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Brauchen wir ein ‚blindenfreundlicheres‘ Fernsehangebot?

Wer kennt es nicht. Man sitzt im Kinosaal und schaut sich einen atemberaubenden Streifen an. Schnelle Kamerafahrten, aufwendige Special Effects und natürlich wieder der gut aussehende Hauptdarsteller sind zu bestaunen und bleiben prägend in Erinnerung (nicht umsonst verbinden wir mit einem Film als erstes einen der Darsteller). An zweiter Stelle rückt – vielleicht – der Ton mit all seinen Facetten. Angefangen beim Dialog zwischen zwei Figuren, bis hin zur begleitenden Filmmusik. Da aber der Sehsinn bis zu 80% der Wahrnehmung eines Menschen ausmacht ist es nur all zu verständlich, wenn die akustischen Eindrücke eher ins Hintertreffen geraten. Film ist nun mal ein audio-visuelles Medium, bei dessen Inhalt es mehr auf die Bilder und die visuellen Effekte ankommt, schließlich schauen wir einen Film und hören ihn nicht nur bloß… Aber ist dies wirklich so? Nicht umsonst schon erhielten in der Vergangenheit Filme Auszeichnungen für ihr Sound-Design oder die grandiose Filmmusik. Zudem hat sich in den letzten Jahrzehnten der neue Berufszweig des Sound-Designers beim Film herauskristallisiert. Nicht zu vergessen ist die Tatsache, dass sich Kino soundtechnisch in den letzten Jahrzehnten massiv weiterentwickelt hat und selbst im privaten Rahmen aufwendige Dolby Surround Anlagen für den Filmgenuss genutzt werden können.

In der Medienwissenschaft ist die Auseinandersetzung mit der Tonspur im Film unterrepräsentiert. Ton wird meist als gesamten Komplex verstanden, der im engen Zusammenhang mit dem Bild zu sehen ist. Es „geistert bis heute in filmwissenschaftlichen Texten das Vorurteil herum, dass Töne ohne das Bild ihrer Quelle nicht oder nur beschränkt identifiziert werden könnten, sogar in Texten, die sich ausschließlich mit der Tonspur befassen“ (Flückiger 2002: 111). Dies ist sehr bedenklich, da doch „Geräusche sehr viel direkter und präziser als Bilder in die für die Erregung von Gefühlen zuständigen Hirnregionen hineinzielen“ (Segeberg 2005: 10). Spinnt man den Faden weiter, so könnte man aus der bei Barbara Flückiger zitierten Aussage folgern, dass der Zuschauer einen Film nur dann richtig erfassen und verstehen kann, wenn er die Bilder vor Augen hat. Einen Film nur anhand seiner Tonspur zu erfassen wäre demnach eher ausgeschlossen.

Nicht umsonst gibt es seit vielen Jahren das Angebot der sog. „Audiodeskription“, welches sich gezielt an blinde Filmnutzer richtet. Hier werden, im Zweikanal-Verfahren, auf dem 2. Tonkanal die Bilder und Geschehnisse eines Filmes akustisch wiedergegeben. Im Kino können blinde Menschen inzwischen entweder auf Bildbeschreibungen via Infarotkopfhörer oder Mittels einer Neuen App („Greta“) zurückgreifen. Jedoch ist das Angebot an audiodeskriptivem Material Vergleich mit der Hülle und Fülle an Sendungen und Kinofilmen, spärlich gesät, bedenkt man die Vielfalt der Programm- und Kinoangebote und die somit unterschiedlichen Rezeptionsgewohnheiten der Zuschauer.

Aber es bedarf nicht unbedingt immer einer Bildbeschreibung, denn man kann einem Film sehr wohl nur entlang der Tonspur (ver)folgen. Dies setzt voraus, dass die Handlungen durch Dialoge, durch Aussagen, durch die Geräuschkulisse oder aber durch die Filmmusik ausreichend kommentiert werden. Die Tonspur ist zwar ein in der Wissenschaft etwas vernachlässigter Teil des gesamten Mediums Film, ist aber dennoch – allein schon durch die heutigen technischen Möglichkeiten des Sound-Designs – zu einem komplexen Gebilde herangewachsen. Was vereinfacht immer als „der Ton“ bezeichnet wird, ist ein Zusammenspiel aus Geräuschen, Dialogen und Musik (Bildton oder Fremdton), die auf aufwendige Art und Weise miteinander kombiniert bzw. zusammengefügt werden können. Vernachlässigt auf Grund der oben genannten Tatsache, dass Ton meist nur im Zusammenhang mit Bild zu sehen ist.

Seit einigen Jahren ist ein Trend zu beobachten, nach dem der Klangteppich eines Filmes oder der einer Fernsehserie sehr dicht ist. Dies bedeutet, dass er aus zahlreichen Geräuschen, Effekten, Tönen und Musik zusammengesetzt wird. Dies findet sich vor allem im Sektor des sog. „Quality TV“ wieder, zudem US-Amerikanische Krimi- und Profiler-Serien wie C.S.I. oder 24 zählen. Aber auch der Science Fiction Film weist Charakteristika auf. Das Unbekannte, das Künstliche und das Ungreifbare hörbar zu machen, ist eine Aufgabe, der sich in zahlreichen Filmen des Genres Sounddesigner stellen mussten. Gerade in diesem Bereich wird auf die sog. Generalisierung zurückgegriffen, hierunter versteht man stereotype akustische Darstellungen (z. B. Grillenzirpen bei Nacht).

Fragten 1999 Elmar Dosch und Bernd Benecke in einem Aufsatz zur Fernseh- und Hörfilmnutzung, ob das Fernsehen blindenfreundlicher werden soll (vgl Dosch/Benecke 2004), so stellt der Autor dieses Aufsatzes die eher umgekehrte Frage: Muss Fernsehen überhaupt blindenfreundlicher werden? Ist die Rezeption und Wahrnehmung von Fernsehinhalten nicht sogar weniger eine Frage des Angebots (hier in Form von Hörfilmen) als eine Frage der Mediensozialisierung (Fern sehen lernen)?

Diese Frage soll im folgenden kurz umrissen werden. Erfahrungen aus der eigenen Fernseh- und Filmrezeption des Autors sowie ein Modell zur Tonspurenanalyse beim Spielfilm (Flückiger 2002) dienen hierfür als Grundlage.

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Bloß kein falsches Wort! Über die Berührungsängste gegenüber blinden Menschen

Den folgenden Text habe ich vor einigen Jahren bereits in einer Textsammlung auf meiner Homepage veröffentlicht gehabt. Es war zudem mein erster, größerer Schreibversuch, was Artikels und Essays anbelangt. Ein Teil meiner alten Texte veröffentliche ich jedoch nach und nach auch hier, in meinem Blog; denn sie sind viel zu schade, um einfach im „Archiv“, in hintersten Winkeln einer Website quasi zu verstauben und nicht mehr gelesen zu werden…

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Gedanken-Gänge XI – Niemand sagt uns, was wir können, außer wir selbst!

Manchmal frage ich mich, in was für einer Welt ich hier eigentlich lebe? Warum ich mir immer und immer wieder von Sehenden sagen lassen muss, was ich als Blinder kann, wozu ich, trotz fehlenden Augenlichts, in der Lage bin, was ich leisten kann und was für mich machbar ist? Warum meinen Sehende uns einschätzen zu können? Sie beurteilen zumeist doch eh nur die Situation anhand ihrer Sehend-Erfahrung und schneidern sich daraus ihre Vorstellungen, wie es sein könnte, wenn man Situation X blind durch-/erlebt.

Viele unterstützen meine Einstellung. Viele tun dies jedoch auch nicht. Sie glauben, sie wüssten, wie der Hase eines Blinden läuft. Sie wüssten, was für mich das beste sei und sie finden es scheinbar unverantwortlich, wenn ich mich den ungeschriebenen Gesetzen nicht unterordne und einfach mein Ding durchziehe.

Es gäbe so viele Beispiele, die man jetzt hätte anführen können… Ich erspare mir dieses gebeetsmühlenartige Aufzählen jedoch und gebe Euch nur einen kleinen Satz als Fazit, über den Ihr Sehenden da draußen einmal nachdenken könnt:

Wenn Ihr glaubt, uns sagen zu dürfen, was wir können und was nicht, dann werden wir Euch zukünftig auch vorschreiben, welche Musik, welcher Lärm, allgemein was für Eure Ohren das beste ist! Denn laut Euch sind wir ja die Meister des Hörens und könnten somit ja einmal genau so urteilen, wie Ihr es so oft versucht…

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Blind durch den Allgäu Skyline Park – Ein Testbericht

Kann man als Blinder in Deutschland Freizeitparks uneingeschränkt nutzen?

Dieser Frage versuche ich derzeit im Rahmen einer Recherche für einen neuen Artikel nachzugehen. Vorab nur so viel: Leider ist es blinden Besuchern nur in sehr wenigen Parks gestattet, die Fahrattraktionen auch ohne sehende Begleitung uneingeschränkt zu nutzen. Zu einem dieser Vertreter zählt der Allgäu Skyline Park, welchen ich am vergangenen Wochenende mit Unterstützung von parkerlebnis.de getestet habe.

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Fünf Tage Jekaterinburg – Ein Reisebericht

Ein paar Worte zur Vorgeschichte

White Cane NGO ist eine in Jekaterinburg ansässige Organisation, welche seit einigen Jahren Veranstaltungen, Kurse und Events zur Integration und Inklusion von Menschen mit Handikap durchführt. Hierzu zählen auch die „International Inclusive Games“, welche einmal im Quartal stattfinden und vor allem junge Leute animieren sollen, sich in sozialen Projekten zu beteiligen.

Die Botschaft, die dabei jedoch auch vermittelt werden soll, ist, dass wir als Menschen mit Handikap unsere Ziele genau so erreichen können, wie andere Menschen auch und wir gleiches zu leisten in der Lage sind.

Teil der „Inclusive Games“ sind auch künstlerische Darbietungen, ob nun von Malern, Fotografen, Musikern oder Tänzern.

Ich hatte mich vor meiner Skandinavien-Reise auf eine Ausschreibung für das im Mai stattfindende „Inclusive Game“ als blinder DJ beworben, denn ich fühlte mich vom Konzept angesprochen und nahm sogleich Kontakt auf. Ich hatte ehrlichgesagt mit einer Absage gerechnet, denn laut Ausschreibung sah es eher danach aus, als würde man „richtige“ Musiker suchen und keinen DJ… Jedoch falsch gedacht! Gerade weil sich die Veranstaltung an junge Menschen richtet, fand man die Idee, die Konzertveranstaltung mit einem DJ abzuschließen, mehr als passend

und so wurde ich von Oleg, dem Organisator des Events, kurzer Hand nach Jekaterinburg eingeladen. Flug, Hotel, Visum und alle weiteren anfallenden Kosten würden vom Verein und den Sponsoren der Veranstaltung getragen werden. Außerdem war ich noch nie in Russland gewesen.

Da ich neben meinem DJ-Auftritt auch die Möglichkeit bekam, mir die Stadt anzuschauen, durfte auch dieses mal der Fotoapparat nicht fehlen! Darum auch hier wieder meine Empfehlung, sich auch die Bilder und vor allem auch die Videos anzuschauen.

 

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Zehn Tage (blind durch) Skandinavien – Ein Reisebericht

Karfreitag 2014 machte ich mich auf die Socken zu einer für mich bis dato einmaligen, langen Rundreise. Gleich drei Länder, gleich drei Städte standen auf dem Programm und wollten erkundet werden. Und das ganze noch ohne sehende Begleitung und oftmals auch ohne eine hundertprozentige, vorherige Ausarbeitung meiner Aktivitäten vor Ort.

In diesem Beitrag könnt Ihr mich auf meiner Reise durch Norwegen, Schweden und Dänemark begleiten. Wir besuchen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Oslo, Stockholm und Kopenhagen und lernen interessante Menschen kennen.

Doch was wäre ein Urlaubsbericht ohne Urlaubsfotos? Begleitend zu meinem Reisebericht empfehle ich, sich parallel die von mir selbstgeschossenen Bilder und Videos anzuschauen.

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Blind und Filmen bzw. Fotografieren – Ein Ding der Unmöglichkeit?

[Weiter zu meinen Bildern]

Etwas, was sich, auf dem ersten Blick, scheinbar auszuschließen scheint. Denn man filmt und fotografiert ja schließlich etwas, das einem (visuell) anspricht, beeindruckt, überzeugt. Doch ist dem wirklich so?

Wo sehende Touristen und Videofilmer etwas festhalten, das sie visuell beeindruckt und fasziniert, versuche ich, die Dinge und Orte zu fotografieren und zu filmen, die mich ganzheitig beeindrucken. Sei es die Atmosphäre eines Ortes – etwas, das sich oftmals eh schwer „nur“ in Worte fassen lässt -,, die Beschaffenheit einer Statue (weil sie sich gut anfässt und somit aus meiner „Sicht“ interessant aussieht) etc.

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Gedanken-Gänge: „Der Glaube kann Berge versetzen“… Wir können dies jedoch auch! Nachlese zu einem älteren Blogeintrag

Vor längerer Zeit berichtete ich in diesem Beitrag von einer Begegnung mit einem Menschen, der mich von der heilenden Kraft Gottes überzeugen wollte. Heiko Kunert griff dieses Thema auf und veröffentlichte im März zwei Artikel zum Thema Blindheit und Glaube, welche an dieser Stelle Euch wärmstens ans Herz gelegt seien!

Blindheit und der Glaube an die Wunderheilung auf BlindPR bzw. Teil 2

Der für mich wichtigste Satz bzw. die im Text gestellten, sehr wichtigen Fragen, seien an dieser Stelle zitiert:
„Warum gibt es „Menschen mit Behinderungen, die sich an dieser stören“? Ist nicht ein Hauptgrund hierfür, dass sie sich hilflos fühlen und von der Gesellschaft ausgegrenzt? Geht es wirklich um den Menschen mit Behinderung oder nicht doch viel mehr darum, eine Gesellschaft zu schaffen, in der sich behinderte Menschen gleichwertig fühlen können?“

Darüber sollten wir, ob nun behindert oder nicht-behindert, einmal nachdenken. Gerade, wenn wir wieder einmal Wissenschaftler und Ärzte so in den Himmel loben, wenn sie sich wieder etwas ausgedacht haben, das uns Blinde ein stück weit „sehend“ machen könnte. Denn im übertragenen Sinne könnten diese assistiven Technologien doch auch als eine Art „Wunderheilung“ verstanden werden?

Wir verlernen es, mit uns umzugehen und uns zu akzeptieren. Man nehme z. B. das langsam leidige und von mir auch schon oft herangezogene Thema der ‚molligen Menschen‘. Medial gern verwertet, jedoch zumeist mit negativen Eigenschaften besetzt, ist Molligsein etwas, das es zu beseitigen gilt, um das eigene Wohlbefinden zu stärken.

Dies lässt sich aber auch sehr gut auf uns Blinde und unsere Blindheit übertragen: Denn immer wieder wird uns vorgehalten, was wir nicht können – nämlich sehen – und welche Einschränkungen im Alltag daraus resultieren. Doch ist dies wirklich so? Oder nehmen sich die Nichtgehandikapten nicht eher das Recht heraus, uns sagen zu dürfen, was wir wirklich können und was nicht?

Sind Blindheit, Gehörlosigkeit oder Gelähmtsein wirklich noch so verwerflich, dass wir unbedingt nach einem Leben ohne Handikap streben und somit nach der angebotenen (Wunder-)Heilung greifen sollten? Oder geht es uns wirklich so schlecht und ich für meinen Teil habs bloß noch nicht be-/gemerkt…

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Gedanken-Gänge X – Bei (Sicherheits-)Risiken und Nebenwirkungen… oder: Brauchen wir wirklich mehr „Barrierefreiheit“?

In einer Diskussion mit russischen Blinden wurde ich vor kurzem gefragt, was eigentlich Barrierefreiheit bedeutet. Wann ist ein Ort, ein Platz, ein Dokument barrierefrei?

In Deutscher Manier stürzte ich mich sogleich auf die vorherrschenden Definitionen und Regelungen und erklärte, dass ein Ort dann barrierefrei ist, wenn es Menschen mit unterschiedlichen Belangen (z. B. Handikaps) möglich ist, diesen aufzusuchen. Wenn es z. B. einen Fahrstuhl gibt, in dem sogar die Tasten noch mit Großdruck oder Blindenschrift versehen sind, wenn es an einem Bahnsteig z. B. ein Leitsystem gibt, welches mit dem Blindenstock erfasst werden kann, oder, im Falle von Dokumenten und Inhalten, wenn sie ebenfalls so aufbereitet wurden, dass sie für verschiedenste Personengruppen uneingeschränkt nutzbar sind.

Man widersprach mir mit Nachdruck und fragte, warum ich Barrierefreiheit so ausschließlich an den örtlichen Gegebenheiten festmachen würde? Nach ihrer Auffassung sei ein Platz, ein Ort oder was auch immer dann barrierefrei, wenn jemand mit Einschränkung es nutzt und es ist dabei egal, wie er es nutzt. Wenn ein Rollifahrer trotz Bürgersteige und der Blinde ohne akustischem Ampelsignal die Straße überquert und beide somit an ihr Ziel gelangen, wenn jemand mit Hilfe ein Dokument vorgelesen bekommt und/oder ausfüllt, wenn sich ein Blinder in einem Restaurant die Speisekarte vorlesen lässt, weil’s keine Karte in Blindenschrift gibt, sind doch all diese Dinge im Grunde barrierefrei. Die Ziele wurden doch erreicht, sonst wäre es nicht barrierefrei!

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Gedanken-Gänge IX – Datenklau Revisited oder: Verstecke sich, wer kann!

Eine Botschaft erschütterte die Netzwelt: Facebook hat den Messaging-Service „WhatsApp“ für viel Geld aufgekauft. Nun fürchten alle wieder um ihre Daten, Nachrichten und Bilder, die sie zuvor via WhatsApp ausgetauscht und versendet hatten.
Doch ist die nun wieder aufbrandende Hysterie wirklich begründet? Müssen wir fürchten, dass wir noch gläserner werden und noch mehr unserer Privatsphäre flöten geht?

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Gedanken-Gänge VIII – Der Glaube kann Berge versetzen… Doch sehen können wir durch ihn noch lange nicht

Es gibt so viele Dinge, an die wir glauben können – und es gibt genau so viele Menschen, die genau das tun: Sie glauben einfach an das Gute im Menschen, an ein Leben nach dem Tod, an Götter, Vorhersehungen, Außerirdische… und die Liste könnte so weiter gehen.

Einmal, es ist schon etwas länger her, begegnete mir jemand auf der Straße, der im festen Glauben war, dass ich, durch sein Zutun, durch Gebete und den festen Glauben an Gottes Macht, wieder sehen könnte. Ob dies nun eher im übertragenen Sinne gemeint war lassen wir mal außen vor.

Der gute Mann ließ sich nicht beirren und er wollte mich nicht mit dem Irrtum gehen lassen, dass genau dies einmal eintreffen sollte. Er bat mich, mir seine Hand auf meine Augen legen und dabei ein Gebet sprechen zu dürfen.

Und in so einer Situation stehste da, überlegst, ob du ihn – entschuldigt die flapsige Wortwahl – zum Teufel jagen oder ihn einfach tun und reden lassen sollst? Sollte ich es also über mich ergehen lassen oder sein „Angebot“ bestimmt, aber freundlich, ablehnen?

Solche und ähnliche Ansprachen habe ich in der Vergangenheit schon des öfteren erlebt. Einer der wohl hartnäckigsten Vertreter war jemand von den Zeugen Jehovas gewesen, den ich etwas energischer in seine Schranken weisen musste. Der Kerl war so gut vorbereitet gewesen auf seinen Besuch, dass er damals sogar diesen – ach, wie heißt noch mal diese von denen herausgegebene Zeitschrift? – naja auf jeden Fall dieses Blatt in Blindenschrift besorgt hatte… Aaaaber, ich schweife vom Thema ab!

Ich habe sein Angebot freundlich abgelehnt. Ich müsse an die Macht Gottes glauben, war seine Antwort. Nun, ich glaube, dass es dort draußen etwas gibt, etwas, das unser Leben bestimmt. Ob es/er/sie nun „Gott“ heißen mag oder sonst wie…

Und dieses „Etwas“ hat gewollt, dass ich nicht sehen kann – war meine Antwort. Doch davon wollte er nichts hören.

Es gibt diesen schönen Spruch, dass der Glaube Berge versetzen kann. Richtig, das mag stimmen. Aber sehen können werden wir dadurch noch lange nicht.

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Blindheit als Aushängeschild und Marketingstrategie

Am zweiten Januarwochenende findet auch in diesem Jahr wieder die Wolfsburger Hochzeitsmesse im Kongresspark statt. Und wie auch schon in den vergangenen drei Jahren, stellt sich wieder die spannende Frage: Wie präsentiert man sich bzw. seine Dienstleistung am besten auf der Messe?

Bei meinem ersten Messebesuch 2011 führte ich eine sehr interessante und anregende Diskussion mit dem Veranstalter darüber, ob man als blinder DJ sein Handikap zu Marketingzwecke gebrauchen sollte.

Der Artikel wurde von mir nochmals überarbeitet und ergänzt. Hier geht’s weiter!

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Gedanken-Gänge VII – Braucht ein DJ seinen festen Style?

Als Künstler, Band und auch als DJ muss man wiedererkennbar sein. Man braucht also einen festen „Style“, der mit dem eigenen Namen verbunden werden kann.

Etwas, was mich als DJ jedoch definitiv stört! Beim Erstellen meines Podcasts „Electronic Voyage“ achte ich meist darauf, jede Episode stilistisch anders zu gestalten. Kein wöchentliches House- oder Trance-Mixtape, denn so vielfältig wie mein Musikgeschmack ist, so vielfältig sollte auch der von mir erstellte Podcast sein. Ein Fehler?

Wenn man Zuhörer finden und mit seiner Arbeit Erfolg haben möchte, so scheint diese Vorgehensweise ein Fehler zu sein. Warum ich mich nicht auf ein, vielleicht zwei oder drei, Musikrichtungen innerhalb der elektronischen Musik festlegen könnte, so wie es eigentlich alle meine DJ-Kollegen tun? Warum das machen, was alle machen! – ist hier meist meine Antwort.

Dieses Sich Festlegen und Anpassen Müssen ist auch nur ein Problem der von Kommerz und Vergleichbarkeit geprägten Musiklandschaft. Wenn ein DJ und Produzent, der sich in seinem Bereich bereits einen Namen machen konnte, mal etwas Neues ausprobieren möchte, etwas abseits seines sonst üblichen Styles, so braucht er gleich einen neuen Namen, ein Pseudonym, denn mit seinem eigentlichen Projektnamen werden ja schließlich andere Klänge verknüpft. Aber warum denken gerade Produzenten und DJ’s in der elektronischen Musikszenerie so äußerst eindimensional? Hat es nicht in der Rock- und Popgeschichte schon zahlreiche Künstler gegeben, die innerhalb ihrer Schaffenszeit ihren Stil komplett überarbeitet haben (man denke z. B. an die einst als EBM-Formation gestarteten Apoptygma Berzerk, die heute eher seichten Synthrock produzieren)? Oder sollte das etwa nur bloße Anpassungsfähigkeit an die Hörgewohnheiten und -Wünsche der Hörer sein, so wie ja auch viele DJ’s musikalisch sich immer und immer wieder anpassen, um auf der Mainstreamwelle mitzuschwimmen? Sie ändern ja auch schließlich somit alle Jahre wieder ihren Style und nimmt man ihre gesamten, verschiedenen musikalischen Ausprägungen zusammen, so erhält man oftmals eine gleiche Vielfalt, nur dass diese im Grunde aktuell nicht mehr praktiziert wird, da man sich ja letzten Endes auf eine Sache konzentrieren soll.

Der Style eines DJ’s scheint aber auch eine Frage der Musik zu sein, die charttechnisch oder regional derzeit angesagt ist. Demnach müsste ich hier in Hamburg wohl eher Minimal House und Techno spielen, in hinblick auf die derzeitigen kommerziellen Hörgewohnheiten Bigroom House mit ein wenig Progressive Trance oder Dubstep. Musikrichtungen wie Hardstyle oder Happy Hardcore, das, was also z. T. eher als Kirmes- und Kindertechno abgewertet wird, ist hier in Deutschland eher verpönt.

Ich schwimme schon auf der großen Welle mit – dies tue ich dann, wenn ich auf Hochzeiten und Geburtstagen auflege. Dort ist es jedoch voll legitim, bestimmen doch hier die Auftraggeber den Großteil der gespielten Musikrichtungen. Aber auch hier bewahre ich mir meine Vielfalt und spiele den ganzen Abend nicht nur Schlager und 80er.

Im privaten Rahmen – und einen Podcast und eine Radiosendung zähle ich mal dazu – muss ich mich jedoch nicht an den allgemein vorherrschenden Vorlieben und Hörgewohnheiten richten. Ich produziere DJ-Mixe, weil es mir Spaß macht, weil ich anderen Interessierten die Musik näher bringen möchte und nicht, weil ich die große Masse der Clubgänger begeistern will.

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Gedanken-Gänge VI – Über „richtige Männer“

In den 1980ern sang Herbert Grönemeyer die berechtigte Frage: „Wann ist ein Mann ein Mann“? In seinem Song „Männer“ sammelte er sämtliche Dinge, die, übertrieben oder nicht, einen Mann auszeichnen würden. Passend dazu hört man auch oft von vielen Frauen, dass sie sich einen „richtigen Mann“ an ihrer Seite wünschen… Gerade dies wirft die Frage auf: Wer oder was sind diese „richtigen“ Männer?
Sind „richtige“ Männer Machos oder zumindest Männer mit harter Schale und weichem Kern, so wie auch Grönemeyer sie besang?

Wer erinnert sich nicht an seine Kindheit und an die oft gehörten Sprüche wie: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ oder das oft gepredigte Klischee, dass Jungs (angeblich) nicht weinen. Sind dies die ersten Erziehungsmaßnahmen zum richtigen Mann?

Wenn richtige Männer nicht weinen, stark und dennoch emotional sein sollen, wenn sie groß sein sollen, mit starker Schulter zum Anlehnen, dann stellt sich mir die Frage, was dann eigentlich das Pendant dazu ist?

Und wenn diese und viele weitere Dinge den „richtigen“ Mann auszeichnen, was ist, wenn eine Frau in ihrer Kindheit, anstatt mit Puppen, lieber mit Autos gespielt hat? Wenn sie, anstatt die Elternzeit zuhause zu verbringen, dies ihrem Mann überlässt? Wenn sie zur Bundeswehr gehen will? Wenn sie Horrorfilme liebt und Liebesschnulzen hasst? Wenn sie nicht gerne Röcke und Kleider trägt? Wenn sie sich nicht schminkt? Wenn sie nach „außen hart und innen ganz weich“ ist? Ist bei ihr dann irgendetwas schief gelaufen? Ist sie dann nicht mehr eine „richtige“ Frau, so wie der Mann, der nicht zur Bundeswehr gegangen ist, der an stelle seiner Frau das Kind Hütet, der einen Actionstreifen verschmät, der gern sein Haar lang trägt, der Gefühle zeigt…, kein „richtiger“ Mann (mehr) ist?

Gerade in jungen Jahren versuchen wir zu sein wie die Anderen, so wie man es uns vorgibt und vorlebt, mit all den bekannten Geschlechterklischees und Stereotypen. Und wenn wir von alledem abweichen?

Die Antwort darauf ist einfach: Wir sind, so wie wir sind. Und das allein ist richtig.

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Gedanken-Gänge V: Blindheit – eine Behinderung? Eine Einschränkung? Oder einfach das, was man daraus macht?!

Erst neulich führte ich wieder die unnötige Diskussion, was blind zu sein eigentlich bedeutet. Unnötig, weil sich die sehende Person, mit der ich diskutierte, partout nicht von ihrem Standpunkt abbringen ließ. Blindheit sei definitiv eine Einschränkung, so wie viele andere Behinderungen auch – bekam ich zu hören, leider auch wieder mit diesem leicht mitleidigen Unterton.

Aber was bedeutet Einschränkung. Was bedeutet es für einen selbst, ein Handikap zu haben und damit umzugehen?

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Wann ich merkte, dass ich blind bin?

Eine Frage, die ebenfalls von Sehenden recht häufig gestellt wird. Hört man genauer hin und hinterfragt ein wenig, so bemerkt man auch sehr schnell diesen Ängstlichen Unterton, als würden sie vermuten, man hätte eine so schwere Kindheit gehabt, weil Kinder so grausam sein und einen aufgrund der Blindheit doch hänseln könnten… Schließlich, so vermuten ja viele (Sehende), lebt man als Blinder in seiner ganz „eigenen Welt“ und führt ein ganz „anderes Leben“…

Dies veranlasste mich zu diesem Beitrag, ein kleiner Sprung in meine eigene Vergangenheit.

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Gedanken-Gänge IV – Die Sechste Jahreszeit: Über den Fußball-Karneval

Alle zwei Jahre wieder … nein, da kommt nicht das Christuskind, auch nicht die medial hochgepushte Grippewelle, ein Lebensmittelskandal oder dergleichen. Alle zwei Jahre wieder, beginnt die sechste Jahreszeit!

Moment, Moment, sechs Jahreszeiten? Frühling, Sommer, Herbst, Winter, Karneval… und dann?

Immer auf einer graden Jahreszahl, meist zur Sommerzeit, beginnt sie, die Fußball-Welt- oder -Europameisterschaft. Die Narren und Närrinnen sind in diesen ein/zwei Monaten außer Rand und Band und das bloß nur, weil das Runde in das Eckige muss und einer am Ende verlieren wird?

Aber ist es nicht so? Eine Fußball-Meisterschaft, ob nun EM oder WM, gilt für viele als Ausnahmezustand und sorgt auch für selbigem. Wo man sich tagsüber auf der Arbeit, Abends mit Freunden, am Telefon mit alten Klassenkameraden noch „normal“ unterhalten konnte, herrscht während der sechsten Jahreszeit vieler Orts ein Ausnahmezustand, der von Nicht-WM-Fans nur schwer nachzuvollziehen ist. Wie gebannt sitzt man vor den Fernsehschirmen oder der nächstbesten Großleinwand. Wie hypnotisiert verfolgt man das Geschehen der heimischen Mannschaft und wie beim Karneval trifft man sich nach gewonnenem Spiel auf den Straßen, um ausgelassen zu grölen, zu hupen und zu feiern. Daher darf eine Fußball-Weltmeisterschaft den Vergleich mit der vor allem in westlichen Gefilden so gefeierten Karnevalszeit nicht scheuen. Der Bierkonsum steigt, die Stimmung ist ausgelassener denn je und scheinbar vorhandene Probleme im eigenen Land werden, zumindest für einen kurzen Zeitraum, bei Seite geschoben, sind medial oftmals gar nicht mehr so präsent. Denn es gibt viel wichtigeres, über das es sich lohnt zu reden, zu debattieren und zu berichten.

Der Fußball-Karneval erhält auch im kommenden Jahr wieder Einzug in unsere Häuser. Viele sind derweil nicht mehr ansprechbar, sie sind wie in Trance und dem Fußball-Wahn verfallen. Werden wir es nächstes Jahr schaffen? oder werden wir es auch dieses mal wieder vergeigen? Eigentlich egal. Das, was am Ende zählt, ist das Gefühl der Zugehörigkeit, das „Wir“-Gefühl, das viele verspüren, auch wenn sie sonst überhaupt keine Fußball-Gucker sind. Erstaunlich, oder? Wie stark doch eine Weltmeisterschaft es schafft, Menschen und ihre Einstellung zum Sport zu (ver)ändern? Oder geht es wirklich nur um das gemeinsame Zelebrieren eines besonderen Ereignisses? Ist unser Leben inzwischen so deprimierend, dass wir zum Feiern uns nur alle zwei Jahre aus dem Kämmerlein trauen, um wieder einmal ausgelassen Party zu machen? Wenn dem so ist, so ist dies kein Zustand, den man begrüßen sollte, sondern eher ein Armutszeugnis.

Verwunderlich ist in diesem Zusammenhang übrigens, dass diese Feierei ausschließlich dem Männerfußball vorenthalten ist. Wenn die Frauen spielen und dann am Ende noch gewinnen, so wird dies mit einem Augenzwinkern scheinbar hingenommen; feiern und auf die Straßen gehen tut deswegen jedoch niemand.

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Wer sucht, der lässt finden: Kommentar zur Sendung „Julia Leischik sucht: Bitte melde dich“ auf Sat.1

War es Langeweile? Neugier? Oder irgendwas dazwischen, das mich dazu bewog, mir die Sendung „Julia Leischik sucht: Bitte melde dich“ auf Sat.1 anzuschauen?

Vielleicht war es auch nur der Wunsch, nach langem mal wieder eine Fernsehkritik für meinen Blog zu verfassen!

Also, here we go!

Das Konzept dieser noch von RTL bekannten Sendung ist schnell erklärt: Claus sucht Claudia, mit der er vor Urzeiten zur Schule gegangen ist. Da die Suche via Internet entweder zu schwer oder schlichtweg zu unspektakulär war, beschloss Claus, sich an Sat.1 zu wenden, um nach seiner Claudia suchen zu lassen. Julia Leischik, immer bemüht, den Wiedersehenswünschen ihrer Sendungsteilnehmer gerecht zu werden, macht sich auf die Socken nach London, Shanghai oder Hintertupfingen, um die gesuchte Person zu finden.

So viel, so gut.

Das von Sat.1 übernommene Konzept wurde zuvor sehr erfolgreich im Vorabendprogramm von RTL unter dem Titel „Vermisst“ ausgestrahlt und ist auch jetzt noch, nur mit anderer Moderatorin, im Programm vorhanden. Nach einer Neuauflage von „Verzeih mir“, ebenfalls unter der Schirmherrschaft von Julia Leischik, geht Frau Leischik nun für den Konkurrenzsender auf die oftmals weltweite Suche nach vermissten Familienmitgliedern, Freunden oder Bekannten.

In einer Sendung werden zumeist zwei Personen vorgestellt, die, oftmals nach großen, emotionalen Schicksalsschlägen, einen geliebten Menschen verloren haben und diesen nun wiederfinden wollen.

Julia Leischik recherchiert und begibt sich auf die Suche. Diese führt sie nicht gerade selten über Deutschlands Grenzen hinaus. Ob nun ganz Europa, Nordamerika, Afrika oder Indien, kein Weg ist ihr und ihrem Kamerateam zu weit, kein Aufwand zu groß. Mit Hilfe von ortskundigen Dolmetschern findet sie immer zum Ziel und zur gesuchten Person. Auffällig ist, mit welcher Leichtigkeit ihr diese Suche oftmals gelingt. Denn auch wenn sie den halben Globus bereist, unzählige Menschen befragt und es zunächst den Anschein hat, als würde ihre Suche ergebnislos ausgehen, endet die Suche meist mit einem Happy End. Nicht nur das. Die Gesuchten und Vermissten treffen sich unter Tränen nach Jahren wieder und bekunden, sich so nacheinander gesehnt und so oft aneinander gedacht zu haben. Opium fürs Volk, Tränen für die Quote.

Doch so emotional die Wiedersehensszenen auch sind und so sehr man als Zuschauer auch mitfiebert und sich für die Gäste der Sendung freut, so bleibt, bei mir zumindest, ein leicht fader Nachgeschmack.

Wenn sich zwei Menschen so nacheinander sehnen, sich aus den Augen verloren haben und so weit voneinander entfernt sind, warum haben sie dann nicht schon vorher begonnen, nacheinander zu suchen? Im Zeitalter der Globalisierung und des Internets sollte die Personenrecherche weniger schwierig sein, als noch in den 1990er Jahren, in denen die privattelevisionäre Suche nach Vermissten mit der Sendung „Bitte melde dich!“ ihren Ursprung fand. Denn hier war man wirklich noch auf das Zutun von Fernsehzuschauern angewiesen, die die vermissten Personen kannten und etwas zur Suche beitragen konnten.

Natürlich fehlen vielen die Mittel, sich in anderen Ländern auf die Personensuche zu begeben, so dass die Suche Mittels Fernsehen der einzig mögliche Ausweg scheint. Doch fragt man sich, wollen wirklich alle gezeigten Menschen sich wirklich wiedersehen? Oder werden uns die Aufnahmen, in denen ein Treffen abgelehnt wird, vorenthalten, um den Schein zu wahren und um den Erwartungen der Zuschauer nach tränenreichen Wiedersehens-Szenarien gerecht zu werden?

Gleiches fragt man sich bei der ach so spontanen Art, wie Julia Leischik Stadt und Land bereist. Das Drehen in öffentlichen Gebäuden, die Aufnahme von Personen, bedürfen doch einer Zustimmung? Nur selten lehnt jemand das Mitschneiden des Gesprächs ab, meistens jedoch wird das Vorhandensein der Kameras gar nicht weiter erwähnt. Hier scheinen vorab Absprachen erfolgt zu sein, sonst begäbe sich die Produktionsfirma auch auf rechtlich sehr dünnes Eis. Aus einer Real Docu Soap wird somit eine Mixtur aus realistischem und vorher gescriptetem, abgesprochenem Inhalt. Die Art, wie Passanten, Kneipenbesitzer, Beamte oder Freunde der Gesuchten in die Kamera sprechen und auf Julia Leischiks Fragen reagieren, lassen dies erahnen.

Das vermeintlich spontane, dennoch gestelzt wirkende Gespräch kennt man auch aus anderen Reality Shows, allen voran „Bauer sucht Frau“ oder „Schwiegertochter gesucht“ oder der scheinbar vollgescripteten Soap „Frauentausch“.

In welche Kategorie sich „Julia Leischik sucht“ einordnen lässt, ob nun zum Großteil realistisch oder eher gescriptet, lässt sich nur vermuten.

Dennoch geht das Konzept, mit viel Schicksal und Tränen die Zuschauer emotional zu fesseln, zu begeistern und zu (be)rühren auf. Nicht umsonst haben gleich zwei Privatsender ähnliche Formate im Programm (auch wenn derzeit die Sendung „Vermisst“ auf RTL pausiert).

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Gedanken-Gänge III: Duzen oder Siezen – Notwendige Umgangsform oder überflüssiger, alter Tobak?

Es gehört zum „guten Umgangston“, wenn man sich, entweder, weil man sich noch nicht lange kennt oder, weil es der Berufsalltag erfordert, siezt. Aber warum? Ist das Sie wirklich erforderlich oder ist es eher ein Relikt aus urdeutscher Korrektheit?

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Testbericht zu Braun °CoolTec CT2CC

Im Rahmen eines TRND-Testprojekts (auf www.trnd.com) bekam ich die Möglichkeit, gemeinsam mit 499 anderen Testern Brauns neuestes Flagschiff in Sachen Rasur ausgiebig auszuprobieren. Der folgende Testbericht entstand im Rahmen dieses Projekts.