Vier Tage blind durch Budapest – Ein Reisebericht

Mittwoch:

Der Tag begann um 9:00 Uhr mit einer kalten Dusche. Das Haus ist sehr sehr alt, der Boden knarrt unter den Füßen und im Bad hängt noch ein alter Beuler, um warmes Wasser zu bekommen. Das kann schonmal bis zu fünf Minuten dauern, bis es angenehm warm aus der Dusche plätschert. Aber nach entsprechender Wartezeit konnte ich duschen und mich danach auf die Suche nach meinem Frühstück machen. Etwas, dass auf der Homepage des Hostels etwas undeutlich geschrieben stand, Frühstück ist nicht im Preis inbegriffen – und kann auch nicht zusätzlich gebucht werden. Kein Problem, dachte ich, denn Supermarkt, Bäckereien und Cafés sind in der Umgebung zu genüge vorhanden. Also raus.

Zehn Meter weiter befand sich eine Konditorei. Nur sprach man dort kein Englisch und kein Deutsch, und auch der Passant, den ich auf der Straße um Hilfe bei der Bestellung gebeten hatte, konnte mir nur dürftig weiterhelfen. Gehen und was neues suchen oder auf gut Glück sich was empfehlen lassen? Irgendwie war ich abenteuerlustig und habe mich für die letztere Möglichkeit entschieden. Ich bekam drei kleine salzige Gebäckstückchen mit Schinken gefüllt und ein Stück Schokoladentorte, beides sehr lecker. Morgen werde ich mir dennoch was anderes suchen.

Nach dem Frühstück unterhielt ich mich zunächst mit zwei anderen Gästen der Herberge, bevor ich mich auf die Socken zu den zwei Museen machte, die für heute auf dem Programm standen.

Die Jugendherberge liegt in der Nähe einer wichtigen U-Bahn-Station, an der sich – wie in Hamburg beim Jungfernstieg – alle Metrolinien treffen. Wie in HH auch, gibt es hier drei Metrolinien (gelb, blau, rot). Die Bahnen sind insgesamt sehr alt, man sagt, dass in Budapest eine der ältesten und auch am tiefsten gelegenen U-Bahnen Europas fährt. Der Fahrstil ist nicht rasanter als bei uns, nur muss man wahnsinnig bei den Türen aufpassen, denn so schnell wie sie aufspringen, gehen sie am Ende auch wieder zu. Bei manchen Linien wird dies durch eine Ansage und ein quäkendes Geräusch angekündigt, bevor die Türen (teilweise mit einem lauten Knall) zuschnappen.

Mein erstes Ziel war das „Fine Art Museum“, ein Kunstmuseum, welches ich mit der U-Bahn erreichte. In diesem Museum befand sich eine Ausstellung über eine Künstlerfamilie, die in einem der Räume für blinde Besucher aufgearbeitet wurde, so dass man taktile Bilder sowie Figuren und Modelle ertasten konnte. Für ausländische Touris war sie jedoch eher nicht ausgelegt, die Schilder an den einzelnen Stationen sind alle auf Ungarisch und auch das Personal in diesem Raum spricht wenig bis überhaupt kein Englisch. Dennoch, ein interessanter Besuch. Dienstag konnte ich in der Nähe der Burg ebenfalls ein Modell ertasten, hier von der budapester Burg. Hier befanden sich Beschriftungen auch in englischer Sprache.

Vom Kunstmuseum aus ging es weiter mit der Bahn zum „Haus des Terrors“, eine Ausstellung, die sich mit dem kommunistischen Regime nach dem 2. Weltkrieg befast. Ich wurde von mehreren Securities durch die Räumlichkeiten begleitet, immer eine Person pro Stockwerk. Über einen sog. Audioguide, ein Gerät, über das Informationen über die Räume und die Ausstellungsstücke wiedergegeben wurde, bekam ich ausreichend Infos. Gut eine Stunde war ich hier unterwegs und es war sehr informativ.

Es war halb 3 durch, als ich das Museum verlassen hatte und mich auf die Suche nach einem Café oder einer Bar machte, um einen Snack zu essen und etwas zu trinken. Nach mehreren Anläufen wurde ich fündig und landete … nein, nicht bei McDonalds, auch wenn dieser mir auf meine Frage nach einem Cafè oft genannt wurde … in einem kleinen Café mitten in der Innenstadt und aß zwei Sandwitches mit Salami.

Weiter ging es zu einer Touristeninformation, denn ich hatte von einer neueren Ausstellung gehört, in der man wohl einige Sachen auch anfassen kann. Es handelt sich dabei um ein Militärhospital, welches sich wohl in den Kellern unter der Burg befinden soll. Ich wollte Infos über Ort und auch darüber, wie ich am besten dorthin gelangen könnte, bekommen. Nach einer halben Stunde saß ich in einem klapprigen Bus, der mich zum Castle brachte. Draußen begann es zu regnen und zu donnern und ich hoffte inständig, dass ich oben keinen langen Fußmarsch im Regen zurück zu legen brauche.

In der Nähe des Schlosses angekommen, musste ich mich mehrmals nach der richtigen Straße erkundigen und stand schließlich vor dem Museum und vor einem „auf Grund von technischen Problemen heute geschlossen“ -Schild. OK, dann halt morgen wieder und jetzt zurück zum Bus. Achja, hatte ich erwähnt, dass es in Strömen goss? Durchnässt saß ich nach ein paar Minuten wieder im Bus, der mich zurück nach Pest brachte – die Burg liegt nämlich in Buda, dem hügeligen und ruhigeren Stadtteil auf der anderen Seite der Donau. Buda ist relativ klein und macht nur 1/3 von Budapest aus.

An der Endstation stieg ich aus bzw. um in die U-Bahn, welche mich direkt zum Hostel brachte.

Nach ein wenig Ruhe ging es gegen Abend wieder raus, in den nächstbesten Supermarkt, was zu Trinken besorgen. Ein Mitarbeiter der Herberge war mir wieder netterweise behilflich. Nun stand Abendessen auf dem Programm und da Liam, so heißt der gute Mann, sich mit einem Bekannten zum Essen treffen wollte, fragte er mich, ob ich nicht mitkommen wolle. Ich willigte ein und so fuhren wir mit der Tram nach Buda zu einem kleinen Lokal, in dem man für wenig Geld sehr gute Gulaschsuppe bekommen konnte – und das war nicht gelogen, wie sich am Ende herausstellte.

Wir aßen, unterhielten uns viel und gegen 10 waren wir wieder zurück in der Herberge.
Das war der Mittwoch gewesen. Für Donnerstag stand unter anderem ein Treffen mit zwei ehemaligen Mitbewohnern einer Bekannten von mir auf dem Programm, die mir ein paar nette Plätze und Kneipen zeigen wollten.


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