Zehn Tage (blind durch) Skandinavien – Ein Reisebericht

Übersicht

  1. Tag 1 in Oslo, 18.04.2014
  2. Tag 2 in Oslo, 19.04.2014
  3. Tag 3 in Oslo, 20.04.2014
  4. Tag 1 in Stockholm, 21.04.2014
  5. Tag 2 in Stockholm, 22.04.2014
  6. Tag 3 in Stockholm, 23.04.2014
  7. Tag 1 in Kopenhagen, 24.04.2014
  8. Tag 2 in Kopenhagen, 25.04.2014
  9. Tag 3 in Kopenhagen, 26.04.2014
  10. Tag 4 in Kopenhagen, 27.04.2014
  11. 10 Tage Skandinavien: Ein Fazit

 

Tag 3 in Oslo: Hoch hinaus am letzten Tag

Sonntag, 20.04.2014

Kann man die vorangegangenen Tage noch steigern? Eine Frage, die ich mir nach den letzten beiden, erlebnisreichen Tagen in Oslo nach Schreiben meines gestrigen Berichts stellte. Und nach dem heutigen Tag kann ich sagen: Ja, es geht!

Für viele gehört zum Urlaub an erster Stelle das Ausschlafen dazu. Da ich mich heute erst für 11:00 Uhr mit David und Nadia verabredet hatte, konnte ich dies dann auch tun. Um 10:15 Uhr machte ich mich auf den Weg in den Speiseraum im Erdgeschoss. „Was mich wohl heute für Überraschungen erwarten würden?“ – überlegte ich noch und dies zu Recht, wie sich später herausstellen sollte.

Zum Frühstück gab es dieses Mal Bratkartoffeln mit Würstchen, also die englische bzw. amerikanische Variante. Da die Portion etwas klein ausfiel, entschied ich mich noch für eine Schale Cornflakes. Auch hier hatte es das Personal wieder gut gemeint, denn außer der Flakes befanden sich noch Rosinen in der Schale. Eine etwas außergewöhnliche Kombination, zumal ich Rosinen überhaupt nicht mochte. Da ich in diesem Punkt lieber ehrlich bin, anstatt es aus Höflichkeit dann doch zu essen, wanderten Cornflakes, Milch und Rosinen kurzerhand in den Mülleimer – und kommt mir jetzt nicht mit „Essensverschwendung“! 😉

Nach dem Frühstück ging es direkt weiter, denn David und Nadia warteten bereits im Foyer. Auf dem Plan stand heute noch mal das Rathaus, denn ich wollte gerne die Rathausuhr aufnehmen, die eine etwas eigenartige Melodie zur vollen Stunde spielt. David wollte Nadia zudem noch das Munch-Museum zeigen, in dem Werke des Norwegischen Malers Edward Munch (1863-1944) ausgestellt wurden und so wollte ich mich den beiden ebenfalls anschließen, auch wenn ich mit malerischer Kunst überhaupt nichts anfangen kann. Zum Abschluss sollte es dann noch auf die Oper gehen, von der man einen guten Panoramaausblick auf Oslo hatte.

Mit der Tram fuhren wir als erstes zum Rathaus. Auf dem Weg dorthin begegnete uns jemand mit einem sehr kleinen Hund, bei dem man schon ziemlich aufpassen musste, dass man ihn nicht versehentlich trat. Beim Rathaus angekommen, blieb uns zunächst noch Zeit, etwas zu trinken, bevor ich um 12:00 Uhr das Glockengeläut aufnehmen wollte. Das Rathaus war ein merkwürdiges Gebäude, denn der Haupteingang befand sich nicht, wie sonst üblich, auf der Vorderseite des Hauses, sondern rückseitig. Das Gebäude verfügte über zwei Türme und man erzählte sich die Geschichte von drei Männern, von denen der eine wettete, er könne zwischen beiden Türmen hin und her fliegen – klar, wenn man sich, wie in seinem Fall, ein kleines Flugzeug besorgte, geht das natürlich auch! In einem der Türme befanden sich auch die bereits erwähnten Glocken.

Vor dem Rathaus traf ich die Familie aus Mainz wieder, die mir am Vortag so bereitwillig das alte Segelschiff im Fram-Museum gezeigt hatte – wie klein die Welt bzw. die Stadt doch manchmal sein kann!

Das Rathaus war geöffnet und so konnten wir uns auch die große Rathaushalle anschauen, in der regelmäßig Trauungen stattfanden. Die Halle war über 50m hoch und oberhalb der Fensterfront befanden sich verschiedene Bilder, die Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen zeigten.

Für die Hochzeiten stand zur musikalischen Begleitung ein großer Steinberg-Flügel in einer Ecke der Halle. David als eingefleischter Musiker ergriff sofort die Chance, einmal auf diesem Flügel zu spielen – bei der Akustik in der Halle konnte ich dies auch vollends nachvollziehen. Sein Klavierspiel fand jedoch ein jähes Ende, denn er rief den Wachmann auf den Plan. Allerdings sah man ihm wohl an, dass – wenn es nach ihm persönlich gegangen wäre – David ruhig hätte weiter spielen können, nur musste er ja seinen Anweisungen und Pflichten nachkommen. Egal, die wenigen Sekunden waren dennoch – auch wenn ich überhaupt kein Klassik- und Klaviermusik-Hörer bin – genial!

Vom Rathaus aus machten wir uns auf dem Weg zum Munch-Museum.

Etwas, das mir persönlich bei Stadtbesichtigungen und -Erkundigungen immer wichtig ist, ist, einmal alle öffentlichen Verkehrsmittel benutzt zu haben: Fähre, Tram, Bus… was noch fehlte, war die U-Bahn. Es gibt in Oslo eine ringförmige U-Bahn-Linie, die vom Stadtzentrum aus einmal in die Vororte Oslos fuhr und auf ihrer Tour auch beim Munch-Museum Halt machte. Auf dem Weg zur U-Bahn-Haltestelle vernahm ich auf einmal ein merkwürdiges, lautes Ticken, das entfernt an ein Maschinengewehr erinnerte. Wie sich herausstellte, war dies das Signal einer Blindenampel – noch ein recht altes Modell anscheinend.

Die Metrostationen in Oslo scheinen allesamt barrierefrei zu sein. Es gibt zwar Treppen, jedoch auch alternativ Rollstuhlrampen. Für blinde Fahrgäste waren auf den Bahnsteigen, wie auch an Bus- und Tramstops sowie Fußgängerübergängen, Markierungen angebracht, ähnlich wie z. B. auch in Berlin.

Im Munch-Museum angelangt, mussten wir feststellen, dass der Großteil der Ausstellung derzeit nicht zu besichtigen war, da er für eine andere Ausstellung verliehen wurde. Dennoch konnten wir uns einige der Bilder anschauen und auch ein einer kleinen Führung teilnehmen. Munch war u.a. dafür bekannt, dass er vor allem Portraits zeichnete, bevorzugt von nackten Menschen. Eines seiner berühmtesten Bilder ist die „Madonna“, bei der man sagt, dass er sich hier an seiner Mutter orientiert hätte, die verstarb als er 5 Jahre alt war. Wie gesagt, Bilder sind nicht so meins – zumindest gemalte -, aber dennoch war die Führung sehr informativ und interessant.

Nach so viel Kultur stand uns der Sinn nach etwas Nahrhafterem und so beschlossen wir, mit der U-Bahn zurück in Richtung Rathaus und Hauptbahnhof zu fahren, wo sich reichlich Restaurants und Cafés befanden.

Nach dem Essen – ich hatte mich für Nudeln mit einer sehr würzigen Sauce und mariniertem Hähnchen entschieden – wollten wir zunächst, bevor es zum letzten Ziel für heute – der neuen Oper – ging, noch die Tigerstatue am Hauptbahnhof besuchen und fotografieren.

Auf dem Platz bei der Statue war der Bär los – dazu aber gleich mehr!

Nachdem ich versuchte, die Statue, auf der gerade ein paar Kinder rumturnten, zu fotografieren, machten wir uns auf dem Weg zur Osloer Oper. Auch sie ist architektonisch gesehen ein interessantes Gebäude. Sie wurde vor ca. fünf Jahren erbaut und ist, auch außerhalb der Konzerte, für interessiertes Publikum zur Besichtigung geöffnet. Das eigentliche Highlight an diesem Gebäude war jedoch die Tatsache, dass man auf das Dach laufen konnte (denn „steigen“ ist der falsche Ausdruck) und von dort aus einen grandiosen Ausblick auf Oslo und den Oslo-Fjord hatte. Auch dieser Ort ist für Rollstuhlfahrer zugänglich, da wieder nicht nur Treppen von außen, sondern auch Rampen direkt auf das Dach der Oper führen. Und so genossen wir in geschätzten 100m Höhe die frische Brise, die uns vom Fjord her entgegen wehte.

Dies sollte für heute jedoch nicht mein einziger Höhenflug gewesen sein…

Denn unten, auf dem Platz bei der Tigerstatue, fand am Osterwochenende eine Promotion-Veranstaltung zum neuen SpiderMan Kinofilm statt. Der „Spider Man Jump“ versprach Nervenkitzel pur. Gut festgegurtet hatten Mutige die Möglichkeit, an 8 Bungee-Seilen, die an 50m hohen Pfosten befestigt waren, 25m in die Höhe geschossen zu werden – eine sehr begehrte Attraktion. Am heutigem Tag, war das Wetter doch wie geschaffen für derartige Luftsprünge. Sollte ich es also wagen, oder doch lieber nicht?

Zwar war die Schlange recht lang, aber meine Neugier genau so groß. Jedoch wuchs mit Kleiner werden der Schlange auch meine Nervosität. Und nach ca. 1,5 Stunden Wartezeit war es endlich soweit. Ich gehörte zu den letzten für heute, die sich in die Luft katapultieren lassen konnten. Gut in einem Klettergurt festgeschnallt und angeseilt, ging es auch schon los. Während ich an acht Bungee-Seilen festgemacht wurde und quasi wie in einem Spinnennetz aus Seilen hing, unterhielt ich mich ein wenig mit dem Mann, der das ganze veranstaltete – vielleicht auch, um etwas meine Nervosität abzubauen. Er käme aus Manchester, erzählte er mir, und mache diese Veranstaltungen in mehreren Städten weltweit. Wer sich traute, den SpiderMan Jump zu wagen, wurde mit einer Freikarte für den neuen Kinofilm belohnt. Meine Kamera ließ ich während des Spektakels bei David und Nadia, die diesen Adrenalin-Kick für mich auf Video festhielten

Das Gefühl war unbeschreiblich! Ich mag sicher recht steif in den Gurten gehangen haben, hätte ich doch auch die Möglichkeit gehabt, einfach loszulassen, mich einfach fallen zu lassen. Dennoch war es für mich ein grandioses Erlebnis und ein mehr als gelungener Abschluss meiner ersten Reiseetappe. Die Freikarte hatte ich übrigens David geschenkt, quasi als Dankeschön, denn er hatte auch heute wieder die Rechnung fürs Essen übernommen.

Nach diesem eher außergewöhnlichen Höhenflug ging es zurück ins Hotel, wobei ich mich vorher noch beim „Joker“ mit etwas Reiseproviant für die lange Zugfahrt von Oslo nach Stockholm versorgte: Noch mal zwei Flaschen Solo und Quicklunch, die Norwegische Variante von KitKat.

David und Nadia brachten mich noch zum Hotel, wo wir uns dann voneinander verabschiedeten, nachdem wir vorher gegenseitig Kontaktdaten ausgetauscht zu haben. Beide sagten zu mir, dass sie noch nie jemanden zuvor getroffen hätten, der sie in so einer Weise beeindruckt hat und so viel Mut an den Tag legt, weil ich Dinge mache, die sie als Sehende noch nicht einmal tun würden. Und darauf sollte ich ruhig stolz sein…

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.