Zwölf Tage blind durch den Balkan: Ein Reisebericht aus Belgrad, Sarajevo und Zagreb

Tag 9: Erster Tag in Zagreb

Sonntag, 22.04.2018/h4>

Tagesnavigator

Mit rund 45 Minuten Verspätung traf ich am Busbahnhof Zagrebs ein und wurde auch bereits von Edu erwartet, welcher mich zur Jugendherberge fahren sollte. Zuvor nutzte ich die Gelegenheit und hob an einem Automaten etwas Kroatisches Geld ab.

Nach ca. zehnminütiger Fahrt kamen wir am Hostel an – ein altes, zweistöckiges Reihenhaus inmitten einer Wohnsiedlung. Igor, der Chef des Hostels, welcher auch akzentfrei Deutsch sprach, empfing mich herzlich und führte mich zunächst in die Rezeption. Mein Zimmer war zu dieser Zeit noch besetzt und draußen war es doch sehr frisch, um dort zu warten. So machte ich es mir in einem Sessel bequem, nutzte die Gelegenheit, die Berichte der letzten beiden Tage zu tippen und so verging die Zeit bis zum eigentlichen Check in wie im Fluge.

Eine Herausforderung war es, jemanden für eine private Stadtführung zu finden. Denn wie auch in den ersten beiden besuchten Städten wollte ich an einer individuellen Tour teilnehmen, um besser Fotos oder Videos machen zu können. Igor hatte sich im Vorwege zwar bereits erkundigt gehabt, fand auf die Schnelle aber nur einen Tourguide, welcher 150 Euro für die Tour aufrief – der pure Wahnsinn. Nach etwas Recherche und einige Telefonate später fand Petra, eine weitere Rezeptionistin, jemanden, der bereit wäre, mich für rund die Hälfte des Geldes für zweieinhalb Stunden durch die Stadt zu führen. Ich willigte sofort ein und verabredete mich mit Daria für 17:00 Uhr vor dem Reiterstandbild am Hauptplatz.

Die Zeit bis dahin nutzte ich, um einfach etwas auszuspannen. Ich setzte mich zu anderen Mitbewohnern der Herberge in den Garten und traf dort unter Anderem auf Dan, in Australien geboren, aber mit Deutschen Wurzeln – wie er mir, auf Deutsch, berichtete. Er und noch drei andere waren sogenannte Volontäre des Hostels, was bedeutet, dass sie unentgeltlich dort wohnen dürfen, sich jedoch im Haus nützlich machen mussten, sei es als „Hausmeister“, in der Rezeption oder bei künstlerischen Aktivitäten – Mali Mrak beinhaltet sehr viel Kunstobjekte von Gästen, ob Wandmalereien, Zeichnungen, welche an die Türen geklebt wurden oder weitere, ähnliche Dinge.

Gegen 15:00 Uhr entschied ich mich, bei einem nahegelegenen Mazedonischen Restaurant etwas zu essen. Dan leistete mir Gesellschaft; er wollte mich nach dem Essen zudem mit der Tram bis zu meinem Treffpunkt für die Stadtführung am Hauptplatz bringen. Zu Essen gab es einen Eintopf mit Fleisch, Gemüse und Kartoffeln, serviert mit leicht gesalzenem Brot – also ähnlich dem Gericht, welches ich bereits in Sarajevo probiert hatte. Auch hier schmeckte es vorzüglich.

Gesättigt machten wir uns auf dem Weg zur Tramhaltestelle, welche nur wenige Gehminuten vom Hostel entfernt war. Drei Linien starteten von hier, eine gute Grundvoraussetzung also, um schnell in die Stadt zu gelangen. Dan besorgte die Tickets, die man entweder an Kiosken der direkt beim Fahrer kaufen kann und nach dem Einstieg an der vordersten oder hintersten Tür an einem Automaten entwerten muss. Mit der Zeitfahrkarte von umgerechnet 50 Cent kann man eine halbe Stunde fahren, vollkommen ausreichend, um das Stadtzentrum erreichen zu wollen.

Aufgrund eines Radrennens musste unsere Tram eine Umleitung fahren und konnte einige Haltestellen – auch meine Zielhaltestelle – somit nicht anfahren. Dan erkundigte sich nach dem richtigen Weg zum Hauptplatz und brachte mich noch zum RIESIGEN REITERSTANDBILD; UNTER DESSEN SCHWEIF SCHON DARIA AUF MICH WARTETE:>/p>

In rund zweieinhalb Stunden erkundeten wir viele Orte der Alt- bzw. auch Oberstadt, liefen an der Kathedrale und der St. Markus Kirche entlang, durch das einzige erhalten gebliebene ehemalige Stadttor und fuhren am Ende wieder mit der Stadtseilbahn, welche die steilste in Europa sein soll, nach unten. Die Tour startete jedoch an einem Stadtplanrelief, an dem nicht nur Sehende sehr gut den Aufbau der Innenstadt nachvollziehen können. Etwas Ähnliches findet sich ja auch in Hamburg. Wer es nicht kennt, der findet den taktilen Stadtplan am Rathaus (U/S Jungfernstieg, Ausgang Rathaus).

Und noch eine Besonderheit begegnete mir bei meinem Rundgang. Hinter dem alten, noch verbliebenen Stadttor befinden sich Straßen, die abends noch durch Gaslampen erhellt werden. Dieser Aufbau stünde quasi unter Denkmalschutz und so muss allabendlich jemand hier hinaufkommen, um die Laternen anzuzünden. Wir hatten Glück: Gerade, als wir dort eintrafen, wurden die Lampen angezündet und ich konnte diese für mich einmalige Gelegenheit nutzen, um auch ein paar Videos zu machen.

Gemeinsam mit Daria überlegte ich, wie ich die nächsten beiden Tage in Zagreb gestalten könnte. Ich wollte den Dolac, den größten täglichen Markt in Zagreb, besuchen. Daria empfahl mir jedoch, dies am Dienstag zu tun, da Montags viele Verkaufsstände fehlen würden. Vom Dolac aus wäre es dann auch nicht mehr weit in die Fußgängerzonen, um auch hier CDs oder Souvenire zu kaufen und zum Turm mit der Kanone, die jeden Tag um 12:00 Uhr abgefeuert wird. Für morgen (also Montag) müsste ich mir also etwas anderes überlegen, da auch viele Museen am Montag geschlossen seien. Vielleicht mal einen Tag wirklich nur nichts tun, ausspannen, vielleicht sich in einem der zahlreichen Parks setzen, etwas lesen oder in einem der zahlreichen Cafés der Fußgängerzone das Treiben beobachten? Ich würde dies spontan am nächsten Morgen entscheiden.

Daria brachte mich noch zurück zum Hauptbahnhof, von hier aus nahm ich die Tram Nr. 6, welche mich fast bis vor die Haustür des Hostels fuhr. Von unterwegs rief ich dort an und fragte, ob mich jemand von der Haltestelle abholen könte, denn der Weg war auf Anhieb nicht ganz so einfach zu finden. Und so endete dieser Tag bereits recht früh. Nach dem ich mich noch ein paar Minuten zu den Anderen in den Garten gesetzt hatte, verabschiedete ich mich bereits gegen 21:00 Uhr und ging zu Bett. In der Nacht zuvor hatte ich im Bus kaum schlafen können…

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