, könnte man auch freundlich hinterfragen, ob er/sie in dieser Situation eine Begleitung dabei haben würde? Doch stößt diese Gegenfrage meist auch wieder auf Unverständnis („Wieso, ich bin ja nicht blind/sitze ja nicht im Rolli etc.“); was aber auch nur wieder zeigt, wie wenig sich viele Menschen tatsächlich mit dem Leben mit Behinderung und den vorhandenen Möglichkeiten auseinandersetzen. Viele, auch unter den Leuten mit Behinderung, argumentieren hier, woher es nicht Betroffene auch besser wissen sollten? Aber sorry, diese Pauschalausrede kann, genau wie die Pauschalforderung nach Begleitung, ebenso getrost an der Kasse zurückgelassen werden.

Spannend ist dabei die Beobachtung, dass – wie bei kleinen Kindern – Anbieter, Betreiber, Supervisoren und teils sogar nur Kassierer immer besser zu wissen glauben, wann, wo, wie und wieviel ich als Gast Begleitung brauche. Und selbst, wenn ich mich in meinem Nutzungswunsch, dieses oder jenes ohne Begleitung tun zu wollen, überschätzen würde, obliegt es am Ende trotzdem weiterhin mir und nicht einer fremden Person, hierüber zu urteilen – ein Wunschtraum, auch noch im einundzwanzigsten Jahrhundert.

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Blind auf dem Hamburger Frühlingsdom 2019 – Ein Testbericht

Frühlingszeit. Das bedeutet für viele auch der Startschuss zur Freizeitpark- und Kirmessaison – so auch seit vielen Jahren in Hamburg, wo von Ende März bis Ende April der Frühlingsdom seine Pforten öffnet und ein attraktives Programm für junge und junggebliebene Kirmesbesucher bietet.

Dass man es als blinder Karussell- und Achterbahnfan, was die Hilfsbereitschaft und Nutzbarkeit (vor allem auch ohne anwesende, sehende Begleitung) auf Deutschen Kirmesplätzen scheinbar einfacher hat, die Angebote ohne Einschränkungen zu nutzen, konnte ich für meine für Parkerlebnis durchgeführten Testbesuche regelmäßig unter Beweis stellen. Der Frühlingsdom 2019 war, mehr noch als frühere Domveranstaltungen, auf Familien als Zielgruppe ausgerichtet – dies bedeutete weniger Überkopf- und adrenalingeladene Fahrgeschäfte und Achterbahnen als zuvor. Zudem feierte die „Geisterfabrik“, eine interaktive Geisterbahn, ihre lang angekündigte Premiere. Ein Grund, bei einem sehr ausführlichen Domtest, die Nutzbarkeit von Attraktionen verschiedenster Art wieder einmal unter die Lupe zu nehmen.

Getestet wurde an insgesamt zwei Tagen; ich war, wie auch schon bei unseren früheren Testbesuchen, zumeist ohne sehende Begleitung auf dem Gelände unterwegs.

Ich sitze in einer Gondel des Dom Dancers (Bild Copyright Parkerlebnis.de)

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Gedanken-Gänge XXX – Inklusion? Aber nur, soweit die Nichtbehinderten es zulassen!

Inklusion – für viele gehört sie inzwischen zu einem der wichtigsten Güter in unserer modernen Sozialgesellschaft, für andere wiederum ist sie wie ein belastender Klotz am Bein. Diese „Belastung“ bekommt man indirekt vor allem dann zu spüren, wenn man sich die zahlreichen Negativmeldungen von überforderten Lehrern und dergleichen anschaut.

Böse Zungen sagen, dass Inklusion nur dann akzeptabel und umsetzbar ist, wenn sie dem Nichtbetroffenen nichts kostet, weder Aufwand, Nerven, Umdenken oder Geld: Bloß nichts verändern oder anders machen, schon gar nicht, wenns was kostet!

Wie ich in einem früheren Beitrag bereits schrieb, kann Inklusion teilweise auch gar nicht funktionieren, so lange wir Behinderung immer nur als solche, also als eine Einschränkung, betrachten. Denn in der Diskussion schwingt bei Nichtbetroffenen immer der unterschwellige Wunsch mit, dass es irgendwann einmal der Medizin möglich sein sollte, Behinderungen gar nicht erst auftreten zu lassen oder sie später dann zu beseitigen. Bis dahin mögen wir uns bitteschön weiterhin unterbuttern lassen.

Gerade im vergangenen Jahr sorgte ein Vorfall hier in Hamburg, zumindest kurzzeitig, mal für ein wenig Wirbel im Inklusionswasserglas. Der Fall hat sich inzwischen, wenn auch nur annähernd, geklärt, ist aber ein perfektes Paradebeispiel dafür, wie Menschen heute über Teilhabe denken.

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Freizeitparknutzung durch blinde Menschen oder: Wie gerechtfertigt sind Nutzungsbeschränkungen und Fahrtverbote?

Einleitung

Blind seinen Alltag zu meistern und auch außerhalb des häuslichen, geschützten Bereichs Freizeitbeschäftigungen nachzugehen, scheint für viele sehende Menschen teilweise schier unmachbar zu sein. Ob nun aus Gründen der eigenen Unterschätzung („Was wäre, wenn ich jetzt auf einmal erblinden würde?“) oder aus Gründen der Fürsorglichkeit, viele sehende Menschen können sich nur schwer in die Lage eines autonom handelnden, mobilen Blinden hineinversetzen.

Doch viele sehende Menschen, dies zeigten zahlreiche Diskussionen und Kommentare zu meinen für Parkerlebnis durchgeführten Freizeitpark-Tests, wollen sich scheinbar auch gar nicht in die Situation des Blinden hineinversetzen. Sie pochen auf ihre Einstellung, dass der Sehende besser wisse, was dem Blinden zuzutrauen sei und die dadurch entstehenden Teilnahmeverbote Seitens Betreiber doch nur all zu begründet wären.

„Im Gegensatz zu Diskriminierungen aufgrund anderer Merkmale im Sinne des AGG (ethnische Herkunft, Glauben, Geschlecht oder sexueller Orientierung etc.) treffen Menschen mit Behinderungen bei Ihrer Freizeitgestaltung oder auch im Alltag oftmals nicht auf Benachteiligungen aus Motiven der inneren Ablehnung, sondern auf solche, die zwar ebenfalls aufgrund von Vorurteilen, aber eher einer eigentlich positiv gemeinten überbordenden Fürsorge entspringen. Das Resultat ist jedoch das Gleiche, denn Menschen mit Behinderungen werden daran gehindert, für andere Menschen selbstverständlich zugängliche Angebote in Anspruch zu nehmen. Sei es die verbotene Achterbahnfahrt für einen blinden Menschen, der mit seinen Kindern einen Freizeitpark besucht, sei es der verwehrte Zutritt zum Restaurant im Fernsehturm oder auch nur der Hinweis vor einer Busfahrt, einem Hallenbadbesuch oder der geplanten regelmäßigen Nutzung eines Fitnessstudios, dass aufgrund des im Schwerbehindertenausweis eingetragenen Rechtes auf die Inanspruchnahme einer Begleitperson (Merkzeichen „B“) eine solche auch mitzubringen oder andernfalls eine Nutzung des jeweiligen Angebotes „leider“ nicht möglich sei. Gemeinsam ist diesen Praxisbeispielen von Freizeit- oder Alltagsdiskriminierungen, dass vermeintliche Experten für bestimmte Lebensbereiche besondere Gefahren im Falle der Nutzung durch behinderte Menschen vermuten, die sie aus versicherungstechnischen oder fürsorglichen Gründen durch ein Benutzungsverbot für diesen Personenkreis vermeiden wollen.“

(Richter 2017a)

Widmet man sich ein wenig intensiver dem Bereich der Freizeitparks und betrachtet einmal die Sicherheitsbestimmungen, welche zumeist auf den Parkhomepages (z. B. beim Hansa-Park, beim Phantasialand oder auch beim Europa-Park) nachzulesen sind, ergibt sich nicht nur ein verzerrtes Bild dessen, was blinden Besuchern zuzutrauen ist, sondern auch der Rolle, die ein möglicher, sehender Begleiter hier einnehmen soll. Der sehende Begleiter gilt für viele Parkbetreiber als Grundvoraussetzung für die (Be-)Nutzung ihrer Attraktionen. Als Gründe werden eventuelle Evakuierungen angeführt, bei denen es dem Fahrgast möglich sein muss, sich aus eigener Kraft zu befreien bzw. die Anlagen aus eigener Kraft, ohne Zuhilfenahme anderer, zu verlassen. Das eine Zuhilfenahme auch durch andere Besucher erfolgen kann, wird grundsätzlich ausgeschlossen. Einige Parks gehen sogar so weit, den Begleiter einem Betreuer gleichzustellen, was allein schon aus rechtlicher Perspektive höchst fragwürdig erscheint (vgl. hierzu die Testberichte zum Hansa-Park oder unserem Phantasialand-Besuch).

Ein ähnliches Bild findet sich auch bei der Nutzung von Schwimmbädern durch blinde Menschen scheinbar wieder. Auch hier wird häufig eine Begleitung vorausgesetzt.

Doch welche Rolle kann bzw. sollte eine Begleitperson tatsächlich einnehmen? Kann und darf vor allem eine Begleitperson im Sinne eines Freundes oder Partners bei einem Personenschaden haftbar gemacht werden, so er nicht grobfahrlässig herbeigeführt wurde? Ist somit die Grundbedingung einer Begleitung, beispielsweise für die Mitfahrt in einer Achterbahn, überhaupt tragbar?

Diesen Grundsatzfragen möchte ich in diesem Essay versuchen auf dem Grund zu gehen. Es hat in der Vergangenheit bereits erste Beobachtungen und Überlegungen bzgl. Der Nutzungsthematik in Freizeitparks gegeben, welche an passender Stelle auch angeführt und zitiert werden sollen.

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Blindismen: Die körpersprache blinder Menschen oder etwas, das es abzustellen gilt?

Oftmals handeln wir nach bestimmten Mustern. Diese Verhaltensmuster haben wir uns im Laufe unseres Lebens angeeignet, uns abgeschaut und erlernt. Als Kind zu lernen funktioniert – zu einem Großteil – über das Auge. Babys lernen sehr schnell, die Mimik und Gestik der „Großen“ zu imitieren und später für sich zu verinnerlichen.

Doch bei vielen geburtsblinden Menschen fehlen diese Informationen. Sie können eben nicht (oder nur eingeschränkt) als Kind die Gesten der Erwachsenen nachahmen und für sich lernen, wie man mit dem Körper spricht. Hinzu kommen noch weitere Schwierigkeiten, wie die Unsicherheit der sehenden Eltern, wie ihr blindes Kind erzogen werden soll, wie sie ihrem Kind Dinge beibringen können etc. und nicht zuletzt auch die – vor allem früher – auftretenden, weiteren Erkrankungen.

Gerade bei geburtsblinden Menschen sind häufig Verhaltens- und Bewegungsmuster zu beobachten, die vor allem sehende Menschen im Umgang mit Blinden verunsichern und irritieren. Die sogenannten „Blindismen“, dieses Bewegen des Oberkörpers oder das Wiegen des Kopfes verunsichert viele und macht einen lockeren, offenen Umgang miteinander somit aus Sicht vieler unmöglich.

Doch was sind diese „Blindismen“ und woher kommen sie? Was sind die Ursachen und kann man Abhilfe schaffen? Sollte man überhaupt Abhilfe schaffen, wo doch sehende Menschen auch viele Ticks und Gesten an den Tag legen, die auf viele – ob nun blind oder sehend – befremdlich wirken könnten?

Im folgenden Beitrag versuche ich, anhand von einigen Quellen, Antworten auf die skizzierten Fragen zu geben.

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Rheinkirmes als Blinder erleben – Ein Testbericht

Sich blind ins Getümmel eines Volksfestes zu stürzen? Für viele sehende Menschen oftmals ein vermeintliches Ding der Unmöglichkeit. Gerade auch, wenn es dabei um Orientierung und vor allem um die (Be-)Nutzung der zahlreichen Karussells und weiteren Attraktionen geht. Dass jedoch eine Kirmes von einem Blinden besucht und die zahlreichen Fahrgeschäfte auch genutzt werden können, zeigten unsere bisherigen Tests zum Beispiel des Cannstatter Wasen, des Oktoberfest oder des Hamburger Dom. Doch wie verhält es sich bei der Rheinkirmes in Düsseldorf, dem größten Volksfest am Rhein?

An einem Freitag im Juli besuchte ich, ohne sehende Begleitung, das Düsseldorfer Festgelände und testete ausgiebig die dortige Beschickung. Mit dabei auch eine der Kirmes-Neuheiten 2017: „Mr. Gravity“ vom Schausteller Oberschelp. Bei Oberschelps bereits etablierter Attraktion „High Impress“ war eine Mitfahrt auf anderen Volksfesten ohne Begleitung ohne Probleme möglich. Wie verhält es sich bei seinem neuen Fahrgeschäft?

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