Blind durch den Allgäu Skyline Park – Ein Testbericht

Kann man als Blinder in Deutschland Freizeitparks uneingeschränkt nutzen?

Dieser Frage versuche ich derzeit im Rahmen einer Recherche für einen neuen Artikel nachzugehen. Vorab nur so viel: Leider ist es blinden Besuchern nur in sehr wenigen Parks gestattet, die Fahrattraktionen auch ohne sehende Begleitung uneingeschränkt zu nutzen. Zu einem dieser Vertreter zählt der Allgäu Skyline Park, welchen ich am vergangenen Wochenende mit Unterstützung von parkerlebnis.de getestet habe.

Auf meine Anfrage bezüglich der Park- und Attraktionsnutzung durch blinde Menschen, erhielt ich in den meisten Fällen die Antwort, dass eine Nutzung nur in Begleitung einer sehenden Person möglich sei. Begründet wurde dies mit dem gerngenommenen Sicherheitsaspekt. Anders beim Skyline Park, welcher mir in seiner Antwortmail die Unterstützung des Aufsichtspersonals zusicherte – etwas, das es zu testen galt.

Der Allgäu Skyline Park gehört zu den eher kleineren Freitzeitparks. Nichts desto trotz hat er einige spannende Attraktionen zu bieten. Ob nun eine Achterbahn, bei der sich die Gondeln um 360 Grad drehen, ein Fahrgeschäft, bei dem man aus 30 M Höhe im Sturzflug der Erde entgegenfällt oder einer Stahlkugel, die einem mit 120 Sachen 90 M in die Höhe katapultiert, der Aufenthalt versprach Nervenkitzel pur.

Die ganze Zeit meines Besuchs über wurde ich von Thomas und Tobi von parkerlebnis.de quasi incognito begleitet. Sie beobachteten, mit einer Kamera ausgerüstet, die Reaktionen der Leute, vor allem die des Personals. Würde der Park sein Versprechen halten?

Die Anreise zum Park geschah mit dem Zug. Von München bzw. Augsburg aus ist der Park recht gut zu erreichen, der Bahnhof Rammingen liegt ca. 10 bis 15 Gehminuten vom Park entfernt. Allerdings begegnen einem auf dem Feldweg eher weniger Passanten, sodass man am besten direkt am Bahnsteig jemanden nach dem richtigen Weg fragen sollte.

Die erste Überraschung gab es sogleich beim Einlass. Ohne große Nachfragen bezüglich Begleitung und ohne irgendwelche Bedenken oder Bedingungen zu äußern, wurde ich von der Kassiererin eingelassen.

Der Park erstreckte sich über ein recht weitläufiges Gelände; zum Teil musste man etwas längere Strecken zwischen einzelnen Fahrattraktionen zurücklegen.

An diesem Sonntag war nicht viel los. Dies bedeutete zwar, dass ich an den einzelnen Stationen nicht lange anstehen musste, jedoch bedeutete dies auch, dass sich nicht viele Leute auf den Wegen aufhielten, die ich hätte um Hilfe bitten können. Wobei mir in den meisten Fällen immer jemand auf meinem Weg zum nächsten Fahrgeschäft über den Weg lief oder dem Stock stolperte, den ich fragen konnte. Und falls nicht, waren ja noch meine Begleiter incognito zur Stelle; diese griffen aber auch nur dann wirklich ins Geschehen ein, wenn es wirklich notwendig war.

Ausnahmslos alle von mir gefahrenen Attraktionen konnte ich ohne Begleitung nutzen. Es gab keinerlei Einschränkungen hinsichtlich vorhandener Sicherheitsbestimmungen etc., die mir eine Nutzung untersagt hätten. Bei (fast) allen Fahrgeschäften war immer jemand vom Personal zur Stelle und half mir beim Ein- bzw. Aussteigen, beim Anlegen des Gurtes oder beim Auffinden meiner zurückgelassenen Sachen wie Rucksack oder Blindenstock. Die Hilfsbereitschaft war somit überall gegeben, es mangelte jedoch manchmal nur ein wenig an Sprachkenntnissen, was aber auch kein all zu großes Hindernis darstellte, denn schließlich waren ja noch andere Besucher vor Ort, die mir in so einem Fall weiterhelfen konnten. Denn wo sehende Besucher auch mit einem Handzeichen zu verstehen gegeben werden kann, was zu tun ist, ist unser einer wirklich aufs Sprechen angewiesen.

An den einzelnen Attraktionen bin ich des öfteren gefragt worden, ob ich mit oder ohne Begleitung unterwegs sei. Dies diente jedoch, so mein Empfinden, lediglich, um herauszufinden, ob ich vom Personal Hilfe benötigte oder, ob jemand dabei wäre, der mir hätte behilflich sein können. Das nicht vorhanden sein einer Begleitung war aber nie ein Problem gewesen und führte auch zu keinerlei Diskussionen, weder bei den eher harmloseren Fahrgeschäften (wie z. B. Skyline Express) noch bei den rasanteren Fahrgeschäften (Sky Wheel, Sky Circle oder dem Sky Shot).

Beim Sky Rafting sowie bei der Wildwasserbahn ergriffen jeweils andere Besucher die Initiative, so dass hier die Aufsicht gar nicht erst zum Zuge kam. Jedoch würde ich, von meinen Erfahrungen ausgehend, behaupten, dass es auch bei diesen Fahrattraktionen keinerlei Probleme gegeben hätte. Auch wenn das Ein- und Aussteigen aus den Gondeln zügig vonstatten gehen und man manchmal den richtigen Augenblick abpassen musste.

Abschließend noch ein Wort zu den anderen Parkbesuchern. Ich bin es eigentlich schon gewohnt, dass man mich mit Blicken verfolgt, wenn nicht sogar anstarrt. Dies geschieht vor allem dann, wenn ich Dinge tue, die aus Sehenden-Sicht eher untypisch für einen Blinden sind. Und so wollte ich von meinen Verfolgern auch wissen, wie denn die anderen Parkgäste reagiert hatten, wenn ich sie um Hilfe bat oder einfach auch nur, wenn wir uns quasi über den Weg liefen und gemeinsam an einem Fahrgeschäft in der Schlange standen. Angestarrt hätte mich niemand, die Leute hätten eher lockerer reagiert. Dies bestätigte auch meinen Eindruck. Denn immer, wenn ich jemanden um Hilfe bat oder eine Frage hatte, bekam ich auch sogleich die angeforderte Hilfe, ohne dass die angesprochenen Gäste irgendwie komisch reagierten.

Kann ich als Blinder einen Freizeitpark ohne Einschränkungen besuchen und, vor allem, auch nutzen? Für den Allgäu Skyline Park kann ich diese Frage mit gutem Gewissen mit einem „Ja“ beantworten.

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2 Gedanken zu „Blind durch den Allgäu Skyline Park – Ein Testbericht“

  1. Ich finde sowas unverantwortlich, das ein Blinder eine Attraktion alleine fährt! Gerade bei Adrenalin Fahrgeschäften stellt sich der Körper auf gewissen Belastungen und G-Kräfte drauf ein, weil er sieht, was auf einen zu kommt. Ein Blinder kann sich hierbei ziemlich stark Wirbel stauchen, da die Körperspannung fehlt. Und noch unverantwortlicher ist es das der Skyline Park einem Blinden ALLEINE den Parkeintritt gewährt! Eine sehende Begleitung ist IMMER ein Muss, so kann der Begleiter dem Blinden wenigstens erklären, wie groß die Bahn ist, wie schnell und welche Skills die Bahn hat!

    P.s: Die mangelnden Sprachkenntnisse kommen vom billigen ausländischen Personal, das seine Schnauze hält!

    1. Hallo Sam,

      vielen Dank für deinen Kommentar.

      Leider muss ich dir in vielen Punkten widersprechen. Geschwindigkeiten, Fahrbewegungen etc. sind nur schwer beschreibbar und müssen, letzten Endes, selbst erlebt werden. Gerade des Adrenalins wegen besucht man ja solche Fahrattraktionen. Und wer Karussells fährt weiß mit der Zeit auch, seine Körperspannung einzusetzen, so dass er/sie nicht im Sitz hängt wie ein nasser Sack.

      Ferner möchte ich behaupten, dass sicherlich auch bestimmt einige Sehende die waltenden Kräfte eines Fahrgeschäfts unterschätzen. Und was ist vor allem mit Kindern? Sollen wir zukünftig ihnen auch nur noch die Fahrt mit elterlicher Begleitung gestatten, bloß weil sie vielleicht die nötige Körperspannung noch nicht haben?

      Ich möchte mir zudem nicht, weder von TÜVs noch von Parkbetreibern, sagen lassen, was für mich machbar ist, wozu ich selbst in der Lage bin und was mich ggf überfordern könnte und was nicht. Leider ist nämlich das Gros der Freizeitparks genau so eingestellt und verbietet sogar z. T. einem blinden Besucher gänzlich die Nutzung der Fahrgeschäfte – selbst mit einer sehenden Begleitung.

      Diese Art der Bevormundung, welche immer als „Sicherheit“ und gutwollende Empfehlungen ausgelegt werden, sollte man keineswegs unterstützen. Die Skandinavier machen es uns schon seit einigen Jahren vor und dieser Weg des offenen Umganges, den gehandikapten Menschen selbst für sich entscheiden zu lassen, was er kann und was nichtwas ihn überfordern könnte und was nicht, halte ich für erstrebenswert.

      Viele Grüße aus Hamburg
      Christian

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