Schon seit Längerem sorgen Plattformen wie Studi- bzw. Mein VZ oder Facebook für Schlagzeilen. Zumeist ging es hier um das Weiterverwerten und Weiterverkaufen von persönlichen Daten, das Verwenden von privaten Bildern etc, was vor allem von Datenschützern beklagt wird.
Diese Schlagzeilen und die enorme Medienpräsenz sorgten jedoch auch dafür, dass den Nutzern solcher Plattformen eigentlich bewusst wurde, wie sie mit ihren persönlichen Daten und Aktivitäten umgehen könnten. Dies hat seit einiger Zeit zur Folge, dass viele auf Facebook ihre Namen ändern: entweder man sucht sich ein komplett neues Pseudonym oder man verunglimpft seinen eigenen Namen, sodass Aus Hansi Meier dann „Han Si“ wird, nur um vermeintlich anonym weiterhin solche Portale nutzen zu können und um dem Datenklau zu entgehen.
Aber ist diese Hysterie überhaupt begründet?
Dies fragte ich mich bereits, als Menschen im vergangenen Jahr wegen der Zensusbefragung auf die Barrikaden gehen wollten – und diese Frage stelle ich mir bei der FB-Diskussion weiterhin.
Kategorie: Artikel und Essays
„Was Blinde sehen“ – diese Headline dürfte beim Sehenden Lächeln und Verwunderung zugleich auslösen. Zunächst wegen der Wortwahl: Es geht zwar um Fernsehen, aber Blinde sehen doch nichts. Also hören sie fern, so die Logik des Sehenden. Fern-Hören klingt komisch. Der Fernseher wäre somit Fern-Hörer und dies erinnert an die alte Bezeichnung für Telefon: Vernsprechapparat. Das bedeutet, dass Blinde feststehende Begriffe nicht umschreiben würden, bloß weil eine Kleinigkeit im Begriff nicht auf sie zutrifft.
Nun zum Fernsehen an sich. Dass blinde Menschen fern schauen, scheint für viele Sehende unlogisch, denn um einen Film oder den Inhalt einer Serienepisode verstehen zu können, braucht es nun einmal das Sehen der Bilder. Aber tut es das wirklich? Denn im Hörspielsektor gab und gibt es Produktionen, welche ohne einen Erzähler auskommen – man denke vor allem an die alten Krimiklassiker aus den 50er und 60er Jahren. Warum soll man somit nicht auch blind fernsehen können? Es gibt ja schließlich einige Filmangebote im TV, die mit einer akustischen Bildbeschreibung ausgestattet sind. Jedoch ist dieses Angebot lediglich Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen zu finden und deckt bei weitem nicht die komplette Palette an Sendungsgattungen und Filmgenres ab.
Es gibt in der Kommunikationswissenschaft bislang nur unzureichende Ergebnisse über den Fernsehkonsum Blinder. Zwar wurde festgestellt, dass auch blinde Erwachsene fern schauen, jedoch beschränkte sich diese Studie ausschließlich auf die „Spezialangebote“, also die eben genannten „Hörfilme“.
Doch nutzen blinde Menschen noch weitere Fernseh-Angebote? Wozu dient das Fernsehen: Zur Unterhaltung, zur Entspannung oder zur Informationsbeschaffung?
Diesen Fragen bin ich im Rahmen einer Studie nachgegangen. Im Zeitraum von März bis Oktober 2011 habe ich blinde Menschen zwischen 20 und 49 Jahren mittels Online-Fragebogen zu ihrem Fernsehkonsum befragt. Insgesamt gab es 101 Teilnehmer, davon waren 43,6% weiblich und 32,7% männlich, 23,8% wollten darüber keine Angabe machen. Von den Befragten waren 37,6% arbeitstätig, jeweils 10,9% Azubis bzw. Studenten, 8,9%arbeitssuchend und noch 3% Schüler.
Über die Hälfte der Befragten gaben an, regelmäßigen Zugang zu einem Fernseher zu haben sowie ihn auch (fast) täglich einzuschalten. Was den Sehenden vielleicht verwundern mag: Auch unter den blinden Menschen gibt es auch sog. Vielseher, Zuschauer, die mehr als 4 Stunden am Tag fern schauen (7,9%).
Was die Sendungsfavoriten anbelangt, so lagen GZSZ, K11, Wer wird Millionär oder Tagesschau, Tatort und CSI sehr hoch im Kurs. Die favorisierten Sender sind somit ARD, RTL, ZDF, Sat.1, ProSieben. Bei den Genres und Formaten waren es vor allem Nachrichten, Daily Soaps, Quizsendungen, Reality TV oder Spielfilme.
Das Fernsehen dient zu gleichen Teilen der Information, Unterhaltung und Entspannung. Mehr als die Hälfte der befragten gab an, das Fernsehen auch vorwiegend zur Informationsbeschaffung zu nutzen. Sie schalten gezielt den Fernseher ein, um bestimmte Sendungen zu schauen.
Fernsehinhalte sind nur manchmal Gesprächsthema unter blinden Zuschauern, wobei der Austausch sowohl unter Blinden als auch mit Sehenden erfolgt und sich nur wenige der Befragten wünschen würden, sich jeweils mit der anderen Personengruppe (Blinde vs. Sehende) mehr über das Gesehene auszutauschen.
Es ist den blinden Zuschauern wichtig, sich die Bilder am Fernsehschirm beschreiben zu lassen. Das aktuelle Angebot an Sendungen mit Bildbeschreibungen wird von den Befragten mit der Durchschnittsnote 3 bewertet.
Neben dem Fernsehen greifen blinde Mediennutzer jedoch auch auf andere Medien zurück. 69,9% der Befragten nutzen (fast) täglich das Internet, 66,4% hören (fast) täglich Radio, nur wenige greifen auf Zeitungen und Zeitschriften zurück, hingegen sich Hörbücher großer Beliebtheit erfreuen (34,7% (fast) tägliche Nutzung). Auch wenn blinde Rezipienten Spielfilme, Fernsehkrimis, also fiktionale Angebote, im Fernsehen anschauen, so gehen sie selten ins Kino (14,9% einmal im Monat, 56,4% seltener). Die Möglichkeit, sich Filme auf DVD oder VHS anzuschauen, wird von 26,7% der Befragten mehrmals im Monat, von 32,7% noch seltener genutzt.. Vermutlich ist das geringe Hörfilmangebot im Kino und auf DVD der Grund für die geringe Kino- und DVD-Nutzung.
Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass blinde Menschen zwischen 20 und 49 Jahren das Fernsehen in fast dem gleichen Umfang nutzen wie Sehende. Bei der Auswahl der Sendungen und Sender gibt es ähnliche Präferenzen. Das Gesehene ist auch unter Blinden Gesprächsthema. Fernsehen dient vorwiegend der Unterhaltung und Information. Nur wenige der blinden Fernsehnutzer könnten komplett auf die Flimmerkiste verzichten (23,8%).
Diese Ergebnisse decken sich mit den Erkenntnissen aus einer Nutzungsstudie von 2009, welche sich mit dem Fernsehkonsum blinder Kinder auseinandersetzte und ebenfalls bewies, dass auch bei blinden Menschen das (visuelle ausgerichtete) Medium Fernsehen eine nicht unbedeutende Rolle spielt. Für den Sehenden lässt sich daraus schlussfolgern, dass blinde Menschen ihren Medienalltag nicht anders gestalten, als sie selbst – eine beruhigende Erkenntnis.
Eine ausführliche Auswertung der Befragung wird in den kommenden Wochen hier veröffentlicht.
Er wurde in den höchsten Tönen gelobt. 2005 erschien „Wie Licht schmeckt“, ein Jugendroman von Friedrich Ani, welcher sonst auch durch seine Kriminalromane bekanntgeworden ist.
Kurz zum Inhalt: Lukas ist 14 und ist der Ansicht, er brauche niemanden in seinem Leben. Bis er auf die drei Jahre ältere Sonja trifft und, wie könnte es auch anders sein, sich in sie verliebt. Wäre da nicht ein Haken: Sonja ist blind. Sonja führt scheinbar ihren neuen Freund in die „Welt der Blinden“ ein und Lukas durchlebt im Laufe der Romanhandlung einen Reifeprozess, denn er ist nicht, wie sonst üblich, der sympathische Protagonist, in dem man sich gerne hineinversetzt. Beide erleben verschiedenste Situationen, gehen weg, in die Kneipe, ins Schwimmbad und tun Dinge, die Jugendliche halt tun.
Soweit, so schön. Ani versucht, mit seinem Roman einen Einblick in die Gefühls- und erlebte Welt eines blinden Heranwachsenden zu bieten, mit viel Einfühlungsvermögen. Dabei verkennt er jedoch, dass sich blinde Jugendliche wirklich nicht anders benehmen, als Sehende im gleichen Alter. Denn genau dies trifft nicht auf Sonja zu.
Die blinde Sonja verhält sich asozial, kratzt, kneift, zickt, pöbelt. Wäre sie nicht blind, so meine Vermutung, hätte man ihr Handeln schon längst angeprangert. Doch so ist sie nur die selbstständige Blinde, die uns und vor allem Schülern, als Vorzeigebeispiel in der Schule vorgeführt wird, wenn es um das Thema Blindheit geht. Was ist das für ein Verhalten, wenn Lukas die Frage der Fragen stellt („Wie machst du das eigentlich?!“) und von Sonja lediglich mit einer schroffen, unfreundlichen Antwort zurückgewiesen wird? Auf wenige seiner wirklich guten, ernstgemeinten Fragen, bekommt Lukas nämlich eine ernstgemeinte Antwort. Wenn es darum geht, wie Sonja ihre Freundin gleich beim Betreten der Kneipe erkennt oder wie sie so einfach, allen Hindernissen zum Trotz, im Freibad zum Becken hechten, hineinspringen und Lukas retten konnte. Die Begründungen für diese wunderbaren Leistungen werden nur oberflächlich geliefert. Es braucht keiner Erklärung! Die Vollbringung des scheinbar unmöglichen, einer Sensation, bedarf keiner weiteren Aufklärung.
Stattdessen wird dem sehenden Leser ein Bild eines blinden Jugendlichen präsentiert, bei dem sich die Frage stellt: Woher nahm Ani seine Anregungen? Verhielten sich blinde Menschen in seinem Umfeld ihm gegenüber so unkollegial und unhöflich?
Wir Blinden brauchen uns, nach so einem Schundroman, nicht zu wundern, dass Sehende uns so schüchtern und zurückhaltend gegenübertreten. Müssen sie doch Angst haben, von uns nach gestellter Frage gleich förmlich angegriffen und zerfleischt zu werden! Ich schließe natürlich nicht aus, dass es nicht auch blinde Menschen gibt, die auf eine Frage schroff antworten. Wir alle, blind und sehend, können uns hier nie gänzlich ausschließen, jeder antwortet mal unfreundlich. Nur wird dieser Roman, genau wie „Hell und Dunkel“ von Hans-Jörg Martin, in Schulen gelesen und dürfte somit beispielhaft und vorbildhaft als Wissensvermittler dienen. Auch wenn Buchinhalte zumeist fiktiver Natur sind, können wir Leser uns nie völlig davon frei sprechen, dass wir den geschilderten Inhalten nicht einen gewissen Realitätsgehalt unterstellen – sei es beim Thema Blindheit, psychischer Erkrankung oder bei was auch immer.
Egal was Sonja tut, es gibt selten einen Rüffel. Kann sich ein blinder Jugendlicher somit alles erlauben? Was rechtfertigt ihr Verhalten: allein die Tatsache ihrer Blindheit? Jedem anderen Jugendlichen hätte man schlechte Erziehung oder schlimmstenfalls eine psychische Störung unterstellt – nur nicht Sonja. Sie wird zwar an manchen Stellen im Roman von Lukas ansatzweise zurecht gewiesen, jedoch ohne jegliche wirkliche Konsequenz. Lukas solle keine so dummen Fragen stellen, heißt es. Aber warum soll er das nicht! Sollen Sehende somit keine Fragen stellen und alles so billigen? Ist das die gewünschte Botschaft der Geschichte? Sonja hackt auf Lukas ein, beschimpft ihn, während Vanessa, ihre Freundin, scheinbar teilnahmslos daneben sitzt und alles unkommentiert lässt. Wohlmöglich hat sie die Hoffnung, eine vernünftige Antwort zu bekommen, schon aufgegeben.
Und noch etwas verdeutlicht dieser, aber auch Martin’s Blinden-Roman: Enttäusche keinen Blinden, er könnte es nicht verkraften! Mit erstaunen las ich in „Wie Licht schmeckt“, dass Sonjas Mutter Lukas beiseite nahm und ihm genau diese Botschaft vermittelte. Vielleicht besteht Hoffnung nach einer OP in Amerika, dass Sonja wieder sehen könne. Bis dahin jedoch sollte er nicht mit ihren Gefühlen spielen. Sie hätte bereits einmal Liebeskummer hinter sich und hätte sich völlig zurückgezogen. Natürlich, wer tut dies nicht?! Wer mag schon enttäuscht werden? Oder sind wir Blinden in irgendeiner Form automatisch sensibler, zartbesaiteter und empfindlicher, bloß weil wir blind sind?
Schlimm ist, dass es da draußen wirklich Menschen gibt, die genau das in die Tat umsetzen: Sie enttäuschen keinen Blinden! Lieber schlucken sie Ärger, Missmut und ihren Wunsch, etwas nicht tun zu wollen, zu Gunsten des Blinden und seiner Gefühle runter; sie könnten ihn ansonsten ja verletzen. Das Leben ist kein Rummelplatz, auch nicht für uns Blinde! Auch wir müssen, so wie jeder Sehende auch, lernen, mit Verlust, Enttäuschung und Liebeskummer umzugehen und können uns nicht hinter der Fassade Blindheit verstecken oder uns vom Sehenden hinter diese Fassade abschieben lassen.
Aber auch der Sehende sollte lernen, dass blinde Menschen auch mal schroff antworten können, ja, dass sie sogar das Recht dazu haben, so wie jeder Sehende schließlich auch. Und, wenn ihm das Lesen von Büchern wie „Wie Licht schmeckt“ schon aufgezwungen wird, dass Blind nicht gleich Blind ist – es gibt noch Licht am Ende des Tunnels, wo sich die Realität befindet.
Hat man noch vor einigen Jahren dem Kinderfernsehen eine gewisse Schädlichkeit bezüglich des stereotypen Figurenbildes und dem Einsatz von Gewalt nachgesagt, so frage ich mich, ob derartige (Schul-)Literatur nicht ohne weiteres in die Fußstapfen des Kinderfernsehens treten könnte? Was wir hier zu lesen bekommen ist ein verklärtes Bild von Blindheit und von Alltagsbewältigung. Aber es erklingen von Pädagogen, ja selbst von Literaturkritikern, große Lobeslieder auf diesen Roman. Nur warum? Erkennen Literaturkritiker und Pädagogen die hier aufgezeigten Handlungen nicht?
Ein Grund für den großen Erfolg dieses Romans mag aber auch in der Tatsache, dass viele Sehende noch nie mit einem Blinden und seiner Alltagswelt zu tun hatten, begründet sein. Aber kann das der einzige Erfolgsgrund für „Wie Licht schmeckt“ sein? In der Kritik ist sehr häufig von Einfühlungsvermögen die Rede. Dies mag der Autor zwar unter Beweis stellen, dies steigert aber nicht gleichzeitig die inhaltliche Qualität der Geschichte. Ich verlange von so einem Buch nicht, dass es die Realität zu 100 Prozent abbildet. Jedoch kann ich solche Buchfiguren nicht ungestraft auftreten und ihr Verhalten nicht ungebilligt lassen. Natürlich, Lukas ist auch kein Sympathieträger und entspricht somit auch nicht dem sonst üblichen Protagonisten, aber an seiner Stelle hätte ich die Frau schon längst zum Mond gejagt, anstatt mich ewig so blöd behandeln zu lassen – ach Moment, das geht ja nicht, ich dürfe sie ja nicht enttäuschen! Oder darf ich es doch, weil ich ja selber blind bin?
Zum Schluss sei noch erwähnt, dass auch dieser Medienblinde in „Wie Licht schmeckt“, und auch das Mädchen in „Hell und Dunkel“, selbstverständlich Sonnenbrillen tragen. Es entspräche ja sonst nicht dem Medienbild eines Blinden, auch wenn dieses rein fiktiver Natur ist. In Hans-Jörg Martins „Hell und Dunkel“ kritisiert der Protagonist zunächst diese „alberne“ dunkle Sonnenbrille. Bis er merkt, dass das Mädchen blind ist. Warum kann die Kritik an der albernen Sonnenbrille nicht erhalten bleiben? Darf man Blinde nicht kritisieren? Oder ist Blindheit plus Sonnenbrille = Logisch?
„Wie Licht Schmeckt“ ist nicht der einzige Roman mit blinder Hauptfigur von Friedrich Ani. In der „Seher“-Reihe geht es um einen Ex-Polizisten, welcher im ersten Roman dieser Serie erblindet. Hier merkt man jedoch sehr gut, dass Ani im Krimi-Genre sich besser zurecht findet, als bei den Jugendbüchern. Der Blinde kommt hier nämlich wesentlich besser weg.
Zum Glück gibt es nicht nur positives von Kritikerseite über diesen Roman zu lesen. Eine Rezension, welche mal keine Lobeshymnen anstimmt, findet sich beispielsweise hier.
Am gestrigen Abend (04.09.11) startete die neue Staffel „Schwiegertochter gesucht“ auf RTL. Acht Männer wurden von RTL auserkoren, sich auf die televisionäre Partnersuche zu begeben.
Nachdem ich mir die gestrige Folge angeschaut habe, stellt sich mir wieder einmal die Frage: Wer macht freiwillig bei solch einem Format mit? Ist den Kandidaten überhaupt bewusst, was dort mit ihnen geschieht? Oder ist es den Kandidaten vielleicht sogar völlig egal, Hauptsache, sie kommen einmal ins Fernsehen?
Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen, wie und wo er seine Partnerin für’s Leben sucht. Aber gerade die gestrige Folge lässt vermuten, dass es RTL nicht um die ernsthafte Vermittlung von Partnern, sondern eher um den Unterhaltungsgehalt im Vorabendprogramm geht. Nicht umsonst wurden hierzu passende Kandidaten/innen ausgewählt, die bei dieser Sendung teilnehmen. Jeder auf seine Weise originell, schrill und peinlich zugleich. Der Grad zwischen Originalität und Peinlichkeit ist schmal – das beweisen solche Sendungen jedes mal auf’s neue.
Und die bereits aus Formaten wie „Bauer sucht Frau“ bekannten Vorbewertungen der Kandidaten Seitens der Moderation, die Verbindung bestimmter Attribute und Eigenschaften mit einer Person, tragen ungemein zu diesem Sendungsbild bei.
Unterhaltung, Lachen und bloßes Kopfschütteln gehen mit dieser Sendung einher. Man weiß beim Anschauen nicht, ob man sich nun über den Kandidaten belustigen oder sich über RTL aufregen soll, die die Kandidaten passend in Szene setzen.
Die Dialoge sind gestellt, jedoch lassen auch die Kommentare der einzelnen Kandidaten/innen selbiges vermuten.
Begleitet werden diese Kommentare sowie die übrigen Szenen von der stark an „Bauer sucht Frau“ angelehnten Moderation Veras.
Über Kandidaten und ihre eingeladenen Frauen möchte ich hier kein Wort verlieren, hier sei ein Blogbeitrag auf laester.tv empfohlen.
Aber was ist es nun, dass Menschen dazu veranlasst, hier ihr Glück zu suchen? Pure Verzweiflung, Dummheit oder der Wunsch, einmal ins Fernsehen zu kommen?
Und geht das Konzept von RTL wirklich auf? Ich glaube zwar auch an „Liebe auf dem ersten Blick“, jedoch geschieht dies bei RTL’s Kuppelformaten doch eine Spur zu oft und viel zu schnell.
Aber doch, es funktioniert bestimmt! Es ist wie ein Plazebo: Wenn man ganz fest daran glaubt, klappt es auch!
Viele beklagen sich ja über die Anonymität im Internet, gerade auch hinsichtlich der Partnersuche. Jedoch kann ich mir hier wenigstens selber aussuchen, für was oder wen ich mich ausgebe. Bei RTL wird dieser Weg von der Redaktion sicherlich vorgescriptet.
Einleitung
Ist das pädagogisch wertvoll? Seit es Kindersendungen im Fernsehen gibt, zieht sich diese Frage wie ein roter Faden durch die Debatten der Medienkritiker. In den neunziger Jahren stand das Thema Gewalt dabei ganz oben auf der Agenda. Und wenn sich in damals wie heute sehr beliebten Cartoon-Serien wie beim Klassiker Tom und Jerry die Protagonistengegenseitig mit Waffen aller Art traktieren und gerne auch mal in die Luft sprengen, scheint die Besorgnis verständlich: Hilft diese Art von Konfliktlösung Kindern bei der Persönlichkeitsentwicklung?
Heute, rund zwanzig Jahre später, ist es ruhig geworden um dieses Thema. Nur warum? Ist das Kinderfernsehen für die Forschung nicht mehr relevant genug? Sind die Kritikpunkte bezüglich des pädagogischen Wertes von Kindersendungen sowie der geforderten Angebotsvielfalt von Programmmachern endlich erhört und umgesetzt worden?
Dieser Beitrag soll, zunächst rein oberflächlich anhand von Programmdaten aus der 20. und 21. Kalenderwoche 2011, der Frage nachgehen, welche Programmformen und Subgenres im derzeitigen Kinder-Fernsehangebot zu finden sind.
Bei der Programmanalyse wurden besonders serielle Angebote berücksichtigt. Zwar werden (vor allem im Programm des Kinderkanals) auch Filme ausgestrahlt, jedoch ist dieses Angebot (inhaltlich) wechselnd, hingegen eine Serie bedingt durch die regelmäßige Ausstrahlung eine gewisse Zuverlässigkeit im Programm garantiert.
Gestern (am 08.07.) endete die zweite Staffel von „Mein Mann kann“ mit einem Frauenspezial. Genau so hirnsinnig und unnötig, wie schon die zahlreichen vorherigen Episoden, versuchte das Privatfernsehen uns mit altbackenen Rollenklischees und platten Wettkämpfen zu langweilen; auch wenn die Quoten eine ganz eigene Sprache sprechen.
Die folgenden drei kleinen Skizzen entstanden im Rahmen eines Seminars an der Uni, welches sich im Wintersemester 2010/11 dem „Phänomen YouTube“ widmete.
Wer erinnert sich nicht. Ein poppiges Lied mit einer eingängigen, einprägsamen Melodie und vor allem mit sehr einfachem Refrain: „Wir sind allein. Allein allein“.
Mit diesem Song machten Polarkreis 18 im Oktober 2008 in großem Stil auf sich aufmerksam. Nicht nur, dass dieser Song Teil eines Filmsoundtracks war, er war auch die erste Singleauskopplung aus dem zweiten Album der Band („The Colour of Snow“) und wurde im Radio rauf und runter gespielt.
Seit Herbst 2010 steht nun das dritte Album „Frei“ im Handel, welches musikalisch nahtlos an den Vorgänger anknüpft und welches die Band im April auch auf Deutschen Bühnen live präsentierte – so auch am 11.04. im Hamburger Übel und Gefährlich, einer Location, welche sich im vierten Stock des sogenannten „Medienbunkers“, direkt am Heiligengeistfeld, befindet.
Egal, ob wir nun ein Handbuch für ein Gerät, medizinischen Rat, ein Programm, ein Rezept oder eine Anleitung für irgendetwas suchen. Tante Google hilft weiter und hat meist die passenden Links parad. Wer selber eine Homepage betreut und Zugriff auf seine Aufrufstatistiken hat, kann sehen, durch welche Suchbegriffe die eigene Seite gefunden wird
– und dabei können teilweise interessante Dinge herauskommen. Aber es können auch Dinge (Suchbegriffe) sein, die mich im Großen und Ganzen seit geraumer Zeit etwas nachdenklich stimmen. Denn sehr häufig wird die Frage, wie man denn mit blinden Menschen umgehen solle, gegoogelt.
Nun ist es endlich vorbei! Das DSDS-Debakel 2011.
Es gibt einen Namen, eine Stimme, vielleicht ein Bild – und wen interessiert es? Schon in wenigen Monaten, spätestens in einem Jahr wird auch er vergessen sein, so wie seine zahlreichen Vorgänger, an die sich heute kaum noch jemand erinnert.
Hinzu kommt noch, bei der soeben geendeten Staffel die Manipulationsvorwürfe enorm hoch waren. So twitterte Medienkritik.TV (www.medienkritik.tv), dass der Sieger auf jeden Fall nicht live gesungen haben soll. Auf www.dwdl.de ist zu lesen, dass kurz vor Beginn der heutigen Finalshow kurzerhand die Jury vom Master of Disaster himself (Didi Bohlen) abgesetzt worden war und sie selbst davon (angeblich) auch nur durch einen Bild-Artikel erfahren hätten – zumindest gilt dies für Patrick Nuo. Selbst RTL soll von dieser „Veränderung im Betriebsablauf“ nichts gewusst haben… Komisch nur, dass Nuo heute doch als Juror in der Show zu sehen war und seine Kommentare abgegeben hat.
Es stinkt gewaltig bis zum Himmel und trotz (oder vielleicht ja auch gerade wegen) der zahlreichen Querelen, die die diesjährige DSDS-Staffel mit sich zog, war sie (laut DWDL) die zweiterfolgreichste Staffel seit langem. Dies beweist einmal mehr, dass reine musikalische Leistungen der Vergangenheit angehören. Die Zuschauerschaft will unterhalten und beschissen werden; Sensation ist Trumpf, alles andere ist, spätestens seit 2011, reine Nebensache und pures, ausschmückendes Beiwerk für eine Maschinerie, um möglichst quotenstarke Werbeplätze verkaufen zu können.
Dass wir schon nicht mehr wissen, wer eigentlich der Sieger der letzten Staffel gewesen ist, beweist doch nur, wie Nebensächlich die wirklichen Gesangsleistungen eigentlich nur noch sind.
Ein großes Ereignis zog seit geraumer Zeit seine Kreise: Prinz Sowieso (aus der Britischen Königsfamilie) heiratet am 29.04. Ein Ereignis von anscheinend enorm großer Bedeutung; zumindest für die (Medien-)Welt, vor allem aber für Großbritannien.
Seit einigen Wochen redet man über nichts anderes mehr, die Nachrichten sind voll davon und TV-Stationen weltweit stellen heute ihr Programm um. Das „Problem“ ist, es gibt ja auch genügend Leute, die diesem (Medien-)Spektakel beiwohnen, wie gebannt vor dem Flimmerkasten hocken und die Feierlichkeit beobachten. Das Interesse an solchen Ereignissen ist generell groß, in Deutschland und auch in anderen Ländern. Ob es nun eine Hochzeit ist oder die Trauerfeier von Kings (of Pop) oder Ladies. Dies spielt keine Rolle.
Aber was ist so interessant daran? Ist es die Lust auf Sensation? Die Anteilnahme und das Bedürfnis, in irgendeiner Form dabei sein zu wollen? Oder ist es die Bewunderung des Unerreichbaren, des Prunkvollen (denn die Trauerfeiern von Lady Diana oder Michael Jackson waren auf ihre Weise ja auch prunkvoll und wurden in gewisser Hinsicht „bewundert“)?
Dass die Bewohner des Landes, in dem das Spektakel stattfindet, loyal hinter ihrem Königshaus stehen und dieser Hochzeit indirekt beiwohnen wollen, ist ja irgendwo verständlich. Dass sie am heutigen Tage nicht arbeiten müssen, darüber kann man sich streiten. Aber ist die Hochzeit von Prinz Sowieso von so großer Bedeutung für die ganze Welt?
Denn ob Prinz Sowieso heiratet oder in Hamburg ein Sack Reis umfällt – beides ist doch nur für denjenigen bedeutend, den es direkt betrifft. Oder nicht? Und das hat jetzt nichts mit Desinteresse am Weltgeschehen zu tun! Ich nehme es hin. Wundere mich nur immer wieder, dass Leute Stunden damit zubringen können, Ereignisse (ob nun negative oder positive) im Fernsehen zu beobachten. 😉
Knut ist tot – Diese Nachricht erschütterte am Samstagnachmittag eine Nation.
Doch handelte es sich hier nicht um eine (menschliche) Persönlichkeit, um die es nun zu trauern gilt: Nein, um einen berliner Eisbären, welcher am Samstag das zeitliche segnete und dessen Tod somit das Ende eines enormen Hypes bedeutet.
Angefangen hat alles am 05.12.2006. Nach dreißig Jahren konnte der Zoologische Garten Berlin die erste Eisbärengeburt verzeichnen, welche ein zunächst lokales, später auch internationales Medieninteresse wecken konnte. Doch im Gegensatz zu anderen, eher kurzlebigeren, (Medien)Ereignissen stand (und steht) Knut seit 2007 in der Gunst der Zuschauer und der Zoobesucher. Er war Attraktion, sowohl medial als auch real. Jede kleinste Neuigkeit um Knut wurde von den Medien, vor allem von der Boulevardpresse, aufbereitet und dem sensationsgierigen Publikum als Solche präsentiert.
Aber nicht nur in ausgeschweiften Reportagen und Fernsehnachrichten schlug sich das Interesse an diesem tierischen Star nieder. Auch die Stofftierindustrie witterte große Einnahmen und man konnte einen Eisbären für das heimische Wohn- oder Schlafzimmer erwerben. Der Name Knut erlangte für kurze Zeit Kultstatus, so las man in Zeitungen über neugeborene Jungen, welche nach Knut benannt wurden.
Doch jetzt, nach über vier Jahren, hat der Hype ein Ende. Am 19.03. brach Knut vor den Augen der Zoobesucher zusammen. Eine Obduktion soll nun die Todesursache klären. Da fragt man sich nur, ob dieser Aufwand bei jedem gestorbenen Zoo-Tier betrieben wird oder nur speziell bei Knut, weil das Interesse der Medien sowie der Zoobesucher an ihm enorm hoch ist?
Im Moment kann man über seinen Tod nur spekulieren. Vielleicht ist er ja vergiftet worden oder hat sich selbst das Leben genommen, weil er diesen ganzen Hype nicht mehr ertragen konnte/wollte. Er wäre unter all den „Stars“ ja schließlich nicht der Erste Star… 😉
Mit seinem Tod konnte der „niedliche“ Eisbär ein letztesmal das Interesse der Medien wecken, die dieses ‚Ereignis‘ aufzubereiten und beispielsweise als „traurige Nachricht“ wohl zu verkaufen wussten.
Jedoch war Knut nicht der erste große „Star“ unter den Tieren. Man erinnere sich: Fußball-WM 2010. Hier machte ein gewisser Paul von sich Reden. Man sagte, dieser Octopus wäre in der Lage, den Ausgang der WM-Spiele vorherzusagen. In den meisten Fällen lag dieser Paul ja richtig; wie gesagt, nur in den meisten Fällen – nicht in Allen.
Die Vorhersagen des Spielausgangs wurden, genau wie jegliche Neuigkeit über Knut, international von den Medien aufgegriffen. Krake Paul orakelte über das Ende eines jeden WM-Spiels, immer wiederkehrend, wie die Ziehung der wöchentlichen Lottozahlen. Seine falschen Prognosen sorgten für Morddrohungen; als hätten sie ihn je erreicht bzw. als hätten sie ihn überhaupt je gekümmert. Aber das Vertrauen in seine Aussagen zum Spielausgang waren enorm hoch, obwohl jeder wissen sollte, dass dies reine Willkür gewesen war. Aber irgendeinen Sündenbock für das verlorene Spiel muss es ja geben…
Wie jetzt bei Knut, so endete der Hype um Orakel Paul mit dessen Tod. Und wie auch bei Knut, war hier das Zuschauerinteresse an einem Tier äußerst groß.
Bei Paul war es das Mysteriöse, das Interesse am (eigentlich) Unvorhersehbaren. Knut war einfach Attraktion mit sehr hohem Niedlichkeitsfaktor.
Generell erwecken in fiktionalen Medienangeboten Tiere und kleine Kinder großes Interesse und sorgen für höhere Einschaltquoten. Nicht umsonst gab es „Kommissar Rex“ und nicht gerade selten wurden in Katastrophenfilmen (wie durch gewolltem Zufall) ein Haustier oder vielleicht auch ein kleines Kind in der zu verlassenen Wohnung zurückgelassen, welches (noch unbedingt) gerettet werden muss.
Doch Knut und Paul zeigen einmal mehr, dass nicht nur in unterhaltenden, sondern auch in informativen Medienangeboten sensationell Tierisches für Quote sorgen kann. Auch wenn es am Ende bloß die hochgepushte Nachricht eines Todes ist.
Und diese Nachricht, welche wichtiger nicht zu sein scheint, lässt für einen kurzen Augenblick alle wirklich drastischen News belanglos erscheinen…
Seit Anfang Januar flimmert sie über den Schirm: die neunte Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“. Mit (zum Teil) neuer Jury und insgesamt 35.000 Bewerbern versucht RTL mal wieder, uns all samstäglich zu unterhalten bzw. zu langweilen, wenn die Übriggebliebenen ihr Liedchen trällern oder versuchen, sich gegenseitig niederzumachen. Im letzten Jahr verzeichnete RTL mit der achten Staffel enorme Einschaltquoten, welche Sendungen wie „Wetten, dass“ ihren ersten Rang in der Zuschauergunst streitig machen konnten, nicht zuletzt auch durch den Finalkampf der beiden Endkandidaten, welcher im Vorfeld durch die zahlreichen RTL-Nachrichten- und Boulevardmagazine hochgepusht wurde, hervorgerufen. Spätestens seit dieser Staffel wurde klar, dass es in dieser Castingshow um alles geht, jedoch nicht mehr um gesangliche Talente.
Staffel neun knüpft hier nahtlos an. In keinem anderen Vorcasting der vorherigen Staffeln wurden so wenig Kandidaten gezeigt, wie in diesem Jahr. Im Vordergrund standen die Präsentationen der einzelnen Kandidaten mit ihren Schicksalen, Macken und natürlich auch ihren gesanglichen Leistungen. Das ganze wurde, mehr noch als in all den letzten Jahren, durch Einspielungen, Komikelemente, Musik und Geräusche untermalt, hervorgehoben oder sogar ins Lächerliche gezogen. Derartiges sind wir bereits aus „Das Supertalent“ oder früheren „DSDS“-Staffeln gewohnt, jedoch fand die überspitzte und kommentierte Darstellung der Kandidaten, welche der reinen Unterhaltung dienen soll, in diesem Jahr einen erneuten Höhepunkt. Unterstrichen werden diese Darstellungen natürlich auch von Juror Dieter Bohlen, welcher von RTL grundsätzlich als der „Poptitan“ bezeichnet wird, der mit seinen schon in die Kritik geratenen Äußerungen die Kandidaten be- bzw. abwertet. Auf das Juroren-Urteil wird im weiteren Verlauf noch eingegangen.
Unsere Sprache ist visuell geprägt: Fernsehen, auf Wiedersehen, schauen wir mal! In sehr vielen Floskeln und Phrasen verwenden wir das Wort Sehen, auch wenn viele davon nur im übertragenen Sinne etwas damit zu tun haben.
Ich beobachte immer wieder, dass sich Leute mir gegenüber oft sehr schwer tun, solche Floskeln zu gebrauchen – aber warum? Bloß, weil ich nicht sehen kann und weil sie nicht auf dieser Tatsache herumreiten möchten? Weil sie befürchten, dass ich in irgendeiner Form beleidigt oder gekränkt sein könnte?
Letzteres wäre dann der Fall, wenn ein Blinder mit seinem Handicap nicht zurecht kommen würde. Aber das ist doch nicht das Problem der sehenden Person, sondern des einzelnen Blinden. Es kann nicht sein, dass Leute nur wegen der Tatsache, dass wir nicht! sehen können, gleichzeitig auch die Sprache umkrempeln wollen, bloß um einem eventuellen Fettnäpfchen aus dem Weg zu gehen; den Rollstuhlfahrer frage ich auch, wie es ihm GEHT und nicht, wie denn das werte Wohlbefinden ist. Ich glaub, er würde mich etwas schräg anschauen.
Aber nehmen wir mal an, Menschen würden einem Blinden gegenüber komplett auf das Wort Sehen verzichten. Nehmen wir an, wir würden versuchen, jede Phrase, die irgendeine visuelle Ausdrucksform enthält, durch ein Synonym zu ersetzen. Was käme dann dabei heraus? Würde nicht so eine eigene ‚Blindensprache‘ entstehen?
Das Nicht verwenden visueller Ausdrücke gegenüber einem Blinden könnte man auch als falsche Zurückhaltung sehen. Denn dieser Umstand verdankt, dass die offene und freie Kommunikation in seiner Vielfalt zuweilen gehemmt wird.
Und das ist etwas, dass wohl niemand von uns will!
Fernseher wird zum Fernhörer?
Dies klingt wie Radio oder Telefon (Fernsprechapparat). Der Fernseher übermittelt nun einmal Bilder, egal, ob ich sie nun sehen kann oder nicht. Es ist ein feststehender Begriff. Würde man diesen ändern, so wäre es ein falsches Wort, das dem Medium nicht mehr gerecht wäre. Demnach schaut ein Blinder auch fern und hört sich nicht bloß einen Film an. Etwas verwirrend ist da jedoch die Tatsache, dass Filme, welche mit einer Audiodeskription (Bildbeschreibung) ausgestattet sind, als sog. „Hörfilme“ bezeichnet werden.
Auf Wiedersehen wird zu: Auf Wiederhören oder Auf Wiederfühlen?
Klingt komisch: Wiederfühlen? Man tastet den anderen ja nicht ab, wenn man sich erneut begegnet. Man tastet sich generell nicht ab, wenn man sich auch zum ersten mal begegnet; es mag Blinde geben, die dies durchaus praktizieren, diese bilden jedoch eine Ausnahme!
Und auf Wiederhören? Dies ist doch eine Floskel, welche eher beim Telefonieren verwendet wird. Eine persönliche Begegnung ist jedoch viel mehr als ein reines Telefonat. Man bekommt doch, auch wenn man die andere Person nicht abtastet, viel mehr von ihr mit, als wenn man nur am Telefon die Stimme hört (z. B. ein Händedruck oder eine Umarmung bei der Begrüßung). Aber kann man deswegen gleich von „Wiederfühlen“ sprechen?
Schauen wir mal, sich umschauen… werden zu: Hören wir mal? Fühlen wir mal? Sich umhören?
Sich umhören ist ein ebenfalls feststehender Begriff, der nicht meint, dass man sich im Sinne des Sehenden umschaut. Beim sich Umhören versucht man doch, explizit etwas herauszufinden, was beim reinen Umschauen ja nicht der Fall ist; Umschauen ist viel allgemeiner. Umfühlen ist ebenfalls falsch, dies würde bedeuten, dass alles und jeder abgetastet wird.
Schauen wir mal… ist ebenfalls eine Floskel, die nicht transformiert werden kann: Hören wir mal? Fühlen wir mal? Klingt komisch, da wüsste niemand etwas mit anzufangen!
Und was ist, wenn wir den Tatsachen ins Auge blicken? Oder ganz simpel einen Blick auf etwas werfen?
Wenn wir beginnen, uns in jemanden zu verlieben und ein Auge auf die Person geworfen haben?
Fassen wir dann der Tatsache ins Auge (oder etwa noch ins Ohr)? Werfen wir mit Fingern und Ohren auf etwas oder eine Person?
Eines wird anhand der wenigen Beispiele deutlich: Es hat keinen Sinn auch gegenüber blinden Menschen alles wortwörtlich zu nehmen! Auch ich verwende Floskeln, welche das Wörtchen Sehen beinhalten und tue dies auch im gleichen Umfang, als es Sehende tun. Bei mir fällt dies nur gleich wieder auf, denn ich kann ja nicht sehen. Oft stößt dies auch auf Unverständnis, warum ich denn nicht nach Alternativen suche? Aber warum?
Es sind und bleiben feststehende Begriffe. Und wir wollen nicht, dass man verkrampft nach der Nadel im Heuhaufen sucht, nach einem anderen Ausdruck – wir Blinde tun dies nämlich auch nicht!
Und wer kennt nicht den Satz, dass man nur mit dem Herzen gut sieht? Hat das Herz Augen?
Muss es ja, wenn ich doch als Blinder lieber Phrasen ohne Sehen verwenden sollte… 😉
Am vergangenen Wochenende fand im Wolfsburger Kongresspark die alljährliche Hochzeitsmesse statt, auf der ich mit meinem DJ-Gewerbe in diesem Jahr auch mit einem kleinen Infostand mit Plakaten, Flyern und Visitenkarten vertreten war.
Am ersten der zwei Messetage wurden mir Beobachtungen mitgeteilt, nach denen ich vom vorbeilaufenden Publikum oftmals angestarrt, jedoch in den seltensten Fällen angesprochen wurde. Viele nahmen sich im Vorbeigehen Flyer und Visitenkarte mit – hieran ist nichts verwerflich. Auffällig waren die Blicke vieler wohl schon. Ich schleppte jedoch auch keinen Blindenstock mit mir herum, warum auch, blieb ich doch 8 Stunden lang eh nur an ein und demselben Fleck, die klischeehafte Armbinde trage ich erst recht nicht. Jetzt könnte man aus Sicht des Sehenden argumentieren, dass sie sich vielleicht unsicher waren, nicht genau wussten, ob und wie… und deswegen so reagiert hatten. Den vorangegangenen Zeitungsartikel mit einer Ankündigung wird zudem ja auch nicht jede(r) gelesen haben.
Am Ende des ersten Messetages führte ich eine leicht hitzige Diskussion mit dem Veranstalter, der in meiner Situation die Blindheit als Aushängeschild und Marketingstrategie verwenden würde, ferner noch, er riet mir generell, die Blindheit mehr zu thematisieren, denn potentielle Kunden könnten sich verarscht vorkommen, wenn sie von Anfang an nicht gewusst hätten, woran sie bei mir sind – hierauf gehe ich im weiteren Verlauf noch ein.
Und so änderte ich für den zweiten und letzten Messetag die Plakatierung: „Blinder DJ …“ war nun auf zwei Plakaten zu lesen und das kleine zusätzliche Wörtchen verfehlte seine Wirkung nicht. Die Leute, so wurde beobachtet, blieben öfters stehen, kamen zurück, lasen erneut und, ganz wichtig, sprachen mich vermehrt an diesem Tag an. Auch die Visitenkarten und Flyer gingen hier besser weg als noch am Vortag.
Diese Story soll zur Veranschaulichung für die folgende Diskussion dienen, die gerne durch Kommentare in diesem Blog ergänzt werden kann und auch soll!
Amerikanische Krimi-, Profiler- und Actionserien sind, spätestens seit mitte der 80er Jahre und dem flutartigen Einkauf durch private Fernsehkanäle, voll im Trend. Dieser Trend hält weiterhin an, erfreuen sich doch die zahlreichen Serien großer Beliebtheit, indess deutsche Krimi-Produktionen, vor allem von jüngeren Fernsehzuschauern, eher belächelt und als langweilig abgestempelt werden. Denn bei vielen hat der allsonntägliche „Tatort“ immer noch den Status des Alte-Leute-Krimis.
Thematisch sind sich amerikanische Serien (wie z. B. „CSI“, „Law and Order“/“Law and Order New York“ oder „Cold Case“) jedoch mit denen der „Tatort“-Krimireihe und weiteren deutschen Krimiserien (z. B. aus dem Vorabendprogramm) ähnlich: Es geht um Mord, welcher aus verschiedensten Beweggründen passiert, um Vergewaltigung und um zwischenmenschliche und oftmals auch soziale Probleme. Aber irgendetwas muss es geben, das viele Fernsehkrimifans veranlasst, eher die amerikanischen Produktionen zu bevorzugen. Ist der „Tatort“, der inzwischen seinen 40. Geburtstag feiern kann, für junge Krimiinteressenten vielleicht nicht actionreich genug?
Wirft man einen ersten oberflächlichen Blick auf verschiedenste Serien, so fällt auf, dass es bei den amerikanischen Serien andere Erzählstrukturen gibt, d. h. der Episodenablauf ist hier rasanter gestaltet und Elemente wie Ton und Bild werden anders eingesetzt. Dies soll im Folgenden nun genauer erläutert werden.
Am 13.10. spielte die Darkwave-Kultformation Deine Lakaien ein grandioses Konzert in der Hamburger Großen Freiheit.
„Hello, my virtual friends!“ oder: „Auch du kennst wen im World Wide Web“
Ein paar Gedanken zu sozialen Netzwerken im Internet
Das Internet ermöglicht es uns, neben der Informations- und Datenbeschaffung, uns mit anderen auszutauschen. Entweder im persönlichen, virtuellen Gespräch in Schriftform, in Form von virtuellen, wiederum schriftlichen, Diskussionen in Foren oder im direkten Gespräch miteinander via diverse Internetdienste, die uns dies ermöglichen. Wir können über große Entfernungen hinweg mit anderen in Kontakt treten, unmittelbar und ohne lästige Zeitverzögerung, die ein mit der Post versendeter Brief nun einmal mit sich bringen würde. Wir können Fotos vom letzten Saufgelage oder Junggesellenabschied, der Klassenfete oder vom Abiturientenball austauschen oder sie am besten gleich der Allgemeinheit von Lästermäulern und sonstigen Neugierigen zugänglich machen. Ob es denjenigen, die auf den entsprechenden Bildern zu sehen sind nun recht sein mag oder nicht, wird oft auch außer Acht gelassen. Und das alles wird uns durch das Wunderwerk Internet ermöglicht, durch Web 2.0 Anwendungen, durch Plattformen wie MySpace oder den oftmals kritisierten und umstrittenen Facebook oder StudiVZ.
Solche sozialen Netzwerke (oder „Social Network Services“) ermöglichen uns das Auffinden und Kontaktieren alter Freunde und Klassenkameraden, Lehrer, Schüler, Kommilitonen, sonstiger Freunde, welche allesamt jedoch auch oftmals im selben Ort wohnen und durchaus persönlich anzutreffen wären. Manche von ihnen will man gar nicht finden und sei es auch nur im virtuellen Raum – jedoch finden sie dann uns und wollen mit uns „befreundet“ sein. Diese Services bieten uns eine Austauschmöglichkeit zu verschiedensten Themen (beispielsweise durch die „Gruppen“ auf StudiVZ), sowie weitere, interaktive Elemente und Möglichkeiten (Spiele etc.).
Realität im Fernsehen hat Hochkonjunktur. In mehr als dreißig Sendungen wöchentlich gewähren uns völlig fremde Personen einen Einblick in ihre Privatsphäre und lassen uns teilhaben an ihren Problemen, Ängsten und Sorgen. Das Genre des Reality-TV im Fernsehen boomt wie nie zuvor und vor allem die privaten Fernsehkanäle wie RTL oder RTL2 bescheren uns mit immer neuen Sendungsideen und –Formaten.
Dass was früher unter dem Siegel des Privaten der Öffentlichkeit vorenthalten wurde und was viele von uns auch niemals öffentlich einem Fremden erzählen würden, macht sich das Fernsehen zu Eigen und produziert ein fast tägliches Realitätsprogramm, welches in den meisten Fällen völlig an der Realität vorbei geht, dennoch von vielen Zuschauern sicherlich für real empfunden wird.
Realität hat Hochkonjunktur, zumindest im Fernsehen. Ein neues Realityformat folgt dem nächsten – ein Grund, einmal näher auf das Phänomen „Reality-TV“ einzugehen.
In dieser Essay- und Kommentar-Reihe sollen zunächst zwei neu gestartete Reality-Sendungen kommentiert werden, bevor abschließend am 23.08. ein größeres Essay zum Thema hier veröffentlicht wird.