Zwölf Tage blind durch den Balkan: Ein Reisebericht aus Belgrad, Sarajevo und Zagreb

Tag 7

Freitag, 20.04.2018

Tagesnavigator

Nach einer ruhigen Nacht und ohne vorab bereits geweckt zu werden begann dieser Tag. Ich verzichtete auf das angebotene Frühstück, stattdessen wollte ich mir unterwegs etwas bei eine der zahlreichen Bäckereien mitnehmen.

Alen bot mir an, mich zum Hamam zu begleiten. Als ich ihm von meinen restlichen Plänen für diesen Tag erzählte, bot er mir zudem an, sofern keine Tourbuchungen anstanden, mich nach meinem Hamam-Besuch weiter durch die Stadt zu begleiten. Diese Hilfe nahm ich gerne an – auch wenn ich es natürlich liebe, allein auf Erkundungstour zu gehen, aber hierfür würde ich noch am letzten Tag in Sarajevo genug Zeit haben.

Etwas, das mir während der Tour am ersten Tag in Sarajevo bereits aufgefallen war, bestätigte sich auf unserem Weg zum Hamam. Nicht nur die Italiener fluchen und schimpfen, was das Zeug hält! Scheinbar auch in den Balkanstaaten steht man, was diese Vorliebe anbelangt, den Leuten aus Italien um nichts nach. „Be careful, somebody’s Scheißkarre is parking on the sidewalk“ – war nur ein harmloses Beispiel.

Ebenfalls auf dem Weg zum Hamam liefen wir an einem Trinkbrunnen vorbei. Man erzählt sich, dass jeder, der aus diesem Brunnen trinkt, irgendwann einmal wieder nach Sarajevo zurückkehren wird – komme, was wolle. Nun, ich bin überhaupt nicht abergläubig, aber aus dem Brunnen getrunken habe ich trotzdem nicht. Ich habe in der Vergangenheit – auch in meinen Reiseberichten – schon des Öfteren erwähnt, dass ich diesen oder jenen Ort unbedingt noch einmal besuchen wolle… daraus geworden ist dann bislang nichts, zu viele weitere, spannende Orte gibt es zu entdecken, als dass man an den vorherigen Urlaubsort zurückkehrt. 😉

Mein Besuch im Türkischen Dampfbad war sehr entspannend und eine Abwechslung zu der Action der letzten Tage. Auch wenn es nicht ganz dem entsprach, was ich im Internet (z. B. im einem Artikel über Istanbul im Abschnitt „Hamam“), an Beschreibungen fand – der Besuch des Wirlpools, des Dampfbades sowie die abschließende Massage waren auf jeden Fall ihr Geld wert. Während des gesamten Aufenthaltes stand mir ein Mitarbeiter zur Seite, der mich in den jeweiligen Raum führte und mir diesen kurz erläuterte. Da ich natürlich keine Badesachen dabei hatte, wurden mir Handtücher und ein Tuch, welches ich mir quasi als Badehosenersatz umbinden sollte, vom Hamam gestellt.

Nach rund anderthalb Stunden verließ ich das Hamam wieder. Alen war gerade mit einer anderen Gruppe auf einem Rundgang unterwegs und sammelte mich quasi im Vorbeigehen ein. Nach dem Ende des Rundganges ging es für mich auf kleine Shoppingtour, bei der Alen mir (quasi als Übersetzer) helfend zur Seite stand.

Nach einem ausgedehnten Bummel durch Bascarsija und dem Kauf kleinerer Souvenirs und der für mich obligatorischen CDs, ging es zunächst zurück ins Hostel. Gegen 18:00 Uhr wollte ich jedoch noch mal los, rauf zur „Yellow Fortress“, der Festungsruine, welche sich ca. 200 M über der Stadt auf einem Hügel befindet, um bei Sonnenuntergang ein paar Panoramaaufnahmen von Sarajevo zu machen.

Zuvor setzte ich mich noch in ein nahe der Herberge gelegenes Café, mein Magen knurrte und so wollte ich vor dem Fußmarsch nach oben noch eine Kleinigkeit essen. Da die Zubereitung der Kleinigkeit jedoch viel Zeit inanspruch zu nehmen schien, ließ ich mir mein Sandwich kurzerhand einpacken und nahm es mit. Alen, der mich auch hier wieder begleiten wollte, drängte etwas zur Eile, denn gegen 18:15 Uhr sollte die Sonne langsam untergehen.

Nach einem recht anstrengenden, steilen Aufstieg genossen wir noch die letzten Sonnenstrahlen meines vorletzten Tages in Sarajevo – und das mitgebrachte Sandwich.

Panoramablick 1 Panoramablick 2

Nach dem Abstieg lud ich Alen noch zum Abendessen ein, quasi als Dankeschön für seine Zeit und Mühen. Wir besprachen grob meine Pläne für den kommenden Tag. Dieses Mal lehnte ich jedoch die Hilfe, mir jemanden zu suchen, der mich begleiten sollte, ab. Ich wollte einen Tag lang in Sarajevo wieder das Abenteuer genießen, schauen, wie die Menschen hier mit der Situation Blindheit umgehen würden etc. Alen akzeptierte meine Entscheidung, bot mir dennoch an, mich zumindest zur Tramhaltestelle zu bringen und dem Fahrer zu sagen, wo ich aussteigen müsse. Dieses Angebot nahm ich jedoch an.

Nach dem Abendessen besuchten wir noch einen Freund Alens, welcher ein kleines Café ganz in der Nähe der Jugendherberge betrieb. Bei einer hausgemachten Kiwilimonade ließen wir diesen Tag gemeinsam ausklingen.

Tagesnavigator


Ein Gedanke zu „Zwölf Tage blind durch den Balkan: Ein Reisebericht aus Belgrad, Sarajevo und Zagreb“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.