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Gedanken-Gänge II: Frühreife Früchtchen oder: Wenn Kinder nicht mehr Kind sein dürfen

Letztens in der Bahn erzählte ein ca. 10jähriges Mädchen ihrer Mutter, dass sie jetzt mit einem Jungen aus ihrer Klasse „zusammen“ sei, „also so richtig“. Dies veranlasste mich zu diesem kleinen Artikel…

Die Kindheit verschwindet – das hatte seiner Zeit schon Neil Postman festgestellt und ein ganzes Werk darüber verfasst. Postman gab jedoch vor allem dem Einfluss der Medien, vorrangig dem Fernsehen, die „Schuld“ an der verschwundenen Kindheit. Doch stimmt das wirklich?
Zugegeben liefern Medienangebote genügend Anhaltspunkte für die kindliche Orientierung, aber kann das ganze Übel der verschwundenen Kindheit auf das Fernsehen und seine Angebote zurückgeführt werden?

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Visuelle oder erzählerische Unzuverlässigkeit im Kinderfernsehen?: Eine exemplarische Untersuchung am Beispiel der Zeichentrickserie „He-Man and the Masters of the Universe“

Die folgende Ausarbeitung entstand im Rahmen eines Projektseminars an der Universität Hamburg, welches sich mit erzählerischer Unzuverlässigkeit in Literatur und audiovisuellen Medien auseinandersetzte. Diese Projektarbeit diente auch als Vorbereitung zu meiner Masterarbeit, welche sich mit der Unterhaltung im Kinderfernsehen der 1990er Jahre auseinandersetzte.

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Gedanken-Gänge I – „Senk ju forr träwweling…“ oder: Die Bahn kommt

Gedanken-Gänge – eine neue Kurztextreihe, welche ich in unregelmäßigen Abständen hier veröffentlichen möchte. Es sind, wie der Name schon verrät, Gedankengänge, kurze Skizzen zu verschiedensten Themen, die mich beschäftigen bzw. beschäftigt haben. Den Anfang macht ein z. T. leidiges Thema, nämlich die Deutsche Bahn.

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Hinter den Kulissen einer Service-Wüste: Buchrezension zu Nils Mohl’s „Kasse 53“

Ein spannend, ironisch, lustig, interessant, informativ geschriebener Roman.

Der Leser bekommt einen kleinen Eindruck in den Alltag eines Kaufhauskassierers (im Übrigen ohne Namen).

Der Wochenalltag des Kassierers hinter der „Kasse 53“ wird auf rund 200 Seiten geschildert. Im Grunde spielt sich tagtäglich das selbe Szenario ab, nur wird an jedem Tag wieder ein neues Detail gefunden, welches es zu beschreiben gilt – und beschrieben wird hier so einiges und das nicht zu knapp. Die Schilderungen und Beschreibungen sind detailreich, ähneln oftmals einer Aufzählung, einer langen Kette von Eigenschaften und Vergleichen. Aber diese ausführlichen Beschreibungen und Aufzählungen lassen ein Bild der Personen, der Gegenstände oder der Umgebung im Kopf des Lesers entstehen. Sei es bei den unterschiedlichsten Kunden, die dem Leser begegnen oder die Landschaft auf dem Nach-Hause-Weg des Protagonisten. Apropos: Die
Informationen über den Mann hinter der Kasse Nr.53 sind dürftig. Wir erfahren nicht viel oder vielleicht doch? Bei „Kasse 53“ muss man ein wenig genauer hinschauen, denn jeder Blick zwischen die Zeilen lohnt sich; am Ende formt sich ein kleines Bild des Kassierers im Kopf des Lesers.

Aber nicht nur bei ihm lohnt sich ein ausführlicher Blick. An so vielen Stellen wird sich der eine oder andere Leser sicherlich wiedererkennen. Entweder als einer der freundlichen, unkomplizierten Kunden oder als jemand, der die Kartennummer oder das ganze Portemonai vergessen, dem ein Missgeschick passiert ist oder der sich sonst irgendwie auffällig verhält. „Kasse 53“ ist nicht _nur_ein_Roman_, sondern auch Tatsachenbericht zugleich. Hierfür reicht ein Blick in die eigene Vergangenheit (EC-Karte vergessen und Einkäufe bereits eingescannt o. Ä.) oder der Blick nach Vorne zur Kasse, wenn man wieder einmal in der Schlange ansteht und wartet, weil eine Kundin den Inhalt ihrer Handtasche über den Tresen verteilt hat.

Zur Erzählstruktur: Vielleicht etwas verwirrend.

Einen Erzähler, welcher in der ersten und dritten Person das Geschehen schildert kennt jeder, persönliche Ansprachen sind jedoch eher seltener in der Unterhaltungsliteratur zu finden. Die Erzählperspektive wechselt in
regelmäßigen Abständen zwischen den eben genannten Instanzen. „Ich“, „du“ und „der Kassierer“ und niemand nennt einen Namen, aber warum auch, eigentlich brauchen wir den auch gar nicht.

Und da geht noch mehr: Es wechselt nicht nur die Erzählweise, sondern auch die Form des erzählten Inhalts. Mal wird vom Kunden berichtet, vom Kollegen erzählt oder einfach der Kassenabschluss, der Weg nach Hause, zum Bahnhof,
der Sonntagmorgen zu Hause geschildert. Und der Kassierer philosophiert, über das Leben, die Kunden, die Frauen, Bedürfnisse, Kollegen und ihre Angewohnheiten; einfach über was man so nachdenkt. Manchmal abwägig, dennoch
immer am Alltag orientiert und nie zu abstrakt, so dass man den Gedankengängen gut folgen kann. Der Leser hat so am Leben (außen als auch
innen) des Kassierers teil. Einerseits – wie oben geschrieben – zwar distanziert, aber dennoch nah. Nicht immer weiß man, warum der Protagonist
etwas tut, warum er beispielsweise seinen Kollegen verfolgt.

Fazit oder: Was teils kompliziert auseinandergenommen wurde, kann man auch kürzer Fassen:

„Kasse 53“ ist ein sehr unterhaltsamer Roman mit hohem persönlichen Wiedererkennungswert. Ist man am Ende angekommen, so stellt man
fest, wie rasend schnell doch eine Woche verflogen ist. Und verlief diese Woche gut, gab es schöne, lustige, aufregende, spannende Augenblicke, so möchte man gerne noch einmal die Zeit zurückblättern und die Woche von vorn beginnen lassen.

 

Rezension wurde verfasst am 27.02.2008

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Deutschland auf der Suche … Die Castingsaison hat begonnen!

Seit Ende August ist es wieder so weit – RTL’s Suche nach dem neuen „Supertalent“ eröffnet die diesjährige Casting-Saison.

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Allgemein

Bestimmt nur der DJ allein den Beat?

Seit drei Jahren bin ich nun bereits als DJ in Hamburg und Wolfsburg unterwegs und konnte schon die eine oder andere Feier bzw. Party musikalisch begleiten. Ich habe mich dabei stets an den Wünschen und Vorgaben meiner Auftraggeber orientiert und nicht, wie es mir so oft in den drei Jahren berichtet wurde, allein auf meinem Musikgeschmack konzentriert.

Es ist erstaunlich: Auf fast jeder Feier fand ich einen Gast, welcher mir von schlechten Erfahrungen mit einem DJ auf einer Feier berichten konnte. Dabei wurde meist kritisiert, dass der DJ meist nur „seine“ Musik gespielt und sich nicht auf die Wünsche der Gäste eingelassen hat.
Da stellt sich einem die Frage: Gibt es in unserem Berufszweig so viele Eigenbrödler?

Und in der Tat scheint es eine gewisse Arroganz unter einigen DJ-Kollegen zu geben. Dies bestätigt sich auch in einem neuen House-Track, welcher kürzlich veröffentlicht wurde: „Jukebox Bitch (I’m not your Jukebox)“ heißt dieser Titel, der genau diese Einstellung verkörpert. Nicht der „Kunde ist König“, sondern scheinbar der DJ. Er allein bestimmt den Beat.

Zwar scheint sich der genannte Track vornehmlich an die Clubs zu richten und auch im Sinne der Club-DJ’s zu sprechen, dennoch frage ich mich, ob derartige Arroganz auf Privatpartys nicht völlig Fehl am Platz ist? Denn auch dort scheint das Motto „Der DJ bestimmt den Beat“ häufig praktiziert zu werden.
Anscheinend fühlen sich einige Kollegen in ihrer Arbeit gestört, wenn Gäste das vorher geplante Set durch Musikwünsche aus dem Gleichgewicht bringen?

Natürlich experimentiere ich auch gern, vor allem dann, wenn ich wenig Vorgaben habe oder man mir freie Hand lässt. Dies gilt aber in erster Linie für Einsätze in Bars etc. Auf privaten Feiern sollte man, so meine Ansicht, seinen persönlichen Geschmack, ein wenig, zurückstellen; man möchte ja auch zukünftig weiterempfohlen und weiter gebucht werden.

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Artikel und Essays Medien Projekte

Kinderfernsehen der 90er Jahre. Ein Gespräch mit Wolfgang Buresch (Hamburg) vom 24.03.2010

Wolfgang Buresch, Puppenspieler, Autor, Regisseur, Fernsehredakteur aus Hamburg, schreibt und produziert seit vierzig Jahren Kindersendungen für das öffentlich-rechtliche Kinderfernsehen. Im Rahmen meines Forschungsprojekt zum Kinderfernsehen der 90er Jahre und zur Unterhaltung im Kinderfernsehen führte ich am 24.03.2010 ein ausführliches Interview, in welchem es u. a. um die Veränderungen im Kinderfernseh-Sektor, um die Gewaltdiskussion bzgl. des Kinderfernsehens in den 90er Jahren und um Entwicklungen und Tendenzen zukünftiger Kinder-Fernseh-Programme.

An dieser Stelle danke ich Wolfgang Buresch noch einmal für dieses ausführliche und sehr interessante Gespräch.

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„Wer hören will, muss suchen“: Warum es kaum Musikvielfalt im kommerziellen Rundfunk gibt

Der folgende Beitrag entstand 2007 im Rahmen eines Seminars („Einführung in die Meidne: Radio“) an der Universität Hamburg. Es handelt sich hierbei um eine Hausarbeit, für dessen Veröffentlichtung in diesem Blog der Text nochmals um einige Zitate und Quellen erweitert wurde.

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Auditives Erzählen: Eine Erzählstrukturenanalyse am Beispiel der Buchvertonung von Tad Williams’ „Otherland“

Die folgende Hörspielanalyse entstand im Rahmen eines Seminars zum Thema „Erzähltheorien und Medien“ im Sommersemester 2010 an der Universität Hamburg.

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Bildung durch Fernsehen?!

Fernsehen macht dumm. Im Fernsehen lernt man nichts? Eine Aussage, die es erstmal zu beweisen gilt.

Ganz stupide betrachtet, bietet das Fernsehen genügend Wissen, einfach verpackt, in verdaulichen Häppchen, tagtäglich, in zahlreichen Sendungen. Hier sehen und lernen wir Dinge fürs Leben! Dass das Fernsehwissen auf Dauer schädlich sein kann (Stichwort Stereotype Menschenbilder, Vorurteile, Klischees etc.), sei bei der folgenden Betrachtung außenvor gelassen.

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RTL NITRO – Ein Programm für Helden oder für Wiederholungstäter?

Am 01.04.12 startete RTL seinen schlechten Aprilscherz: RTL NITRO.

Was das ist? In knappen Worten: Die Antwort auf „Sixx“, nämlich ein auf die männliche Zielgruppe zwischen 20 und 59 Jahren ausgelegter Fernsehsender, welcher via DVBC, DVBS und IPTV zu empfangen ist.

Was er bietet? Laut Werbespruch „Fernsehen für Helden“, doch bietet das Programm im Grunde nicht viel neues. RTL verwertet wiederkäuend die Archivbestände an Sitcoms, US-Amerikanischen und Deutschen Krimiserien, Pseudo-Dokus und Actionfilmen. Klassiker wie „Knight Rider“, „Wer ist hier der Boss?“, „Quincy“, „Law and Order“ oder die bereits aus dem RTL-Programm bekannte Serie „Alarm für Kobra 11“ oder die Pseudo-Doku-Soap „Die Trovatos“ flimmern in regelmäßigen Wiederholungen und Doppelblöcken über den Fernsehschirm. Lediglich die Serien „Modern Family“, „Nurse Jackie“ sowie „Jerry Bruckheimer’s Chase“ erleben hier ihre Deutsche Erstausstrahlung.

Für Nostalgiker und Liebhaber von Krimi-, Action- und Sitcomserien dürfte dieser Sender (vielleicht) ein Dazugewinn in der Masse der Kanäle sein. Doch hätte man, anstatt wieder die üblichen Verdächtigen „CSI Miami“, „Knight Rider“ oder „Law and Order“ sowie „Alarm für Kobra 11“ auszustrahlen, nach interessanteren Alternativen suchen können. Denn ob man gleich zu Sendestart mit einem Haufen Wiederholungen beim zu gewinnenden Publikum punkten kann?
Die Zeit und die Quoten werden es zeigen, ob das Konzept hinter RTL NITRO aufgehen wird oder nicht.

Nähere Infos auch unter: http://www.rtlnitro.de

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Blindsein heißt nicht, blind zu sein

Blindsein heißt nicht, blind zu sein – zugegeben, ein Titel, der anfangs ein wenig verwirren dürfte. Sollte es sich dabei um eine Anspielung auf den „Kleinen Prinzen“ und dem wohl bekanntesten Satz „Man sieht nur mit dem Herzen gut“, handeln? Keineswegs!

Es geht um blinde Menschen, um das was sie tun, nicht tun, was andere denken, was sie tun sollen und dürfen und vor allem auch darum, was sie selber über andere blinde Menschen denken, was diese tun könnten oder sollten.

Denn ich musste in den letzten Jahren, vor allem, seit ich in Hamburg mein Medienstudium begonnen und dadurch bedingt sehr viel mit Sehenden zu tun habe, immer wieder feststellen, dass es, vor allem in Blindenkreisen, Dinge gibt, die schnell als ‚unmöglich‘ abgetan werden. Entweder aus eigener Erfahrung (durch Unterhaltungen und dem Austausch mit anderen Blinden), durch die Berichte anderer Blinder, deren Tun schnell kritisiert wurde oder jüngst durch einen diskutierten Werbespot.
Auch durch meine Arbeit beim „Dialog im Dunkeln“ hier in Hamburg wurde ich oft mit der Frage nach dem ‚typischen Blinden‘ konfrontiert. Gibt es ihn oder anders: gibt es das typische Verhalten blinder Menschen? Ich kann hierüber kein Urteil abgeben, dazu müsste man zudem blinde Menschen ausführlichst zu ihrem Leben, ihrem Alltag und ihren Ansichten befragen! Ich kann aber das wiedergeben, was mir zugetragen wurde und natürlich auch aus eigenen Erfahrungen sprechen. Dieser Text spiegelt vor allem persönliche Einstellungen und Gedanken wieder – es ist traurig, dass ich so etwas extra als Hinweis anführen muss, aber es gibt immer wieder Menschen, die man förmlich an die Hand nehmen und denen man sowas vorab erklären muss, sonst fühlen sie sich persönlich angegriffen und es hagelt Kritik.

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Mediale Verkupplung: Von „Herzblatt“, „Schwiegertochter gesucht“ und Konsorten

Im oder mit dem Fernsehen sucht man, mit dem und im Fernsehen findet man: Hilfe.
Für verschiedenste Lebenslagen hält das Fernsehen als informierenden, bildenden oder unterhaltenden Begleiter etwas parat. Ob nun in passiver Form, so zum Beispiel in zahlreichen Ratgeber-Formaten, oder in aktiver Form, bei der der Zuschauer die Möglichkeit hat, selber als Hilfesuchender am Geschehen teilzunehmen (geschieht unter Anderem in „Bauer sucht Frau“, „Kochprofis“ oder „Supernanny“). Jedoch erhoffen sich Zuschauer auch bei letzterer Gruppe Anregungen für ihre derzeitige Alltagssituation zu finden.

Das Fernsehen begleitet und hilft, jedoch nicht, ohne die eigenen Interessen (Quote, Verkauf von Werbeplätzen etc.) in den Schatten zu stellen. Zwar sind persönliche Schicksale auf der einen Seite interessant, jedoch kann aus ihnen weitaus mehr für die televisionäre Unterhaltung, denn für mehr taugen die Inhalte vieler „Personal Help Shows“ oftmals nicht, herausgeholt werden. Das Fernsehen bedient sich dabei der Emotionen, sowohl der Teilnehmenden als auch der Zuschauer, um die Bedürfnisse (Quote, Werbeeinnahmen vs. Hilfe, Veränderung einer Situation, Sensationslust, Wunsch nach Unterhaltung) zu befriedigen. Dass man dabei noch Menschen helfen kann, obwohl sicherlich ein Teil der Shows bis in die letzte Minute gescriptet sein dürfte, ist ein positiver Aspekt, den sich die Sender auf ihre Fahnen schreiben können.

Eine der wohl ältesten Formen, Menschen im Fernsehen zu „helfen“, dürften die Verkupplungsshows sein, welche sowohl im öffentlich-rechtlichen als auch im privaten Fernsehen vorzufinden sind. Als Klassiker in diesem Bereich zählt unumstritten „Herzblatt“, eine Produktion des Bayerischen Rundfunks, welche knapp neunzehn Jahre in der ARD ausgestrahlt wurde. Aktuell sind es jedoch vor allem die privaten Fernsehkanäle, welche mit zahlreichen „XY sucht …“ -Formaten im Vorabend und Prime-Time-Programm mit den Wünschen der Teilnehmenden spielen und sie sich zu Nutze machen.

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Von Facebook und Datenklau oder: Früher war’s auch nicht besser

Schon seit Längerem sorgen Plattformen wie Studi- bzw. Mein VZ oder Facebook für Schlagzeilen. Zumeist ging es hier um das Weiterverwerten und Weiterverkaufen von persönlichen Daten, das Verwenden von privaten Bildern etc, was vor allem von Datenschützern beklagt wird.
Diese Schlagzeilen und die enorme Medienpräsenz sorgten jedoch auch dafür, dass den Nutzern solcher Plattformen eigentlich bewusst wurde, wie sie mit ihren persönlichen Daten und Aktivitäten umgehen könnten. Dies hat seit einiger Zeit zur Folge, dass viele auf Facebook ihre Namen ändern: entweder man sucht sich ein komplett neues Pseudonym oder man verunglimpft seinen eigenen Namen, sodass Aus Hansi Meier dann „Han Si“ wird, nur um vermeintlich anonym weiterhin solche Portale nutzen zu können und um dem Datenklau zu entgehen.
Aber ist diese Hysterie überhaupt begründet?
Dies fragte ich mich bereits, als Menschen im vergangenen Jahr wegen der Zensusbefragung auf die Barrikaden gehen wollten – und diese Frage stelle ich mir bei der FB-Diskussion weiterhin.

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Was Blinde sehen: Ergebnisse einer Befragung zum Fernsehkonsum bei blinden Menschen zwischen 20 und 49 Jahren

„Was Blinde sehen“ – diese Headline dürfte beim Sehenden Lächeln und Verwunderung zugleich auslösen. Zunächst wegen der Wortwahl: Es geht zwar um Fernsehen, aber Blinde sehen doch nichts. Also hören sie fern, so die Logik des Sehenden. Fern-Hören klingt komisch. Der Fernseher wäre somit Fern-Hörer und dies erinnert an die alte Bezeichnung für Telefon: Vernsprechapparat. Das bedeutet, dass Blinde feststehende Begriffe nicht umschreiben würden, bloß weil eine Kleinigkeit im Begriff nicht auf sie zutrifft.

Nun zum Fernsehen an sich. Dass blinde Menschen fern schauen, scheint für viele Sehende unlogisch, denn um einen Film oder den Inhalt einer Serienepisode verstehen zu können, braucht es nun einmal das Sehen der Bilder. Aber tut es das wirklich? Denn im Hörspielsektor gab und gibt es Produktionen, welche ohne einen Erzähler auskommen – man denke vor allem an die alten Krimiklassiker aus den 50er und 60er Jahren. Warum soll man somit nicht auch blind fernsehen können? Es gibt ja schließlich einige Filmangebote im TV, die mit einer akustischen Bildbeschreibung ausgestattet sind. Jedoch ist dieses Angebot lediglich Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen zu finden und deckt bei weitem nicht die komplette Palette an Sendungsgattungen und Filmgenres ab.

Es gibt in der Kommunikationswissenschaft bislang nur unzureichende Ergebnisse über den Fernsehkonsum Blinder. Zwar wurde festgestellt, dass auch blinde Erwachsene fern schauen, jedoch beschränkte sich diese Studie ausschließlich auf die „Spezialangebote“, also die eben genannten „Hörfilme“.

Doch nutzen blinde Menschen noch weitere Fernseh-Angebote? Wozu dient das Fernsehen: Zur Unterhaltung, zur Entspannung oder zur Informationsbeschaffung?

Diesen Fragen bin ich im Rahmen einer Studie nachgegangen. Im Zeitraum von März bis Oktober 2011 habe ich blinde Menschen zwischen 20 und 49 Jahren mittels Online-Fragebogen zu ihrem Fernsehkonsum befragt. Insgesamt gab es 101 Teilnehmer, davon waren 43,6% weiblich und 32,7% männlich, 23,8% wollten darüber keine Angabe machen. Von den Befragten waren 37,6% arbeitstätig, jeweils 10,9% Azubis bzw. Studenten, 8,9%arbeitssuchend und noch 3% Schüler.

Über die Hälfte der Befragten gaben an, regelmäßigen Zugang zu einem Fernseher zu haben sowie ihn auch (fast) täglich einzuschalten. Was den Sehenden vielleicht verwundern mag: Auch unter den blinden Menschen gibt es auch sog. Vielseher, Zuschauer, die mehr als 4 Stunden am Tag fern schauen (7,9%).

Was die Sendungsfavoriten anbelangt, so lagen GZSZ, K11, Wer wird Millionär oder Tagesschau, Tatort und CSI sehr hoch im Kurs. Die favorisierten Sender sind somit ARD, RTL, ZDF, Sat.1, ProSieben. Bei den Genres und Formaten waren es vor allem Nachrichten, Daily Soaps, Quizsendungen, Reality TV oder Spielfilme.

Das Fernsehen dient zu gleichen Teilen der Information, Unterhaltung und Entspannung. Mehr als die Hälfte der befragten gab an, das Fernsehen auch vorwiegend zur Informationsbeschaffung zu nutzen. Sie schalten gezielt den Fernseher ein, um bestimmte Sendungen zu schauen.

Fernsehinhalte sind nur manchmal Gesprächsthema unter blinden Zuschauern, wobei der Austausch sowohl unter Blinden als auch mit Sehenden erfolgt und sich nur wenige der Befragten wünschen würden, sich jeweils mit der anderen Personengruppe (Blinde vs. Sehende) mehr über das Gesehene auszutauschen.

Es ist den blinden Zuschauern wichtig, sich die Bilder am Fernsehschirm beschreiben zu lassen. Das aktuelle Angebot an Sendungen mit Bildbeschreibungen wird von den Befragten mit der Durchschnittsnote 3 bewertet.

Neben dem Fernsehen greifen blinde Mediennutzer jedoch auch auf andere Medien zurück. 69,9% der Befragten nutzen (fast) täglich das Internet, 66,4% hören (fast) täglich Radio, nur wenige greifen auf Zeitungen und Zeitschriften zurück, hingegen sich Hörbücher großer Beliebtheit erfreuen (34,7% (fast) tägliche Nutzung). Auch wenn blinde Rezipienten Spielfilme, Fernsehkrimis, also fiktionale Angebote, im Fernsehen anschauen, so gehen sie selten ins Kino (14,9% einmal im Monat, 56,4% seltener). Die Möglichkeit, sich Filme auf DVD oder VHS anzuschauen, wird von 26,7% der Befragten mehrmals im Monat, von 32,7% noch seltener genutzt.. Vermutlich ist das geringe Hörfilmangebot im Kino und auf DVD der Grund für die geringe Kino- und DVD-Nutzung.

Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass blinde Menschen zwischen 20 und 49 Jahren das Fernsehen in fast dem gleichen Umfang nutzen wie Sehende. Bei der Auswahl der Sendungen und Sender gibt es ähnliche Präferenzen. Das Gesehene ist auch unter Blinden Gesprächsthema. Fernsehen dient vorwiegend der Unterhaltung und Information. Nur wenige der blinden Fernsehnutzer könnten komplett auf die Flimmerkiste verzichten (23,8%).

Diese Ergebnisse decken sich mit den Erkenntnissen aus einer Nutzungsstudie von 2009, welche sich mit dem Fernsehkonsum blinder Kinder auseinandersetzte und ebenfalls bewies, dass auch bei blinden Menschen das (visuelle ausgerichtete) Medium Fernsehen eine nicht unbedeutende Rolle spielt. Für den Sehenden lässt sich daraus schlussfolgern, dass blinde Menschen ihren Medienalltag nicht anders gestalten, als sie selbst – eine beruhigende Erkenntnis.

 

Eine ausführliche Auswertung der Befragung wird in den kommenden Wochen hier veröffentlicht.

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Wieso lobt man diesen Schundroman? Überlegungen und Kritik (eines Blinden) zum Buch „Wie Licht schmeckt“ von Friedrich Ani

Er wurde in den höchsten Tönen gelobt. 2005 erschien „Wie Licht schmeckt“, ein Jugendroman von Friedrich Ani, welcher sonst auch durch seine Kriminalromane bekanntgeworden ist.

Kurz zum Inhalt: Lukas ist 14 und ist der Ansicht, er brauche niemanden in seinem Leben. Bis er auf die drei Jahre ältere Sonja trifft und, wie könnte es auch anders sein, sich in sie verliebt. Wäre da nicht ein Haken: Sonja ist blind. Sonja führt scheinbar ihren neuen Freund in die „Welt der Blinden“ ein und Lukas durchlebt im Laufe der Romanhandlung einen Reifeprozess, denn er ist nicht, wie sonst üblich, der sympathische Protagonist, in dem man sich gerne hineinversetzt. Beide erleben verschiedenste Situationen, gehen weg, in die Kneipe, ins Schwimmbad und tun Dinge, die Jugendliche halt tun.

Soweit, so schön. Ani versucht, mit seinem Roman einen Einblick in die Gefühls- und erlebte Welt eines blinden Heranwachsenden zu bieten, mit viel Einfühlungsvermögen. Dabei verkennt er jedoch, dass sich blinde Jugendliche wirklich nicht anders benehmen, als Sehende im gleichen Alter. Denn genau dies trifft nicht auf Sonja zu.

Die blinde Sonja verhält sich asozial, kratzt, kneift, zickt, pöbelt. Wäre sie nicht blind, so meine Vermutung, hätte man ihr Handeln schon längst angeprangert. Doch so ist sie nur die selbstständige Blinde, die uns und vor allem Schülern, als Vorzeigebeispiel in der Schule vorgeführt wird, wenn es um das Thema Blindheit geht. Was ist das für ein Verhalten, wenn Lukas die Frage der Fragen stellt („Wie machst du das eigentlich?!“) und von Sonja lediglich mit einer schroffen, unfreundlichen Antwort zurückgewiesen wird? Auf wenige seiner wirklich guten, ernstgemeinten Fragen, bekommt Lukas nämlich eine ernstgemeinte Antwort. Wenn es darum geht, wie Sonja ihre Freundin gleich beim Betreten der Kneipe erkennt oder wie sie so einfach, allen Hindernissen zum Trotz, im Freibad zum Becken hechten, hineinspringen und Lukas retten konnte. Die Begründungen für diese wunderbaren Leistungen werden nur oberflächlich geliefert. Es braucht keiner Erklärung! Die Vollbringung des scheinbar unmöglichen, einer Sensation, bedarf keiner weiteren Aufklärung.

Stattdessen wird dem sehenden Leser ein Bild eines blinden Jugendlichen präsentiert, bei dem sich die Frage stellt: Woher nahm Ani seine Anregungen? Verhielten sich blinde Menschen in seinem Umfeld ihm gegenüber so unkollegial und unhöflich?

Wir Blinden brauchen uns, nach so einem Schundroman, nicht zu wundern, dass Sehende uns so schüchtern und zurückhaltend gegenübertreten. Müssen sie doch Angst haben, von uns nach gestellter Frage gleich förmlich angegriffen und zerfleischt zu werden! Ich schließe natürlich nicht aus, dass es nicht auch blinde Menschen gibt, die auf eine Frage schroff antworten. Wir alle, blind und sehend, können uns hier nie gänzlich ausschließen, jeder antwortet mal unfreundlich. Nur wird dieser Roman, genau wie „Hell und Dunkel“ von Hans-Jörg Martin, in Schulen gelesen und dürfte somit beispielhaft und vorbildhaft als Wissensvermittler dienen. Auch wenn Buchinhalte zumeist fiktiver Natur sind, können wir Leser uns nie völlig davon frei sprechen, dass wir den geschilderten Inhalten nicht einen gewissen Realitätsgehalt unterstellen – sei es beim Thema Blindheit, psychischer Erkrankung oder bei was auch immer.

Egal was Sonja tut, es gibt selten einen Rüffel. Kann sich ein blinder Jugendlicher somit alles erlauben? Was rechtfertigt ihr Verhalten: allein die Tatsache ihrer Blindheit? Jedem anderen Jugendlichen hätte man schlechte Erziehung oder schlimmstenfalls eine psychische Störung unterstellt – nur nicht Sonja. Sie wird zwar an manchen Stellen im Roman von Lukas ansatzweise zurecht gewiesen, jedoch ohne jegliche wirkliche Konsequenz. Lukas solle keine so dummen Fragen stellen, heißt es. Aber warum soll er das nicht! Sollen Sehende somit keine Fragen stellen und alles so billigen? Ist das die gewünschte Botschaft der Geschichte? Sonja hackt auf Lukas ein, beschimpft ihn, während Vanessa, ihre Freundin, scheinbar teilnahmslos daneben sitzt und alles unkommentiert lässt. Wohlmöglich hat sie die Hoffnung, eine vernünftige Antwort zu bekommen, schon aufgegeben.

Und noch etwas verdeutlicht dieser, aber auch Martin’s Blinden-Roman: Enttäusche keinen Blinden, er könnte es nicht verkraften! Mit erstaunen las ich in „Wie Licht schmeckt“, dass Sonjas Mutter Lukas beiseite nahm und ihm genau diese Botschaft vermittelte. Vielleicht besteht Hoffnung nach einer OP in Amerika, dass Sonja wieder sehen könne. Bis dahin jedoch sollte er nicht mit ihren Gefühlen spielen. Sie hätte bereits einmal Liebeskummer hinter sich und hätte sich völlig zurückgezogen. Natürlich, wer tut dies nicht?! Wer mag schon enttäuscht werden? Oder sind wir Blinden in irgendeiner Form automatisch sensibler, zartbesaiteter und empfindlicher, bloß weil wir blind sind?

Schlimm ist, dass es da draußen wirklich Menschen gibt, die genau das in die Tat umsetzen: Sie enttäuschen keinen Blinden! Lieber schlucken sie Ärger, Missmut und ihren Wunsch, etwas nicht tun zu wollen, zu Gunsten des Blinden und seiner Gefühle runter; sie könnten ihn ansonsten ja verletzen. Das Leben ist kein Rummelplatz, auch nicht für uns Blinde! Auch wir müssen, so wie jeder Sehende auch, lernen, mit Verlust, Enttäuschung und Liebeskummer umzugehen und können uns nicht hinter der Fassade Blindheit verstecken oder uns vom Sehenden hinter diese Fassade abschieben lassen.

Aber auch der Sehende sollte lernen, dass blinde Menschen auch mal schroff antworten können, ja, dass sie sogar das Recht dazu haben, so wie jeder Sehende schließlich auch. Und, wenn ihm das Lesen von Büchern wie „Wie Licht schmeckt“ schon aufgezwungen wird, dass Blind nicht gleich Blind ist – es gibt noch Licht am Ende des Tunnels, wo sich die Realität befindet.

Hat man noch vor einigen Jahren dem Kinderfernsehen eine gewisse Schädlichkeit bezüglich des stereotypen Figurenbildes und dem Einsatz von Gewalt nachgesagt, so frage ich mich, ob derartige (Schul-)Literatur nicht ohne weiteres in die Fußstapfen des Kinderfernsehens treten könnte? Was wir hier zu lesen bekommen ist ein verklärtes Bild von Blindheit und von Alltagsbewältigung. Aber es erklingen von Pädagogen, ja selbst von Literaturkritikern, große Lobeslieder auf diesen Roman. Nur warum? Erkennen Literaturkritiker und Pädagogen die hier aufgezeigten Handlungen nicht?

Ein Grund für den großen Erfolg dieses Romans mag aber auch in der Tatsache, dass viele Sehende noch nie mit einem Blinden und seiner Alltagswelt zu tun hatten, begründet sein. Aber kann das der einzige Erfolgsgrund für „Wie Licht schmeckt“ sein? In der Kritik ist sehr häufig von Einfühlungsvermögen die Rede. Dies mag der Autor zwar unter Beweis stellen, dies steigert aber nicht gleichzeitig die inhaltliche Qualität der Geschichte. Ich verlange von so einem Buch nicht, dass es die Realität zu 100 Prozent abbildet. Jedoch kann ich solche Buchfiguren nicht ungestraft auftreten und ihr Verhalten nicht ungebilligt lassen. Natürlich, Lukas ist auch kein Sympathieträger und entspricht somit auch nicht dem sonst üblichen Protagonisten, aber an seiner Stelle hätte ich die Frau schon längst zum Mond gejagt, anstatt mich ewig so blöd behandeln zu lassen – ach Moment, das geht ja nicht, ich dürfe sie ja nicht enttäuschen! Oder darf ich es doch, weil ich ja selber blind bin?

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass auch dieser Medienblinde in „Wie Licht schmeckt“, und auch das Mädchen in „Hell und Dunkel“, selbstverständlich Sonnenbrillen tragen. Es entspräche ja sonst nicht dem Medienbild eines Blinden, auch wenn dieses rein fiktiver Natur ist. In Hans-Jörg Martins „Hell und Dunkel“ kritisiert der Protagonist zunächst diese „alberne“ dunkle Sonnenbrille. Bis er merkt, dass das Mädchen blind ist. Warum kann die Kritik an der albernen Sonnenbrille nicht erhalten bleiben? Darf man Blinde nicht kritisieren? Oder ist Blindheit plus Sonnenbrille = Logisch?

„Wie Licht Schmeckt“ ist nicht der einzige Roman mit blinder Hauptfigur von Friedrich Ani. In der „Seher“-Reihe geht es um einen Ex-Polizisten, welcher im ersten Roman dieser Serie erblindet. Hier merkt man jedoch sehr gut, dass Ani im Krimi-Genre sich besser zurecht findet, als bei den Jugendbüchern. Der Blinde kommt hier nämlich wesentlich besser weg.

Zum Glück gibt es nicht nur positives von Kritikerseite über diesen Roman zu lesen. Eine Rezension, welche mal keine Lobeshymnen anstimmt, findet sich beispielsweise hier.

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Mit der Einsamkeit zur Quote? Ein paar Gedanken zu „Schwiegertochter gesucht“

Am gestrigen Abend (04.09.11) startete die neue Staffel „Schwiegertochter gesucht“ auf RTL. Acht Männer wurden von RTL auserkoren, sich auf die televisionäre Partnersuche zu begeben.

Nachdem ich mir die gestrige Folge angeschaut habe, stellt sich mir wieder einmal die Frage: Wer macht freiwillig bei solch einem Format mit? Ist den Kandidaten überhaupt bewusst, was dort mit ihnen geschieht? Oder ist es den Kandidaten vielleicht sogar völlig egal, Hauptsache, sie kommen einmal ins Fernsehen?

Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen, wie und wo er seine Partnerin für’s Leben sucht. Aber gerade die gestrige Folge lässt vermuten, dass es RTL nicht um die ernsthafte Vermittlung von Partnern, sondern eher um den Unterhaltungsgehalt im Vorabendprogramm geht. Nicht umsonst wurden hierzu passende Kandidaten/innen ausgewählt, die bei dieser Sendung teilnehmen. Jeder auf seine Weise originell, schrill und peinlich zugleich. Der Grad zwischen Originalität und Peinlichkeit ist schmal – das beweisen solche Sendungen jedes mal auf’s neue.
Und die bereits aus Formaten wie „Bauer sucht Frau“ bekannten Vorbewertungen der Kandidaten Seitens der Moderation, die Verbindung bestimmter Attribute und Eigenschaften mit einer Person, tragen ungemein zu diesem Sendungsbild bei.

Unterhaltung, Lachen und bloßes Kopfschütteln gehen mit dieser Sendung einher. Man weiß beim Anschauen nicht, ob man sich nun über den Kandidaten belustigen oder sich über RTL aufregen soll, die die Kandidaten passend in Szene setzen.

Die Dialoge sind gestellt, jedoch lassen auch die Kommentare der einzelnen Kandidaten/innen selbiges vermuten.
Begleitet werden diese Kommentare sowie die übrigen Szenen von der stark an „Bauer sucht Frau“ angelehnten Moderation Veras.

Über Kandidaten und ihre eingeladenen Frauen möchte ich hier kein Wort verlieren, hier sei ein Blogbeitrag auf laester.tv empfohlen.

Aber was ist es nun, dass Menschen dazu veranlasst, hier ihr Glück zu suchen? Pure Verzweiflung, Dummheit oder der Wunsch, einmal ins Fernsehen zu kommen?
Und geht das Konzept von RTL wirklich auf? Ich glaube zwar auch an „Liebe auf dem ersten Blick“, jedoch geschieht dies bei RTL’s Kuppelformaten doch eine Spur zu oft und viel zu schnell.

Aber doch, es funktioniert bestimmt! Es ist wie ein Plazebo: Wenn man ganz fest daran glaubt, klappt es auch!

Viele beklagen sich ja über die Anonymität im Internet, gerade auch hinsichtlich der Partnersuche. Jedoch kann ich mir hier wenigstens selber aussuchen, für was oder wen ich mich ausgebe. Bei RTL wird dieser Weg von der Redaktion sicherlich vorgescriptet.

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Kein (Sende-)Platz mehr für starke Kämpfer? Kindersendungen im Fernsehen: Aktuelle Genreschwerpunkte im Überblick

Einleitung

Ist das pädagogisch wertvoll? Seit es Kindersendungen im Fernsehen gibt, zieht sich diese Frage wie ein roter Faden durch die Debatten der Medienkritiker. In den neunziger Jahren stand das Thema Gewalt dabei ganz oben auf der Agenda. Und wenn sich in damals wie heute sehr beliebten Cartoon-Serien wie beim Klassiker Tom und Jerry die Protagonistengegenseitig mit Waffen aller Art traktieren und gerne auch mal in die Luft sprengen, scheint die Besorgnis verständlich: Hilft diese Art von Konfliktlösung Kindern bei der Persönlichkeitsentwicklung?

Heute, rund zwanzig Jahre später, ist es ruhig geworden um dieses Thema. Nur warum? Ist das Kinderfernsehen für die Forschung nicht mehr relevant genug? Sind die Kritikpunkte bezüglich des pädagogischen Wertes von Kindersendungen sowie der geforderten Angebotsvielfalt von Programmmachern endlich erhört und umgesetzt worden?

Dieser Beitrag soll, zunächst rein oberflächlich anhand von Programmdaten aus der 20. und 21. Kalenderwoche 2011, der Frage nachgehen, welche Programmformen und Subgenres im derzeitigen Kinder-Fernsehangebot zu finden sind.

Bei der Programmanalyse wurden besonders serielle Angebote berücksichtigt. Zwar werden (vor allem im Programm des Kinderkanals) auch Filme ausgestrahlt, jedoch ist dieses Angebot (inhaltlich) wechselnd, hingegen eine Serie bedingt durch die regelmäßige Ausstrahlung eine gewisse Zuverlässigkeit im Programm garantiert.

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„Mein Mann kann…“ oder: Spiele, die die Welt nicht braucht

Gestern (am 08.07.) endete die zweite Staffel von „Mein Mann kann“ mit einem Frauenspezial. Genau so hirnsinnig und unnötig, wie schon die zahlreichen vorherigen Episoden, versuchte das Privatfernsehen uns mit altbackenen Rollenklischees und platten Wettkämpfen zu langweilen; auch wenn die Quoten eine ganz eigene Sprache sprechen.

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Was Blinde sehen. Erste Ergebnisse der Studie „Blind TV 2011“

Im Rahmen der Studie „Blind TV“ erforsche ich die Fernsehgewohnheiten und Sendungspräferenzen blinder Menschen – derzeit zwischen 12 und 49 Jahren. Auch wenn ein Großteil der blinden Menschen älter als 50 Jahre ist, entschloss ich mich, mich bei der Festlegung der Zielgruppe an den sog. „werberelevanten Zielgruppen“ zu orientieren. Den Kritikern sei aber versichert, dass bei erfolgreichem Abschluss der derzeit laufenden Befragungen, die über 50 Jährigen auch noch an die Reihe kommen – nur etwas Geduld!

Die Befragungen sind noch nicht abgeschlossen, es haben auch bislang noch nicht ausreichend Personen teilgenommen, dennoch wage ich einen ersten Blick auf die Präferenzen der Sendungen, Sendungstypen und Sender.

Bei den 12 bis 19-Jährigen stehen sowohl informative als auch fiktionale Fernsehangebote hoch im Kurs. „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, „CSI – den Tätern auf der Spur“, „Two and a half men“, die „Simpsons“ oder auch der zielgruppenübergreifende Liebling „SpongeBob“, welcher sich ja vor allem bei ganz jungen Zuschauern großer Beliebtheit erfreut, teilen sich mit den diversen Nachrichtensendungen die hohen Ränge der Sendungsskala. Was die bevorzugten Genres und Formate anbelangt, so sind auch bei dieser Studie bislang Widersprüche zu beobachten: Denn nicht Unterhaltungsformate, sondern ‚Nachrichten‘ und ‚Dokumentationen und Reportagen‘ rangieren auf den ersten zwei Plätzen, gefolgt von ‚Cartoons und Anime‘, ‚Sitcoms‘, ‚Comedy‘, ‚Doku-Soaps‘, ‚Daily Soaps‘ und ‚Spielfilme‘. Gerade die Cartoons sowie das Sitcom-Genre fanden im Vergleich zur Vorgängerstudie aus 2009 größeren Anklang beim jungen Publikum. Auch wenn zwar die ‚Nachrichten‘ und ‚Dokumentationen und Reportagen‘ die ersten beiden Plätze der Lieblingsgenres und Formate belegen, ist das Interesse an unterhaltenden Inhalten immer noch enorm hoch. Daher teilen sich auch sowohl öffentlich-rechtliche als auch private Fernsehkanäle die Zuschauergunst der jungen blinden Fernsehnutzer.

Dieser Trend setzt sich bei den 20 bis 49-Jährigen fort. Hier dominieren auch Unterhaltungs- und Quizformate und -Sendungen wie „Tatort“, „CSI“, „Wer wird Millionär“, „Ein Fall für Zwei“, „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ oder Nachrichtensendungen. Wie schon bei den 12 bis 19-Jährigen blinden Fernsehzuschauern ist der Bereich ‚Nachrichten‘ an erster Stelle der präferierten Sendungsformen, hier gefolgt von ‚Spielfilme‘, ‚Krimi-Serien‘, ‚Quiz-Shows‘, ‚Doku-Soaps‘, ‚Daily Soaps‘, ‚Castingshows‘ oder ‚Mystery-Serien‘. ‚Castingshows‘ sowie ‚Mystery‘ tauchten bei den 12 bis 19-Jährigen sogut wie überhaupt nicht mehr in den Nennungen auf. Was die bevorzugten Sender anbelangt, so ist Das Erste die erste Wahl, gefolgt von den Privaten RTL, Sat.1 und ProSieben. Ob die ARD wegen ihrer ausgestrahlten Filme mit Audiodeskription bei den 20 bis 49-Jährigen so hoch im Kurs steht, wird sich am Ende der Befragung herausstellen.

Auch bei den 20 bis 49-Jährigen wird Fernsehen zur Unterhaltung und Entspannung genutzt. Nach den bisherigen Angaben schaut diese Gruppe bis zu zwei Stunden pro Tag fern, wobei es auch hier den einen oder anderen Vielseher (mehr als drei Stunden pro Tag) gibt.

Diese Tendenz lässt schon erkennen, dass das Fernsehen immer noch eine nicht zu missachtende Rolle bei der Freizeitgestaltung blinder Menschen spielt. Gerade Unterhaltungsangebote aus dem Show- und fiktionalen Bereich werden bevorzugt angeschaut. Jedoch dient das Fernsehen auch zur Informationsbeschaffung, wenn auch dies eher zweitrangig ist.

Blinde Fernsehnutzer können noch an der Studie teilnehmen. Die Fragebögen sind unter christian-ohrens.de/blindtv> abrufbar.