Kategorien
Artikel und Essays

Gedanken-Gänge XVIII: Über ein Wahrnehmungs-Debakel oder: Heißt sehen wirklich verstehen?

In einer Episode der Kult-Fernsehserie „Knight Rider“ hörte ich letztens einen Satz, der mich dazu veranlasste, diesen kleinen Beitrag zu verfassen:

„Sehen heißt doch noch lange nicht wissen, oder alles verstehen“ (Julie Robinson in: Knight Rider 2×05 ‚Blindes Vertrauen‘, USA, 1982)

Auch wenn diese Serie aus einer Zeit stammt, in der Inklusions- und Integrationsbemühungen vieler Orts noch in den Kinderschuhen steckten, so habe ich manchmal den Eindruck, dass sich auch heute, im Jahr 2017, an dieser zutreffenden Aussage bei vielen, sehenden Menschen nichts geändert zu haben scheint.

Kategorien
Artikel und Essays

Gedanken-Gänge XVII: Alles digital oder was? oder: Warum ich (privat und als DJ) immer noch CD’s kaufe

Eigentlich müsste man über dieses Thema überhaupt nicht diskutieren oder irgendein Wort verlieren. Nicht, weil der Wunsch, alles überall, in digitaler Form, verfügbar zu haben, aus unserem Alltag nicht mehr weg zu denken ist, sondern, weil es einem jeden von uns überlassen sein sollte, wie er seine Sammlungen, ob nun Musik, Bilder, Videos, Dokumente oder was auch immer, verwalten und archivieren möchte.

Lustigerweise (oder erschreckenderweise) ist es eben nicht jedem selbst überlassen, dies bewiesen mir in der Vergangenheit zahllose Diskussionen und Debatten, die ich mit Freunden, Bekannten und Kunden immer und immer wieder führen durfte.

Kategorien
Artikel und Essays

Gedanken-Gänge XVI: Ist Hören wirklich Lesen? oder: Vom eigenen Film im Kopf

Was bedeutet es zu lesen? Ist lesen, wenn wir Hörbücher hören? Ist lesen außerdem, wenn uns jemand vor-liest? Oder müssen wir selber aktiv lesen, um wirklich zu lesen? Denn viele behaupten, sie würden Bücher lesen, dabei hören sie die gewünschten Bücher ’nur‘ – lesen sie sie wirklich aktiv?

Auf Wikipedia wird das Lesen als visuelles oder auch taktiles Umsetzen von Schriftzeichen in Lautsprache definiert. Wir lesen Buchstaben, Silben, Wörter und interpretieren aus dem Gelesenen den Inhalt.

Diese Definition setzt jedoch im engeren Sinn auch die Aktivität des Lesens voraus, d. h. dass wir die Buchstaben selber quasi entschlüsseln, um daraus einen Sinn zu erkennen.

Was bedeutet es also, Hörbücher zu hören, anstatt selber (z. B. mit den Fingern Blindenschrift) zu lesen? Ist Hörbuch hören nicht eher vergleichbar mit der Rezeption eines Hörspiels oder eines Films? Denn nicht mehr wir interpretieren Text, sondern der Sprecher. Er verleiht den Figuren eine Stimme. Er entscheidet, wie traurig, erfreut oder ängstlich sie sich anhören. Ist er gut, erschafft er durch sein Vorlesen ein Bild im Kopf des Hörers; ist er es nicht, liest er monoton, mit wenig Ausdruckskraft, wird dies umso schwieriger.

Hörbücher sind zwar angenehm, vor allem für unterwegs, aber auf Dauer – zumindest für mich – keine Alternative zum selber lesen. Ich möchte selber für mich im Kopf entscheiden, wie das Gelesene zu interpretieren ist, wie sich Stimmen und beschriebene Orte anhören könnten und was die Romanfiguren fühlen. Ich brauche den eigenen Film im Kopf und nicht den, den der Sprecher quasi als Regisseur des Hörbuchs mir vorgibt. Denn dann kann ich auch aufs Lesen verzichten und mich im Kino einem spannenden Film widmen. Denn ich entscheide beim Lesen über die Erzählgeschwindigkeit. Ich kann beliebige Stellen beliebig oft lesen und, das ist eigentlich der wichtigste Punkt, nur ich entscheide über die Länge des eigenen Films im Kopf – nicht der Regisseur des Hörbuchs, der aus ökonomischen Gründen die Lesung kürzt.

Doch gerade aus wirtschaftlicher Sicht spräche genügend dafür, auf das Lesen von Blindenschrift zu verzichten und zum Hörbuch zu greifen. Das Angebot an Blindenschriftbüchern ist gering. Einer Schätzung nach, werden lediglich 5% aller im deutschsprachigen Raum erscheinenden Bücher als Punktschriftbuch umgesetzt, was die Auswahl um Längen einschränkt und die Auswahl an Hörbüchern nur um so größer erscheinen lässt. Zudem sind Bücher in Blindenschrift sehr teuer und man erhält nicht einmal mehr ein „richtiges“ Buch für sein Geld. Denn Ausdrucke aus einem Blindenschriftdrucker, einfach in Ringordnern abgeheftet, sind noch lange kein Buch!

Und was ist mit eBooks oder der Möglichkeit, Bücher selber einzuscannen und am PC über eine Braillezeile oder Sprachausgabe zu lesen? Komischerweise hat noch niemand einen eBook-Reader für Blinde entwickelt. Vorlese-Programme und -Apps werden einem zu Genüge hinterher geworfen. Doch was ist mit den aktiven Braille-Lesern? Sie bleiben auf der Strecke oder müssen auf sehr teure, mobile Braillezeilen zurückgreifen, deren Funktionsumfang denen eines eBook-Readers bei weitem übersteigt.

Daher kann ich den Hörbuch-Boom, vor allem unter den Blinden, durchaus nachvollziehen, teile ihn jedoch in keinster Weise. Dann doch lieber mobile Braillezeile und das Buch, das ich ausgewählt habe und nicht das, welches ein Hörbuchverlag oder eine Blindenschriftdruckerei vorgibt.

Kategorien
Artikel und Essays Testberichte

Es muss nicht immer ein iPhone sein! Ein Erfahrungsbericht eines blinden Android-Einsteigers

Seit vielen Jahren schon gelten Geräte des Herstellers Apple als besonders zugänglich, was die Bedienbarkeit durch blinde Nutzer anbelangt. Egal, ob iPhone, Mac, Apple TV oder Smartwatch, alles lässt sich im Handumdrehen und ohne großen (finanziellen) Mehraufwand zum Sprechen bringen. Es ist somit blinden Nutzern auf Anhieb möglich, ihr gekauftes Gerät direkt nach dem Auspacken einzuschalten und quasi sofort loszuarbeiten. Diese Zugänglichkeit von Geräten und Apps galt und gilt vor allem für das Smartphone-Flagschiff iPhone, weshalb viele blinde Smartphone-User auf diese Geräte zurückgreifen.

Doch fernab der Apple-Wege tummeln sich inzwischen einige Mitbewerber, deren Lösungen – mal mehr, mal weniger – brauchbar sind. Ob speziell entwickelte Smartphone-Lösungen oder die implementierten Screenreader von Windows oder Android, nichts scheint – glaubt man den vor allem im deutschsprachigen Raum eher negativ ausgerichteten Beiträgen in Blogs oder Foren – der Zugänglichkeit von IOS das Wasser reichen zu können. Doch ist das iPhone immer noch unangefochtener Spitzenreiter in puncto Accessibility oder lohnt es sich inzwischen doch, einmal die Konkurrenz näher ins Auge zu fassen?

Kategorien
Artikel und Essays Projekte Testberichte

Als Blinder allein im Phantasialand – (Kein) Lächeln am Ausgang inklusive! Ein Erfahrungsbericht

Klugheim | Bild Copyright by Thomas Frank, Parkerlebnis.de

Sich einfach in einem Freizeitpark in eine Achterbahn zu setzen, die Bügel zu schließen, sich zurückzulehnen, um einfach zu spüren, wie der Adrenalinpegel steigt… für viele Freizeitpark- und Achterbahnfans immer wieder ein unvergleichliches Erlebnis. Doch längst nicht jeder darf mitfahren, denn vielerorts ist eine Mitfahrt – beispielsweise für blinde oder sehbehinderte Menschen, die sich ohne sehende Begleitung in dem jeweiligen Park aufhalten – entweder teilweise oder komplett untersagt. Und selbst wenn sie sich begleiten lassen, ist eine Mitfahrt auch nicht überall garantiert.

Collage verschiedener Bilder aus unseren Freizeitpark- und Kirmestests | Bild Copyright by Thomas Frank, Parkerlebnis.de

In meiner gemeinsam mit Parkerlebnis.de durchgeführten Freizeitpark-Testreihe wollen wir herausfinden, inwieweit es blinden Freizeitpark-Besuchern in Deutschland (und den Nachbarländern) möglich ist, die angebotenen Fahrattraktionen uneingeschränkt, ohne sehende Begleitung, zu nutzen. Hier könnt Ihr mehr über die Entstehung dieser Testreihe erfahren.

Unsere Reise führte uns am „Tag der Achterbahn“ in einen sehr bekannten und renommierten Freizeitpark im Westen unseres Landes: das Phantasialand. Hier herrscht absolutes Fahrverbot für blinde Menschen. Dennoch wollten wir herausfinden, inwieweit eine Mitfahrt (ob nun mit oder ohne Begleitung) dennoch möglich ist, denn es häuften sich Gerüchte, nach denen blinde Parkbesucher durchaus Fahrattraktionen nutzen konnten. Gerücht oder Realität? Dies galt es zu testen.

Kategorien
Artikel und Essays Projekte Testberichte

Annakirmes Düren: Auch hier freie Fahrt für blinde Kirmesfans? Ein Testbericht

Wer gerne Karussell und Achterbahn fährt, der hat es, zumindest in manch deutschem Freizeitpark, nicht immer einfach. Egal ob nun mit oder ohne sehende Begleitung, in einigen Parks wird dem Fahrgenuss blinder Menschen ein Riegel vorgeschoben. „Schuld“ sind die Sicherheitsbestimmungen und vermeintlichen TÜV-Vorgaben, die oftmals eine Mitfahrt eines Blinden einschränken oder völlig untersagen.

Anders scheint es sich bei Kirmesattraktionen zu verhalten. Egal ob Hochfahrgeschäft oder Achterbahn, hier macht es den Eindruck, als gehe man mit dieser Problematik anders, nämlich offener und lockerer, um – dies zeigten unsere bisherigen Tests desHamburger Doms oder des Münchner Oktoberfestes. Natürlich steigt und fällt eine solche Kirmes mit den Schaustellern, die für ihr Fahrgeschäft im Einzelnen entscheiden, wer mit darf und wer nicht. Jedoch ist nicht jeder Schausteller in allen Teilen unseres Landes mit seinen Geschäften unterwegs, so dass sich die Testung weiterer Jahrmärkte definitiv lohnt.

Deshalb testete ich für Parkerlebnis.de die Annakirmes in Düren, welche in diesem Jahr vom 31. Juli bis zum 7. August stattfand. Düren ist zwar keine Großstadt, jedoch ist die Beschickung der Annakirmes trotzdem meist ein Garant für Adrenalin und Fahrspaß. Zumal in diesem Jahr gleich beide großen Kirmesneuheiten dort vertreten waren, weshalb sich ein Test auf jeden Fall anbot.

Kategorien
Artikel und Essays Projekte Testberichte

Thorpe Park in England als Blinder alleine besuchen? Ein Erfahrungsbericht

Freizeitparks blind zu erleben und zu nutzen ist hierzulande nicht immer von Erfolg gekrönt. Es gibt derzeit (noch) keine einheitliche Regelung, ob blinde Parkbesucher eine Begleitung benötigen, ob sie auch ohne Begleitung fahren dürfen oder, ob ihnen sogar eine Mitfahrt verwehrt ist.

Schaut man einmal über den Tellerrand hinaus, so konnten wir bei unseren bisherigen Tests ausländischer Parks feststellen, dass das Thema Hilfsbereitschaft, lösungsorientiertes Handeln und der Umgang mit Menschen mit Handikap allgemein einen ganz anderen Stellenwert zu genießen scheinen. Zwar können die getesteten Parks nicht für alle Freizeitparks des jeweiligen Landes sprechen, sie gehen in jedem Fall aber mit gutem, teils bewundernswertem Beispiel voran.

Als weiterer Park im Ländervergleich testete ich für Parkerlebnis.de den Thorpe Park, der rund 20 Kilometer von London entfernt liegt. Vorabrecherchen ergaben, dass der Park es zwar begrüßen würde, wenn blinde Besucher eine Begleitperson mitbringen würden, sie ließen diese Option jedoch für den Parkbesucher offen und schlossen somit eine Nutzung der Attraktionen ohne Begleitung nicht aus.

Anders, als bei den vorherigen Testszenarien, war ich dieses Mal mit zwei sehbehinderten Freunden im Park unterwegs gewesen. Diese haben zwar noch einen geringen Sehrest, dieser reicht jedoch nicht immer vollständig aus, um sich überall orientieren oder etwaige Beschilderungen lesen zu können. Wir konnten somit unterschiedliche Testszenarien ausprobieren: blind mit Begleitung, blinde Einzelperson ohne Begleitung sowie drei blinde Personen ohne Begleitung. Wie würde der Park mit derartigen Situationen wohl umgehen?

Kategorien
Artikel und Essays

Fünf Tage blind durch London – ein Reisebericht

s war endlich wieder soweit, die Abenteuerlust hatte mich wieder gepackt! Nach eintägigen Erkundungstouren durch München, Marburg sowie Wolfsburg innerhalb der letzten Monate, stand für mich definitiv fest, wieder eine Stadt im Ausland, über mehrere Tage, erkunden zu wollen. Viel zu lange waren meine längeren Städtetrips nach z. B. Oslo oder Kopenhagen schon her.

Im Rahmen meiner Freizeitparktestreihe für Parkerlebnis, wollte ich schon seit längerem dem Thorpe Park, 20 KM von London entfernt, einen Besuch abstatten. Doch nur für einen einzigen Parkbesuch nach London reisen? Da bot es sich förmlich an, auch dieser interessanten und facettenreichen Stadt einen Besuch abzustatten und sie zu entdecken.

Im Gegensatz zu meinen bisherigen Reiseunternehmungen war ich dieses Mal jedoch nicht alleine unterwegs. Ein befreundetes Pärchen (Sonja und Jakob), beide ebenfalls blind bzw. sehbehindert, begleiteten mich auf dieser Tour.

Unsere Erlebnisse während dieser fünftägigen Reise könnt Ihr im folgenden Artikel nachlesen. Der ausführliche Testbericht zum Thorpe Park folgt in kürze!

Parallel zu diesem Bericht entstand auch bei dieser Reise wieder eine Bildergalerie; ich würde Euch also wieder empfehlen, Euch beim Lesen des Berichts auch die entstandenen Bilder anzuschauen.

Kategorien
Artikel und Essays Projekte Testberichte

Den Hamburger Frühlingsdom als Blinder alleine besuchen? Ein Testbericht

Dass man als blinder Achterbahn- und Karussellfan auf einer Kirmes um einiges problemloser Fahrgeschäfte ohne Begleitung nutzen kann, als in so manchem Freizeitpark, zeigten unsere bisherigen Testergebnisse. Scheinbar geht man auf einer Kirmes lockerer mit dem Thema Behinderung bzw. Begleitung um, als in den meisten Freizeitparks. Grund genug, noch weitere Kirmesattraktionen in diesem Jahr zu testen – den Auftakt machten die Fahrgeschäfte auf dem diesjährigen Hamburger Frühlingsdom.

Der Dom ist eine Kirmes, welche drei mal im Jahr für vier Wochen auf dem Heiligengeistfeld stattfindet und durch sein vielfältiges Angebot an Buden und Fahrgeschäften Hamburger und Touristen gleichermaßen anzieht. Der Frühlingsdom fand vom 18. März bis zum 17. April statt, die Testbesuche erfolgten dieses Mal an drei unterschiedlichen Tagen, sowohl in der Woche als auch am Wochenende. Eine Galerie mit Aufbaubildern vom diesjährigen Frühlingsdom hier.

Kategorien
Artikel und Essays Projekte Testberichte

Freizeit-Land Geiselwind: Bayerns stärkstes Stück Freizeit auch für einen Blinden? Ein Testbericht

Freizeitparks als Blinder, ohne sehende Begleitung, zu nutzen ist – zumindest hier in Deutschland – nach unseren bisherigen Testergebnissen nicht immer von hundertprozentigem Erfolg gekrönt. Häufig machen dem Fahrterlebnis TÜV-Empfehlungen und Bestimmungen örtlicher Baubehörden einen Strich durch die Rechnung.

Wie verhält es sich im Freizeit-Land Geiselwind, dem nach eigenen Angaben „stärkstem Stück Freizeit“ in Bayern? Bei unseren Vorerkundigungen wurde uns hier mitgeteilt, dass der Nutzung der Fahrgeschäfte durch blinde Parkbesucher, auch ohne Begleitung, nichts im Wege stünde. Etwas, das es zu testen galt!

Das Freizeit-Land hatte ich vor rund zwanzig Jahren schon einmal besucht gehabt, hier allerdings in Begleitung meiner Eltern. Da ich mich noch recht gut an diesen Besuch erinnern konnte, war ich sehr gespannt, was sich alles in all den Jahren verändert hat.

Kategorien
Artikel und Essays Projekte Testberichte

Den Bayern Park als Blinder allein besuchen? Ein Testbericht

Wer als Blinder ohne sehende Begleitung einen Freizeitpark besuchen möchte, stößt vielerorts auf Hürden oder gar Verbote. Bei unseren bisherigen Freizeitpark-Tests konnten wir jedoch aufzeigen, dass in einigen der hiesigen Freizeitparks eine Nutzung der Attraktionen als blinder Parkbesucher auch ohne sehende Begleitung entweder grundsätzlich erlaubt oder zumindest möglich ist.

Nach einem erfolgreichen Test in einem anderen bayerischen Freizeitpark, dem Skyline Park im Allgäu, besuchte ich gemeinsam mit zwei weiteren Redakteuren von Parkerlebnis.de, die mich quasi als stille Beobachter verfolgten, den Bayern Park. Hier ergab eine Vorabrecherche, dass es blinden Parkbesuchern auch ohne sehende Begleitung möglich sei, die angebotenen Fahrattraktionen (mit Ausnahme der Sommerrodelbahn) zu nutzen. Leere Versprechungen oder würde der Park sein Wort halten? Das galt es herauszufinden.

Kategorien
Artikel und Essays Projekte

Von Einwanderern, Autos und Wölfen: Eine Erkundungstour durch Wolfsburg – Ein kleiner Reisebericht

An einem Freitag im April 2016 besuchte ich die Autostadt Wolfsburg. Mit gerade mal 78 Jahren ist Wolfsburg eine sehr junge Stadt – die Geschichte der zugehörigen Dörfer und Ortschaften reicht zum Teil weit bis ins Mittelalter zurück.

Bekannt durch Volkswagen, den VFL oder ihre Eishockeymannschaft, hat die Stadt jedoch noch mehr zu bieten.

Kategorien
Artikel und Essays

Vier Tage blind durch Budapest – Ein Reisebericht

Dieser Reisebericht entstand während meiner zweiten Städte-Tour (ohne sehende Begleitung) nach Budapst im Frühjahr 2008.

Kategorien
Artikel und Essays

Gedanken-Gänge XV: Sollte ich Angst haben? Ein kurzer Kommentar zu aktuellen Ereignissen

Ein neuer Terroranschlag erschüttert die westliche Welt. Selbstmordattentäter haben sich und damit viele weitere, unschuldige, Menschen in Brüssel in den Tod gerissen. Die Politik versucht nun, durch verstärkte Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen, zukünftigen Anschlägen aus dem Weg zu gehen oder, sie zumindest scheinbar zukünftig besser verhindern zu können.

Und wieder einmal haben uns Terroristen an einem Punkt getroffen, der unseren Alltag betrifft: das Reisen nämlich.

Die Grausamkeit, mit der diese Menschen angeblich für ihren Glauben vorgehen, ist erschreckend. Noch mehr erschreckt mich dabei jedoch, wie Medien indirekt versuchen, die Angst vor weiteren Anschlägen zu schüren!

Denn man möchte scheinbar keinen Optimismus der Bürger transportieren, möchte nicht zeigen, dass sie sich auch durch solch schreckliche Ereignisse nicht in ihrem Lebensdrang und –Willen beeinflussen lassen. Lieber zeigt man uns die von uns gewählten Politiker, die um unser aller Wohl besorgt sind, erzählt von Krisengipfeln, neuen Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen usw. Der „normale“ Bürger, den man gerade an der U-Bahn-Station auf dem Weg zur Arbeit abgefangen hat, lässt man scheinbar nur im Radio zu Wort kommen, wenn er die Besorgnis und die Angst, dass so etwas wie in Brüssel auch hier in Deutschland passieren könnte, teilt.

Und das ist es doch, was die Drahtzieher hinter solchen Anschlägen erreichen wollen. Wir sollen uns doch gerade einschränken, ängstigen, auf der Hut sein. Keine Rockkonzerte, keine Fußballspiele, keine Reisen. Wenn ich vor jeder Aktivität, die nicht durch meinen Glauben begründet ist, die mir Spaß bereitet, bei der ich ausgelassen feiere oder sonst etwas tue, was denen gegen ihre religiöse Hutschnur geht, Angst haben muss, dass mir etwas passieren könnte, dann läuft hier etwas gewaltig falsch.

Wenn ich mich mit anderen über diese Einstellung unterhalte, so stimmt man mir im ersten Augenblick zu, man merkt aber, dass irgendwo doch ein Stück weit Angst mitschwingt – was ist, wenn doch etwas passiert?

Plump gesagt: Wenn doch etwas passiert, werde ich es nicht ändern und – schlimmstenfalls – auch nicht verhindern können. Ich werde nicht vor einem kurz abgestellten Koffer schreckhaft Abstand nehmen. Ich werde nicht panisch den U-Bahn-Wagen verlassen, wenn eine Gruppe Flüchtlinge einsteigt. Ich werde nicht große Menschenansammlungen auf Plätzen oder bei Konzerten und ähnlichen Veranstaltungen meiden. Ich werde nicht im stillen Kämmerlein hocken, hoffen und vor allem beten, dass die Welt da draußen besser wird, bloß, weil Fanatiker es so wollen.

Sollte ich also Angst haben? Wenn ja, dürfte ich diesen Artikel hier gar nicht veröffentlichen, denn irgendwem könnte er nicht passen und dieser jemand könnte mir somit ja auch an den Kragen wollen. Und deswegen lieber erst gar nichts sagen?

Kategorien
Artikel und Essays Projekte Testberichte

Blind im Hamburg Dungeon: Grusel, Grauen und viel Humor – Ein Testbericht

Blind Freizeitparks zu nutzen und zu erleben ist, das haben wir in unseren vergangenen Tests bereits erläutert, nicht immer von Erfolg gekrönt. Sicherheitsbestimmungen und TÜV-Vorgaben schieben der uneingeschränkten Nutzung oftmals einen Riegel vor.

Doch wie verhält es sich bei Indoor-Aktivitäten und Attraktionen: Können interaktive Ausstellungen, Museen und sonstige Attraktionen von Blinden, ohne einen sehenden Begleiter genutzt werden?

Den Auftakt dieser Indoor-Testreihe, abseits der sonst üblichen Park- und Kirmeswege, machte im Oktober vergangenen Jahres das „Hamburg Dungeon“.

Im Jahr 2000 gegründet, bietet das „Dungeon“, welches übrigens zur Merlin Gruppe gehört (wie z. B. der von uns bereits getestete Heidepark auch), seinen Besuchern auf rund 3000 QM schaurig-schöne Begebenheiten aus der Hamburger Geschichte. Zwischen Pest und Piratenschlachten, Hexenverbrennungen und sonstigen Ereignissen, nehmen die Besucher an einer interaktiven Tour teil und werden dabei nicht nur von Schauspielern begleitet, sie nehmen aktiv am Geschehen der Tour teil. Wer hier jedoch punktgenaue, historisch aufbereitete Fakten erwartet, der sollte lieber ein herkömmliches Museum oder seinen Geschichtslehrer konsultieren, denn der Spaß- und Gruselfaktor stehen hier ganz klar im Vordergrund. Wenn man dies bei seinem Besuch im Hinterkopf behält und sich darauf einlässt, kann man 90 Minuten eine Menge Spaß haben.

Da wir bei unserem Heidepark-Test feststellen mussten, dass es blinden Besuchern bei den meisten Attraktionen nicht möglich ist, diese ohne sehende Begleitung zu nutzen, waren wir sehr gespannt, wie eine zur Merlin-Gruppe gehörende Indoor-Attraktion mit dieser Thematik umgehen würde.

Kleine Randbemerkung: Da wir natürlich interessierten Hamburg-Besuchern die Spannung nicht wegnehmen möchten, werden wir im folgenden Testbericht so wenig wie möglich auf inhaltliche Dinge der Führung eingehen – selber hingehen und erleben, lautet also die Devise. 😉

Kategorien
Artikel und Essays Medien

Interview: „Wir sind nur blind!“ – aus: Acht Magazin 06/2015

Im Mai letzten Jahres erhielt ich eine Anfrage des Magazins Acht, ein wenig über meine Reisen, meine Tätigkeit als Hobby-Fotograf etc. zu berichten. Das komplette Interview erschien in der Juni-Ausgabe 2015. Ihr könnt es nun auch hier nachlesen, wer lieber eine bebilderte Version bevorzugt, klickt auf den Link unten in der Quellenangabe.

Kategorien
Artikel und Essays Projekte Testberichte

Efteling als Blinder alleine besuchen: Märchenhaftes Erlebnis? Ein Erfahrungsbericht

Efteling ist der größte Freizeitpark der Niederlande und kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Als Märchenpark begonnen, beherbergt er heute neben den traditionellen Märchen auch rasante Fahrattraktionen.

Dass man als Blinder Achterbahnfahrer in Deutschland teilweise auf zahlreiche Hürden stößt, vor allem dann, wenn man ohne Begleitung fahren möchte, zeigten bereits unsere bisherigen Freizeitpark-Tests. Es gibt jedoch auch Positivbeispiele, die beweisen, dass blinden
Freizeitparkfans durchaus eine Nutzung der Attraktionen ermöglicht
werden kann – ohne Verbote durch überzogene Sicherheitsbestimmungen. Mit gutem Beispiel gehen hier vor allem der Allgäu Skyline Park, Belantis oder, als bislang einziger, im Ausland getesteter Park, Tivoli in Kopenhagen voran. Die Erfahrungen aus Dänemark machten neugierig auf mehr!.Und so testete ich für Parkerlebnis einen weiteren Freizeitpark im Ausland, dieses Mal Efteling in Holland.

Bei der obligatorischen Vorabrecherche auf der Efteling-Website stellten wir erstaunt fest, dass kein Wort über eine benötigte Begleitung, egal ob nun bei Rollstuhlfahrern oder blinden Besuchern, verloren wurde. Wer Hilfe benötige, würde diese vom Parkpersonal bekommen – ein tolles und vorbildliches Versprechen. Aber hält der Park auch, was der seinen gehandikapten Besuchern verspricht?

Kategorien
Artikel und Essays

Gedanken-Gänge XIV – Schönheit im „Auge“ des Betrachters: Wie ich als Blinder über Schönheit denke

„Was bedeutet für dich, als Blinder, eigentlich Schönheit? Was findest du schön?“

Eine Frage, die mir in der Vergangenheit von vielen Gästen, die ich durch die Ausstellung ‚Dialog im Dunkeln‘ geführt habe, gestellt wurde. Sehr häufig bezog sie sich, natürlich!, auf die „Schönheit“ bei Menschen, da viele Besucher im Dunkeln erst einmal (be)merken, dass es für eine gute Unterhaltung und für ein Kennenlernen doch nebensächlich ist, wie das Gegenüber eigentlich aussieht, ob es dick, dünn, groß oder klein ist, lange oder kurze Haare, blaue, grüne oder braune Augen und eine helle oder dunkle Hautfarbe hat. Und wenn ich erzähle, dass ich alleine Reise und dabei sogar noch fotografiere, steht natürlich immer die Frage im Raum, was für mich „schöne“ Orte bzw. Motive sind?

Kategorien
Artikel und Essays Projekte Testberichte

Ultra leicht und kompakt: Testbericht zur Braillezeile VarioUltra 20 der Firma BAUM – für blindlife.de

Mobiles Arbeiten. Für viele, ob nun privat oder beruflich, ist dies im Zeitalter von Tablets und Smartphones zu einem wichtigen Bestandteil des alltäglichen Lebens geworden. Mal eben Mails checken, etwas online recherchieren oder sich auf YouTube ein Video anschauen. Unsere Smartphones und Tablets sind zu ständigen Begleitern geworden, das Handy, früher nur zum SMSen und Telefonieren gedacht, hat sich binnen weniger Jahre zu einer ‚Eier legenden Wollmilchsau’ entwickelt.

Dieser rasanten Weiterentwicklung haben es blinde und sehbehinderte Handynutzer jedoch auch zu verdanken, dass es nun ohne weiteres Zutun möglich ist, sein Smartphone von Werk aus zu nutzen, ohne erst teuere Zusatzsoftware installieren zu müssen. Auch wenn Android bei der Accessibility immer noch etwas hinter Apple-Geräten hinter her hinkt, so kann sich der hauseigene Screenreader inzwischen durchaus sehen lassen und es mit dem großen Konkurrenten von Apple aufnehmen.

Doch für viele Menschen, egal ob nun blind, sehbehindert oder sehend, ist der Touchscreen immer noch ein rotes Tuch. Viele scheuen die Auseinandersetzung mit dem Neuen, mit der tastenlosen Bedienung. Hinzu kommt noch, dass es unter den blinden Computernutzern viele User gibt, die nicht nur mit der Sprachausgabe, sondern auch mit einer sogenannten Braillezeile, einem Zusatzgerät, welches den Bildschirminhalt zusätzlich in Form von Blindenschrift ausgibt, arbeiten. Diese Lücke schließt seit kurzem ein neues Gerät der Firma BAUM Retec AG (VarioUltra), eine mobile Braillezeile, welche speziell für den Einsatz an Laptops oder vor allem Smartphones sowie Tablets entwickelt wurde.

Diese kleine, aber sehr leistungsstarke Braillezeile konnte ich im Rahmen eines Hilfsmitteltests für den Blog blindlife.de ausgiebigst testen und ausprobieren. Mein Hauptaugenmerk lag dabei zum einen auf die internen Funktionen als auch vor allem auf den Einsatz in Verbindung mit einem Smartphone. Und ohne das Testergebnis gleich schon vorweg zu nehmen, kann ich sagen, dass es sich gelohnt hat.

 

Kategorien
Artikel und Essays

Gedanken-Gänge XIII – Krebserregendes Fleisch? oder: Es grüßt der Gesundheitswahn…

Ein weises Sprichwort besagt: „Was nicht tötet, härtet ab“!

Ob es nun bloßes Herunterspielen schlimmer Tatsachen oder das Scherzen über gewisse Dinge war, Fakt ist, heute ist wichtig, dass Es uns töten könnte – von Abhärtung will keiner mehr was wissen.

Ausgangspunkt zum heutigen Gedanken-Exkurs waren Meldungen aus der vergangenen Woche, nach denen Würstchen und Schinken, mehr noch als andere Fleischprodukte, krebserregend sein sollen. Die mitlesenden Veganer werden sich in ihrem Lebenswandel nun bestätigt fühlen und der eingefleischte Wurstesser wird fragen, ob das wirklich so bedenklich ist? Denn ‚früher‘, als noch kein Hahn nach Inhaltsstoffen, Nährwerten und Geschmacksverstärkern gekräht hat, sind wir auch nicht der Reihe nach tot umgefallen – etwas überspitzt? Egal!

Hat sich nach Lasagne mit Pferdefleisch, BSE und krebserregendem Schinken eigentlich je jemand einmal die Frage gestellt, ob diese Reinlichkeitskultur uns und vor allem unserem Organismus nicht sogar eher schaden könnte, als das es etwas nützt? Warum sind denn unsere Großeltern und Eltern so alt geworden. Wenn man das peinlich kleinliche Aufspüren nach Dingen, die nicht da zu sein haben, doch damals in dieser Form nicht praktiziert hatte, hätten sie doch gar nicht so lange (über)leben können, oder?

Woher kommen denn auf einmal diese ganzen Alergien und Unverträglichkeiten? Sind sie Ausgeburten der Nichteinhaltung der Reinheitsgebote oder leben wir nicht sogar am Ende doch viel zu gesund?

Schlimmer jedoch, als diese ‚Schreckensmeldung‘ und vor allem die daraufhin veröffentlichten Reaktionen, ist noch ein ganz anderes Thema. Wir haben es langsam verlernt, unser Essen zu genießen. Stattdessen müssen wir es, wie bei einem Medikament, bei dem man vorab genauestens die Packungsbeilage studiert, auseinandernehmen, analysieren und mit anderen ausdiskutieren: Wenn ich Hamburger mit Fritten um 14:30 Uhr zu mir nehme, darf ich dann heute Abend dann nur noch einen Salat essen? Darf ich um 14:30 Uhr oder ab 20:45 Uhr überhaupt noch etwas derartig fettiges zu mir nehmen? Darf ich heute überhaupt noch essen, nach dem ich gestern auf der Betriebsfeier richtig zugelangt habe?…

Gut – bei dieser Art der Diskussion spielt der immer noch anhaltende und immer stärker werdende Gesundheitswahn eine nicht mindere Rolle. Und Meldungen von Krebserregender Wurst und Schinken gießen – bildlich gesprochen – diesen Leuten nur noch mehr Öl ins Feuer…

Natürlich sollte man derartige Meldungen nicht ganz bei Seite wischen. Natürlich ist es gut, wenn jemand kontrolliert, ob auch das drin steckt, was auf der Verpackung steht – alles keine Frage. Nur sollte die Kirche dabei immer noch schön im Dorf bleiben. Denn sich ewig über Dinge Gedanken zu machen, die einen krank machen könnten, ist auf Dauer auch ungesund.